Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
28.12.2004. Die New York Review of Books sieht frisches Blut in den Adern Kalter Krieger. Outlook India sucht das Glück. Die London Review of Books amüsiert sich nicht über Tom Wolfes Homomanie. Literaturen rät von Schiller eher ab. In der Gazeta Wyborcza verlangt Benjamin R. Barber eine demokratische Zähmung der Marktwirtschaft. Im New Yorker kritisiert Ian Buruma die Naivität der Niederländer. Der Nouvel Obs verlässt schreckensstarr den "Untergang".

New York Review of Books (USA), 13.01.2005

Hellauf begeistert feiert Colm Toibin Alan Hollinghursts bereits mit dem Man-Booker-Preis ausgezeichneten Roman "The Line of Beauty". Nur mit dem Plot - die Abenteuer eines Provinz-Snobs in London - hat er seine Schwierigkeiten, aber was macht das schon: "Satz für Satz ist der Roman mit so viel Bedacht, mit so viel süßer Sorge für Details, Nuancen, Rhythmus und der blanken Komödie der Dinge geschrieben, dass seine Anstrengung, dies alles in eine Geschichte zu verweben, ganz unwichtig wird."

Frisches Blut sieht Jonathan Raban durch die Adern der Kalten Krieger fließen, die sich jetzt mit Titeln wie "Der vierte Weltkrieg" zurück melden. Raban hat sich durch alle hindurch gearbeitet, von Richard Pipes bis zu Norman Podhoretz, und fürchtet jetzt, den luzidesten Text über den "Krieg gegen den Terror" in der Marine Corps Gazette gefunden zu haben. Darin heißt es: "Kriege der vierten Generation werden wahrscheinlich weiträumig verteilt und nicht erklärt sein; die Trennlinie zwischen Krieg und Frieden wird unscharf bis unkenntlich werden. Es wird keine definierbaren Fronten mehr geben. Der Unterschied zwischen Zivilisten und Militärs könnte verschwinden. Kampfhandlungen werden die Parteien gleichzeitig in ihrer gesamten Tiefe treffen, einschließlich ihrer Gesellschaft, und zwar auch als kulturelle, nicht nur als physische Entität."

Zu lesen ist auch ein Text von Sister Helen Prejean, in dem die Autorin von "Dead Man Walking" und "The Death of Innocents" die Gnadenpraxis von George W. Bush in seiner Zeit als Gouverneur von Texas einer strengen Prüfung unterzieht: "Klar ist, dass er als Gouverneur kein Erbarmen kannte."

Charles Rosen und Henri Zerner sind gar nicht zufrieden mit dem umgebauten Museum of Modern Art, das einige seiner wichtigsten Arbeiten nicht mehr zeigt: "Generell lässt sich sagen: die europäische Kunst nach Miro wurde geopfert für Künstler aus New York." Und Daniel Mendelsohn senkt den Daumen über Oliver Stones Schlachtenepos "Alexander".

Outlook India (Indien), 03.01.2005

Zum Jahreswechsel eine echte Schmökerausgabe mit zwei Schwerpunkten. Der eine ist besonders schön: das Glück. Wie zum Beispiel wird man glücklich? Jedenfalls nicht durch Geld allein, erklärt uns der Psychologe Edward Diener, laut Outlook die weltweit größte Autorität in der Erforschung des "individuellen Wohlbefindens". Doch ohne wird es ebenfalls schwierig. Vielleicht noch schwieriger zu beantworten: Was soll das überhaupt sein, das Glück? Der Schriftsteller Sasthi Brata hat sich in der amerikanischen Verfassung den berühmten Satz über den "pursuit of happiness" näher angeschaut und ihn gegen die Lebenspraxis der Gründungsväter gehalten, wobei er plötzlich seltsam hohl klang. Oder man stelle sich vor, Europas oberste Ratsherren in Brüssel würden sich an einer Definition des Glücks für alle Bürger versuchen. "Der bloße Surrealismus des Gedankens genügt, um Joseph Conrads Verzweiflungsschrei aus dem Herz der Finsternis heraufzubeschwören: 'The horror! The horror!'" Es bleibt dabei, meint Brata: "Glück ist der Puddding, den man nicht an die Wand nageln kann."

