Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.01.2002. Die FAZ bot das neutrale Territorium, auf dem sich der ehemalige und der aktuelle Berliner Kultursenator zum Streitgespräch treffen konnten. Die SZ befasst sich mit der Lage der Gefangenen von Guantanamo. Den größten Raum nimmt heute jedoch Pierre Bourdieu ein, dem die taz ein Tagesthema widmet. In der FR äußert sich Jürgen Habermas, in der SZ schreibt Wolf Lepenies.

NZZ, 25.01.2002

Joseph Jurt weist in seinem Nachruf auf Pierre Bourdieu darauf hin, dass der Lebensweg des Soziologen "nicht der eines klassischen Pariser Intellektuellen" war: "Er stammte aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen. Er war am 1. August 1930 im kleinen Pyrenäenort Denguin zur Welt gekommen und verleugnete diese Ursprünge nie. Seine Philosophie-Ausbildung absolvierte er an einer der grossen Elite-Schulen Frankreichs, der Ecole Normale Superieure, und er dachte zunächst daran, bei Canguilhem eine philosophische Dissertation zu schreiben, die Fragen der Phänomenologie und der Wissenschaftsgeschichte in Verbindung bringen sollte. Dazu kam es aber nicht... Algerien wurde für ihn zur entscheidenden Erfahrung. Hier 'konvertierte' er von der Philosophie zur Ethnologie und damit auch zu den in der Disziplinenhierarchie niedriger eingestuften Sozialwissenschaften."

Weiteres: Marion Löhndorf erzählt die Geschichte des Londoner Somerset House, das nach seiner Renovierung unterschiedlichen kulturellen Zwecken dient ? unter anderem laufen hier eine Ausstellung mit französischen Zeichnungen von Poussin bis Picasso und eine Ausstellung der Botti-Madonna in der Courtauld Institute Gallery. "Hip, Hype, Hurra" ruft Marc Zitzmann angesichts des neuen "Site de creation contemporaine" im Palais de Tokyo, in dem die Franzosen ernstlich "ein Symbol und Hoffnungsträger für ein Wiederaufblühen der hiesigen Kunstszene" erblicken. Besprochen werden Puccinis "Manon Lescaut" im Nationaltheater München, Marieluise Fleißers "Der starke Stamm" ebendort und ein Mozart-Konzert mit David Zinman und dem Tonhalle-Orchester Zürich. Im "kleinen Glossar des Verschwindens" denkt Karl-Heinz Ott über Radio Beromünster nach.

SZ, 25.01.2002

Die Gefangenen von Guantanamo und das humanitäre Völkerrecht. Der SZ ist es ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die USA letzteres missachten, indem sie sich weigern, die Internierten wie Kriegsgefangene zu behandeln. Der Völkerrechtler Andreas L. Paulus allerdings erklärt, warum die Behandlung der Gefangenen den Genfer Konventionen selbst dann widerspräche, wenn die Kämpfer die Voraussetzung für den Status eines Kriegsgefangenen nicht erfüllten: In diesem Fall, so Paulus, gelten Mindestanforderungen für ihre Behandlung aus dem gemeinsamen Art. 3 der Genfer Abkommen. "Zu den verbotenen Handlungen gehören die Beeinträchtigung der Würde der Gefangenen sowie Verurteilungen oder gar Hinrichtungen ohne vorhergehendes Urteil eines Gerichts, das entgegen den geplanten Sondergerichten von den politischen und militärischen Befehlshabern unabhängig sein muss."

In einem anderen Beitrag beschreibt Andrian Kreye die Einstellung der amerikanischen Öffentlichkeit zu diesem Thema: "War Amerika, heißt es, am 11. September nicht das Ziel des größten Terrorangriffes aller Zeiten? Sind die USA in Afghanistan nicht für die Sicherheit der gesamten Welt in den Krieg gezogen und haben den Kopf hingehalten, während die anderen noch diskutierten? Und jetzt, wo alles vorbei ist, wollen die Europäer nicht nur mitreden, sie fordern auch noch Bequemlichkeiten für jene Männer, die laut New York Post 'die schlimmsten Verbrecher aus Osama bin Ladens Al-Qaida' seien." Doch Europa, meint Kreye, gehe es weniger um das Wohlbefinden der Gefangenen als um die schon pathologische Missachtung der Grund- und Bürgerrechte durch die USA.

