Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.05.2005. Alle kommentieren Günter Behnischs Neubau für die Berliner Akademie der Künste, der heute eingeweiht wird. Die FR findet ihn spektakulär. Die FAZ hofft, dass er die schläfrige Akademie anregt. Die SZ fragt, was die Akademie eigentlich will. Für die taz umreißt die ganze Neugestaltung rund um den Pariser Platz unsere neue Staatsräson: Shoppen, gedenken, bürgernah regieren. Der Tagesspiegel wundert sich über die Sozialpornos auf deutschen Bühnen. Die NZZ widmet sich dem Verhältnis zwischen christlichen und jüdischen Ungarn.

FAZ, 21.05.2005

Heinrich Wefing feiert entzückt die neue Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz - "eine Sensation. Nicht mehr, nicht weniger. Ein befreiender, ein beglückender Ort" - doch ist er sich nicht sicher, ob die "schläfrige" Akademie ihrem Neubau gewachsen ist. "Sie müsste jetzt, wollte sie ihrer Behausung gerecht werden, mindestens so ideenreich, so überraschend, so ruppig und anregend werden wie die Architektur, die sie umhüllt. Bislang freilich ist sie davon weit entfernt."

Jürg Altwegg berichtet über eine Heidegger-Debatte in Frankreich. Ausgelöst wurde sie durch das Buch "Heidegger, l'introduction du nazisme dans la philosophie" (Albin). Autor Emmanuel Faye "geht es nicht - wie in den bisherigen französischen Anklagen gegen Heidegger - um die Rektoratsrede, den Kniefall vor dem Regime, um Feigheit und borniertes Schweigen danach. Faye macht im Denken Heideggers die Grundlagen des Nazitums aus. Und umgekehrt - wie der Titel sagt: Heidegger habe die NS-Ideologie in seine Philosophie aufgenommen." Es gibt jedoch "eine neue, sehr junge Garde von französischen Heidegger-Jüngern", die das Buch vehement kritisiert.

Weitere Artikel: Verena Lueken macht eine "gewisse Mauheit" im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes aus. Ingeborg Harms wirft einen Blick in deutsche Zeitschriften. Bat. meldet empört den fortschreitenden Abriss der Kleinen Funkenburg in Leipzig, den Proteste nur vorübergehend aufhalten konnten. J.M. meldet weitere Querelen um Ground Zero. Fvl. schreibt kurz zum Tod der israelischen Schriftstellerin Batya Gur.

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage entnimmt Rudolf von Thadden einer vierbändigen Dokumentation aus polnischen Archiven über "Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945-1950" ein "anschauliches Bild von den Zerrissenheiten der Menschen und trostlosen Verhältnissen in Gebieten, in denen zwar der Krieg zu Ende ging, aber kein wirklicher Friede einkehrte". Dietrich Lohmann beklagt den Untergang der Jäger- und Sammler-Kultur der Buschleute in Afrika.

Besprochen werden eine Ausstellung über die "Verfreundeten Nachbarn" Deutschland und Österreich im Bonner Haus der Geschichte, zwei Ausstellungen in der Frankfurter Schirn: "Die Nazarener" und "Wunschwelten", Gounods "Faust", dirigiert von James Levine, inszeniert von Andrej Serban an der New Yorker Met und Bücher, darunter Orhan Pamuks Roman "Schnee" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phonoseite stellt Edo Reents neue Alben von Songschreiberinnen vor. Besprochen werden weiter die neue CD von Tanita Tikaram und eine Aufnahme der Oper "Aslak Hetta" von Armas Launis. Jürgen Kesting mokiert sich über die Strategien, mit denen Künstlerinnen wie die Opernsängerinnen Anna Netrebko und Angela Gheorghiu oder die Geigerin Janine Jansen als femme fatales vermarktet werden.

In der Frankfurter Anthologie interpretiert Ruth Klüger Friedrich Schillers Gedicht "Rousseau":

"Monument von uns'rer Zeiten Schande,
Ew'ge Schmachschrift deiner Mutter Lande,
Rousseaus Grab! Gegrüßet seist du mir.
..."

FR, 21.05.2005

Die FR hat anlässlich der bevorstehenden Wahlen in NRW drei westfalenstämmige Redakteure um Auskunft gebeten. Sie berichten unter den Überschriften "Pommesbude und Filz", "Fleigen mött se" und der "Supertanker", unter anderem dies: "Offizieller Filzexperte von Bochum-Wattenscheid war jedenfalls ... Ede. Ede und seine Frau hatten dort eine Pommesbude und machten fantastische Currywurst. Der Ede-Sohn war, so erzählte man sich, Kunsthistoriker geworden und kannte Joseph Beuys - von dieser Sorte Aufstiegsgeschichte hatte die Region nach dem Bau der vielen neuen Universitäten einige zu bieten. Zu Hause habe Ede sogar ein Kunstwerk von Beuys, Geschenk seines Sohnes, hieß es - Filz, kein Fett."

