Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.03.2006. Der MDR (und zum Teil auch die SZ) dokumentiert Juri Andruchowytschs dramatischen Appell an Europa. In der Welt schildert Viktor Jerofejew die Entmenschlichung in der russischen Armee. Und Sonja Margolina beklagt in der NZZ, dass die russischen Archive wieder zugesperrt werden. In der Zeit bekennt Spike Lee seine Verzweiflung über das New Black Cinema. Im Tagesspiegel fordert Amitai Etzioni eine Veränderung der amerikanischen Außenpolitik. In der FR enthüllt Slavenka Drakulic das Geheimnis hinter Milosevics Streben nach Macht - den Machtdurst seiner Lady Macbeth.

SZ, 16.03.2006

Gestern Abend hat Juri Andruchowytsch den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2006 erhalten und in einer aufsehenerregenden Rede den EU-Kommissar Günter Verheugen angegriffen, der die Ukraine nicht in der EU sehen will. Die SZ dokumentiert die Rede zum Teil, in Gänze ist sie als pdf beim MDR nachzulesen. "Die Europäische Verständigung hat nicht stattgefunden", konstatiert der Autor bitter und appelliert nochmal an die Länder der EU: "Ihre Hilfe für dieses verfluchte Land, in dessen Sprache ich schreibe und mich erkläre, ist für mich lebensnotwendig. Und es wäre gar nicht so fantastisch schwer, diese Hilfe zu leisten. Sie bestünde lediglich in einem: nichts formulieren, was die Hoffnung tötet." Abgedruckt in der SZ ist auch Ingo Schulzes Laudatio auf Andruchowytsch.

"Ich gestehe zu", sagt der emeritierte Professor für Soziologie und Sozialpolitik an der Universität Bielefeld, Franz-Xaver Kaufmann, in einem Gespräch mit Alex Rühle, "dass die Forderung nach einem Altersvorsorgezwang für Personen, die - manchmal aus für sie tragischen Gründen - keine Elternverantwortung übernehmen, noch als politisch unkorrekt gilt. Es ist aber praktisch unmöglich, Familien ausreichend zu fördern, ohne die ökonomischen Vorteile der Kinderlosigkeit abzubauen. Diese Einsicht wird sich durchsetzen."

Im Übrigen wird ein Auszug des neuen hessischen Einwanderungsfragebogens präsentiert, den Gustav Seibt "weniger verschwiemelt" findet, das meiste sogar "handfest und praktisch": "Ein wenig Büffelei für die einen, beruhigender Abwehrzauber für die anderen." Er enthält übrigens Aufgaben wie: "Erläutern sie den Begriff 'Existenzrecht Israels'." Oder auch: "Der deutsche Maler Caspar David Friedrich malte auf einem seiner bekanntesten Bilder eine Landschaft auf der Ostseeinsel Rügen. Welches Motiv zeigt dieses Bild? (Eine vollständige Version gibt es bei Spiegel Online).

Weiteres: Marcus Rothe unterhält sich mit Mel Brooks über seinen neuen Film, die Nazi-Parodie "The Producers" und sagt: "Ich würde niemals einen Film wie Roberto Benignis 'Das Leben ist schön' machen. Er war mutig, aber auch leicht verrückt. Denn man kann den Horror nicht mit einer Art Poesie weißwaschen." Fritz Göttler gratuliert Jerry Lewis zum achtzigsten Geburtstag, Lothar Müller dem spanischen Erzähler Francisco Ayala zum hundertsten. Auf der Medienseite kommentiert Hans Hoff etwas unlustig die diesjährige Vergabe des Grimme-Preises, bei der er Mut zur ernsthaften Debatte vermisst.

Besprochen werden Susan Stromans und Mel Brooks neuer Film "The Producers", Gregor Schnitzlers Verfilmung von Gudrun Pausewangs Roman über einen AKW-Störfall "Die Wolke", Erik Gedeons gelungenes Musical "Hartz IV" am Staatsschauspiel Dresden und Michael Simons misslungener "Hamlet" am gleichen Haus, die Ausstellung "Konstantin Grcic Industrial Design" im Münchner Haus der Kunst, die Brecht-Ausstellung aus Beständen der Sammlung Victor Cohen in der Stiftung Archiv der Berliner Akademie der Künste und ein Münchner Beethoven-Konzert des Pianisten Andras Schiff.