Wolf Lepenies schreibt zum Tod von Pierre Bourdieu: "Die Soziologie war für Pierre Bourdieu alles andere als eine fröhliche Wissenschaft. Sie war für ihn die Disziplin vom Ernst und oft genug auch vom Elend des sozialen Lebens."

Weitere Artikel: Lothar Müller war auf einer etwas kuriosen Dichterlesung in der "sky lobby" des Kanzleramts (mit dabei: der Kanzler, Günter Grass und andere Geistesgrößen). Alexander Kissler bewundert die ausdauernde Arthur S. DeMoss-Stiftung für ihr Lebenshilfe-Büchlein "Kraft zum Leben". Und Michael Brenner, Dozent für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München, führt die Hochschuldebatte fort und fragt, wovor sich die Gegner einer Universitätsreform eigentlich so fürchten.

Besprechungen gibt es zu Peter Brooks Inszenierung von Caryl Churchills visionärem Kammerspiel "Far away" in den Pariser Bouffes du Nord, ein Sternstunden-Liederabend mit den "Jungs mit dem Tüdelband" in den Hamburger Kammerspielen, einer Ausstellung mit Werken des holländischen Landschaftsmalers Jacob van Ruisdael in der Hamburger Kunsthalle. Und bei den Büchern: Zu einer Festschriftensammlung des Mediävisten Horst Fuhrmann, einer "grandiosen" Edition von Kafkas Quartheften sowie zu einem Buch rund um die Kaffeebohne (auch in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

FR, 25.01.2002

Die FR schwenkt üppig das Taschentuch. Von dem am Mittwoch verstorbenen Pierre Bourdieu verabschieden sich nicht weniger als sechs BeiträgerInnen, darunter sein deutscher Übersetzer Bernd Schwibs (hier), die Soziologin Claudia Honegger (hier) und Jürgen Habermas, der einen "Stich ins Herz" verspürt und Bourdieu als interdisziplinären Denker und vitalen Polarisierer lobt.

Den eigentlichen Nachruf liefert Christian Schlüter, der uns zwei zentrale Begriffe Bourdieus auseinandersetzt: den des sozialen Feldes, auf dem sich die gesellschaftlichen Akteure um Distinktionsgewinne mühen und eine "Auseinandersetzung zwischen den repräsentativen Institutionen, der vorherrschenden Lehre oder Meinung, dem Etablierten und fraglos Hingenommenen auf der einen Seite und dem Neuen und Abweichenden, gegebenenfalls sogar Subversiven auf der anderen Seite" tobt. Sowie den Begriff des Habitus: "Er ist eine Art Vermittlungsinstanz zwischen dem agierenden Individuum und der Kollektivität seines Zeitalters, eines Systems unbewusster und verinnerlichter Verhaltensmuster ... Jedes Handeln trägt insofern einen milieubedingten und damit auch einen historischen Index. Es ist immer von dieser Welt - auch wenn es sich durch einen ominösen Jenseitsbezug ermächtigt glaubt."

Weiteres: Eva Schweitzer berichtet von einer Ausstellung in New York, die klären will, was künftig an der Stelle des WTC stehen soll (eine erleuchtete "Weltbrücke" vielleicht oder lieber Gedenkinseln, Sonnenuhren, Vogelvolieren?), Tobias Rapp nimmt Brian Wilson, das verlorene Genie der Popmusik, bei der "Pet Sounds Tour" in Berlin in Augenschein, Matthias Dell schreibt über die YSL-Filme des deutschen Produzenten Christian Baute, und die arme Martina Meister war zu Gast in Schröders "sky lobby", musste sich dort "Schwermutsprosa" von Grass und Christa Wolf anhören und schreibt in einem zweiten Beitrag dann auch noch über das düstere Thema auswärtiger Kulturpolitik; deren Dilemma ist so schlicht wie niederschmetternd: "Unter den veränderten geopolitischen Vorzeichen wird der Anspruch an die auswärtige Kulturpolitik immer größer, das Geld, mit dem sie es leisten soll, knapper."

