Magazinrundschau

Im Namen des Guten

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
03.03.2026. Die New York Times bringt eine erschütternde Recherche zu den Toten der iranischen Proteste vom Anfang des Jahres. Wie es im Iran nach dem Tod Ali Khameneis weitergeht, entscheiden die Revolutionsgarden, meint der New Statesman. Und Wired fragt sich, welche Folgen der Krieg für Trump haben wird. New Lines sammelt die Stimmen von glücklich Geschiedenen in Mauretanien. Der New Yorker fragt sich, warum Shere Hite heute fast vergessen ist, deren Report erstmals erklärte, wie amerikanische Frauen Sex mögen. In Atlantico erklärt der französische Intellektuelle Samuel Fitoussi, warum "Antifaschismus" ein kindischer Begriff ist.

New York Times (USA), 25.02.2026

Die New York Times bringt eine erschütternde Recherche zu den Toten der iranischen Proteste vom Anfang des Jahres - es handelt sich um eine wochenlange Arbeit, die noch vor den jüngsten Ereignissen geleistet wurde. "In den Tagen nach den blutigen Ausschreitungen, die am 8. und 9. Januar ihren Höhepunkt erreichten, kontaktierten wir Dutzende von Ärzten und Krankenschwestern, die im Iran arbeiten. Viele von ihnen hatten ebenfalls begonnen, still und leise zu dokumentieren, was sie sahen, während sie versuchten, den Demonstranten Hilfe zu leisten." Die Ärzte berichten von brutalster Gewalt. Ein Augenarzt sagt, er habe an einem Tag soviele schwerwiegende Augenoperationen vorgenommen wie andere Ärzte in ihrem ganzen Leben. Die Zahl der Toten lässt sich bis heute nicht genau bestimmen: "Die in Washington ansässige 'Human Rights Activists News Agency', die nur Opfer zählt, die sie identifizieren kann, hat mindestens 6.800 Todesfälle im Zusammenhang mit Protesten gemeldet, wobei weitere 11.744 Fälle noch untersucht werden. Andere Schätzungen gehen von einer viel höheren Zahl von Todesopfern aus. Der ehemalige Ankläger für Kriegsverbrechen der Vereinten Nationen, Payam Akhavan, glaubt, dass es sich um Zehntausende handeln könnte, basierend auf Berichten eines Netzwerks von Ärzten im Iran, die Krankenhausunterlagen sammeln, sowie auf dem Ausmaß und der geografischen Verbreitung der Tötungen." Damit ist das Trauma längst nicht ausreichend beschrieben, denn es gibt Zehntausende teilweise schwer Verletzte, Zehntausende Angehörige. Und "laut der Human Rights Activists News Agency wurden fast 54.000 iranische Demonstranten festgenommen. Die Inhaftierten werden oft unter überfüllten und unhygienischen Bedingungen festgehalten, ohne Zugang zu Anwälten, und mit Folter bedroht. Dutzende inhaftierte Demonstranten müssen mit Anklagen rechnen, die die Todesstrafe nach sich ziehen können."
Archiv: New York Times
Stichwörter: Iran, Iran Proteste 2026

New Statesman (UK), 02.03.2026

Wie geht es im Iran nach Ali Khameneis Tod weiter? Nicht amerikanische und israelische Bomben aus der Luft und auch nicht Proteste auf den Straßen werden darüber entscheiden, glaubt Saeid Jafari; vielmehr entscheidet sich die Zukunft des Landes an der Frage, ob die Revolutionsgarden weiterhin geschlossen hinter dem islamischen Regime stehen: "Wenn die Revolutionsgarden zusammenhalten, wird das Regime überleben. Doch sobald es erste Anzeichen von Zerfall gibt - Meinungsverschiedenheiten, nachlassende Loyalitäten, chaotische Befehlsstrukturen - könnte das Regime rasch stürzen. Die Einigkeit der Garden ist aufgrund der wirtschaftlichen Belastungen bereits brüchig. Krieg ist kostspielig, und die Sanktionen wiegen schwer. Das Regime könnte Schwierigkeiten haben, seine Sicherheitskräfte zu bezahlen, sodass die Loyalität ins Wanken geraten könnte. Doch solange das Regime seine Soldaten bezahlt, ist ein vollständiger Zusammenbruch eher unwahrscheinlich. Wenn die Garden geeint bleiben, ist kurzfristig nicht eine Liberalisierung, sondern vielmehr eine weitere Stärkung des Polizeistaats wahrscheinlich. Formal wird der Expertenrat einen neuen obersten Führer wählen. Doch im Krieg wird die faktische Macht bei den Sicherheitseliten liegen. Der klerikale Prozess mag zwar verfassungsgemäß durchgeführt werden, dürfte sich jedoch am Machtgleichgewicht innerhalb der Befehlsstrukturen orientieren. Schon vor dem Tod Khameneis war das iranische System tief mit den Revolutionsgarden, den Eliteeinheiten der iranischen Armee, verflochten. Der Tod des obersten Führers könnte einen Wandel beschleunigen, der bereits im Gange war: weg von einem klerikal dominierten hin zu einem sicherheitsdominierten System. Ein neuer oberster Führer könnte zwar formell rasch ernannt werden. Doch ob dieser tatsächlich eigenständig regiert oder faktisch unter der Kontrolle des militärischen Establishments steht, bleibt abzuwarten."