Zeit, 16.03.2006

Regisseur Spike Lee spricht im Interview mit Katja Nicodemus über seinen neuen Film "Inside Man", den komplizierter werdenden Kampf der Kulturen und das Elend des Schwarzen Kinos: "Schlechtes Thema. Es gab diese schwarze Welle. Leider ist sie ein wenig verebbt. Ziemlich verebbt. Es gibt durchaus mehr afroamerikanische Regisseure. Aber nicht genug politische Power. Es werden blöde Komödien, Gangsta-, HipHop- und Drogenfilme gedreht. Die Glorifizierung der Gangsta-Typen, ihrer Gewalt und ihrer schwarzen Machowelt ist für mich ein politisches Problem. Wann haben Sie je einen Film über die schwarze Mittelklasse gesehen? Warum sind die Schwarzen im Mainstreamkino entweder gehirnamputierte Clowns oder Zuhälter oder Rapper? Warum gilt es unter jungen Schwarzen heute als uncool, ein College zu besuchen?"

Angesichts der jüngsten Attacken auf das aktuelle Theater räumt Thomas Assheuer zwar ein, dass es sie durchaus gibt, die Provokateure, Berserker, Skandalkasper und Gleichgültigen, vermutet hinter dem Theaterkampf aber das "Bedürfnis nach einer neuen Kunstreligion". "Es mildert die deprimierende Erfahrung, dass sich die Kernkrisen des Landes nicht mehr bewältigen lassen. Was immer man unternimmt, sie sind auf unverschämte Weise resistent gegen politische Steuerung. Die Regierung wechselt, die Krise bleibt. Und welche Illusion ist nicht der Enttäuschung zum Opfer gefallen... Die Zukunft scheint abgewohnt; sie ist keine Projektionsfläche mehr für kollektive Wünsche. Am Ende des Tunnels wartet nur mehr die sinnstiftende Kunst und nimmt die Enttäuschten in Empfang.".

In der Randglosse widmet sich Hanno Rauterberg Gregor Schneiders umstrittener Kaaba-Nachbildung, die nun in Hamburg im Rahmen einer Malewitsch-Ausstellung aufgestellt werden soll. Jörg Lau berichtet von einer Konferenz zum Dialog der Kulturen in Kairo, die tiefe Gräben innerhalb der arabischen Welt deutlich machte. Julia Gerlach erzählt von dem islamischen Fernsehprediger Amr Khaled, der dänische und arabische Jugendliche zusammenbrachte und dafür heftige Angriffe auf sich zog. Zum achtzigsten Geburtstag von Siegfried Lenz schreibt ihm Fritz. J. Raddatz eine Hommage. Mit persönlichen Bilanzen begeht die Redaktion auch den vierzigsten Geburtstag der Videokunst. Claudia Herstatt berichtet von der Kunstmesse in Maastricht.

Besprochen werden der dreiteilige Abend "Triple Bill" des Berliner Staatsballetts mit Choreografien von William Forsythe, David Parson und Leo Mujic, das neue Album von Calexico "Garden Ruin", eine Lesung von Flauberts "Madame Bovary" und in der Reihe "Klassiker der Modernen Musik" das legendäre Album von Velvet Underground mit Nico.

In einem Musik-Sonderteil schreibt Thomas Groß über den dauerpubertierenden Songwriter Adam Green, Wolfram Goertz unterhält sich mit dem perfektionistischen Pianisten Krystian Zimmerman und Ralph Geisenhanslüke feiert das beste Album des grandiosen Prince seit langem.

Im Leben warnt Iris Radisch junge Frauen davor, sich von den "Gebärkampagnen" von FAZ und Spiegel unter Druck setzen zu lassen. Der Preis für das Mutterglück sei höher, als es die Herren wahrhaben wollen. Für das Dossier besucht Kerstin Kohlenberg die Familie des einstigen Schlächters von Kambodscha Pol Pot.

Außerdem erscheint heute eine achtzigseitige Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse, in deren Aufmacher Ulrich Greiner Thomas Langs Roman "Am Seil" feiert.

