Magazinrundschau
Soll Jamie den Kanzler noch einmal anrufen?
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
Forbes (USA), 04.02.2026
Mehrere Artikel großer amerikanischer Medien befassen sich zur Zeit mit der Frage, woher Jeffrey Epsteins großes Vermögen (600 Millionen Dollar, schätzt man) eigentlich stammte. Die New York Times erzählte die Geschichte Mitte Dezember von Epsteins Anfängen als Arbeitersohn aber höchst brillantem Schüler (genial in Mathe) an. Den aktuellsten Artikel liefern Giacomo Tognini und Monica Hunter-Hart in dem auf Vermögensfragen spezialisierten Magazin Forbes. Vieles scheint geklärt, und dann doch wieder nicht, schreiben die Autoren. Epsteins Geld kam zum großen Teil aus der Verwaltung großer Privatvermögen, etwa der Milliardäre Les Wexner oder Leon Black. Die jüngsten bekannt gewordenen Kunden sind Ariane de Rothschild, die heute die berühmte Bank gleichen Namens leitet, und der Immobilien- und Medienmogul Mortimer Zuckerman. Die Herkunft von Epsteins Geldern ist also einigermaßen klar, so die Forbes-Autoren, was erstaunt, ist aber die Höhe der Zahlungen: "Die Summen, die Rothschild und Zuckerman angeblich für Dienstleistungen im Bereich Vermögensverwaltung gezahlt haben - 15 beziehungsweise 20 Millionen Dollar - sind ungewöhnlich. 'Diese Gebühr von 15 Millionen Dollar entspräche dem Honorar von drei der teuersten Anwälte für Treuhand- und Nachlassplanung des Landes, die in den größten Anwaltskanzleien der Welt ausschließlich an diesem einen Fall arbeiten würden', sagt ein Vermögensplanungsexperte, mit dem Forbes gesprochen hat. 'Das wäre bei einem echten Anwalt oder Vermögensverwalter niemals zulässig. Sie würden ihre Lizenz verlieren.' Der Experte bezeichnet die vagen Formulierungen in den Verträgen und Entwürfen als 'verdächtig'. In einer Version der Rothschild-Vereinbarung werden beispielsweise Epsteins Dienstleistungen als 'Risikoanalyse und Nachlassplanung in Bezug auf Vermögenswerte und Nachlässe... sowie die Anwendung und Nutzung bestimmter Algorithmen' beschrieben. 'Das klingt wie etwas, das man heutzutage in eine KI eingeben und sagen würde: Kannst du mir irgendwelchen Bullshit zusammenbasteln?'." Die Geschichten von New York Times und Forbes sind bei watson.ch gut zusammengefasst. Interessant ist auch Françoise Thoms Recherche über Epstein als "russisches Asset" in Deskrussie, die bereits im Juli 25 erschienen war.New Statesman (UK), 10.02.2026
Was hat es konkret mit den Epstein-Kontakten des ehemaligen britischen Wirtschaftsministers (und späteren US-Botschafters) Peter Mandelson auf sich, die im Zentrum der aktuellen britischen Regierungskrise stehen? Oli Dugmore fragt beim Steuerrechtler Dan Neidle nach. Besonders schwer wiegt laut Neidle eine Episode aus dem Jahr 2009, als Mandelson mit Epstein über eine geplante Steuererhöhung für Bänkerbonusse kommunizierte; und auch, der Verdacht liegt nahe, mit dem CEO von Epsteins Bank JP Morgan: "Bei einer Steuer wie dieser würde man in der Tat erwarten, dass der Wirtschaftsminister von den Banken kontaktiert wird und das Thema anschließend mit dem Schatzkanzler bespricht. Das gehört gewissermaßen zum Aufgabenbereich des Wirtschaftsministers. Aber so etwas soll im Rahmen der Regierungsarbeit normalerweise an der Öffentlichkeit passieren. Genau so war es bei Peter Mandelson eben nicht. Am 15. Dezember fragt Epstein Mandelson nach einigen Details zu der Steuer. Er drängt Mandelson gewissermaßen. Mandelson hatte in einer nicht offengelegten privaten Funktion mit Banklobbyisten zu tun - das ist an sich noch nicht verwerflich. Doch am 17. Dezember ändert sich das. Wir sehen hier vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, aber wir sehen eine E-Mail von Epstein an Mandelson, in der er schreibt: 'Soll Jamie [Dimon, CEO von JP Morgan] den Kanzler noch einmal anrufen?' Und Mandelson antwortet: 'Ja, und dabei leicht drohen.' Darauf schreibt Epstein: 'Können wir sprechen?' Wir wissen