Besprochen werden Marieluise Fleißers "Der starke Stamm" in einer Inszenierung von Thomas Ostermeier an den Münchner Kammerspielen und Michael Apteds eleganter Spionagethriller mit Kate Winslet "Enigma".
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TAZ, 25.01.2002

Trauer um Pierre Bourdieu auch in der taz. Die Tagesthemen widmen dem engagierten Denker ein kleines Dossier. Darin u.a. ein Porträt, verfasst von Andrew James Johnston, ein Interview aus dem Jahr 2000, in dem Bourdieu über seine Vision eines europäischen Sozialstaats spricht, und ein Bericht von Mathias Greffrath, der Bourdieu 2000 interviewen durfte und sich erinnert, dass Bourdieu "die Welt persönlich nahm und die Illusion nicht teilen mochte, dass es auf die Einzelnen, auf ihn nicht ankam.Vielleicht helfe es ja alles nicht, aber man könne es nicht kampflos übergeben, sagte er. Und dann: Der europäische Sozialstaat, die Zivilisiertheit unserer Städte - das seien Errungenschaften, 'so unwahrscheinlich und kostbar wie Kant, Beethoven, Pascal und Mozart'. Die Lachfalten, die nach diesem Satz in seinem Gesicht standen, ließen nicht erkennen, ob er glücklich über diesen gelungenen Satz war oder über dessen Wirkung im Gesicht der schönen, sehr jungen Gewerkschafterin, die ihm gegenüber saß. Bourdieu war ein Liebhaber - der Welt".

In der taz-Kultur berichtet Sven Lager von einer Nacht in Bangkok, in der ihm Michel Houellebecq nicht erscheint (hier), Cornelius Tittel erklärt das "Stumpf ist Trumpf"-Phänomen Scooter ("der erfolgreichste deutsche Dance-Act der letzten Dekade"), Sabine Leucht bespricht Thomas Ostermeiers Inszenierung von Marieluise Fleißers "Der starke Stamm" an den Münchner Kammerspielen, Arno Frank stellt das aktuelle Album von They Might Be Giants vor, und Harald Fricke hat sich von Brian Wilson in concert in Berlin zu Tränen rühren lassen: "Sonderlich entertaining ist er nicht. Hier mal ein Winken oder ein Hello!, ansonsten aber sind seine Augen starr auf einen Ort gerichtet, an dem du und ich vermutlich noch nie gewesen sind. Orpheus wird ihn kennen, Syd Barrett war mal da, vielleicht auch Walt Disney."

Schließlich Tom.

FAZ, 25.01.2002

Die FAZ hatte die gute Idee, den neuen Kultursenator Berlins, Thomas Flierl und seinen Vorgänger, Christoph Stölzl zu einem Streitgespräch zusammenzuführen. Stölzl ist hier der aggressivere, Flierl gibt sich sanft. Er wolle Ost und West zusammenführen, sagt er: "Ja, der Versuch, mit neuen politischen Konstellationen einen neuen Anlauf zur inneren Einheit, zur Verständigung, zur Normalisierung der Stadt zu unternehmen, wird unter Garantie neue Entwicklungen anstoßen.... Insofern ist das ganze Koalitionsprojekt in gewisser Weise auch ein kulturpolitisches Projekt: Wie werden die unterschiedlichen politischen Erfahrungen, die in unseren Parteien repräsentiert sind, miteinander klarkommen?" Stölzl, der in der Opposition sogar zu klarer Prosa fähig zu sein scheint, antwortet: "Die PDS hat als ein naturgemäß an Nicht-Einigung interessierter politischer Faktor die Verschiedenheit akzentuiert und damit den sinnvollen Gang der Dinge verzögert."

Mark Siemons verknüpft im Leitartikel Hoffnungen mit der Person Thomas Fliers: "Mit Flierl hätten gerade auch die, die den bewusstlosen Machtbetrieb der Politik beklagen und die die Ideen erkennen wollen, die hinter der Verwaltung stehen, jemanden, mit dem sie streiten könnten. Gerade die Kulturpolitik könnte auf diese Weise an Zurechenbarkeit gewinnen, könnte zu einem Gegenstand wirklichen Disputierens und nicht nur Nachrechnens werden."