Christian Thomas kommentiert die Übergabe der Akademie der Künste an ihre neue Bestimmung. Er stellt das Haus am Pariser Platz vor und liest es symbolisch: "Spektakulär hat Behnisch durch das Haus eine Betonbrücke getrieben. Sie ist in dieser Passage das stärkste Symbol, denn es verbindet den Pariser Platz mit dem Stelenfeld des Holocaustmahnmals."

Weitere Artikel: Peter Michalzik ist eigentlich ganz froh, dass Josef Ackermann bei der Jahreshauptversammlung der Deutschen Bank seine Positionen verteidigt hat: "Das Phantom Josef A. hat seine Rolle angenommen und steht jetzt als realer Ackermann in der Arena. Um das Spektakel zur Debatte reifen zu lassen, müsste sich die Öffentlichkeit ihrerseits allerdings darum bemühen. Sie könnte sich zum Beispiel zwei Fragen vorlegen. Erstens: Wozu hat sie Josef A. bisher gebraucht? Und zweitens: Was wäre der Debattengegenstand, wenn der Buhmann aus dem Fokus verschwindet?" Daniel Kothenschulte fand in Cannes Tommy Lee Jones und seinen Debüt-Film "The Three Burials of Melquiades Estrada" überzeugender als das vom Publikum frenetisch gefeierte neue Werk von Wim Wenders. Den Nachruf auf die Krimi-Autorin Batya Gur hat Gemma Pörzgen verfasst. Times Mager ist heute dem Grand Prix gewidmet. Hans-Jürgen Linke berichtet, wie es mit der Frankfurter "Kultur in der Brotfabrik" weitergeht.

Besprochen werden die neue CD von Anu und Kadri Tali und ihrem internationalen Sinfonieorchester. Im Magazin - hier auf ePaper - geht es um die Wahlen in Westfalen. Außerdem erinnert sich der Kinderbuchautor Ali Mitgutsch an seine Nachkriegszeit.

TAZ, 21.05.2005

Anlässlich des Umzugs der Akademie der Künste an den Pariser Platz stellt Dirk Knipphals recht grundsätzliche Erwägungen an: "Shoppen, gedenken, bürgernah regieren - diese drei Tätigkeiten umreißen ganz gut den Kern unserer Staatsräson. Aber da fehlt noch etwas, und das bezeichnet das zweite Motiv des gegenwärtigen Künstlerromans. Es besteht darin, dass da noch etwas hinmuss: das Höhere, die Sinnebene - die Kultur eben. So hat die heutige Eröffnung etwas Komplettierendes: Neue Nationalgalerie im Westen und Museumsinsel im Osten sind, obwohl jeweils nur gut einen Kilometer entfernt, einfach zu weit weg, mitten im Zentrum muss noch ein Kunstort stehen. Und sehet, hier ist er also! Und dann noch nicht einmal nur ein Museum, sondern ein offener Ort der Reflexion und des Debattierens!"

Weitere Artikel: Gegen Ende des Filmfestivals von Cannes hat Cristina Nord noch zwei schöne asiatische Filme gesehen. In der nun schon elften Folge der nicht mehr so "kleinen schillerkunde" erinnert Gerrit Bartels an Thomas Manns Schiller-Porträt "Schwere Stunde". Jan Hendrik Wulf hat die Ausstellung "Die Neuen Hebräer - 100 Jahre Kunst in Israel" im Martin-Gropius-Bau in Berlin besucht.

In der tazzwei porträtiert Paul Stinson einen wirklich ziemlich irren Fan: "Jeff Tweiten verbringt seine Ferien am liebsten in der Betonwüste an der Kreuzung zwischen der 4th Street und Lenora, mitten in einem der sozialen Brennpunkte von Seattle - im 'Camp Star Wars'. Der 25-Jährige ist fast zwei Meter groß, schlank, muskulös - und schätzt, dass er zehn Monate seines Lebens allein damit verbracht hat, unter freiem Himmel und mit Campingausrüstung auf die letzen beiden Episoden von 'Star Wars' zu warten." Risiken und Hoffnungen um das Holocaust-Mahnmal kommentiert Katrin Bettina Müller. Für seine Deutschland-Kolumne war Henning Kober in einer blauen Lagune und hatte eine Vision von Kate Moss.