nicht, worüber sie gesprochen haben, aber der Wirtschaftsminister, ein ranghohes Kabinettsmitglied, rät einer ausländischen Bank, der britischen Regierung zu drohen, um britische Regierungspolitik zu ändern." Keineswegs, darauf legt Neidle wert, handelt es sich um business as usual, wie manche nun zynisch behaupten. Eine solche Argumentation nützt nur den Schuldigen: "Damit liefert man Mandelson im Fall eines Gerichtsverfahrens sogar eine Verteidigungsstrategie, denn er könnte sagen: 'Ich habe mich nur so verhalten, wie es alle anderen auch getan haben.' Aber so verhalten sich Menschen nicht - und es wird auch nicht erwartet, dass sie sich so verhalten. Wenn man in einer Bank, einer Anwaltskanzlei, als Wirtschaftsprüfer oder in einer Wohltätigkeitsorganisation so handeln würden, würde man entlassen werden. Für die Regierung gilt nichts anderes."Ailbhe Rea wiederum rekonstruiert, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Mandelson zum US-Botschafter ernannt wurde, obwohl die Labour-Regierung über seine Epstein-Kontakte - wenn auch nicht über deren Umfang - Bescheid wusste. Keir Starmers nun geschasster Stabschef Morgan McSweeney spielte dabei eine entscheidende Rolle. Den Schaden hat jetzt die gesamte Partei: "Doch diejenigen, die McSweeney stürzen und Starmer mit einem erneuerten Team sowie linkeren politischen Positionen neu erfinden wollen, könnten feststellen, dass der Premierminister durch die Entfernung seines engsten Beraters eher geschwächt wird. Wie das Sprichwort sagt: 'Berater beraten, Minister entscheiden.' Keir Starmer, der gewählte Politiker und Parteivorsitzende, trägt letztlich die Verantwortung für die Entscheidungen seiner Regierung. (…) Inzwischen erkennen große Teile der Labour-Partei, generationenübergreifend, eine problematische Abhängigkeit von Mandelson, dieser charismatischen Figur, die sie immer wieder in Verruf gebracht hat, und ziehen stillschweigend den Schluss, dass es sich hierbei nicht um ein ausschließliches Problem von Starmer oder Morgan McSweeney handelt. Der Premierminister und sein Stabschef sind lediglich die jüngsten Parteigrößen, die an einer alten Schwäche der Labour-Partei gescheitert sind."
New Lines Magazine (USA), 10.02.2026
Gerade hat Japans Premierministerin Sanae Takaichi bei vorgezogenen Neuwahlen mit 60 Prozent der Stimmen einen erdrutschartigen Sieg errungen, über den Eleonora Zocca berichtet. Aber das Votum für Takaichi bedeutet nicht unbedingt eine breitere Zustimmung für ihre Liberaldemokratische Partei (LDP), meint Zocca. Denn das politische Klima verändere sich zu Gunsten von viel extremeren Kräften: Die "MAGA-isierung" der japanischen Politik ist in vollem Gange, befeuert von der rechtsextremen Partei Sanseito, die zwar noch wenig Sitze im Parlament hat, aber genug Macht, um den Diskurs nach rechts zu verschieben: "Die Partei, die 2020 während der Covid-19-Pandemie auf YouTube entstand und von Sohei Kamiya geführt wird, hat sich die Strategien von QAnon zu eigen gemacht. Erstmals in der japanischen Politik ist es Sanseito gelungen, diverse Verschwörungstheorien miteinander zu verknüpfen - über Impfstoffe, 'globalistische Eliten', die Nationalstaaten (darunter Japan) zerstören wollen, und fremdenfeindliche Propaganda, die sich vor allem gegen Chinesen, aber auch gegen Kurden richtet - das alles unter dem Motto 'Japan zuerst' (...) Während die antichinesische Stimmung in Japans kolonialer Vergangenheit und der Geschichtsrevision vieler Ereignisse des Zweiten Weltkriegs wurzelt, sind der Hass gegen Kurden und Muslimfeindlichkeit im Allgemeinen jüngere Phänomene. Eine kurdische Gemeinschaft lebt hauptsächlich in den Städten Warabi und Kawaguchi in der Präfektur Saitama. Obwohl sie nur etwa 3.000 Menschen bei einer Gesamtbevölkerung von 670.000 ausmacht, wird die Region abwertend als 'Warabistan' bezeichnet. Hauptgrund für die verschärften Spannungen war ein Vorfall im Jahr 2023, als ein privater Streit in einer Messerstecherei mündete und die beteiligten kurdischen Gemeindemitglieder das Krankenhaus überfüllten, wodurch die Notfallversorgung vorübergehend beeinträchtigt wurde. Obwohl Flüchtlingsaufnahme, chinesische Investitionen und Übertourismus normalerweise unterschiedliche politische Ansätze erfordern würden, hat Sanseito sie unter einem breiteren Begriff zusammengefasst."New York Times (USA), 07.02.2026
