Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.06.2006. In der Zeit erklärt Christian Thielemann den dunklen deutschen Klang: Tjaaa-tjaaa-tjaaa-tjaa-tjaa-tjaa-tjaaa (statt Tjaaa-tjaaa-tjaaa-japp-ta-ta-taa). Der Tagesspiegel stellt die Frage, ob Bill Gates den Hunger in der Welt abschaffen könnte, und Andreas Eschbach meint, er könnte die Welt zumindest verbessern. In der SZ erklärt der iranische Journalist und Soziologe Akbar Ganji, warum das Erdöl der größte Verhinderer von Demokratie ist. Die SZ macht auch einen Vorschlag zur Reform der Berliner Opern, bei der allerdings einer der Chöre verschwinden würde. In der taz kommt Mayo Thompson von der Band The Red Krayola zu der Einsicht: "Amerika ist nur ein anderes Wort für zufällige Karrieren."

Zeit, 29.06.2006

Im Interview mit Christine Lemke-Matwey spricht Dirigent Christian Thielemann über seinen "Ring" für die Bayreuther Festspiele, die Magie des Grünen des Hügels und den "dunklen deutschen Klang", den es tatsächlich gebe: "Das ist doch das, was ich so liebe! Genauso wie es den Rossini-Klang gibt. Ein deutsches Orchester wird die Triole zu Beginn des zweiten Brahms-Klavierkonzerts immer so spielen: Tjaaa-tjaaa-tjaaa-tjaa-tjaa-tjaa-tjaaa. Ein italienisches Orchester dagegen spielt: Tjaaa-tjaaa-tjaaa-japp-ta-ta-taa. Da haben Sie's! Die Frage für Berlin, für Deutschland lautet also: Haben wir das noch, ist das abrufbar? Mehr nicht. Eine Tradition besitze ich nämlich nicht, die muss ich mir - mit Goethe - erwerben. Genau dieses Nachdenken aber hat 68 abgeschnitten. Es ist doch idiotisch, dass als ausländerfeindlich gilt, wer Negerkuss sagt! Also mich freut dieses Aufgerütteltwerden genauso, wie mich die Fußball-WM freut: Endlich sind wir mal ein bisschen unverkrampfter."

Evelyn Finger reist zu den Gedenkstätten der DDR, nach Bautzen, Leipzig und Marienborn, wo sie zum Beispiel den Historiker Joachim Scherrieble getroffen hat, den Leiter der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. "Der größte innerdeutsche Grenzübergang, auf halber Strecke zwischen Hannover und Magdeburg, war mal die Vorhölle des Kalten Krieges, eine Schikaniermeile und bedrohlich knirschende Schleuse zwischen den Gesellschaftssystemen. Jetzt brettert im Norden der Autobahnverkehr der A2 vorbei, im Süden rauscht ungehindert der Intercity durch. 'Gedenkstätte sein', sagt Scherrieble, 'heißt mehr als eine Dauerausstellung beheizen'. Es heiße Lebensgeschichten sammeln, mit Opfern streiten, mit Tätern, Schulklassen und den Rentnern der Bremer Seniorenunion, 'die kommen, um sich anzuschauen, worüber sie schon immer Bescheid wussten'."

Zum Thema spricht Evelyn Finger auch mit dem Schriftsteller Adolf Endler, der 1955 in die DDR ging, um sie dann nur noch innerlich verlassen zu können. Und der Theologe Richard Schröder plädiert dafür, in der Erinnerung an die DDR den Grautönen mehr Raum zu geben, und schließt: "Wohlmeinende fordern jetzt ein Denkmal für die Opfer der DDR-Diktatur. Ich habe nichts dagegen. Aber wäre nicht vorher ein Denkmal für die deutsche Einheit dran?...Die Erinnerung allein an Katastrophen ermuntert nicht."

