Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.10.2002. In der SZ schildert Angelo Bolaffi die Zustände im wilden Berlusconistan. Außerdem schreibt hier Orhan Pamuk eine Hymne auf Vladimir Nabokov. In der FR plaudert Peter-Jürgen Boock über den Popstar Andreas Baader. Die taz ist unglücklich verliebt in die Schweiz. Die NZZ hat Roberto Benignis "Pinocchio" gesehen. In der FAZ schimpft Hans Magnus Enzensberger auf deutsche Bibliotheken

SZ, 19.10.2002

Im dritten Teil der Reihe "Neue Führer" schildert der Publizist und Politikwissenschaftler Angelo Bolaffi mit zorniger Feder das wilde Berlusconistan südlich des Brenners. "In Italien ist eine derartige Amnesie in Sachen Demokratie leider nichts Neues. Es ist, als gebe das Land dem unstillbaren Verlangen nach, jeden politischen Verstand zu verlieren, und sich ganz den wundersamen Fähigkeiten eines charismatischen Führers auszuliefern, der aber in Wahrheit nur ein Übermaß aller Fehler und Schwächen des Charakters seiner Landsleute und ihrer Geschichte besitzt. (...) Man muss sich fragen, welche Konsequenzen der fatale Fehler Kohls, Berlusconis Bewegung in die europäische Volkspartei aufzunehmen, für die Entwicklung der Kräfteverhältnisse innerhalb der konservativen Parteien des alten Kontinents in Zukunft haben wird."

In Sachen Irak spielen alle, nicht nur die USA, mit verdeckten Karten, weiß Andrian Kreye und geizt nicht mit Belegen. So sei Frankreichs Widerstand gegen einen Krieg nicht etwa humanitär begründet. "Der französische Konzern TotalFinaElf spielt eine entscheidende Rolle unter den Ölfirmen im Irak und hat sich längst die Schürfrechte für die Ölfelder in Majnoon und Umar gesichert, deren Reserven auf weit über 10 Milliarden Barrel geschätzt werden. Alcatel baut derzeit Iraks Telefonnetz wieder auf. Peugeot hat Nutzfahrzeuge für mehrstellige Millionensummen geliefert."

Jens Bisky entrüstet sich über den Aberwitz des Finanzministers, die Spendenabzüge zu streichen, was vor allem Kulturinstitutionen trifft. "Statt endlich grausam gründlich zu reformieren, verschreckt, bestraft und schröpft der Staat jene Bürger, denen das Gemeinwohl noch nicht gleichgültig geworden ist", schimpft Bisky.

Weitere Artikel: Ijoma Mangold berichtet von der Odyssee der 22-jährigen Mende Nazer (mehr hier), die der Sklaverei im Haus eines sudanesischen Diplomaten in London entkommen ist, und jetzt, nach Ablehnung ihres Asylantrags, als Illegale aus England abgeschoben werden soll. Ullrich Schwarz, Geschäftsführer der Hamburgischen Architektenkammer, führt die Debatte um die Zukunft der Architekten weiter und fordert die Zunft auf, sich endlich von ihrem Welterlösungstrauma zu befreien. Fritz Göttler hat einen unterhaltsamen Abend bei einem Vortrag von Wim Wenders verbracht, der in der Reihe "Iconic Turn" über Western sprach und vom größten Lachanfall des Filmministers der DDR zu erzählen wusste. Matthias Kross war auf einer Tagung in Berlin zugegen, auf der die Kulturarchäologen sich selbst besser kennenlernen wollten. Und Peter Burghardt winkt ab: Die gefeierte Autobiografie von Gabriel Garcia Marquez enthält nur wenig Neues, schreibt er.

Auf der Medienseite zeichnet der Politikwissenschaftler Alfred Grosser noch einmal die Spiegel-Äffäre nach, die für ihn eine Wende zu mehr Recht und Freiheit in Deutschland bedeutete.