Ruth Margalit porträtiert den linken israelischen Politiker Yair Golan, der sicher der Wunschkandidat der New York Times als Nachfolger Netanjahus wäre - im Oktober soll gewählt werden. Er sei der einzige, der an einer Zweistaatenlösung festhält. Den Gazakrieg hätte er im Februar 2024 beendet. Er ist ein ehemaliger General, den Netanjahu sogar eine Zeitlang als Oberkommandierenden der IDF ins Auge gefasst hatte. Aber dann kam eine Episode, die ihn israelweit berühmt machte. Für Margalit beweist sie die moralische Integrität Golans. Ein israelischer Soldat hatte im Jahr 2016 einen schwer verletzten, aber wehrlosen Selbstmordattentäter aus nächster Nähe erschossen. Golan hatte diese Tat scharf verurteilt und vor einem Niedergang Israels gewarnt. "Was folgte, war ein Ausbruch öffentlicher Empörung. 'Unsere Soldaten werden mit Nazis verglichen', schimpfte ein Minister der Regierung. Die Forderungen nach Golans Entlassung wurden immer lauter. 'Von diesem Moment an gab es keine Familie in Israel mehr, die den Namen Yair Golan nicht kannte', sagt ein lokaler Fernsehjournalist. Golan sagt, dass der damalige israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman ihm in einem privaten Gespräch mitgeteilt hätte, dass Netanjahu ihn nicht mehr für die Spitzenposition der IDF in Betracht ziehen würde. Golan wollte das nicht glauben. Für ihn war seine Äußerung nicht politisch. 'Ich dachte, ich würde lediglich vor aktuellen Tendenzen warnen', erinnert er sich. Zum ersten Mal war er gezwungen, über eine Zukunft außerhalb der Armee nachzudenken."Elet es Irodalom (Ungarn), 06.02.2026

HVG (Ungarn), 05.02.2026
Die Sozialwissenschaftlerin Andrea Szabó beschreibt weniger als drei Monaten vor den anstehenden Parlamentswahlen verbale Entgleisungen der Regierungspartei Fidesz während des Wahlkampfs, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, die Auslandsungarn, die Romabevölkerung, die verarmte ländliche Bevölkerung sowie die GenZ verunsichern oder gar entfremden: "Die Jugend lebt nicht in Fernsehstudios, sondern auf TikTok und Instagram. Dort wird Politik nicht mit Respekt behandelt, sondern sofort auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Gerade deshalb ist die Geste besonders vielsagend, wenn Orbán - angesichts der Abkehr der Jugendlichen - die Eltern auffordert, 'mit ihren Kindern zu sprechen', weil die Rabauken nicht für die Fidesz stimmen wollen. Diese Aussagen (und der dahinterstehende Reflex) zeigen eindrücklich die Kluft zwischen den Generationen: Als wären junge Wähler keine autonomen Bürger, sondern ein 'Umerziehungsprojekt' innerhalb der Familie. Als wäre politische Entscheidung keine Frage der Überzeugung, sondern der Disziplinierung. (…) Die Fidesz gerät derzeit nicht deshalb in Schwierigkeiten, weil sie nach langer Zeit einen echten Gegner hat. Sondern weil sie die Kontrolle über das Tempo verliert und unter Zeitdruck eine Reihe von Äußerungen und Gesten macht, die gleichzeitig Roma, Menschen mit niedrigem Status, die ungarische Minderheiten in den umliegenden Ländern und jüngere Generationen vor den Kopf stoßen. Diese vier Gruppen können aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichen Sprachen, aber in die gleiche Richtung tendieren: Sie wollen nicht länger Statisten in einem hektischen Wahlkampf sein. Es sind noch siebzig Tage bis zu den Wahlen. In dieser Phase geht es nicht mehr darum, wer was sagen will. Sondern darum, was bereits gesagt wurde - und wessen Würde dabei verletzt wurde."Merkur (Deutschland), 10.02.2026

Wired (USA), 29.01.2026