Der Psychoanalytiker Sudhir Kakar (Bücher) versucht es dennoch und zitiert sich von chinesischer Weisheit bis zu Freud durch die Weltgeschichte, um seine These zu belegen: Glück liegt irgendwo im Bermudadreieck von Liebe, Arbeit und Hoffnung. Anil Thakraney ist 2500 Kilometer durch Indien gereist, um es zu suchen, und hat viele Momentaufnahmen in Text und Tusche gezeichnet. Und Namrata Joshi hat es im Kino gefunden.

Oder muss man den Schmerz des vergangenen Glücks spüren, um es zu erfahren? Im schönsten Text der Ausgabe geht Sandipan Deb (mehr) all den unbestimmten Gefühlen nach, die manchmal von etwas Heiligem und Hohem flüstern und manchmal von der absoluten Bedeutungslosigkeit - je nachdem. Und schließlich: Indien? Glück? Zwei verschiedene Galaxien, meint der Dichter C. P. Surendran, der keine Gedichte mehr schreibt, seit er weiß, dass die Realität nicht Glück heißt, sondern Unglück.

Der zweite Schwerpunkt ist ein thematisch gut gemischter Jahresrückblick - hier geht es zum Inhalt.

London Review of Books (UK), 06.01.2005

Nach der Lektüre seines neuen Romans "I am Charlotte Simmons" diagnostiziert Theo Tait bei Tom Wolfe gleich dreierlei Leiden: Informationszwang (den Leser mit großen Theorien zu bombardieren), Wiederholungszwang (Wörter zwanghaft zu wiederholen, um ihnen Nachdruck zu verleihen) und Homomanie. Wohin Wolfe "auch schaut, sieht er den Kampf um männliche Vorherrschaft, sieht er Wettstreit, sieht er Männer, die wie Hirsche aneinanderstoßen." Jedoch, lenkt Tait ein, kann man Wolfe die überzeichnete Stereotypisierung seiner Charaktere nur teilweise zum Vorwurf machen. Denn "das ist es, was in Wolfes Romanen passiert: Menschen finden sich mit der Tatsache ab, dass sie typisch sind". Charlotte Simmons "fällt über die Fleischtöpfe der modernen Universität her und erkennt (wenn auch etwas ungern): Sie will auch? einen Star? ficken."

Weitere Artikel: Frank Kermode beurteilt Michael Radfords Inszenierung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig" als zufriedenstellendes Mittelmaß, nimmt sie jedoch zum Anlass, um über Shakespeares ungewöhnliche Darstellung des Juden Shylock und über die seltsame Traurigkeit, die über dem ganzen Stück hängt, nachzudenken. Nach Lektüre des "Arctic Climate Impact Assessment" (hier als pdf-Datei erhältlich), das von 300 führenden Klimaforschern verfasst wurde, bekommt es Michael Byers mit der Angst zu tun, gerade weil er es für unwahrscheinlich hält, dass die Großen dieser Welt sich der Umweltfrage ernsthaft annehmen werden. Und schließlich sieht sich Peter Campbell beim Spaziergang durch die Ausstellung "Faces in the Crowd" veranlasst, jenen Porträtkünstlern zu danken, "die es nicht aufgegeben haben (und die es um nichts in der Welt aufgegeben hätten), uns zu erzählen, wer wir sind".
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Literaturen (Deutschland), 01.01.2005

Brauchen wir Klassiker? Vielleicht nicht alle. Hanna Leitgeb beugt sich über Schillers viel zitierte Briefe "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" vor und liest dort: "Es gehört also zu den wichtigsten Aufgaben der Kultur, den Menschen auch schon in seinem bloß physischen Leben der Form zu unterwerfen, und ihn ? ästhetisch zu machen, weil nur aus dem ästhetischen, nicht aber aus dem physischen Zustande der moralische sich entwickeln kann." Hier ergreift Leitgeb das blanke Grausen. Für sie ist das "ein durch und durch fundamentalistischer Gedanke, der die Definitionshoheit darüber beansprucht, was vernünftig ist - und ein unendliches Totalisierungspotenzial birgt, das sich politische wie religiöse Regime und Terroristen aller Couleurs zu Eigen machen können." Schillers Briefe auch heute noch als philosophisch-pädagogischen Leitfaden zu empfehlen sei Zeichen historischer Blindheit.