Ailbhe Rea beschäftigt sich derweil mit der Strategie des britischen Premiers Keir Starmer. Der hat nach einigem Zögern den Amerikaner die Nutzung britischer Militärbasen im Rahmen des Kriegs mit dem Iran erlaubt, allerdings nur für "defensive" Luftschläge auf iranische Raketenbasen. Eine Sprachregelung, die möglicherweise schon bald Geschichte sein könnte. "Wie lange wird die Unterscheidung zwischen 'defensiv' und offensiv Bestand haben? Sollte der Iran britisches Militärpersonal oder britische Stützpunkte auf Zypern oder anderswo angreifen, könnte Großbritannien schon bald sehr viel tiefer in den Konflikt hineingezogen werden." Hintergrund der vorsichtigen Haltung ist mindestens auch, glaubt Rea, die seinerzeit in Großbritannien ausgesprochen unpopuläre Entscheidung der Labour-Regierung Tony Blairs, sich am Irakkrieg der von George W. Bush geführten US-Regierung zu beteiligen: "Eine Labour-Regierung wurde bereits früher durch einen Konflikt im Nahen Osten schwer beschädigt, als sie darum rang, eine enge Beziehung zu den USA aufrechtzuerhalten und zugleich rechtlich vertretbare sowie strategisch sinnvolle Entscheidungen in der Region zu treffen - und sich dabei auch noch die Unterstützung der Öffentlichkeit zu sichern. Keir Starmer ist sich nur zu bewusst, dass Labour in dieser Hinsicht schon einmal gescheitert ist."
Archiv: New Statesman

New Lines Magazine (USA), 02.03.2026

Der Iran steht nicht am Rande einer Revolution, sondern am Rande der Erschöpfung, meint der israelische Nahostexperte Menahem Merhavy. "Im heutigen Iran sind Akte stillen Widerstands Teil des Alltags geworden. In den großen Städten des Landes sieht man unverhüllte Frauen an öffentlichen Orten. Protestlieder sind weit verbreitet. Die dramatischen Ereignisse von Ende Dezember und Januar mit erneuten Konfrontationen und einer gewaltsamen Reaktion des Staates haben das Gefühl der Krise noch verstärkt. Doch selbst in dieser Zeit erhöhter Spannungen gibt es keinen anhaltenden Massenaufstand, keine konsolidierte revolutionäre Führung, keinen klaren Bruch mit der politischen Ordnung, die das Land seit fast einem halben Jahrhundert regiert. Die Wahrheit könnte einfacher und beunruhigender sein. Der Iran steht keineswegs vor einem revolutionären Moment. Er tritt in eine längere Phase des politischen Niedergangs ein, in der die Macht fortbesteht, auch wenn die Legitimität schwindet, in der sich die Politik nicht durch dramatische Brüche, sondern durch Erosion entwickelt - zunächst langsam, dann, wie in den letzten Jahren, in immer schnellerem Tempo."