Ein US-Kriegsveteran unter dem Pseudoym John Publius hat sich für Wired genau angesehen, wie sich Trumps eilig rekrutierte und schlecht ausgebildete ICE-Schergen im Feld verhalten - und verzweifelt schier über deren Gehabe und Dilettantismus. ICE, unterstreicht er, ist eine Zivilbehörde, die sich zwar wie Militär kostümiert, aber jeglichen militärischen Sachverstand vermissen lässt: ihre völlig überdimensionierte Ausstaffierung, ihr taktisches Verhalten, die Unangemessenheit ihres militärischen Gebarens gegenüber der eigenen Zivilbevölkerung ohne übergeordneten militärischen Konflikt, die Lust an der Gewalt - all dies habe hochgradig chaotische Aspekte und erinnere an die Anfangstage des Kriegs gegen den Terror vor zwanzig Jahren, aus dessen Fehlern das Militär aber längst gelernt habe. "Sollte das ICE-Vorgehen im Dienst eines strategischen Zieles stehen, sind die Implikationen entweder verwirrend oder verstörend. Verwirrend, weil die ICE-Taktiken kontraproduktiv sind, sollte es der Regierung darum gehen, Abschiebungen zu erhöhen und die öffentliche Unterstützung dafür zu bewahren. Verstörend, weil das Vorgehen von ICE sich mit einer von militärischen Strategen ermittelten Theorie deckt, der Theorie der Kontrolle. Diese Theorie, die üblicherweise in autoritären Staaten wie China oder Russland umgesetzt ist, umfasst mehrere Aspekte einer unkonventionellen Kriegsführung: Mediale Kriegsführung, psychologische Kriegsführung und eine Indienstnahme des juristischen Wegs (was manchmal 'lawfare' genannt wird), um nur einige zu nennen. Strategien zur Kontrolle können sowohl gegen einen äußeren Feind eingesetzt werden wie gegen einen inneren. Sie nutzen Terror-Taktiken, um gewalttätigen Widerstand zu provozieren und dann damit dessen brutale Niederschlagung zu rechtfertigen und Gesetzesverschärfungen zu entschuldigen, mit denen Terrorismus und Hochverrat neu definiert werden. Die Regime nutzen die dadurch entstehende, chaotische Gemengelage, um damit weitere Aktionen zu verfolgen. Es handelt sich dabei, grob gesagt, um Politikmachen mittels Krisen. ... Sollten die politischen Ziele dieser Vorgehensweisen indessen nicht darauf zielen, profundes Misstrauen, Verwirrung, Zweife, Zorn und Zersetzung hervorzurufen, dann erscheinen sie fehlgeleitet und falsch angewendet. Eine Vorgehensweise, die von der Strategie abgekoppelt ist, führt zu strategischem Versagen."New Yorker (USA), 23.02.2026
Ozempic wird zwar in erster Linie zum Abnehmen genutzt, zeigt sich aber in verschiedenen Studien als vielversprechendes Mittel gegen Suchterkrankungen, wie Dhruv Khullar für den New Yorker herausgefunden hat. Alkoholkranke, die mit dem Medikament behandelt wurden, waren nach kurzer Zeit in der Lage, dem Drang nach einem Drink zu widerstehen, die mit dem Trinken verknüpften Dopaminspitzen blieben aus und erlaubten den Studienteilnehmern einen moderaten Umgang mit dem Suchtmittel: "GLP-1-Medikamente scheinen den Druck, der von den Substanzen ausgeht, mental abzumildern. Es ist, als ob die Medikamente die Antwort des Hirns zu bestimmten Belohnungen runterregulieren - und vielleicht die roten Flecken, die ich auf dem MRT aufleuchten gesehen hab, dimmen - und damit eine überwältigende emotionale Reaktion in etwas verwandeln, das sich losgelöst betrachten lässt, aus einer Distanz." Mit der Ärztin und Suchtforscherin Sarah Kawasaki spricht Khullar aber auch über eine Perspektive, die bislang ausbleibt: "Es ist gefährlich zu denken, dass GLP-1-Medikamente ein Heilmittel sind, argumentiert sie - und das nicht nur, weil sie je nach Person anders wirken. 'Sie tun nichts, um das Warum hinter einer Sucht zu adressieren', sagt sie: Trauma, Einsamkeit, Schmerz, Stress, Armut. 'Diese Warums sind zunächst greifbar, aber über die Zeit, wenn Drogen zum Bewältigungsmechanismus werden, verschwinden sie. Die Warums werden zu einem unsichtbaren Teil dessen, was es so schwierig für die Menschen macht, durch den Tag zu kommen.'"