Weitere Artikel: Im Kriminal hat Franz Schuh reichlich Lob parat für Alice Blanchards "Sturmfieber". Julian Schütt berichtet aus Zürich, was die Eidgenossen unter Klassikerpflege verstehen, nämlich genau das zu pflegen, was sich für sie lohnt. In der Netzkarte erfreut sich Aram Lintzel am subversiven Potential des Bundesverbands Schleppen & Schleusen mit seiner Website www.schleuser.net, die sich die der hippen Sprache des Neoliberalismus bedient, um diesen zu untergraben. Und schließlich verrät uns Lars Gustafsson, was er liest, nämlich Descartes' "Meditationen". Dabei will Gustafsson der vermeintlich unbestechlichen Logik des Franzosen auf die Schliche gekommen sein.

Nur im Print: Kultur-Staatsministerin Christina Weiss, der Weimarer Goethe- und Schiller-Archivar Jochen Golz und der Germanist Norbert Miller streiten über den Gedenk-Rummel, der um die Klassiker veranstaltet wird. Moritz Baßler stellt drei Thesen zum Umgang mit kanonischen Meistern auf. Und Sigrid Löffler erklärt, warum der Klassiker Shakespeare nicht veraltet.
Archiv: Literaturen

Gazeta Wyborcza (Polen), 24.12.2004

Der amerikanische Politologe Benjamin R. Barber ("Coca-Cola und Heiliger Krieg") prophezeit in der Weihnachtsausgabe der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza, dass noch in diesem Jahrhundert eine Weltregierung entstehen wird, da selbst die größten Staaten nicht in der Lage seien, mit globalen Problemen fertig zu werden. Da sich nur der Kapitalismus und nicht die Demokratie globalisiert hat, so Barber, muss die Marktwirtschaft einer demokratischen "Zähmung" unterzogen werden. Denn: "Privatisierung reicht nicht aus, um Demokratie herzustellen. Der Bürger ist das Salz der Demokratie, nicht der Konsument. Wenn jemand glaubt, er sei ein guter Bürger, weil er ein guter Konsument ist, dann ist die Demokratie in Gefahr."

Wie viel vom Barbaren steckt im modernen Europäer, fragt sich im Interview der Mittelalterhistoriker und frühere Dissident Karol Modzelewski. Er unterstreicht die Tatsache, dass in diesem Jahr vor allem solche Staaten der EU beigetreten sind, die am stärksten mit dem barbarischen Erbe des Kontinents verbunden sind. Im Gegensatz zu den Mittelmeerländern, die in die post-römische Welt integriert waren, übernahmen die Slawen und Skandinavier anfänglich nur jene Institutionen und Traditionen, die ihnen von Nutzen waren. Paradoxerweise brachte ausgerechnet das Christentum den Barbaren, Individualismus und die Säkularisierung. "Die barbarischen Europäer hatten keine seperaten Begriffe für den säkularen, rechtlichen Schutz, und den sakralen. Dieser Unterschied kam erst mit dem Christentum, indem das Heilige vom Alltag abgehoben wurde, und die alltägliche Realität von sakralen Element befreit wurde. Auch die Abkehr vom allgegenwärtigen Kollektivismus der Barbaren hatte weit reichende zivilisatorische und kulturelle Folgen. Man kann sagen, dass die Christianisierung den Europäer als individuelles Subjekt der Geschichte erschaffen hat."

