Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.07.2006. Der Salzburger "Figaro" sticht das Bayreuther "Rheingold" aus. Die Netrebko ist eine Wucht, findet die Welt. Die FAZ verteidigt Nikolaus Harnoncourts langsame Tempi. Die SZ jagte von Interruptus zu Interruptus. Na gut, im vierten Akt zieht es sich dann ein bisschen, meint die NZZ. Beim "Rheingold" halten sich die Kritiker dagegen eher noch zurück und warten aufs Kommende. In der taz glaubt Micha Brumlik nicht, dass eine Lösung des Palästinaproblems ausreicht, um Frieden zu bringen. In der FAZ erklärt Veronica Ferres, warum sie Wilhelm Genazinos "Courage" lieber doch nicht spielt.

FR, 28.07.2006

Stefan Schickhaus hat das "Rheingold" in Bayreuth genossen. Dank Christian Thielemann. "In letzter Zeit scheinen sich die Dirigenten ja geradezu überbieten zu wollen in der Delikatesse des Rheingold-Klangs, Simon Rattle neulich bremste ja bereits rekordverdächtig. Christian Thielemann dagegen erreichte jetzt den vollendeten Intimklang. Leiser und filigraner kann man ein Orchester dieser Größe kaum mehr steuern, wobei die Bayreuther Festspielmusiker auch bei keinem anderen Dirigenten die dämpfende Geste so diszipliniert befolgen. Nicht einmal der vom Blech angekündigte Auftritt der Riesen Fafner und Fasolt geriet hier auch nur im Ansatz lärmig. 'Lasst uns doch einfach mal genießen', hatte Thielemann vor der Premiere gesagt, doch dass der Genuss so delikat werden würde, war dann doch ungeheuer. Fünf Vorhänge gab es alleine für ihn."

"Überragend", "unüberbietbar konsequent und radikal" findet Hans-Klaus Jungheinrich Claus Guths Inszenierung des "Figaro" in Salzburg. Auch die Sänger sind wunderbar. Anna Netrebko verkörperte die Susanna "mit Disziplin und Zurückhaltung..., sensibel im Ensemble-Zusammenklang, untadelig in der lyrischen Diktion ihrer Rosenarie im vierten Akt. Reizvoll war die Umgewichtung der Stimmcharaktere: Diesmal war Susanna die dunkler Timbrierte, Verschattetere, während Christine Schäfers Cherubino die leichte, helle, vom Leben scheinbar unberührte Naturform des Schönen hervorkehrte. Die Dritte im Frauenbunde, mit zwei großen Arien eigentlich die Erste, war Dorothea Röschmann als Gräfin, eine zwischen stiller Ergebung und reicher Gemütsaufwallung exakt - vielmehr: somnambul - vermittelnde Belkantistin."

Weiteres: In Times Mager erzählt Christian Schlüter von einem Kälteschock in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Besprochen werden eine Werkschau Hans Bellmers in der Münchner Pinakothek der Moderne und die Festspiele in Herrenchiemsee.

Welt, 28.07.2006

Im Forum fragt Stefan Theil, Deutschland-Korrespondent des US-Magazins Newsweek, warum es in Deutschland zwar reiche Menschen gibt, aber keinen Warren Buffett, der drei Viertel seines Privatvermögens weggab: "Deutschland stellt immerhin 13 der 100 reichsten Menschen der Welt, das Land hat die zweithöchste Zahl von Milliardären nach den USA, doch was weiß man von deren öffentlichem Engagement?"

Manuel Brug erlebte beim Salzburger "Figaro" "zwei magische Momente: Wenn Bartolo (nachdrücklich: Franz-Joseph Selig) 'vendetta'-speiend aus dem Rollstuhl fällt und seine Rache mit der Urdämonie des Steinernen Gastes beschwört. Oder wenn der Hochzeitsmarsch lauter und martialischer wird, das ratlose Grafenpaar auf der Treppe kauert, gern wieder zueinanderfinden würde, aber nicht weiß wie - und ins Leere greift." Und Anna Netrebko: "schwerelos dahinfliegend, rauchzart, individuell. Als Charakter eine Wonne, vokalstilistisch die Wucht."

Mathias Döpfner würdigt in seiner Besprechung des Bayreuther "Rheingold" die Führungsqualitäten Christian Thielemanns: "Der wirkliche Mittelpunkt des Abends ist der Dirigent, die Musik. Christian Thielemann dirigiert nicht wie im Wagner-Wahn, sondern unglaublich diszipliniert. Unprätenziös, sauber, nicht zu langsam, nicht zu schnell. Nicht zu pathetisch, und nicht zu nüchtern. Niemals tranig, immer transparent und präzis."