David Remnick hat durchaus Sympathie für die Irren da draußen, die nachts im Radio oder heute im Netz die anderen Schlaflosen mit ihren Verschwörungstheorien, Ufo-Sichtungen oder Erweckungsmomenten in der Mülltonne von Bob Dylan unterhalten. In dieser Tradition eines Long John oder Art Bell steht für Remnick auch "The Joe Rogan Experience", Joe Rogans dreistündiger Podcast, das einfach so zum populärsten Podcast der Welt und damit zu einer echten Macht geworden ist, - mit 14 Millionen Followern auf Spotify, und mehr als 20 Millionen Zuhörern auf Youtube. Rogan ist so unberechenbar wie seine Vorgänger im Radio, meint Remnick. "Er ist für die Homo-Ehe, für ein universelles Grundeinkommen und für den zweiten Verfassungszusatz. Er mischt eine Prise Anti-Woke- und Anti-Identitätspolitik-Comedy mit einer breitbeinigen Art von Aufgeschlossenheit. ... Er hat mit Bernie Sanders eine gemeinsame Basis in Bezug auf Einkommensungleichheit, Auslandskriege und automatisierte Arbeit gefunden, obwohl sie sich über Elon Musk uneinig waren." Dann wieder flirtete er mit Donald Trump, bevor er sich jüngst von ihm distanzierte. Rogan liebt Provokateure, aber er ist kein Journalist, und das ist - jedenfalls immer dann, wenn es politisch wird - ein Problem für Remnick, denn Rogan orientiert sich immer noch an alten Größen wie Art Bell: "Rogan sprach einmal ausdrücklich über seine Bewunderung für Bells Methode. 'Er hatte viele interessante Leute zu Gast, aber dann mischte er sich hin und wieder mit einem Typen ein, der behauptete, er sei ein Werwolf. Und Art würde niemals sagen: Mann, du bist kein Werwolf! Er würde sagen: Interessant, erzähl mir mehr darüber. Er ließ die Typen reden. Er ließ die Typen die lächerlichsten Sachen erzählen.' Das war auch immer Rogans Methode - die Leute die absurdesten Dinge sagen zu lassen. Das ist harmloser Spaß, wenn Bill Burr Witze über die Ehe macht oder Mark (der Bestatter) Calaway seine Karriere als Profi-Wrestler Revue passieren lässt." Doch Rogan hört Impfgegner oder Antisemiten mit dem gleichen symphatisierenden Interesse zu. Zum Bespiel den selbsternannten Forschern Ian Carroll oder Darryl Cooper, der in Rogans Podcast "auf 'jüdische Milliardäre, die sich im Namen des globalen Judentums zusammenschließen' zu sprechen kam. Jeffrey Epstein, so behauptete er, sei Teil einer 'jüdischen Organisation, die im Namen Israels und anderer Gruppen arbeiten' und mit der CIA, dem Mossad und dem britischen Geheimdienst verbunden seien. Israel, so Carroll weiter, sei von jüdischen Gangstern und 'der Bankiersfamilie Rothschild' gegründet worden. Als Antwort auf eine von Carrolls Arien über die Geschichte Israels und frühe paramilitärische Gruppen bemerkte Rogan 'Interessant ist, dass man jetzt, nach dem 7. Oktober, nach Gaza, darüber sprechen kann.'" Rogan hat nicht verstanden, dass er kein Showmaster mehr ist, sondern "Teil des Mechanismus, durch den Ideen - gute, schlechte und groteske - aus der Randzone in den Mainstream gelangen", meint Remnick.
Weiteres: Rebecca Mead schreibt über den britischen Landschaftsmaler Andy Goldsworthy. Und Gideon Lewis-Kraus erzählt, wie die Firma Anthropic versucht, ihre AI zu verstehen.



