Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.06.2002. In der Zeit kritisiert Elias Khoury die arabische Zensur. In der FAZ ärgert sich Thomas Mann über den High-brow-Sudler Martin Heidegger. Die NZZ beschreibt die Europäische Universität in Sankt Petersburg. Die FR trauert um die letzte Großnische der Kultur: Berlin. In der taz erklärt der Theatermacher Matthias Lilienthal seine hysterische Sehnsucht nach Realität. In der SZ geißelt Wolf Lepenies den eigentlichen Skandal der Pisa-Studie: schlechte Schüler sind arme Schüler.

Zeit, 20.06.2002

In einem Interview mit Youssef Hijazi spricht der libanesische Schriftsteller Elias Khoury über die in den arabischen Ländern herrschende Zensur in Sachen palästinensischer Befreiungskampf: "Die Aufgabe der Sicherheitsapparate ist es, demokratische und laizistische Strömungen auszumerzen, indem sie sich der Religion bedienen, um die Intellektuellen einzuschüchtern. Der Feind der Freiheit ist also die Diktatur, nicht der Islam."

Die Bild-Zeitung wird fünfzig. Doch die Bild von heute ist nicht die Bild von damals, oder? In der ganzen Zeit sind Artikel über das Institut verstreut - auch Josef Joffe ließ es sich nicht nehmen, auf Seite 1 einen brandaktuellen Kommentar beizusteuern. Thomas E. Schmidt beschäftigt sich mit Mythos und Wirklichkeit des gleichsam belächelten und gefürchteten Blattes: "Nicht das Fernsehen erfindet die Wirklichkeit, die wahre Virtuosin in dieser Sache ist Bild. Fünfzig Jahre harte Arbeit am Paralleluniversum."

"Wer wird Fußball-Weltmeister?" lautet in diesen Tagen die brennende Frage, auch in "intellektuellen" Kreisen. Fünf Künstler aus aller Welt (Feridun Zaimoglu für die Türkei, Ingo Metzmacher für Deutschland, Franzobel für Amerika, Ze do Rock für Brasilien und Nuruddin Farah für Senegal) stehen in der Fan-Kurve und haben eine Antwort parat.

Weiteres: Veit Heinichen (Mitbegründer des Berlin Verlags) beobachtet in einem Hintergrundartikel, wie die Buchbranche über Probleme jammert, die sie sich selbst geschaffen hat: Im Streit um die mögliche Privatisierung von italienischen Kunstgütern stehen sich Staatssekretär Vittorio Sgarbi (mehr hier) und Kultusminister Giuliano Urbani (mehr hier) erbittert gegenüber, berichtet Petra Reski. In der Serie "Auf der documenta" schreibt diesmal der Philosoph Martin Seel, der die Kraft der diesjährigen documenta in der Spannweite der Kunstformen sieht. Wie Claudia Herstatt berichtet, bemüht sich die documenta um ein neues Modell der Kulturfinanzierung und steigt in den Kunsthandel ein. Basel bietet mit gleich drei Malerei-Ausstellungen ein anziehendes Gegenprogramm zur documenta, berichtet Petra Kipphoff. Sabine Horst schreibt über eine neue Tendenz des populären Kinos: die Redundanz.

Besprochen werden Nin Yings Film "I love Beijing", zwei Stücke im Rahmen der Wiener Festwochen - die neue Castorf-Inszenierung von Bulgakovs "Der Meister und Margarita" und Luc Bondys Fassung von Schnitzlers "Anatol"-, die Foto-Ausstellung "Das zweite Gesicht" im Deutschen Museum München, John Neumeiers Tanz-Version von Tschechows "Möve" an der Hamburgischen Staatsoper und CDs, einmal Lauryn Hills "Unplugged 2.0" und die Ersteinspielung des Klavierquintetts op. 29 von George Enescu.