In Mauretanien gibt es ziemlich hohe Scheidungsraten, es ist normal, dass Frauen einen Mann nach wenigen Monaten wieder verlassen, wenn der es (zum Beispiel finanziell) nicht bringt, schildern Oliver Dunn und Josef Skrdlik in Newlines. Das Land ist islamisch geprägt, für viele ist die Ehe schlicht Voraussetzung, sich auch sexuell ausprobieren zu können. Die islamische Praxis der Sirriya, eine geheime Ehe, bietet da eine Art Schlupfloch, denn sie kann schon mit dem dreifachen Ausspruch des Satzes "Ich bin von dir geschieden" aufgelöst werden: "Samia, eine dreifache Mutter in ihren späten Zwanzigern, ist viermal geschieden, die letzten beiden Ehen waren Sirriya. Die geheimen Arrangements, beide haben nur ein oder zwei Monate gehalten, waren finanziell lukrativ - Goldarmbänder, Bargeld in Höhe von insgesamt 12 500 Dollar und ihre Miete wurde für ein Jahr bezahlt. Als nun freie Frau ist sie auf der Suche nach einem wettbewerbsfähigen Mann. 'Ich will jemanden, der ein Bossmann ist', sagt sie. 'Jemanden, der einen großen Schwanz hat, jemanden, der Moslem ist. Ich kann alle Sexstellungen.' Wird sie gefragt, ob sie sich ein eher lockeres Arrangement vorstellen kann - eines, das nicht durch einen Imam abgesegnet ist - ist ihre Antwort ein definitives Nein. 'Das wäre haram', betont sie. Der Bemerkung, dass eine Ehe auch durch Liebe zustande kommen könnte, wird mit ähnlichem Spott begegnet. 'Ich kann dein Herz nicht essen. Es wird mir keine Kleidung kaufen', gibt sie zu verstehen. Die Sicht auf Sirriya ist sehr unterschiedlich. Nech (eine weitere mauretanische geschiedene Frau, d. Red.) zum Beispiel sieht kaum einen Unterschied zwischen Sirriya und Prostitution. 'Ich habe einen Bild von einem Schwein gesehen, auf dem der Stempel halal prangte. Das ist das gleiche. Das macht es nicht halal', findet sie. Viele aber verteidigen diese Arrangements hartnäckig. Für Mohamed, einen lokaler Politiker, macht die Zustimmung des Imams den Unterschied:'Lockerer Sex und Sirriya, das sind komplett unterschiedliche Dinge.'"

Außerdem einen Blick wert: Phineas Rueckert besucht den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Kommunistischen Partei Chiles, Daniel Jadue, einen Chilenen palästinensischer Herkunft, der heute wegen Korruption angeklagt ist.

Elet es Irodalom (Ungarn), 27.02.2026

Der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál beleuchtet die Kommunikationsstrategien Viktor Orbáns in der Wahlkampagne für die anstehenden Parlamentswahlen im April in Ungarn. "Angesichts der Möglichkeit einer Wahlniederlage spricht Orbán nicht mehr über seine nahe Zukunft, sondern über die Zukunft der Zukunft, über die Rolle der Opposition, den folgenden Sieg und die Rückkehr zur Macht. Im zunehmenden Schatten der Niederlage kann er freier sprechen, ohne die Last eines zu gewinnenden Rennens - wie der Oppositionskandidat - zu tragen. Er kann es sich leisten, sein eigenes Déjà-vu vorzubereiten, sodass man irgendwann sagen kann: 'Er hatte es schon damals gesagt.' Teil dieser Kommunikationsstrategie ist es, sich das Vokabular der Großkapital- und Kriegsfeindlichkeit der Linken zu eigen zu machen. Denn obgleich die jeweilige Regierung über bessere Kommunikationsmittel verfügt, hat die Opposition immer den rhetorischen Vorteil, dass sie nicht die Verantwortung der Führung trägt und somit aus einer konfrontativen, kritischen Position heraus sprechen kann."