Fürs Dossier des taz mag hat sich Arno Frank auf die Spuren eines merkwürdigen Heiligen begeben - Lawrence von Arabien: "Weil von Kreuzritterburgen zu dieser Zeit keine Fotos und nur vage Zeichnungen existierten, hätte eine akademisch sorgfältige Lektüre der Sekundärliteratur vollkommen genügt - den Professoren, nicht Lawrence. Der wollte seine Thesen mit Fotos und präzisen Zeichnungen untermauern. Dafür war er vier Monate lang durch die syrischen und libanesischen Provinzen des Osmanischen Reiches marschiert, durch baumlose Wildnis, von Ruine zu Ruine. Einmal wurde er 'von einem Esel mit einer Flinte' beschossen, wie er seinen Eltern schrieb: 'Er wollte mich wohl ausrauben'. Lawrence feuerte mit seiner Pistole in die Luft, zur Warnung, und ging seiner Wege."

Weitere Artikel: Heike Haarhoff setzt ihr Porträt des KZ-Überlebenden Peter Heilbut fort. Jan Feddersen und Ivor Lyttle stellen die Grand-Prix-KandidatInnen vor

Besprochen werden die von der früheren lettischen Außenministerin Sandra Kalniete aufgeschriebene Geschichte ihrer Familie unter Sowjetherrschaft, ein Band von Karol Sauerland über die Jedwabne-Debatte, Nick Hornbys Roman "A Long Way Down", Colson Whiteheads literarisches Stadt-Porträt "Der Koloß von New York", Michael Schindhelms Roman "Die Herausforderung" ("über weite Strecken ärgerlich") und das Randgruppen-Buch "Russian Criminal Tattoo Enyclopaedia" (mehr dazu in der Bücherschau ab 14 Uhr.)

Und Tom.
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NZZ, 21.05.2005

In der Beilage Literatur und Kunst zeichnet Reinhold Vetter in einem langen Artikel die Entwicklung der Beziehung zwischen christlichen und jüdischen Ungarn seit dem organisierten NS-Massenmord nach. "In der stalinistischen Zeit leugnete die Partei- und Staatsführung die Existenz aller ethnischen und religiösen Gruppen, weil sie nicht ins Bild der von ihr propagierten klassenlosen Gesellschaft passten ... Wohlwissend, dass es in der Gesellschaft eine Anfälligkeit für antijüdische Reflexe gab, achtete die kommunistische Parteiführung peinlichst genau darauf, dass die jüdische Herkunft ihrer wichtigsten Mitglieder öffentlich nicht zur Sprache kam." Heute gebe es ein wachsendes Bewusstsein für die eigene Mitverantwortung an der Ermordung der ungarischen Juden. Doch "für die große Mehrheit der Ungarn sind die 1944 ermordeten Juden bis heute weder Opfer noch Helden der ungarischen Geschichte, obwohl sie der ungarischen Nation angehörten und ungarische Staatsbürger waren. Daran haben auch die eindrucksvollen Gedenkfeiern im Frühjahr 2004 wenig geändert."

Weitere Artikel: Roman Hollenstein sieht Anzeichen einer neuen Blüte der Synagogenarchitektur in Deutschland. Der Architekt Manuel Herz stellt neue "Architektur mit jüdischem Bezug" von Libeskind, Hecker und Eisenman vor, und fragt sich, warum diese experimentellen Bauten in der Bundesrepublik "mit so viel Enthusiasmus" von Politikern vereinnahmt werden. "Was wäre, wenn sich statt der expressiven Synagogen und anderer gut sichtbarer und damit öffentlichkeitswirksamer jüdischer Bauten eine alltägliche Anwesenheit von jüdischen Buchhandlungen oder Lebensmittelgeschäften entwickeln würde?" Volkmar Billig erinnert an vor 200 Jahren erschienenen pseudonymen Roman "Nachtwachen von Bonaventura". Besprochen werden Briefe und autobiografische Schriften von Jean Paul.

Im Feuilleton beschreibt Andrea Köhler die anhaltenden Querelen um Ground Zero: "Im vergangenen Monat hat die Polizei plötzlich Sicherheitsbedenken an Libeskinds 'Freiheitsturm' angemeldet. Nach Angaben der für den Wiederaufbau zuständigen städtischen Kommission wird sich der Bau des 533 Meter hohen Wahrzeichens nun voraussichtlich bis mindestens 2010 verzögern; manche fürchten gar eine komplette Neuüberholung aller Bebauungspläne für das Gelände."