In der Randglosse verknüpft Jörg Lau zwei Meldungen, die sehr schön die derzeitige Absurdität des Kunstmarkts beleuchten: Ein freier Künstler in Deutschland verdient im Jahr durchschnittlich 10.814 Euro, und bei Sotheby's wurde ein Bild von Neo Rauch für 663.450 Euro versteigert: "Sein Bild 'Losung' bringe 'Unbehagen und Desillusion' zum Ausdruck, heißt es im Katalog." Barbara Lehmann begibt sich in Sarajewo auf die Spuren von Jasmila Zbanics bärenprämiertem Film "Grbavica", in dem es um die Massenvergewaltigungen im Jugoslawienkrieg geht. Lesen dürfen wir außerdem Horst Köhlers Laudatio auf Zeit-Autor Wolfgang Büscher, der für seine Reportagen mit dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet wurde, und Wolfgang Büschers Dankesrede für den Preis. Claudia Herstatt stellt den Kunstfonds Art Estate AG vor, dessen Besitzverhältnisse nur schwer durchschaubar seien, für den aber das FAZ-Institut für Management, Markt und Medieninformation eine Broschüre erstellt hat, mit dem klingenden Titel: "Contemporary Art - eine Assetklasse zur Portfoliodiversifikation". Elena Lappin und Harald Martenstein setzen ihr deutsch-britisches Freundschaftsmatch fort.

Besprochen werden Simon Rattles konzertante "Rheingold"-Aufführung mit den Berliner Philharmonikern, japanische Pink Movies auf DVD, eine Aufnahme von Mozarts Klaviertrio mit Daniel Barenboim, Nikolaj Znaider und Kyril Zlotnikow, sowie als Moderner Klassiker Hans Werner Henzes Album "Nachtstücke und Arien".

Im Aufmacher des Literaturteils sind drei bisher unbekannte Briefe Gottfried Benns zu lesen, dessen fünfzigsten Todestag außerdem Stephan Speicher würdigt. Das Dossier beschreibt die Schwierigkeiten eines niedersächsischen Salatbauern, Arbeitslose für die Erntehilfe zu gewinnen.

SZ, 29.06.2006

Die Grünen-Kulturpolitikerin Alice Ströver hat es vorausgesagt, und jetzt ist es soweit: Die Berliner Opernstiftung, grad erst mit großem Trara gegründet, werden 2009 mindestens 9 Millionen Euro fehlen, berichtet Jörg Königsdorf. Er wüsste, was er tun würde: Fusion der Deutschen Oper und der Staatsoper unter einer Intendanz, die dann endlich die ganzen Ost-West-Eifersüchteleien beseite schieben und nach künstlerischen Kriterien über die Spielorte entscheiden könnte: "Wäre es beispielsweise nicht auch in künstlerischer Hinsicht weitaus sinnvoller, wenn Barenboims Staatskapelle - im internationalen Ranking längst als das bessere Orchester anerkannt - das große Wagner- und Strauss-Repertoire in der akustisch viel geeigneteren Deutschen Oper spielen würde? Ob im Gegenzug nicht das Orchester der Deutschen Oper als solides Ensemble für das alltägliche Repertoire an beiden Häusern nicht viel vernünftiger eingesetzt wäre? Und ob man wirklich zwei unabhängige Opernchöre an beiden Häusern braucht?"

Der oppositionelle iranische Journalist und Soziologe Akbar Ganji (mehr hier) überlegt im Interview, warum es im Iran keine Demokratie gibt: "Das Erdöl ist der größte Verhinderer von Demokratie - in allen erdölproduzierenden Ländern. Öl, dieses gottgegebene Geschenk, hat nicht dazu geführt, dass diese Gesellschaften sich entwickeln, sondern dazu, dass sie zurückgeblieben sind. Weil wir nicht arbeiten. Wir fressen nur das Geld. Wenn der Staat von meinem Geld leben würde, müsste er auf meine Forderungen eingehen. Aber ein Staat, dem das Geld einfach zufällt, braucht das Volk nicht. Wir brauchen den Staat, aber er braucht uns nicht. Wir sind Bettler des Staates, fressen sein Brot. Deshalb kann keine vom Staat unabhängige Schicht entstehen. Zivilgesellschaft, Demokratie heißt: Trennung von Gesellschaft und Staat. Um eine Zivilgesellschaft zu schaffen, die mächtig ist und sich gegenüber dem Staat behaupten kann, brauchen wir eine freie Marktwirtschaft. Die aber haben wir nicht. 85 Prozent der Wirtschaft werden vom Staat kontrolliert. Das ist unsere Schwachstelle. Und nicht nur unsere. Wir teilen sie mit allen Ölländern."