Besprechungen widmen sich heute Heiner Goebbels in Genf aufgeführtem Stück "Landschaft mit entfernten Verwandten", der Uraufführung von Kathrin Rögglas "Fake Reports" in Wien, Stücken von Horvath und Tschechow am Theater Bremen, Abby Manns Gerichtsdrama "Das Urteil von Nürnberg" und Andreas Sauters "Liza" am Theater Nürnberg, dem Konzert der Volinistin Hilary Hahn (ihre Website) beim br-Symphonieorchester unter Colin Davis, der Ausstellung über van Goghs späte Landschaftsbilder in Bremen und natürlich Büchern, darunter Jeff Fishers launiger Ratgeber "Wie man reich wird", Lydia Marinellis und Andreas Mayers Buchgeschichte über Sigmund Freuds Traumdeutung sowie Charles Sanders Peirces Überlegungen zu Vernunft und Logik (mehr in unserer Bücherschau sonntags ab 11 Uhr).

Die SZ am Wochenende birgt eine wunderschöne Huldigung des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk ("Rot ist mein Name") an Vladimir Nabokovs (mehr hier) Erzählkunst im Allgemeinen und seinen Roman "Lolita" (mehr hier) im Besonderen. "Die berühmte Szene, in der Lolita Tennis spielt, Charlottes langsames Eintauchen in den Hourglass-See (...) oder der Friseur im Städtchen Kasbeam, von dem er im Schlusswort zu 'Lolita' sagt, dass es einen ganzen Monat gedauert hat, ihn zu beschreiben (insgesamt gerade zehn Zeilen!), oder eine der figurenreichen Familienszenen in 'Ada oder das Verlangen': Wenn man das liest, spürt man, dass das Leben ganz genau so ist, dass der Autor Dinge, die wir alle kennen, in einer verblüffenden, bewunderungswürdigen, ja zu Tränen rührenden Exaktheit und Treue an den notwendig richtigen Ort, in einer genau richtigen Weise - die uns nie eingefallen wäre - zusammengefügt hat."

Außerdem: Christine Brinck erzählt, wie eine Salzburgerin und ihr Verein "Bauern helfen Bauern" mit ungewöhnlichen Ideen Menschen in Bosnien und Kroatien hilft. Kurt Kister klärt uns auf, dass für junge, Arbeit suchende Menschen alles genauso schlimm ist, wie es sich anhört. Und sinnlos. "Wozu also noch teuren Platz mit Artikeln, gar mit düster grauem Geschwätz füllen?" Rainer Stephan klagt, dass in dieser Republik nur die an der Macht bleiben, die sie nicht ausüben. Kai Strittmatter hat sich schließlich mit James Last (seine Website) über Globalisierung unterhalten, und darf ihn ab jetzt Hansi nennen.

FR, 19.10.2002

Deutschland in der Krise wählt Grün. Warum?, fragt sich Martin Altmeyer. Wie Roosevelt in den dreißiger Jahren soll Fischer in einem New Deal die zügellose Wirtschaft zähmen, aber nicht erdrücken. Ob die Grünen die ihnen vom Wähler zugedachte Rolle allerdings selbst kennen, ist unsicher. "Wer ein Regierungsprogramm unter dem Motto 'Ökologische Modernisierung und Gerechtigkeit' (mehr hier) vorlegt, der muss sich auch der Frage stellen, ob er den Auftrag verstanden hat, den ihm das Wahlvolk übermittelt hat. Insbesondere bei diesem Wahlergebnis, das eine seltsame Paradoxie zu enthalten scheint. Vieles müsse sich eigentlich, aber nichts solle sich wirklich ändern - Reformbedürfnis gegen Beharrungsvermögen, Innovationslust gegen Strukturkonservatismus, Veränderungswunsch gegen Veränderungsangst."

Weitere Artikel: Michael Fleischer untersucht die Beziehung der Familie Fontane zu dem Bankier Gerson von Bleichroeder. Emilie Fontane jedenfalls war hingerissen: "Ich habe eine wirklich genußreiche Stunde mit ihm verlebt und freue mich, daß sich dieselbe, nach seinem Wunsch, in nächster Zeit wiederholen soll." Ulrich Holbein leidet mit den gequält dreinblickenden Musikern bei Klassikkonzerten. "Einst muss es Zeiten gegeben haben, in denen Flötenspiel noch nicht zu doppelseitigem Kreuzbiss führte." Christian Schlüter liest den rot-grünen Koalitionsvertrag und macht sich Gedanken über Gedankenstriche. Renee Zucker verzeiht den rot-grünen Wahlbetrügern nur fast alles. Mathias Wedel erklärt den Minister für die neuen Länder Manfred Stolpe zum Super-Ossi. Michael Hanisch meldet sich vom krisengeschüttelten Filmfest im polnischen Gydnia. Und Thomas Kling gratuliert dem Dichter Oskar Pastior (mehr) zum Fünfundsiebzigsten.