Weitere Artikel: Claudia Schwartz schreibt zur heutigen Einweihung der Akademie der Künste am Pariser Platz. Uha. führt die Reihe "Aus den Anfängen der NZZ" fort. Joachim Güntner stellt kurz eine neue Buchreihe über Philosophie bei Reclam vor. Carsten Hueck
schreibt zum Tod der israelischen Schriftstellerin Batya Gur. Richard Merz schreibt zum 100. Geburtstag der Tänzerin Rosalie Chladek.

Besprochen werden Purcells Oper "Dido and Aeneas" im Luzerner Theater und Bücher, darunter Peter Sloterdijks philosophische Theorie der Globalisierung "Im Weltinnenraum des Kapitals" und Raoul Schrotts Essayband "Handbuch der Wolkenputzerei" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Welt, 21.05.2005

In der Literarischen Welt ist ein Text des britischen Schriftsteller Tim Parks zu lesen, den die Leser unserer Magazinrundschau vielleicht schon kennen. Trotzdem: Parks denkt darüber nach, warum Krieg und Gewalt heute so wenig Platz in der Literatur haben: "In der Schule habe ich dann gelernt, Autoren wie Joyce und Woolf zu verehren, in deren Werken kaum gekämpft wird. Laut Frank Budgen war der Joyce der Ansicht, 'die Art, wie ein Mann seine Schnürsenkel bindet oder sein Frühstücksei isst, sagt mehr über seine Persönlichkeit aus als die Art, wie er in den Krieg zieht.".... Doch "wenn wir uns für das Bewusstsein interessieren, bringt nichts den Geist so in Bewegung wie ein echter Augenblick physischer 'Action', der uns nachhaltig an unsere zerbrechliche körperliche Existenz auf dieser Welt erinnert. Stellen Sie sich vor, Bloom schultert sein Gewehr."

Hannes Stein führt uns in das geheime Universum der liberalen Freunde Amerikas, die sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen, dafür im Internet umso reger agieren, zum Beispiel mit der "Achse des Guten", "Davids Medienkritik" oder "No Blood for Sauerkraut". Allerdings bedauert Stein: "Ein positives Feld haben sich die liberalen Freunde Amerikas noch nicht erschlossen. Es gibt keine gemeinsame Sache, für die alle subversiven Tagebuchschreiber im Internet ihre Kräfte bündeln würden. So existiert in Deutschland nichts, was etwa der angelsächsischen "Coalition for Darfur" entsprechen würde - einer Website, auf der fleißig und vollständig alle Berichte über den Völkermord im Sudan gesammelt und alle Ausflüchte der Regierenden dokumentiert werden. Keiner prescht nach vorn."

Weiteres: Tilman Krause zeigt sich hin und her gerissen von der Schriftstellerin Anna Gavalda, die bei einer Lesung in Hamburg ihr Publikum mal mit dem schrecklichsten Pariser Snobismus bedachte, mal mit dem "liebreizendsten Lächeln von Saint Germain des Pres".

Tagesspiegel, 21.05.2005

Verlierer und Elendsgestalten, Arbeitslosen- und Sozialverlierer-Dramen haben derzeit Hochkunjunktur auf deutschen Bühnen. Peter Laudenbach sieht da paradoxe Effekte wirken: "Etwa wenn Menschen, die um jeden Obdachlosen in der U-Bahn einen weiten Bogen machen, zwanzig Euro und mehr Eintritt bezahlen, um Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie an der Schaubühne in 'Personenkreis 3.1', einem Klassiker des Obdachlosen-Genres, virtuos den Gossen-Junkie geben... In Zeiten nervös werdender Mittelschichten, in denen die Angst vor dem drohenden sozialen Abstieg und ungewissen Zukunftsperspektiven auch in den besseren Etagen der Gesellschaft umgeht, sieht man freilich mit ambivalenten Gefühlen, dass es anderen deutlich schlechter geht. In das Mitleid mischt sich subtiles Distinktionsbewusstsein. So stabilisiert der soziale Ausschluss und die Bilder, die das Theater von ihm liefert, bei den Mittelschichten im Zuschauerraum das brüchig gewordene Selbstbewusstsein. 'Sozialpornos' nennt Christoph Schlingensief solche Distinktionsspiele. Dass auch ein integrer Regisseur wie Thomas Ostermeier diesen Mechanismen nicht entgeht, spricht nicht gegen das Theater. In ihm setzt sich lediglich der Umgang der Mittelschichten mit den Ausgegrenzten aus der Unterschicht fort."