Aufmacher des Literaturteils ist ein Essay von Elisabeth von Thadden über nervöse Kinder und Bücher zum Thema ("Neues vom Zappelphilipp"). Zu den Besprechungen gehört ein Artikel von Kurt Sontheimer über Ralf Dahrendorfs "Die Krisen der Demokratie" (siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

Im politischen Teil veröffentlicht die Zeit jenen Essay aus der Gazeta Wyborcza, in dem Adam Michnik und Adam Krzeminski dafür plädieren, ein "Museum der Vertreibung" nicht in Berlin, sondern in Breslau anzusiedeln - wegen der europäischen Dimension der Ereignisse: "Die Erinnerung sollte dort stattfinden, wo die Taten geschahen; diese Katastrophen sind untrennbar Teil der Geschichte und der Identität des Landes wie auch der Menschen, die dort leben und leben werden. Ebenso wenig darf man übersehen, dass die Vertreibung der Deutschen im 20. Jahrhundert keineswegs singulär war, wahrscheinlich nicht einmal quantitativ die umfangreichste, wenn man die Zwangsumsiedlungen in der UdSSR oder im vom Hitler besetzten Europa berücksichtigt."

Und im Dossier begibt sich Annette Mayhöfer auf einen Stadtspaziergang durch Berlin und diagnostiziert "Spießigkeit und Lust am Untergang".

FAZ, 20.06.2002

Der Theologe Erdmann Sturm meldet den Fund zweier unbekannter Briefe Thomas Manns an den Theologen Paul Tillich. Im ersten Brief von 1939 erläutert Mann sein "Broschürenprojekt", im zweiten Brief von 1944 reagiert er auf die Lektüre von Tillichs Aufsatz "Existential Philosophy", der in der Zeitschrift Journal of the History of Ideas" veröffentlicht worden war. Darin findet sich Manns "ausführlichste und deutlichste Äußerung zu Heidegger und zur deutschen Existenzphilosophie", schreibt Sturm. Die FAZ hat den Brief abgedruckt. Hier ein Auszug: "Heidegger - ich habe diesen Nazi par existence doch niemals leiden können. Jetzt hätte mir die Probe aus seinem philosophischen Schreckensjargon, die Sie anführen, beinahe das Heft aus der Hand geschlagen. Jemeinigkeit! Sollte so etwas nicht strafbar sein? Zuerst hielt ich es für einen Berolinismus, der mit 'gemein' zu habe. Und das hat es denn ja auch. Man sollte solche schimpflichen Excesse des 'Dämons der deutschen Sprache' (Beschönigung! Beschönigung!) Fremden, die auf ihre Sprache halten, garnicht vor Augen führen. Schopenhauer hätte diesem High-brow-Sudler und kriminellen Sprachschänder die Meinung gesagt."

Mike Figgis' Film "Timecode" läuft in Deutschland nur in einem einzigen Kino - dem Central in Berlin. Das ist ein Skandal, meint Michael Althen. "'Timecode' ist nun mal anders als andere Filme. Die Leinwand ist viergeteilt, und wir sehen ungeschnitten, wie vier Geschichten rund um das Filmgewerbe am Sunset Boulevard aufeinander zulaufen. Es muss ja nicht jeder diesen Film hinterher lieben, aber wenn man sich für ihn nicht mehr interessiert, wofür denn dann noch?" Daneben widmet der Regisseur Dominik Graf dem Film eine liebevolle Besprechung: "'Timecode' erschien mir beim ersten Mal sofort als ein Erlebnis, das die genetische Entschlüsselung unseres filmischen Blicks ein großes Stück weiterbringt. Und uns dabei quasi neue Augen wachsen lässt - oder unsere bisher einfache Wahrnehmung zersplittert. Wir sehen neunzig Minuten lang wie mit dem Auge einer Fliege ..."

Rainer Hermann stellt uns "einen der sympathischsten Reichen" vor, den türkischen Unternehmer Sakip Sabanci (hier ein Bild mit Studenten, Sabanci ist der freundliche Herr in der Mitte). Dieser ist ein bedeutender Sammler türkischer Kunst. Damit seine Kollektion nicht unter den Erben verteilt wird, hat er eine Stiftung gegründet und seine Villa am Bosporus in ein Museum verwandelt. Außerdem "engagiert sich der erfolgreiche Unternehmer gesellschaftspolitisch und als Philanthrop: Dreißig Schulen finanziert er, daneben Bibliotheken, Theater und mehr als ein Dutzend Kulturzentren. Zuletzt hat er die Sabanci-Universität gegründet, der das Museum am Bosporus angegliedert ist."