Besprochen werden Christopher Nolans Cop-Film "Insomnia" mit einem brillanten Al Pacino, Knut Hamsuns neu herausgegebenes Prozesstagebuch "Auf überwachsenen Pfaden", Hubertus Hierls schwarzweißer Bildband "Picasso beim Stierkampf" sowie Martin Seels philosophische Studien (mehr in unserer Bücherschau sonntags ab 11 Uhr).

Im Magazin plaudert der Schleyer-Entführer und das frühere RAF-Mitglied Peter Jürgen Boock über den Popstar Andreas Baader. "Den Starkult hatte er in der Szene von ganz alleine. Es gab sonst nicht sehr viele Leute, die sich einfach das nächstbeste Auto besorgt haben und damit losgefahren sind. Die anderen aus der Szene haben sich vielleicht ein 2CV bei der Nachbar-WG ausgeliehen, der dann nach 500 Metern schlapp machte. Und bei uns stand ein Daimler vor der Tür." Vom Leiter des Jugendamtes!.

Horst Bubeck, damals Gefängniswärter in Stammheim, erinnert sich, wie Jean-Paul Sartre zu Besuch kam. "Der französische Philosoph sprach mit Baader im Besucherzimmer, die Zellen bekam er nicht zu Gesicht. Abends erklärte Sartre während einer Pressekonferenz, Baader habe wie ein Gefolterter gewirkt und im Gegensatz zu anderen Häftlingen nachts kein Licht. Daniel Cohn-Bendit übersetzte. 'Ich dachte, ich bin auf einem anderen Stern', sagt Bubeck", der die RAF-Häftlinge eher als privilegiert in Erinnerung hat.

Außerdem erforscht Volker Mazassek, was der Alpenverein auf seinen Jahreshauptversammlungen eigentlich macht. Andrea Strunk reist in den Norden Afghanistans, wo ein harter Winter vor der Tür steht. Ob Dieter Bohlen ein "Dummbatz" ist, können wir anhand ausgesuchter Stellen seines Buches nachprüfen. Und Ole Helmhausen warnt uns noch davor, an die Niagara-Fälle zu fahren.

TAZ, 19.10.2002

Das Tazmag nimmt sich heute der Schweiz an. Kathrin Rebsamen ist unglücklich verliebt - in ihr Land. Das Exil erträgt sie kaum. "Schweizern fehlt im Ausland immer etwas. Ich fühle mich schon all die Jahre unvollkommen. In Frankreich fehlt mir die Tiefe der Deutschen, in Deutschland vermisse ich bis heute eine gewisse mediterrane Leichtigkeit, in Amerika erscheinen mir die Schweizer Berge erschreckend weit weg, in Italien ? Ich will nicht behaupten, die Schweiz sei das bessere Land." Tja, warum eigentlich nicht?

Weiteres: Toni Keppeler forscht in Sachen Schweizer Mann. Wo? Im Schwimmbad natürlich. Denn "nirgendwo ist der Mann in größerer und deshalb statistisch relevanter Menge so nackt wie in der Umkleidekabine". Philipp Mäder erzählt die skurrile Geschichte von 30 Schweizern, die in die DDR auswanderten. Yves Rosset inspiziert die zwei neuen Eisenbahntunnel, die gerade durch die Alpen getrieben werden. Niklaus Hablützel verspürt nicht einmal nach dreißig Jahren Heimweh. Dazu gibt es kleine Faktendossiers, über die Schweizer Eisenbahn, Schweizer Design, Schweizer Leute, Schweizer Nachkriegsgeschichte und die Expo 2002.

Im Feuilleton stellt Lars Brinkmann fest, dass der Sniper von Washington in keine Schublade passt. Daniel Bax schreibt über Patrice (hier ein paar Bilder), der zwar aus Kerpen kommt, aber nicht Rennen fährt, sondern Reggae macht.