Heute soll der Bundestag das neue Urheberrecht beschließen. Der Schriftsteller und Übersetzer Gisbert Haefs glaubt nicht, dass die vorgesehene "angemessene" Honorierung die schlechte finanzielle Situation der Übersetzer ändert. Denn: "Der gewöhnliche gebundene Roman kostete Mitte der fünfziger Jahre etwa zwölf bis fünfzehn Mark; sagen wir sieben Euro. Preise, Löhne, Gehälter, Papier, Setz- und Bindekosten ... haben sich seitdem etwa verachtfacht - aber das Buch kostet heute nicht etwa 56 Euro, sondern um die zwanzig Euro ... der Teil des Kuchens, an dem Verlage, Autoren, Übersetzer und Buchhändler gemeinsam knabbern dürfen, schrumpft seit Jahrzehnten." In einem Kommentar macht sich auch Michael Hanfeld Gedanken über die "Angemessenheit" des Honorars: Er prophezeit eine "Prozesslawine".

Weitere Artikel: Nils Minkmar schreibt den Nachruf auf den Soziologen Pierre Bourdieu, der am Mittwoch in Paris an Krebs gestorben ist (siehe auch unseren Link des Tages). Dieter Bartetzko findet die beiden Empfehlungen der Berliner Expertenkommission zur Zukunft des Berliner Schlossareals verwirrend: "Was die Aktionäre erwartet, wenn schon das ewige 'Sowohl-Als-auch' der Expertenkommission sich liest wie die Forderung nach einer Virgo intacta, die ein bisschen schwanger sein soll, ist unschwer vorzustellen." Jürgen Kaube schreibt den Nachruf auf den amerikanischen Sozialphilosophen Robert Nozick. Joseph Hanimann stellt das neue Kunstzentrum im Pariser Palais de Tokyo (aber Vorsicht! Eine Symphonie in flash-C-Dur) vor. Hans-Peter Riese beschreibt Frank Stellas Großplastik vor der Nationalgalerie Washington. Gemeldet wird, dass das Wettbewerbsprogramm der Berlinale komplett ist. Auf der letzten Seite schreibt Siegfried Stadler über den neuen Campus der Leipziger Universität, der mitten in der Innenstadt entstehen soll.

Auf der Medienseite erzählt Jordan Mejias, wie Amerikas Medien die Regierung anbeten. Und Michael Hanfeld meldet, dass bei Burda die Welt noch in Ordnung ist: "Zwar ist der Bruttoumsatz bei den Anzeigen um 1,5 Prozent gesunken, der Gesamtumsatz jedoch ist von 3,3 auf 3,5 Milliarden Mark gestiegen." Liegt alles an Burda Moden.

Die Schallplatten-und-Phono-Seite würdigt das Lebenswerk der Toten Hosen, die ihren zwanzigsten Geburtstag feiern. Ferner geht's um eine CD mit Palestrina-Messen, um die unangenehme Tendenz alternder Rockstars zu klassischer Musik, um die Cannes Classical Awards, um eine CD der White Stripes und um Klarinetten Konzerte des Weber-Zeitgenossen Heinrich Joseph Baermann.

Besprochen werden Peter Brooks Pariser Inszenierung von Caryl Churchills "Far Away" (Weit weg), eine "fulminante" Ausstellung der Evangelisch-Lutherische Landeskirche über das Verhältnis von Christen und Juden in der Nazi-Zeit in der Hamburger St. Petri Kirche, Ingun Björnsgaards Tanzstück "Book of Songs" in Düsseldorf, Samira Makhmalbafs Kinodrama "Schwarze Tafeln" und eine Ausstellung des Bildhauers Kain Tapper im Sara Hilden Art Museum in Tampere/Finnland.

FAZ, 25.01.2002

Die FAZ hatte die gute Idee, den neuen Kultursenator Berlins, Thomas Flierl und seinen Vorgänger, Christoph Stölzl zu einem Streitgespräch zusammenzuführen. Stölzl ist hier der aggressivere, Flierl gibt sich sanft. Er wolle Ost und West zusammenführen, sagt er: "Ja, der Versuch, mit neuen politischen Konstellationen einen neuen Anlauf zur inneren Einheit, zur Verständigung, zur Normalisierung der Stadt zu unternehmen, wird unter Garantie neue Entwicklungen anstoßen.... Insofern ist das ganze Koalitionsprojekt in gewisser Weise auch ein kulturpolitisches Projekt: Wie werden die unterschiedlichen politischen Erfahrungen, die in unseren Parteien repräsentiert sind, miteinander klarkommen?" Stölzl, der in der Opposition sogar zu klarer Prosa fähig zu sein scheint, antwortet: "Die PDS hat als ein naturgemäß an Nicht-Einigung interessierter politischer Faktor die Verschiedenheit akzentuiert und damit den sinnvollen Gang der Dinge verzögert."