Welt, 16.03.2006

Der größte Feind der russischen Armee ist sie selbst, schreibt Viktor Jerofejew, wo Rekruten massenhaft gefoltert und vergewaltigt werden, so dass Putin nun sogar auf die Idee kam, eine Militärpolizei zu gründen: "Zum Symbol des jüngsten Skandals wurde der Rekrut Sytschow: Den jungen Soldaten einer Panzerschule in Tscheljabinsk quälten seine Kameraden in der Neujahrsnacht 2006 sadistisch und zu ihrem Vergnügen auf eine Weise, dass er schließlich Wundbrand bekam. Die Ärzte amputierten ihm beide Beine, die Genitalien und einige Finger. Vielleicht wird der Rekrut Sytschow eines Tages zum Helden eines pazifistischen Romans oder Films, bislang aber bemühen sich die Ärzte in einem Moskauer Krankenhaus noch, dem Idol aller russischen Deserteure, die der Armee offen den Kampf angesagt haben (es sind ungefähr 40 000), das Leben zu retten."

Weitere Artikel: Max Hermann lässt die Geschichte der drei großen Literaturpreise, die in den letzten Jahren entstanden sind, die Corine in München, den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse, Revue passieren und findet, dass jeder dieser Preise seine Funktion gefunden hat. Eckhard Fuhr verfolgte ein Gespräch zwischen den Historikern Edgar Wolfrum und Arnulf Baring - Anlass war Wolfrums Buch "Die geglückte Demokratie" (Leseprobe) eine optimistische Geschichte der Bundesrepublik. Matthias Heine gratuliert Jerry Lewis zum Achtzigsten.

Besprochen werden die neue Platte von Prince, der Film "V wie Vendetta" (mehr hier) mit Natalie Portman, der Kinderkatastrophenfilm "Die Wolke" (mehr hier), das Transsexuellendrama "Transamerica" (mehr hier).

Auf der Medienseite schildert Gerti Schön Entwicklungen auf dem amerikanischen Zeitungmarkt, wo die Auflagen weiter zurückgehen. Im Magazin unterhält sich Antje Hildebrandt mit Anke Engelke.
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Presse, 16.03.2006

Im Interview mit Anne-Catherine Simon schildert Necla Kelek die Situation türkischstämmiger männlicher Jugendlicher, die sie in ihrem neuen Buch untersucht: "Sie leben fremdbestimmt, sind Anforderungen ausgeliefert, die sie nicht bewältigen können: Weil sie bildungsfern leben und einem Männerbild entsprechen müssen, das auf Gehorsam fußt. Sie müssen früh auf der Straße ihr Mannsein bestätigen, Freundschaft zwischen den Geschlechtern gibt es nicht. Wenn man mit Einzelnen spricht, nicht in der Gruppe, merkt man, in was für einer grauenvollen Liebesarmut sie leben!"
Stichwörter: Necla Kelek

Tagesspiegel, 16.03.2006

Auf der Meinungsseite fordert der Soziologe Amitai Etzioni, der Gründervater des Kommunitarismus, eine Veränderung der US-amerikanischen Außenpolitik: "Anstatt zu versuchen, sich mit den Liberalen in der muslimischen Welt zu verbinden (die USA haben gerade 85 Millionen Dollar für die Verbreitung der Demokratie in Iran zur Verfügung gestellt), sollte die Regierung erkennen, dass die Mehrheit der Muslime moderat, aber nicht liberal ist. Sie sind gegen Meinungsfreiheit oder die Rechte der Frauen, akzeptieren aber, dass andere Länder andere Religionen haben, und, vor allem, sie lehnen Gewalt ab - als Invasion anderer Länder oder als Terror."

FR, 16.03.2006

Die kroatische Schriftstellerin Slavenka Drakulic erklärt, warum sie glaubt, dass der ehemalige serbische Diktator Slobodan Milosevic in seinem Haager Gefängnis aus Liebe zu seiner Frau starb: "Das Geheimnis hinter seinem Streben nach Macht war der Wunsch Miras, ihn zum mächtigsten Mann Jugoslawiens zu machen. Sie war die wichtigste Person seines Lebens - und anscheinend auch seines Todes. Ihre lebenslange Liebesgeschichte, ihre manipulative Natur, ihr Machtdurst, der ihr den Spitznamen 'Lady Macbeth' eintrug, ihre totale Abhängigkeit voneinander - das alles macht sie zu einem sonderbaren, aber faszinierenden Paar."