New Yorker (USA), 03.01.2005

In einem sehr persönlichen "Brief aus Amsterdam" berichtet der britisch-niederländische Publizist Ian Buruma über die Folgen der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh für das soziale und politische Klima in den Niederlanden. Er schreibt: "Nach dem Zweiten Weltkrieg - und besonders seit den sechziger Jahren - rühmten sich die Niederländer, eine Insel der Toleranz geschaffen zu haben, wo jeder nach seiner Fasson leben konnte. Endlich befreit von religiösen Restriktionen und sozialem Anpassungsdruck, sonnten sich die Niederländer, besonders in Amsterdam, in der Erwartung, dass der Rest der Welt die Fundamente ihrer perfekten Demokratie nicht erschüttern könnte. Jetzt hat die stürmische Welt Holland doch erreicht und brach dabei in eine Idylle ein, welche die Bürger weniger begünstigter Nationen erstaunte. Es ist ein Jammer, dass dies geschehen ist, aber Naivität ist die falsche Einstellung, um eine der ältesten und liberalsten Demokratien gegen diejenigen zu verteidigen, die sie zerstören wollen."

Weiteres: Alix Spiegel porträtiert den Psychiatriereformer, Psychoanalytiker und Reich-Schüler Robert Spitzer. Und Elizabeth Kolbert untersucht die Faktenlage von Michael Crichtons neuestem, "ernst zu nehmenden" Thriller "State of Fear".

Anthony Lane sah im Kino "Andrew Lloyd Webber's The Phantom of the Opera" unter der Regie von Joel Schumacher und Michael Radfords Shakespeare-Verfilmung "The Merchant of Venice" mit Jeremy Irons, Joseph Fiennes und Al Pacino. Malcolm Galdwell stellt die Studie "Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed" (Viking) vor, in der untersucht wird, wie Gesellschaften sich selbst zerstören. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie über den englischen Porzellanhersteller Josiah Wedgewood.

Nur in der Printausgabe: ein Porträt von Tony Kushner und seinem politischen Theater, eine Reportage über den Preis, den man für Ferien im Paradies zahlen muss, die Erzählung "I am a Novelist" von Ryu Murakami und Lyrik von Carl Phillips und Lawrence Raab.
Archiv: New Yorker

Al Ahram Weekly (Ägypten), 23.12.2004

Vor einhundert Jahren starb eine der bemerkenswertesten Figuren der neuzeitlichen ägyptischen Literatur und Politik: Mahmoud Sami El-Baroudi (1839-1904), der nicht nur als Pate der modernen ägyptischen Dichtkunst - die nach einer Periode der Dominanz des Türkischen an ihre arabischen Wurzeln anknüpfte - gilt, sondern auch eine zentrale Figur der nationalen Renaissance in den Jahrzehnten nach dem Tod von Mohamed Ali und bis zur britischen Besatzung 1882 war. Für Youssef Rakha ist das weder Widerspruch noch Zufall: Als Dichter wie als Staatsmann und Offizier war El-Baroudi Aktivist einer neuen nationalen Identität. "Beides macht Sinn: der Dichter als eloquenter Ritter in Rüstung und der Dichter als säkulärer Prophet." (Mehr über den Dichter hier, über den Politiker hier)

Weitere Artikel: Der arabisch-amerikanische Journalist Ramzy Baroud analysiert die kulturelle Identitätskrise der arabischen Jugend in Zeiten der Globalisierung, sucht aber die Schuld nicht allein bei äußeren Einflüssen, sondern innerhalb der arabischen Gesellschaften. Immanuel Wallerstein betrachtet das seit Nixons Regentschaft andauernde "eigenartige bilaterale Arrangement" von China und den USA - eine "semi- freundschaftliche" Beziehung zum Vorteil beider Seiten, die allerdings gegenwärtig aus ihrer prekären Balance zu fallen droht, weil die Mächte in entgegengesetzte geopolitische Richtungen ziehen. Und Samir Sobhi hat den international renommierten, aber zurückgezogen lebenden Schriftsteller Magueed Tobia besucht.

Nouvel Observateur (Frankreich), 23.12.2004

Auch in Frankreich läuft jetzt Oliver Hirschbiegels Film "Der Untergang" an. Der Nouvel Obs widmet dem Ereignis mehrere Artikel. In seiner Besprechung des Films stellt Claude Weill fest, die Vorwürfe gegen den Film - Hitler werde darin vermenschlicht und zum Opfer gemacht, seine Schuld und die seiner Anhänger relativiert - folgten "immer noch lebendigen antideutschen Vorurteilen". In Bezug auf den Film sei "diese Kritik jedoch völlig unbegründet". "Keinerlei Nachsicht auf Seiten der Autoren. Von dieser Reise ins Herz der hitler'schen Finsternis, aus diesem morbiden Verlies, diesen einhundertfünfundfünzig unendlichen Minuten, bis die Bestie tot ist, kehrt man schreckensstarr zurück. Das also war Hitler? ... Abgesehen von ein paar verrückten Neonazis kann man sich niemanden vorstellen, der sich auch nur ansatzweise in diesen Hitler einfühlen könnte."