Weitere Artikel: Wilhelm Klauser beschreibt das Barak-Haus in Sommieres vor, dem Architekt Francois Roche eine Art Tarnkappe verpasst hat. Andreas Obst gratuliert Beach Boy Brian Wilson zum Sechzigsten. Dirk Schümer beschreibt in seiner Venedig-Kolumne den Schwarzmarkt für gefälschte Markentaschen. Und auf der letzten Seite erzählt Oliver Tolmein, wie vor dem Bundesgerichtshof über ein "Kind als Schaden" verhandelt wurde.

Besprochen werden das einzige Deutschland-Konzert von David Byrne (mehr hier) in Frankfurt, der Film "Francisca" von Eva Lopez-Sanchez, Opern von Vinko Globokar und Juraj Benes, die in Bielefeld und Köln uraufgeführt wurden, und die Ausstellung "Bollywood. Das indische Kino und die Schweiz" im Zürcher Museum für Gestaltung.

NZZ, 20.06.2002

Studierende an westlichen Universitäten können demnächst in Sankt Petersburg ein interdisziplinäres Auslandsstudium beginnen und mit 6300 Dollar Studiengebühren die Umstrukturierung der postsowjetischen russischen Geisteswissenschaften fördern: Ulrich M. Schmid berichtet von einer privaten und vom Bildungsministerium nicht anerkannten Europäischen Universität, die 1994 mit den Fachbereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Politologie/Soziologie, Ökonomie und Ethnologie gegründet wurde und sich bisher aus amerikanischen Stiftungen finanziert. Hauptanliegen des Rektors Boris Firsow sei "die Verbreitung einer neuen akademischen Kultur intellektueller Flexibilität" und die Anwendung "westlicher Methoden und Erkenntnisinteressen auf russische Kulturphänomene".

Weitere Artikel: Victor Conzemius erinnert zum hundertsten Todestag an den englischen Historiker Lord John Emerich Dalberg Acton; Das norwegische Parlament gibt endgültig "grünes Licht" für den Bau einer neuen Osloer Oper; Joachim Güntner ehrt den scheidenden Direktor der Kestner-Gesellschaft Carl Haenlein.

Besprochen werden unter anderem die neue CD "Murray Street" der Avantgarde-Band Sonic Youth sowie zwei Pop-Alben, ein Album von der Gruppe Tocotronic und "Raw Digits" von Super Collider; eine Ausstellung mit dem Titel "Pasion - Leidenschaft" zum Schaffen der spanischen Designer seit 1980 in der Berliner Akademie der Künste.

Der Rest sind Buchrezensionen: Georg Sütterlin bespricht Peter Careys epischen Versuch, sich mit "Die Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang" der Person Ned Kellys zu nähern; Flann O'Briens Roman in Kolumnen Golden Hours sowie der Roman "Kunstlicht" von Joost Zwagerman, "Mansur oder der Duft des Abendlandes" als deutschsprachiger Roman des irakischen Aussiedlers Hussain al-Mozany und ein historischer Miniaturroman "Auf einer Terrasse in Rom" von Pascal Quignard (siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr).
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FR, 20.06.2002

Am Beispiel Berlin meditiert Thomas Medicus über die Reduktion des Kulturbetriebs: "Wer nicht Immobilienmakler oder Autoverkäufer im suburbanen Westdeutschland, sondern Autor, vielleicht sogar Schriftsteller werden will, emigriert nach Berlin. Mit dem Fluchtraum Kultur und dessen letzter Großnische Berlin könnte es demnächst allerdings gänzlich vorbei sein. Vermutlich wird ein ganzes, am Tropf dahinschmelzender westdeutscher Prosperität hängendes Soziotop um sein Überleben kämpfen. Der Autor-Flaneur, unter den hauptstädtischen Armen bislang noch über das vergleichsweise größte Sozialprestige verfügend, droht überflüssig zu werden. Vielleicht muss er bald anstelle des Laptops die Beine in die Hand nehmen. Dass die FAZ jetzt ihre täglich erscheinenden Berliner Seiten einstellt, hat für den Nimbus der Stadt fatale symbolische Bedeutung. Statt Kult und Kultur könnte soziale Wärme im Quartier das letzte Surplus sein, das die Berliner Ökonomie ihrer Vorhut noch zu bieten hat."