Mark Siemons verknüpft im Leitartikel Hoffnungen mit der Person Thomas Fliers: "Mit Flierl hätten gerade auch die, die den bewusstlosen Machtbetrieb der Politik beklagen und die die Ideen erkennen wollen, die hinter der Verwaltung stehen, jemanden, mit dem sie streiten könnten. Gerade die Kulturpolitik könnte auf diese Weise an Zurechenbarkeit gewinnen, könnte zu einem Gegenstand wirklichen Disputierens und nicht nur Nachrechnens werden."

Heute soll der Bundestag das neue Urheberrecht beschließen. Der Schriftsteller und Übersetzer Gisbert Haefs glaubt nicht, dass die vorgesehene "angemessene" Honorierung die schlechte finanzielle Situation der Übersetzer ändert. Denn: "Der gewöhnliche gebundene Roman kostete Mitte der fünfziger Jahre etwa zwölf bis fünfzehn Mark; sagen wir sieben Euro. Preise, Löhne, Gehälter, Papier, Setz- und Bindekosten ... haben sich seitdem etwa verachtfacht - aber das Buch kostet heute nicht etwa 56 Euro, sondern um die zwanzig Euro ... der Teil des Kuchens, an dem Verlage, Autoren, Übersetzer und Buchhändler gemeinsam knabbern dürfen, schrumpft seit Jahrzehnten." In einem Kommentar macht sich auch Michael Hanfeld Gedanken über die "Angemessenheit" des Honorars: Er prophezeit eine "Prozesslawine".

Weitere Artikel: Nils Minkmar schreibt den Nachruf auf den Soziologen Pierre Bourdieu, der am Mittwoch in Paris an Krebs gestorben ist (siehe auch unseren Link des Tages). Dieter Bartetzko findet die beiden Empfehlungen der Berliner Expertenkommission zur Zukunft des Berliner Schlossareals verwirrend: "Was die Aktionäre erwartet, wenn schon das ewige 'Sowohl-Als-auch' der Expertenkommission sich liest wie die Forderung nach einer Virgo intacta, die ein bisschen schwanger sein soll, ist unschwer vorzustellen." Jürgen Kaube schreibt den Nachruf auf den amerikanischen Sozialphilosophen Robert Nozick. Joseph Hanimann stellt das neue Kunstzentrum im Pariser Palais de Tokyo (aber Vorsicht! Eine Symphonie in flash-C-Dur) vor. Hans-Peter Riese beschreibt Frank Stellas Großplastik vor der Nationalgalerie Washington. Gemeldet wird, dass das Wettbewerbsprogramm der Berlinale komplett ist. Auf der letzten Seite schreibt Siegfried Stadler über den neuen Campus der Leipziger Universität, der mitten in der Innenstadt entstehen soll.

Auf der Medienseite erzählt Jordan Mejias, wie Amerikas Medien die Regierung anbeten. Und Michael Hanfeld meldet, dass bei Burda die Welt noch in Ordnung ist: "Zwar ist der Bruttoumsatz bei den Anzeigen um 1,5 Prozent gesunken, der Gesamtumsatz jedoch ist von 3,3 auf 3,5 Milliarden Mark gestiegen." Liegt alles an Burda Moden.

Die Schallplatten-und-Phono-Seite würdigt das Lebenswerk der Toten Hosen, die ihren zwanzigsten Geburtstag feiern. Ferner geht's um eine CD mit Palestrina-Messen, um die unangenehme Tendenz alternder Rockstars zu klassischer Musik, um die Cannes Classical Awards, um eine CD der White Stripes und um Klarinetten Konzerte des Weber-Zeitgenossen Heinrich Joseph Baermann.

Besprochen werden Peter Brooks Pariser Inszenierung von Caryl Churchills "Far Away" (Weit weg), eine "fulminante" Ausstellung der Evangelisch-Lutherische Landeskirche über das Verhältnis von Christen und Juden in der Nazi-Zeit in der Hamburger St. Petri Kirche, Ingun Björnsgaards Tanzstück "Book of Songs" in Düsseldorf, Samira Makhmalbafs Kinodrama "Schwarze Tafeln" und eine Ausstellung des Bildhauers Kain Tapper im Sara Hilden Art Museum in Tampere/Finnland.