Bruno Ganz darf noch einmal sein Rollenverständnis darlegen, Günter Grass erklären, warum er den Film für "tendenziös und unauthentisch" hält und der Historiker Ian Kershaw in einem Kurzinterview begründen, weshalb der Film zwar atmosphärisch stimmig sei, aber nicht im geringsten zu einem "besseren Verständnis Hitlers oder der Shoah" beitrage. Zu lesen ist weiter ein Hinweis auf die im März erscheinenden Erinnerungen von Bernd Freytag von Loringhoven, der als junger Wehrmachtsoffizier die letzte Woche im Hitlerbunker verbrachte ("Dans le bunker de Hitler", Perrin).

Im Debattenteil analysiert die amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Autorin Alison Lurie (mehr) in einem Essay den weltweiten Siegeszug von Elefantenkönig Babar.

New York Times (USA), 26.12.2004

Köstlich zu lesen ist Walter Kirns Lobpreisung der grandiosen Sammlung der "Complete Cartoons of the New Yorker". 2000 sind im Buch abgedruckt, der Rest findet sich auf den beiden beigelegten CDs (eine kleine Auswahl hier). Nach Ansicht der jüngeren Beispiele scheint es Kirn, dass das Genre seine Reifezeit erreicht hat. "Obwohl es dumm wäre anzunehmen, dass ... eine Renaissance und ein Wiederaufleben nicht immer noch möglich wären (Amerika wählt vielleicht auch mal wieder einen demokratischen Senat), beschleicht einen das Gefühl, dass die Cartoons den Job erledigt haben, den zu erfüllen sie einst angetreten sind: ihrem relativ gut betuchten Publikum jeglichen Rest an Puritanismus auszutreiben und ihn mit einer klugen Selbstwahrnehmung zu ersetzen, die sich plötzlich - schauen sie sich einfach mal um - nutzlos, einsam und lähmend anfühlt. Aber trotz allem amüsant."

Weitere Besprechungen: Der Kapitalismus ist genial, und das nicht nur an Weihnachten, lernt Richard B. Woodward aus der von Maud Lavin herausgegebenen Essaysammlung zum Thema Feiertagskommerzialisierung. Warum ist Deutschland nach der Landung der Alliierten nicht viel schneller zusammengebrochen, fragt sich Max Hastings in seiner "großartigen" Darstellung der letzten acht Kriegsmonate des Zweiten Weltkriegs in Europa, wie James Sheehan berichtet. Und Steven Merritt Miner empfiehlt Richard Overys "gründlichen und überzeugenden" Vergleich der Diktaturen von Hitler und Stalin. Nur eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen internationalen Reputation vermisst Miner.

Auch dieses Jahr ist die letzte Ausgabe des New York Times Magazine wieder voll mit Nachrufen auf in diesem Jahr dahingeschiedene Persönlichkeiten. Zum Beispiel auf Koose Muniswamy Veerappan. Suketu Mehta porträtiert den Bandit aus dem indischen Dschungel, der als Robin Hood des Subkontinents galt und der Polizei zwanzig Jahre lang entkommen konnte. "Veerappans Schnurrbart, in Indien ein Zeichen der Männlichkeit, streute Angst in die Herzen der Haarlosen. Sein Bart bedeckte großzügig seinen Mund und seinen Kiefer; es sah so aus, als ob ein kleines pelziges Tier dort gestorben wäre."

Mit einem Artikel bedacht werden unter anderem die Kolumnistin Mary McGrory, die Fotografen Avedon, Cartier-Bresson und Newton, der Schauspieler Tony Randall und der Mann, der die Frauen "wirklich, wirklich liebte", Russ Meyer.