New Yorker (USA), 02.03.2026

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Shere Hite ist heute fast vergessen, obwohl sie in den 1970er Jahren millionenfach verkaufte Bücher zur weiblichen Sexualität vorgelegt hat. Margaret Talbot sieht für den New Yorker Nicole Newnhams Doku "The Disappearance of Shere Hite" und liest Rosa Campbells Buch "The Book that Taught the World to Orgasm and Then Disappeared" über eine Frau, die Sexualität immer im Zusammenhang mit den Geschlechterrollen im Großen und Ganzen gesehen hat und deren Werk vielleicht auch deswegen irgendwann dem Vergessen überantwortet wurde: "Für Hite war das Verständnis davon, wie Sex tatsächlich für Menschen funktioniert, oder auch nicht, Schlüssel, um Geschlechterrollen insgesamt besser zu verstehen. 'Die Rolle einer Frau beim Sex', schrieb sie, 'spiegelt ihre Rolle in der restlichen Gesellschaft'. Vielleicht, dachte sie, würde eine anonyme Umfrage ihr die Erkenntnisse liefern, nach denen sie suchte. Ab 1972 war Hite in Manhattan auf ihrem Motorrad unterwegs, ihr 'Vintage-Spitzenmantel flatterte hinter ihr her', wie Campbell schreibt, und hielt an, um Fragebögen an alle Frauen auszuteilen, die einen nehmen würden. Sie schickte Fragebögen an Zweigstellen von Frauenorganisationen und Frauenzentren von Universitäten und platzierte Hinweise darauf in Kirchen-Newslettern und Magazinen wie Mademoiselle und Bride's. Am Ende hat sie von mehr als 3000 Frauen aus fast allen Staaten Antworten bekommen. Abgesehen vom Auswahl-Bias war das ein beeindruckendes Ergebnis für eine FSK-18-Klausur, die niemand hätte schreiben müssen. Frauen haben Fragen zu allem, von ihren ersten sexuellen Erfahrungen bis zum Einfluss des Alterns auf ihr Sexleben, beantwortet. (…) Besonders augenöffnend im 'The Hite Report' war jedoch, dass siebzig Prozent der Frauen in ihrer Stichprobe bei heterosexuellem Sex nicht regelmäßig zum Orgasmus kamen, während diverse Formen klitoraler Stimulation, inklusive Masturbation, zuverlässig dazu führten. Dieses Ergebnis hat within dominante Annahmen auf den Kopf gestellt: Dass die Orgasmen von Frauen schwieriger zu erreichen und inherent schwächer wären als die von Männern und das sein ausbleibender vaginaler Orgasmus Zeichen einer neurotischen Blockade wären, die man am besten psychologisch behandeln sollte."

Weiteres: Jill Lepore graust es jetzt schon vor der 250-Jahr-Feier der Gründung der USA - ein Blick zurück auf deren Geschichte hilft auch nicht. Hilton Als besucht eine Ausstellung des französischen Fotografen Eugène Atget im International Center of Photography in New York. Justin Chang sah im Kino zwei Dokumentarfilme: Gianfranco Rosis "Pompei: Below the Clouds" and Werner Herzogs "Ghost Elephants".
Archiv: New Yorker

Atlantico (Frankreich), 25.02.2026

Das Bekenntnis zum "Antifaschismus" ist auch in Deutschland in Mode, ein Begriff der nicht viel besagt, da Antifaschisten nicht immer Demokraten waren und man nicht weiß, im Namen welcher Ideologie sie sich einer anderen entgegenstellen. Samuel Fitoussi, brillanter junger Intellektueller, der ein Buch über die Verführbarkeit der Intellektuellen geschrieben hat, findet diesen Begriff kindisch - und gerade darum nicht ungefährlich. Im Gespräch mit Atlantico führt er das aus: "Die extreme Linke denkt zum Teil wie ein kleines Kind. Faschismus ist schlecht, wir bezeichnen uns selbst als Antifaschisten, also sind wir gut. 'Es ist zwangsläufig binär', twitterte der LFI-Abgeordnete Antoine Léaumont, 'entweder ist man Faschist oder Antifaschist. Es gibt nichts dazwischen.' Mit dieser Argumentation kann man Wladimir Putin keine Vorwürfe mehr machen, der schließlich eine 'Entnazifizierungsaktion' in der Ukraine durchführt! Die extreme Linke vergisst die einzige Lehre der Geschichte: Das Böse wird immer von Erwachsenen begangen, die davon überzeugt sind, für eine bessere Welt zu kämpfen, und aus dieser Gewissheit die Rechtfertigung für ihre Gräueltaten ziehen. In Wirklichkeit glaubten die größten Verbrecher - ob rechts, links oder sogar Dschihadisten - sämtlich, im Namen des Guten zu handeln. 'Eine Hauptkunst der Menschen ist, moralische Motive für unehrliche Handlungen zu erfinden', bemerkte Jean-François Revel in seinen Memoiren. Deshalb sollte man einen Menschen nicht nach seiner Meinung über sich selbst beurteilen, genauso wenig wie man eine Gruppe nach der Ideologie beurteilen sollte, die ihr als Rechtfertigung dient. Vielmehr sollte man denen misstrauen, die sich selbst zu Antifaschisten erklären und sich damit den ganzen Tag lang moralische Patente ausstellen."
Archiv: Atlantico