Besprochen werden Rob Cohens stumpfsinniger Agentenfilm "xXx - Triple X", eine Schau neuer Arbeiten von Marc Brandenburg (homepage) im Kölner Chelsea Kunstraum sowie R. L. Stines mörderische Romanreihe "Fear Street" (mehr in unserer Bücherschau sonntags ab 11 Uhr).

Auf der Tagesthemenseite prangt das Porträt der Punk-Band Fehlfarben (homepage), die sich nach zwanzig Jahren wieder zusammengefunden haben. Im Interview verraten sie außerdem den Weg zu einem glücklicheren Leben. "Großkotzige Ziele setzen ist einfach scheiße. Einfach machen, sage ich immer. Ist ja schwer genug."

Auf der Medienseite lesen wir einen Report Konrad Lischkas über die Münchner Medientage, in dem er halb amüsiert, halb entsetzt von den Methoden der Verleger zur Bewältigung der Zeitungskrise berichtet.

Und schließlich TOM.
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NZZ, 19.10.2002

Der teuerste italienische Film aller Zeiten aller Zeiten ist gerade angelaufen, Roberto Benignis "Pinocchio", berichtet Franz Haas. Vertrieben wird der Film vom Imperium eines gewissen Silvio Berlusconi, mit dem Benigni eigentlich nicht befreundet ist: "Berlusconi, bereits daran gewöhnt, die künstlerischen Produkte seiner ideologischen Feinde zu 'vertreiben', etwa in seinen Verlagen: ganz aufgeklärter Souverän, der sich mit kritischen Intellektuellen schmückt. Benigni, auf einer Pressekonferenz nach seiner 'ökumenischen Politik' befragt, meinte pfiffig: Er wolle 'hinter Berlusconis Rücken nichts Gutes über ihn sagen', dieser sei zwar kein großer Politiker, aber 'einer der besten Geschäftsmänner der Welt'."

Sieglinde Geisel schickt außerdem eine Reportage aus Halle, wo mit der Bundeskulturstiftung wieder kulturelles Leben einzieht. Besprochen werden eine Ausstellung des Lichtdesigners Ingo Maurer in Weil am Rhein, ein Auftritt des White Oak Dance Project im Musical-Theater Basel und das Merkur-Heft über das Lachen als westliche Charaktergröße.

In Literatur und Kunst schreibt Ramin Schor eine ausführliche Würdigung über den Maler Barnett Newman, dem in der Tate Gallery eine Retrospektive seines Gesamtwerks gewidmet ist.

In zwei Artikeln werden Netzkünstler vorgestellt. Villö Huszai porträtiert Heath Bunting und stellt sein, ebenfalls mit der Tate Gallery erarbeitetes, Projekt BorderXing guide vor, das man auf Buntings Adresse allerdings nur betrachten darf, wenn man aus bestimmten Ländern kommt oder sich anmeldet (mehr hier und hier). Und Reinhard Storz befasst sich mit der Künstlergruppe Jodi, deren (amüsante!) Internetadresse neun "W"s hat: http://wwwwwwwww.jodi.org. Aber Vorsicht vor dem "bösartigen Java-Script" auf dieser Seite!

Weitere Themen: Dorothea Dieckmann gratuliert Günter Grass sehr ausführlich zum 75. Geburtstag. Hierzu gehört eine kurze Besprechung der Grass-Ausstellung in der Akademie der Künste. In einem ebenfalls sehr langen Artikel erzählt Andres Briner eine Episode aus der Geschichte der Donaueschinger Musikfestspiele, die Paul Hindemith durch eine (jetzt erst im Nachlass entdeckte) Eingabe im Jahr 1926 aus einer Krise zu retten suchte. Hans Zender erinnert außerdem an den Komponisten Earle Brown, der vor kurzem gestorben ist.

Und "her." denkt in einer Glosse über den Gebrauch des Wortes "virtuell" nach und erzählt, wie in der S-Bahn eine "rund vierzigjährige Dame... ihre goldschwere Hand auf das Knie des Ehemannes legt und ihm zuraunt: 'Hast du diesen Busen gesehen? Alles Plastic - völlig virtuell.'"