"Es gibt keine Zuschauer bei Sierra, keine Täter und Opfer, nur Teilnehmer", erläutert Mirja Rosenau anhand einer Performance-Aktion im Rahmen der Kunstmesse "fine art fair frankfurt" die Methode von Santiago Sierra, der jüngst die Republik verstörte, als er eine Synagoge zur Gaskammer werden ließ. "Und die Scham, die diese unter Umständen ergreift, resultiert aus der Einsicht, freiwillig tragender Baustein einer beschämenden Inszenierung zu sein. Sierra demonstriert, zu was sich Menschen, zu was man sich selbst hat hinreißen lassen: gegen Bezahlung oder auch bloß das Versprechen, eine Erfahrung zu machen. So werden alle zu freiwilligen Kollaborateuren in seinem zynischen Spiel, zu Zeugen (moralischer) Hinrichtungen, auch ihrer eigenen."

Weiteres: Karin Ceballos Betancur schickt einen Bericht vom Lesungsfestival lit.cologne. Ina Hartwig glossiert etwas missmutig die Literaturpreispolitik der Buchmesse in Leipzig. Besprochen werden James McTeigues englisch-deutsche Comic-Verfilmung "V wie Vendetta", die Gala "Best of Musical" samt ihrer Solisten Uwe Kröger und Velile Mchunu und Florian Hoffmeister stimmungsvolles Spielfilmdebüt "3° kälter". Eine einsame Buchbesprechung gilt Eva Weissweilers Familiengeschichte "Die Freuds" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

TAZ, 16.03.2006

Georg Seeßlen fühlt sich nach der Verfilmung von Gudrun Pausewangs apokalyptischem Jugendbuchklassiker "Die Wolke" ("approved by Greenpeace", wie es auf der Seite heißt) höchstens agitiert, aber nicht aufgeklärt. "Im Sinne einer Propaganda gegen Atomkraft könnte der Film vielleicht funktionieren (man kann auch das mit Fug bezweifeln), weil niemand das Böse richtig gern hat und der Text am Ende noch einmal die Aufmerksamkeit von der Fiktion auf die Wirklichkeit lenkt: Das Zeug ist ja wirklich mordsgefährlich. Im Sinne einer aufklärenden Bewegung in den Bildern kann ein Film wie 'Die Wolke' indes definitiv nicht funktionieren. Unter den Tränen und unter dem Glück von Katharsis und Märchenstruktur geht gerade das verloren, was den Widerstand nur bestimmen kann: kritisches Urteil und Autonomie. Wenn es ihn gegeben hat, dann haben die Mittel in diesem audiovisuellen Lebkuchenherz den guten Zweck unbarmherzig erstickt in Katastrophenangst und Liebeslust."

Weiteres: In seinem Bericht von der Leipziger Buchmesse meldet Gerrit Bartels zwar keine Trends, aber immerhin die Entdeckung "toller" Romane. Georg Blume befasst sich mit der "intelligenten Pressezensur", die die chinesische Regierung nun bei der aufrührerischen Wochenbeilage Bingdian der Partei-Jugendzeitung angewandt hat. In der zweiten taz lässt sich Plutonia Plarre vom Gründer der World Toilet Organization (WTO) Jack Sim erklären, warum bessere Toiletten der "Schlüssel zur Armutsbekämpfung" sind.

Besprochen wird noch Duncan Tuckers "schönes" Spielfilmdebüt "Transamerica". Außerdem gibt es heute die Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse, die mit einem Text von Andrzej Stasiuk aus dem Sammelband "Last & Lost" aufwartet. Wie gewohnt werten wir die Beilage in den nächsten Tagen aus.

Und Tom.

NZZ, 16.03.2006

Nachdem vor zehn Jahren Mlillionen von Akten erstmals zugänglich gemacht wurden, beobachtet Sonja Margolina in Russland nun eine "Wiederverheimlichung" der Archive. Die Sowjetbürokratie, die eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte verhindern will, geht indirekt vor: "extrem beschränkte Öffnungs- und Arbeitszeiten, jahrelange Inventuren und andere Formen der Zurückweisung von Benutzern. Nach den Beobachtungen von Alla Koiten liegt der Archivkrise eher eine politische Kultur zugrunde, die sich bis in die Zarenzeit zurückverfolgen lässt: 'Jedes Dokument, das aus der Sicht des Staates in die falschen Hände geriet, war eine potenzielle Bedrohung für die Macht. Deshalb wurde das historische Wissen usurpiert.' Der Archivar empfindet die Öffnung des Archivs für das Publikum als bedrohlichen Kontrollverlust und hält sich nach wie vor und unbeirrt für den einzig legitimen Benutzer des Archivs, 'den Besitzer eines Geheimwissens, das nur ihm allein zugänglich ist' - dem kleinen Großinquisitor also."