HVG (Ungarn), 26.02.2026

Anlässlich seines ersten Spielfilms "Feels like home" spricht der Regisseur Gábor Holtai im Interview mit Dóra Matalin über Auswirkungen autokratischer Mechanismen auf das Individuum: "Nicht nur in Ungarn werden die Stimmen immer lauter, die sagen, dass man für die eigene Sicherheit und den materiellen Wohlstand ein wenig Freiheit opfern muss. Ich mache Filme darüber, weil ich das Gefühl habe, dass wir derzeit keine Antwort auf diese autokratische Rhetorik und Manipulationstechnik in Verbindung mit Raubkapitalismus haben. (…) Es gibt Menschen, denen das nichts ausmacht und die auch begründen können, warum sie sich auf für sie finanziell äußerst vorteilhafte Situationen einlassen, die sie in demokratischeren Verhältnissen nicht erreichen könnten. Weil es gut für die Kinder und den Hund ist, weil wir in den Urlaub fahren können, weil meine Ehe dadurch glücklicher ist, weil wir gesünder sind, weil wir Geld für einen Privatarzt haben und so weiter. Es gibt viele Gründe, warum man sagen kann, dass so ein Mensch letztendlich Recht hat, dass dies berechtigte Ansprüche sind. Das Problem ist, dass es sich um kurzfristige Vorteile handelt, denn mit seiner Entscheidung konserviert er das System, das letztendlich nur einer sehr kleinen und immer kleiner werdenden Schicht zugute kommt. Es ist charakteristisch für Autokratien, dass die Zahl derer, die von ihren Vorteilen profitieren, immer weiter abnimmt."
Archiv: HVG
Stichwörter: Ungarn, Autokratie, Holtai, Gabor

Wired (USA), 01.03.2026

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Der Krieg mit Iran "könnte das bislang größte Wagnis in seiner ganzen politischen Karriere" sein, schreibt Garrett M. Graff über Donald Trump. Der US-Präsident zündelt seiner Ansicht nach an einer Lunte, die die ganze Region wie ein Pulverfass explodieren lassen könnte - mit Folgen für Jahrzehnte. Zumal Trump notorisch dafür ist, Entscheidungen übers Knie zu brechen und dann aber binnen kurzem jegliches Interesse an den Folgen zu verlieren - und der Iran ist für sein internationales Terror- und Cyberwar-Netzwerk ja durchaus bekannt. "So sehr Trump (und die Welt) auch hoffen mag, dass in diesem Frühling im Iran die Demokratie ausbricht, lauten die offiziellen Einschätzungen des CIA, dass Chamenei im Falle seines Todes wahrscheinlich durch Hardliner aus der Revolutionsgarde ersetzt wird. Und ja, der Fakt, dass Irans Schläge Vergeltungsschläge gegen Ziele im gesamten Nahen Osten am Samstag unvermindert anhielten - trotz des Todes vieler altgedienter Köpfe des Regimes, darunter angeblich auch des Verteidigungsministers -, strafte die Hoffnung Lügen, dass die Regierung kurz vor dem Zusammenbruch steht. Irans Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg hing sicherlich mit drei Ereignissen und deren Verflechtungen mit der US-Außenpolitik zusammen: der CIA-Coup 1953, die Revolution 1979, die den Schah entfernte, und jetzt der US-Angriff 2026, bei dem Staatsführer ums Leben kam. In seinem vor kurzem veröffentlichten Bestseller 'King of Kings' über den Fall des Schahs schreibt der langjährige Auslandskorrespondent Scott Anderson über das Jahr 1978: 'Wer eine Liste mit der kleinen Handvoll Revolutionen erstellen will, die in der Moderne auf globaler Ebene einen tatsächlichen Wandel ausgelöst haben, welcher das Paradigma, wie die Welt funktioniert hat, veränderte, dann müsste man dieser neben den amerikanischen, französischen und russischen Revolution auch die iranische hinzufügen.' Der Gedanke drängt sich auf, dass wir gerade jetzt einen historischen Moment von ähnlicher Tragweite erleben - und dies auf eine Weise, deren Folgen wir jetzt noch nicht absehen oder garvorstellen können."
Archiv: Wired