Sacha Verna kommentiert den Sponsorenwechsel beim britischen Booker-Preis, dem angesehensten aller britischen Kulturpreise. Nach 33 Jahren entschied das Management des bisherigen Preisstifters, des Lebensmittelgroßhändlers Booker Cash & Carry Ltd., sich nach einem geldgebenden Nachfolger umzuschauen und fand diesen in der Investment-Firma The Man Group. Zum allgemeinen Entzücken erhöhte die Man Group als erstes das Preisgeld auf 50.000 Pfund und verkündete dann, den Man Booker Preis, wie er ab sofort heißen wird, auf die USA auszudehnen - was, Sasha Verna zufolge, das literarische Volk jenseits des Ärmelkanals vor Empörung aufschreien ließ.

Weitere Artikel: Rüdiger Wischenbart beschreibt die aktuelle Krise von Buchhandel und Verlagen als Kehrseite der Medienexpansion. Roman Luckscheiter berichtet von einer zum fünfzigjährigen Bestehen der Eichendorff-Gesellschaft veranstalteten Tagung in Heidelberg, Diethart Kerbs unterrichtet über eine Fachtagung im Stuttgarter Rathaus, die der schwierigen Frage "Foto-Erbe: Fotografen-Nachlässe als Herausforderung" gewidmet war. Und im "Wimmelbild Dokumenta" zoomt sich Elke Buhr an die Frage heran: "Wer aber ist Dr. Fadl Fakhouri?" Der habe nämlich in ein Notizbuch 145 Zeitungsausschnitte mit Fotografien von Autos eingeklebt, die in Modell und Farbe genau mit jenen Autos übereinstimmten, die während der libanesischen Bürgerkriege als Autobomben zum Einsatz gekommen sind.

Besprochen werden: Ning Yings Film "I Love Beijing", Igor Bauersimas Stück "norway.today" an den Münchner Kammerspielen, die Debüt-Alben von Ashanti und Tweet, deren jugendliche Sängerinnen "ihrer neoliberalistisch durchgeschüttelten Zielgruppe" auch optisch schlüssig darlegen können, "warum es sich lohnt, schon mit 15 ein eigenes Einkommen und sexuelle Skills zu haben", die Ausstellung "Game Over" im Kasseler Sepulkralmuseum, die zweiteilige Foto-Ausstellung "heute bis jetzt" im Düsseldorfer Kunst Palast und Bücher, darunter Hans Ulrich Gumbrechts Essays über das "Leben und Sterben der großen Romanisten", Alfredo Bryce Echeniques Roman "Eine Welt für Julius" und Caroline Vollmanns Neuübersetzung der "Madame Bovary" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr). 

TAZ, 20.06.2002

Katrin Bettina Müller hat sich mit Matthias Lilienthal, dem Programmdirektor des Festivals "Theater der Welt", über sein Programm, das Rheinland und seine Utopie vom Theater unterhalten. Statt den Begriff des Politischen will Lilienthal für das Theater lieber den Begriff der Ethik in Anspruch nehmen: "Beim Politischen denkt man immer an 60er-, 70er-Jahre und die Marxismus-Leninismus-Diskussionen... Irgendwelche Weisheiten theatralisch zu illustrieren und zu versenden interessiert mich überhaupt nicht. Das ist furchtbar. Es dreht sich darum, unüberschaubare Anordnungen loszutreten und sich von den Ergebnissen überraschen zu lassen - das meine ich mit der Suche nach Ethik." Ansonsten hat Lilienthal "eine hysterische Sehnsucht nach Realität".