Weitere Artikel: "Krumping", der zuckende Tanzstil aus South Central L.A., sickert langsam in die kommerzielle Mainstream-Kultur ein, bemerkt Jonathan Fischer. Der Autor Bret Easton Ellis verrät Thomas David im Interview, warum er überhaupt mit ihm spricht. "Letzten Endes, fürchte ich, nur des lieben Geldes wegen. Ich verkaufe lange nicht so viele Bücher wie zum Beispiel Thomas Pynchon oder Philip Roth."

Besprochen werden eine Ausstellung zum hundertsten Todestag Paul Cezannes in der National Gallery of Art in Washington und natürlich Bret Easton Ellis' Roman "Lunar Park".

FAZ, 16.03.2006

Auf der Kinoseite erzählt Jerry Lewis, wie es wirklich um ihn und Dean Martin stand: "Die Leute liebten uns, sie liebten es, zu sehen, wie sich zwei Männer lieben. Das brachte uns 250 Millionen Dollar in zehn Jahren. Jeder schaut nur auf den Witzbold, aber wenn man genau hinsieht, weiß man, wo unsere Kraft herrührte."

Weitere Artikel im Feuilleton: Monika Osberghaus stellt Joachim Masannek und seine erfolgreichen Kinderbücher über die "Wilden Fußballkerle" vor. Joseph Hanimann kann die Studentenproteste in Paris gegen die Arbeitsmarktreform nicht so recht ernst nehmen: "Die natürliche Grenze dieses Aufstands sind die bevorstehenden Diplomprüfungen. Wenige Studenten sind bereit, ihren Protest mit einem verlorenen Jahr zu bezahlen. Das ist der entscheidende Unterschied zu 1968." Dirk Schümer berichtet über Anstrengungen in Belgien und den Niederlanden, ihre Landessprachen zu bewahren, die durch Einwanderer immer mehr unter Druck gerieten: "Mindestens eine halbe Million holländische Bürger, wahrscheinlich aber die doppelte Anzahl - also jeder zwanzigste Bürger -, kann sich nur mühsam oder überhaupt nicht auf niederländisch verständigen." Abgedruckt ist das Vorwort von Elke Heidenreich zu dem Band "Frauen, die schreiben, leben gefährlich". Kerstin Holm berichtet, dass der Unternehmer und jüngste Senator Russlands, Sergej Gordejew, die Villa von Konstantin Melnikow gekauft hat. Er will sie renovieren, behauptet er. Hd. stellt das Programm der Festspiele von Aix-en-Provence vor. Oliver Jungen gratuliert dem Mediävisten Heribert Müller zum Sechzigsten.

Auf der Kinoseite schreibt Robert Müller zum Hundertsten von Brigitte Helm. Auf der Medienseite berichtet Gina Thomas, wie die britische Kulturministerin Tessa Jowell die neue Rolle der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sieht: Es sei "die Aufgabe der BBC, 'Spaß ernst zu nehmen'." Dirk Schümer hat sich beim Fernsehduell Prodi - Berlusconi gelangweilt. Michael Hanfeld nennt die Gewinner des Grimme-Preises und berichtet in einem zweiten Artikel über einen "Krach, wie wir ihn bei der ARD lieben" - es ging um die Auswahl der Kommentatoren der Fußball-WM. Auf der letzten Seite meldet Regina Mönch den Erwerb der "Brecht-Sammlung Victor N.Cohen" durch das Berliner Brecht-Archiv. Julia Bähr war bei einer Lesung von "Wir sind Helden"-Sängerin Judith Holofernes. Und Paul Ingendaay erzählt von einem Besuch bei dem spanischen Schriftsteller Francisco Ayala, der heute hundert Jahre alt wird: "Kürzlich hat Don Francisco eine Krankheit überwunden; von jetzt an, sagte er danach, sei ihm die Zukunft egal, er habe keine mehr. Er fühle sich wie sein eigener Vorfahre." (Hier eine Leseprobe aus seinem Roman "Wie Hunde sterben")

Besprochen werden eine Ausstellung mit Porträtfotos von Isabelle Huppert im C/O Berlin, die Whitney-Biennale in New York und der Film "V for Vendetta".