Weitere Artikel: Jonathan Fischer schickt einen Bericht aus New Orleans, wo die vornehmlich schwarzen Bewohner von Sozialwohnungen immer noch darum kämpfen, dorthin zurückkehren zu können, während die Stadt versucht, die Hurricane-Katastrophe für eine soziale Flurbereinigung zu nutzen und Sozialblocks abzureißen. Jeanne Rubner war auf einer Tagung des Münchner Centrums für Angewandte Politikforschung über die "Europäische Identität" ("Für den homo europaeensis gilt einstweilen wohl das, was ein Mitstreiter Garibaldis nach dem Risorgimento sagte: Italien ist geschaffen; nun müssten noch die Italiener erschaffen werden.").

Besprochen werden Henner Wincklers Film "Lucy", Barry Sonnenfelds Film "Die Chaoscamper", Tanis Tanovics Film "L'Enfer", Eric Steels Dokumentarfilm "The Bridge", der reale Selbstmorde auf der Golden-Gate-Bridge zeigt, die (von Manfred Schwarz als "grandios" gefeierte) Ausstellung "Zero. Internationale Künstler-Avantgarde der 50er/60er Jahre" im Düsseldorfer Kunstpalast und Bücher, darunter Juan Goytisolos Roman "Der blinde Reiter" und zwei Bücher zur Geschichte der Gartenkunst (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

TAZ, 29.06.2006

Vierzig Jahre gibt es die Psychodelic-Rock-Band "The Red Krayola" (mehr) jetzt schon. Enorm einflussreich waren sie ja, aber Geld verdient haben sie nie. Bandgründer Mayo Thompson erklärt im Interview mit Max Dax, warum auch das typisch ist für Amerika. "Amerika ist ein seltsamer Kontinent. Viele Menschen verlieren im Laufe der Jahre ihre ursprüngliche Idee aus den Augen. Das ist sehr typisch für Amerika. Viele Karrieren, meine inklusive, sind nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Möglichkeiten, die man im Leben wahrgenommen hat. Man forciert die Dinge nicht, aber man ist präsent und bereit, den Möglichkeiten zu folgen. Das ist nicht verwerflich. Man muss nur darauf achten, dass man sich treu bleibt. Nur dann, und ohne dass Sie es beabsichtigt hätten, stellen Sie ein Jahrzehnt später fest: Sie haben Spuren hinterlassen. Berühmte Menschen berufen sich auf Sie. Das ist Amerika. Das passiert andauernd. Amerika ist nur ein anderes Wort für zufällige Karrieren - für Karrieren, die aus Missverständnissen entstanden sind. Wittgenstein sieht das übrigens genauso."

Weiteres: Ekkehard Knörer blickt zurück und besichtigt in Jim Jarmuschs auf DVD erschienenem Debütfilm "Permanent Vacation" noch einmal die Geburt des US-Independent-Kinos im Jahre 1980. Dietmar Kammerer widmet Henner Wincklers Film über eine Berliner Teenage-Mum, "Lucy", eine sehr ausführliche und lobende Kritik.

"Es gibt Parameter, aber es gibt auch die Möglichkeit, alles zu überwinden. Mit dem Kopf", philosophiert Daniel Cohn-Bendit in der WM-Beilage über den französischen Fußballstar Zinedine Zidane. "Er ist jetzt auf einer Laufbahn, deren Ende grandios sein soll und wird. Das macht das Viertelfinale gegen Brasilien so spannend. Seltsam, aber heute Nacht dachte ich zum ersten Mal, es sei nicht außerhalb dieser Welt, dass es zum WM-Endspiel Frankreich-Deutschland kommen könnte." Peter Nowak schreibt über vom multikulturell übergreifenden Deutschland-Patriotismus verwirrte Rechtsradikale.

Schließlich Tom.
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NZZ, 29.06.2006

Olga Martynova erzählt von Zimmerpflanzen in der Sowjetunion. "Weiches Tännchen mit winzigem Ewiggrün - Asparagus; grelle lilienartige Blüten am langen dicken Stengel - Hippeastrum (Ritterstern), gestreifte grüne oder violette Blätter. Nur Geranien hatten wir nicht. Sie waren verpönt. Kleinbürgerlich, geschmacklos, unvorstellbar, so etwas bei sich zu haben."