Besprochen werden der Film "Francisca" der mexikanischen Regisseurin Eva Lopez-Sanchez und Frank Castorfs Inszenierung von Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita" für die Wiener Festwochen. Hinweisen wollen wir noch auf eine Reportage aus Ghana auf den Tagesthemenseiten: Nadine Bilke hat dort den König der Dagomba besucht. Und auf den Medienseiten beschreibt Arno Frank die Sparmaßnahmen der FAZ.

Schließlich Tom.

SZ, 20.06.2002

Gottfried Knapp tastet sich mit wachsender Begeisterung motivisch durch die Kasseler Dokumenta. Am Ende ist er so reich bepackt mit Dokumentarischem, dass er sogar den Titel Documenta zu überdenken beginnt: "Ja es schleicht sich der Gedanke ein, dass der 50 Jahre alte Name der Schau in diesem Jahr überhaupt zum ersten Mal einen Sinn bekommen hat." Schlecht schneidet die Gegenveranstaltung, die Kunstmesse Basel bei ihm ab: "Dass derzeit drei große Basler Ausstellungsinstitute eine triumphale Wiederentdeckung jenes Mediums Malerei feiern, das bei der Documenta auf ein paar kaum überlebensfähige Rudimente beschränkt bleibt, und dass parallel dazu auf der Art Basel der Kunsthandel in geradezu obszöner Selbstherrlichkeit die Favoriten der euro-amerikanischen Anlage-Berater-Kunst als Maß aller Dinge bestätigt hat, das lässt das Geldzentrum Basel im Documenta-Jahr wie ein golden überkrontes Bollwerk der Reaktion erscheinen."

Wolf Lepenies hat sich noch einmal die Ergebnisse der PISA-Studie angesehen und sieht deren Skandal nicht so sehr in "den Differenzen der schulischen Leistungen, die zwischen Wanne-Eickel und Straubing sichtbar werden" als in der Tatsache, dass schlechte Schüler in der Regel arme Schüler sind, was Lepenies zufolge auch in Frankreich die Krise des dortigen Bildungssystems kennzeichne. "Skandalös ist es, dass Deutschland in der engen Korrelation von Klassenlage und Bildungschancen unangefochten einen Spitzenplatz einnimmt. Darin liegt auch für unsere Republik die größte Gefahr für ihren inneren Zusammenhalt."

Weitere Themen: Stefan Koldehoff berichtet über einen Rechtstreit zwischen Beuys-Witwe Eva und einem Lehrer aus Kleve, der jetzt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verhandelt wurde und unter anderem die Aktivitäten Beuys' für eine "Deutsche Studentenpartei" zum Gegenstand hat. Anne Linsel beschreibt die Rechenakrobatik in der Wuppertaler Kulturverwaltung, bei der es nicht nur um den Verbleib des weltberühmten Ensembles von Pina Bausch in der Stadt geht. Tobias Kniebe hat Diane Lane getroffen, die in Adrian Lynes Film "Untreu" fremd geht, obwohl sie mit Richard Gere verheiratet ist ("Alles nur Endorphine", sagt sie.). Hartmut Kaelble gratuliert dem Historiker Rudolf von Thadden zum siebzigsten Geburtstag. Sonja Zerki legt dar, wie Bayern sich eine Stiftung für seine Gedenkstätten bastelt. Lothar Müller bedauert, dass mit jedem "Golden Goal" das vorhergegangene Spiel geopfert wird. Außerdem wird anläßlich der Übernahme der "exklusiven Sponsorenschaft" für die Berliner Philharmoniker durch die Deutsche Bank über die Bank als philanthropisches Institut philosophiert.

Besprochen werden eine Jürgen-Teller-Retrospektive im Münchner Fotomuseum, Jeffrey Katzenberg Zeichentrickfilm "Spirit, Stallion Of The Cimarron", das Werk des US-amerikanischen Dokumentarfilmers Frederick Wiseman, die "wunderbare Experimentierstube" des Regisseurs Rudolph Thome, dem man im Internet bei der Arbeit an seinem neuen Filmprojekt erleben kann, und Bücher, darunter der vom Jewish Diaspora Museum in Tel Aviv herausgegebene Band "Jews In Arab Lands Today" und eine Neuausgabe von Knut Hamsums Spätwerk (mehr in unserer Bücherschau ab 14.00 Uhr).