Weitere Artikel: Hans-Hermann Hertle und Gerhard Sälter legen in einem aus dem Deutschland Archiv übernommenen Artikel dar, dass 16 Jahre nach der Wende immer noch keine endgültige Bilanz über die Zahl der Toten an den innerdeutschen Grenzen vorliegt. Bekanntgegeben werden die Filme des Wettbewerbs von Venedig. Florian Stark freut sich über die abgeschlossene Restaurierung der Wandmalereien in der karolingischen Torhalle von Lorsch.

Besprochen wird eine Ausstellung mit Polizeifotos von Tatorten - darunter ein bisher ungehobener Schatz mit Fotos aus Los Angeles von 1910 bis 1960 - in Düsseldorf.

NZZ, 28.07.2006

Im vierten Akt zieht es sich ganz schön, so Peter Hagmann, aber insgesamt ist er mit dem vierstündigen "Figaro" in Salzburg durchaus froh geworden. "Harnoncourt versteht das Stück nicht nur radikal aus dem Kontext der Da-Ponte-Trilogie heraus, wo es in je anderer Ausformung um gestörte oder zerstörte Beziehungen zwischen den Geschlechtern geht, er setzt auch bei der Dramaturgie der Tempi an, die er im Geist des späten 18. Jahrhunderts auslegt. Das führt zu merklicher Verlangsamung im Ganzen und in einzelnen Nummern zu erheblichen Veränderungen der Zeitmasse, aber auch zu einem ganz anderen Klangbild. Gemächlich mag die Ouverture erscheinen - doch bleibt hier jeder Zug ins Überdrehte aus, wird das Kreisen der auf- und absteigenden Tonleitern voll spürbar und sind die Tremoli für einmal ohne Hast. Und die Wiener Philharmoniker klingen warm und füllig, bringen gleichzeitig aber auch so viel Tiefenwirkung ein, dass die Mittelstimmen in aller Vielfalt zur Geltung kommen."

Verhalten dagegen die Reaktion von Marianne Zelger-Vogt auf das "Rheingold" in Bayreuth. "In entscheidenden Punkten vage, unspezifisch" findet sie Tankred Dorsts Inszenierung, auch fehle es an "großen, markanten Stimmen". Während der Regie und dem Sängerensemble "die eigentlichen Bewährungsproben mit 'Walküre', 'Siegfried' und 'Götterdämmerung' noch bevorstehen, ist Christian Thielemanns Werkauffassung schon jetzt klar umrissen und ausgefeilt bis ins Letzte. Begünstigt durch die einzigartige Akustik des Festspielhauses mit seinem überdeckten Orchestergraben, treten die instrumentalen und dynamischen Akzentsetzungen mit aller Deutlichkeit hervor, doch vor allem ist es der ebenso spannungsvolle wie organische großformale Aufbau und Ablauf, der Thielemanns Dirigat kennzeichnet".

Weitere Artikel: Naomi Bubis hat fünf israelische Schriftsteller nach ihrer Meinung zum Libanonkrieg befragt: Ronit Matalon, Sayed Kashua, Etgar Keret, Orly Castel-Bloom und Aharon Appelfeld. "Ca va peter! - Es wird knallen!" - das sagt der Wirtschaftshistoriker Jacques Marseille in seinem Buch "Du bon usage de la guerre civile en France" (Perrin) voraus, berichtet Jürgen Ritte. Marseille habe historische Krisen in Frankreich untersucht und dabei festgestellt, dass Frankreich ein Land ist, "in dem das Wort 'Konsens' nicht existiert." Sieglinde Geisel stellt ein Heft der Neuen Rundschau zur Lage der Geisteswissenschaften vor.

Ausschließlich Rezensionen auf der Filmseite. Besprochen werden Stephane Brizes Film "Je ne suis pas la pour etre aime", Danis Tanovics Kieslowski-Adaption "L'enfer", Gore Verbinskis Piratenfilm mit Johnny Depp und eine Reedition von Hiroshi Teshigaharas "Die Frau in den Dünen".