Weitere Artikel: Ursula Seibold-Bultmann stellt Ian Hamilton Finlays Landschaftsgarten "Little Sparta" bei Edinburgh vor. Markus Ganz kündigt das Montreux Jazz Festival an.

Besprochen werden die Funk-CD "El Nino Y El Sol", Choreografien von Philipp Egli und Jörg Mannes in St. Gallen und Bücher, darunter der zweite Band von Yasar Kemals Insel-Trilogie "Der Sturm der Gazellen" und Martin Klugers Roman über die Berliner Charite "Die Gehilfin" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Tagesspiegel, 29.06.2006

Christiane Peitz unterhält sich mit Andreas Eschbach, Autor des Romans "Eine Billion Dollar", über Bill Gates und seine Stiftung. Auf die Frage, ob er Gates mit den 60 Milliarden Dollar, die er in seiner Stiftung jetzt zur Verfügung hat, den Hunger abschaffen kann, antwortet Eschbach: "Das Hungerproblem ist nicht unlösbar. Es gibt genug Lebensmittel für alle, nur befinden sie sich nicht unbedingt dort, wo sie nötig sind. Es ist ein strukturelles Problem und nicht eins der mangelnden Menge, also wieder eine Frage der Vernetzung. Es geht immer darum, das globale System der gegenseitigen Abhängigkeiten in einen höheren Zustand zu schaukeln. Aber es ist nicht schlecht, wenn jemand die Sache mit einer Zuversicht anpackt, wie sie vielleicht nur ein Amerikaner aufbringen kann. Wenn einer mehr Geld verdient, als er ausgeben kann, warum sollte er die Welt nicht so zu gestalten versuchen, wie sie wünschenswert wäre?"
Stichwörter: Bill Gates, Geld

FR, 29.06.2006

Die FR war heute morgen nicht im Netz erreichbar, weshalb wir das heutige Feuilleton unverlinkt zusammenfassen:

Petra Kohse ist in Berlin mit Stefan Kaegis Lastwagentheater "Cargo Sofia" mitgefahren und rühmt Intelligenz und Schönheit dieses Dokumentartheaters, das "vom Kunstraum in die Welt" und zurück blickt, "wobei die Wirklichkeit nicht als Readymade verkunstet sondern umgekehrt der Kunstkontext, nämlich das Theaterpublikum, im verspiegelten Lastwagen undercover vor Ort gebracht und an die Welt angeschlossen wird."

Besprochen werden Henner Wincklers Film "Lucy", Jafar Panashis überzeugende iranische Fußballkomödie "Offside", Danis Tanovis Film nach Krzysztof Kieslowski "Wie in der Hölle", Scritti Polittis neues Album "White Bread, Black Beer", dessen Melodien und Harmonien für Ulrich Rüdenauer "von so klarer Eleganz" sind, dass "man wieder einmal dem Glauben verfällt, es könnte ihn doch geben, auch heute noch: den perfekten Popsong", und eine Ausstellung über das deutsch-britische Architektenpaar Sauerbruch und Hutton in der Münchner Pinakothek der Moderne.

Die FR-Plus (und ein Artikel auf der Medienseite) widmen sich dem "Don Juan ohne Unterleib", Peter Alexander, der heute seinen achtzigsten Geburtstag feiert. Beate Klarsfeld spricht über ihre Ausstellung "11.000 Kinder", die sie gerne auf deutschen Bahnhöfen zeigen würde, von denen aus diese Kinder in den Tod geschickt wurden, was ihr die Deutsche Bahn jedoch bisher verweigert.

Welt, 29.06.2006

Zum Erscheinen seines neues Comics "Adolf. Der Bonker" interviewt sich der Zeichner Walter Moers selbst: "Frage: Ihr neues Buch ist kein Comic mehr im klassischen Sinn. Moers: Ja, es ist so eine Art Wundertüte aus Comic, Tragikomödie, Videoclip und Bastelbogen. Man kann sogar die Handlung nachspielen, mit ausschneidbaren Figuren. Oder beim Adolf-Song vermittels einer Karaoke-Version mitsingen. Interaktiv, digital, dreidimensional und mit Musik. Lesbar, sehbar, hörbar, tanzbar. Das Buch der Zukunft."