FAZ, 19.10.2002

Hans-Magnus Enzenseberger singt ein Klagelied auf die Lage der deutschen Bibliotheken, denen er jedoch - angesichts eines viel besseren Service in amerikanischen Bibliotheken - ein paar kritische Fragen nicht erspart: "Vielleicht sind an der bedrohlichen Lage unserer ehrwürdigen Schatzhäuser doch nicht nur die wölfischen Finanzminister und die Evangelisten der künstlichen Intelligenz schuld? Könnte es sein, dass in den deutschen Bibliotheken der Wirt allzu lange seine Rechnung ohne den Gast gemacht hat und dass ihnen Millionen von enttäuschten und verärgerten 'Benutzern' deshalb die politische Unterstützung versagen, ohne die es mit ihrer Zukunft trübe aussieht?"

Weitere Artikel: Dietmar Polaczek macht sich Gedanken über die Folgen eines möglichen Zusammenbruchs des Fiat-Konzerns für Italien und Europa. Lorenz Jäger unterhält sich mit Stefan Aust über den Fememord an Ulrich Schmücker im Jahr 1974, an dem der Verfassungsschutz Mitschuld trägt - der Spiegel-Chef und RAF-Experte hat mit dem Buch "Der Lockvogel" neue Erkenntnisse über den Fall vorgelegt. Ingeborg Harms wirft einen Blick in deutsche Zeitschriften, die das Ende der Epoche der Selbstästhetisierung ausrufen. Gerhard R. Koch berichtet begeistert von Heiner Goebbels' Musiktheaterstück "Landschaft mit entfernten Verwandten", in dem das Ensemble Modern zum Bühnenprotagonisten wurde: "Schauspieler und Tänzer hätten derlei multiple Performance kaum leisten können. Es waren frappierend bewegte farbige Klangbilder aus dem schwarzen Bauch der realen Kunst- und Ideen-Geschichte." Ebenso dringend empfiehlt Georg Imdahl die Ausstellung "Sehmaschinen und Bilderwelten" im Kölner Museum Ludwig, die Stücke aus der Sammlung des Filmemachers Werner Nekes zeigt und "eine veritable Kulturgeschichte der visuellen Bildmedien" und der optischen Täuschungen erzählt. Ferner hat Niklas Bender einer Lesung Alain Robbe-Grillets in Frankfurt zugehört. Und Jürg Altwegg resümiert die Schweizer Expo 02.

Auf der Medienseite empfiehlt Sandra Kegel den morgigen "Tatort" des WDR: Axel Prahl und Jan Josef Liefers geben ihr Debüt in Münster: "Die Provinz nährt von jeher das Genie, das kriminelle wie das kriminalistische."

In den Ruinen von Bildern und Zeiten wird eine Rede des Historikers Arno Lustiger nachgedruckt, der ein Loblied auf den polnischen Patrioten und Katholiken Wladyslaw Bartoszewski singt. Und Herrmann Barth hofft, dass die evangelische Position bei der Schwangerenkonfliktberatung und der Biopolitik "die christliche Botschaft nicht verdunkeln" möge.

Besprochen werden eine Ausstellung der Zeichnungssammlung, die der New Yorker Kunsthändler Eugene Thaw zusammengetragen hat, in der New Yorker Pierpont Morgan Library (einige exquisite Stücke kann man online betrachten), Roberto Ciullis "Titus Andronicus"-Inszenierung in Mülheim, und bei den Büchern, Rohinton Mistrys neuer Roman "Die Quadratur des Glücks", der um den Booker Prize konkurriert. (Hier das erste Kapiel auf englisch und eine Lesung Mistrys.)

Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite geht's um eine Gesamtaufnahme der Klavierwerke Olivier Messiaens durch Roger Muraro, um Augustin Dumays (Violine), Maria Joao Pires (Klavier) Neuaufnahme von Beethovens Violinsonaten, um eine Debussy- und Ravel-CD des Orchesters der Beethovenhalle Bonn unter Marc Soustrot, um eine neue CD des Singer-songwriters Jackson Browne und um eine CD des Jazzpianisten Brad Mehldau.

In der Frankfurter Anthologie stellt Harald Hartung das Gedicht "Lieblied 19 (Haben doch sieben Leben)" von Robert Schindel vor:

"Wir müssen vorsichtig sein mein Lieb
Das verlangt unser Realitätsprinzip
Wir sind so verschossen ineinand meine Liebe..."