SZ, 21.05.2005

Lothar Müller gibt der heute an den Pariser Platz umziehenden Akademie der Künste einen vage umrissenen Zukunftsauftrag auf den Weg: "Eine Akademie der Künste kann Akademie nur sein, wenn sie, wie Max Liebermann mit Ludwig Justi, dem Direktor der Nationalgalerie, um ästhetische Normen streitet, statt nur kommentierend zu begleiten, was ohnehin geschieht, wenn sie repräsentativ ist, ohne autoritär zu sein. Sie kann eine nationale Institution nur sein, wenn sie etwas will, das national von Belang ist."

Weitere Artikel: In seiner abgedruckten Dankesrede zur Entgegennahme des Heinrich-Mann-Preises denkt Ivan Nagel über Geschichtsphilosophie nach: "Der 'Fatalismus der Geschichte' verdammt uns nicht zur Resignation. Wer das selige 'Ende der Geschichte' weder vom Weltkommunismus erwartet hat noch von der globalen Marktwirtschaft erwartet, erhält sogar eine Chance: Auge und Gehirn frei zu bekommen für die täglichen Botschaften der eigenen Situation." Damon Albarn, im richtigen Leben Sänger von "Blur", spricht im Interview über seine höchst erfolgreiche Cartoon-Band "The Gorillaz": "Ich finde es übrigens interessant, dass es bislang keine Gorillaz-Kopie gibt. Wenn etwas so erfolgreich ist wie unsere erste Platte, erfindet die Musikindustrie normalerweise immer gleich haufenweise Nachahmerprodukte. Aber es war offenbar etwas zu kompliziert, was wir uns ausgedacht haben, um es einfach nachmachen zu können."

Außerdem: Susan Vahabzadeh berichtet über die letzten Filme von Cannes - von denen ihr das Kino-Regiedebüt des Schauspielers Tommy Lee Jones besonders gut gefallen hat. Robert Lepages großes Kopenhagener Theaterprojekt über Hans Christian Andersen stellt Renate Klett vor. Zur Meditation über den "perfekten Tag" kommt Diedrich Diederichsen Lou Reed gerade recht. Jörg Heiser hat die Ausstellung "Wunschwelten" in der Frankfurter Schirn besucht. Dem Tenor James King wird zum 80. Geburtstag gratuliert, dem akademischen Multifunktionär und derzeitigen DAAD-Präsidenten Theodor Berchem zum 70., einen Nachruf gibt es auf die israelische Krimiautorin Batya Gur. An der New Yorker Met hat man für Placido Domingo die Oper "Cyrano de Bergerac" von Franco Alfano ausgegraben: Es hat sich offenbar gelohnt. Abgedruckt wird ein Gedicht von Charles Simic, das so beginnt: "For imaginary visitors, I had a chair / Made of cane I found in the trash." Besprochen wird außerdem das Hörstück "Kif" nach, von und mit Friedrich Glauser (mehr dazu in der Bücherschau).

Im Aufmacher der SZ am Wochenende assoziiert Karl Bruckmaier frei zum Thema Medien und Tod: "Hieß einst die Grundregel des Revolverjournalismus, dass Sex sells, so muss das in Zeiten einer zumindest in unseren Breiten vergreisenden Bevölkerung heißen: 'Death sells'. Nicht mehr das lustvolle Stöhnen junger und schöner Menschen wird für Einschaltquoten sorgen, sondern das Aushauchen des Lebens, das Erschlaffen welker Glieder, das Hervorstoßen letzter Worte."

Weiteres: Abgedruckt wird die Erzählung "Edward und der erste Geographieunterricht" von Najem Wali. Patrick Barton hat in London anlässlich von dessen 70. Geburtstag den großen Architekten Norman Foster besucht. Die Auftragslage ist gut: "150 Projekte in 22 Ländern warten gegenwärtig auf seine Eingebungen." Die Rückkehr des Schauspielstars Robert Downey jr. aus der Drogenhölle und das nun erschienene Popalbum begrüßt Dirk Peitz. "Gott in Frankreich" Johannes Willms berichtet heute unter dem ominösen Titel "Sektkühler, Geflügelscheren, Bodenvasen" - es geht ums Heiraten. Im Interview spricht der Yogi Y.K. Desikachar über das Heilen. Und auch über die Vermeidung des Jet-Lag: "Yogis kennen keinen Jet-lag."