Weiteres: In seiner WM-Kolumne schwärmt Thomas Brussig von Jürgen Klinsmann: "Nicht nur die deutsche Spielweise, das ganze Denken Klinsmanns ist Offensive." Manuel Brug berichtet, dass Londons Royal Opera Covent Garden die seit 1964 laufende und noch für die Callas in Szene gesetzte "Tosca" nun abgesetzt hat. Sven Felix Kellerhoff berichtet, dass der Historikerkommission, die die Opferzahlen der Bombardierung Dresdens klären sollte, das Geld gestrichen wurde.

Besprochen werden Jafar Panahis Film "Offside" über weibliche Fußball-Fans im Iran (den Mariam Lau mit den Worten kommentiert: "Es wäre eine hübsche Pointe des Films gewesen, wenn sich auch Ahmadinedschad vor den verschlossenen Türen eines deutschen Stadions gefunden hätte."), Danis Tanovics Film "Wie in der Hölle" mit Emmanuelle Beart, Je-gyu Kangs "Brotherhood" (garantiert der blutigste Film, der je in Korea gedreht wurde, versichert Elmar Krekeler), der politisch ein wenig fragwürdige Bollywood-Streifen "Rang de Basanti", David Slades Film "Hard Candy" und Oliver Bukowskis Hartz-IV-Farce "Nach dem Kuss" am Berliner Theater 89.

FAZ, 29.06.2006

Eberhard Rathgeb verbringt die Zeit bis Freitag nachmittag mit dem Schreiben eines ausführlichen Aufmachers über die Frage,"wie wir die Zeit bis Freitag nachmittag verbingen können". Andreas Kilb glossiert eine Studie der Bosch-Stiftung über die "große Koalition des Zagens" in der Frage des Kinderkriegens. Gemeldet wird, dass die Wissenschaftliche Buchgesellschaft die Klage gegen Google Book Search vorerst zurückgezogen hat, weil sich das Gericht für nicht zuständig erklärte. Dietrich Worbs betont den baugeschichtlichen Wert der für Max Reinhardt gebauten Theater am Kurfürstendamm, die wegen Neubaugelüsten der sonst so kunstsinnigen Deutschen Bank abrissgefährdet sind. Dieter Bartetzko gratuliert der Schlager- und Jazzsängerin Gitte Haenning zum Sechzigsten. In der Rubrik "Aus unseren Auslandsbüros" erzählt Gina Thomas die Geschichte des Andrew Hawkins, Nachfahre des Sklavenhändlers John Hawkins, der in einem gambischen Stadion vor 25.000 Zuschauern auf Ketten in die Knie gefallen ist, um sich für den Sklavenhandel zu entschuldigen. Und Jordan Mejias meldet, dass der Nachlass Martin Luther Kings in Atlanta verbleibt.

Auf der Filmseite betrachtet Bert Rebhandl eine Schau des brasilianischen Kinos im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Und Paul Ingendaay schreibt über einen Streit einer spanischen Kinokette mit dem Disneykonzern, der einen immer höheren Anteil am Vertrieb seiner Filme fordert. Auf der Medienseite wird gemeldet, dass der Springer Verlag zur reformierten Rechtschreibung zurückkehrt. Für die letzten Seite besucht Josefine Janert das Dorf Werben in Sachsen-Anhalt, das sich tapfer gegen weiteren Bevölkerungsschwund wehrt. Paul Ingendaay glossiert die Verschandelung der spanischen Küsten durch eine mafiöse Immobilienbranche. Und Hannes Hintermeier erinnert aus Anlass der Erschießung Brunos des Bären an einen bayerischen Wildschütz aus dem 19. Jahrhundert.

Besprochen werden eine Ausstellung über die Architektin Zaha Hadid in New York, eine Ausstellung über Cezanne und die Provence in Aix, eine Bearbeitung von Tschechows "Möwe" durch Martin Crimp im Londoner National Theatre und der Film "Rang de Basanti - Die Farbe Safran" von Rakeysh Omprakash Mehra.