Auf der mal wieder sehr lesenswerten Medien- und Informatikseite berichtet Volker S. Stahr über die allerneuesten Werbemethoden: Online-Novela, Videogame-Branding oder Guerilla-Marketing. Christian Zabel erzählt von den Versuchen ostafrikanischer Medien, ihre Unabhängigkeit zu behaupten: Das gelinge am besten durch die Gründung von Medienkonzernen lokaler Provenienz, denn nur die seien wirtschaftlich so erfolgreich, dass sie politisch kaum unter Druck gesetzt werden könnten. Gemeldet wird, dass Frauen laut einer Studie des Bonner Medienforschungsinstitut Media Tenor in der deutschen Wirtschafts- und Politikberichterstattung immer noch Exotinnen sind. "Am wenigsten berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Wirtschafts- und Politikteil über Frauen: Nur in 11,5 Prozent aller Artikel waren sie die handelnden Personen."
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TAZ, 28.07.2006

Micha Brumlik kritisiert in einem Essay die Ansicht vieler Freunde Israels, dass eine Lösung des Palästinaproblems den neuen Nahostkonflikt entschärfen würde: "Nein, das Palästinaproblem ist nicht die Wurzel des Übels. Wer ernsthaft glaubt, dass die oft fatale israelische Politik gegenüber den Palästinensern die Ursache der Krise in der arabisch-islamischen Welt ist, soll bitte erklären, warum im Irak seit Beginn dieses Jahres sage und schreibe neuntausend (!) Menschen Selbstmordattentaten zum Opfer gefallen sind, warum im Iran Menschen- und Frauenrechte systematisch unterdrückt werden und warum in Syrien hinter der Fassade einer gewissen Modernität eine brutale Diktatur herrscht. Etwa wegen Gaza?"

Auch auf der Meinungsseite: Ralph Bollmann interviewt Herfried Münkler, der den neuen Konflikt mit dem zwischen Zidane und Materazzi vergleicht: "Der vermeintlich Schwächere provoziert, und wenn der Stärkere dann zurückschlägt, steht er am Pranger - weil sich seine Reaktion medial aufbereiten lässt. Als es Israel noch mit einer geschlossenen Front der arabischen Staaten zu tun hatte, war es selbst in der Position eines David, und die Araber waren Goliath. Schon Arafat, aber jetzt auch die Hisbollah haben es geschafft, das umzukehren."

Im Interview mit Alfred Hackensberger auf den Kulturseiten erklärt die libanesische Autorin Iman Humaidan Junis die Asymmetrie des Krieges zwischen der Hisbollah und Israel: "Israel hat zwar eine moderne Militärmaschine, aber bis zum Ende, wie die Hisbollah, können sie nicht gehen. Die gesamte Ideologie der Hisbollah basiert auf dem Märtyrertum. Sie lieben es, zu sterben. Die ganze Strategie Israels zielt darauf, ihre Staatsbürger am Leben zu halten. Das ist ein totaler 'Clash' von Ideologien."

Besprochen werden das "Rheingold" in Bayreuth, eine Platte der neuen Londoner Popsensation Lily Allen und die Ausstellung "Nichts" in der Schirn Kunsthalle.

Und Tom.

FAZ, 28.07.2006

Wolfgang Sandner verteidigt die langsamen Tempi des Salzburger "Figaro" unter Nikolaus Harnoncourt: "Harnoncourts Tempi sind nicht dem hektischen Zeitgeist angepasst, sie sind aus der musikalischen Faktur eher lauernd entwickelt. Sie verzögern das Geschehen durch Zäsuren, halten inne, wenn durch Tonartenwechsel ein Stimmungsumschwung erfolgt, gehen durch Rubati und Accelerandi eine sinnvolle Verbindung mit dynamischen Abstufungen ein. Das ist von der verhaltenen Sinfonia bis zum Unisono der zehn Protagonisten im Schlusschor des vierten Aktes wohldurchdacht, differenziert musiziert und angesichts des Wahnsinns menschlicher Liebesbeziehungen nachdenklich stimmend. Plakativ wirkungsvoll, mitreißend ist das nicht. Aber welche subtile Kunst ist das schon?"

Julia Spinola äußert sich etwas skeptisch zu Christian Thielemanns musikalischer Leitung des Bayreuther "Rheingold", aber erfreut über Tankred Dorsts Regie und Philipp Schlössmanns Bühne: "Wie in Dorsts 'Merlin oder das wüste Land' die vertriebenen heidnischen Götter wieder auf die Trümmerfelder der Geschichte zurückkehren, so bevölkert nun das Götterpersonal des 'Rheingold' die vergessenen Brachen unserer Städte: als gerinne die Atmosphäre solcher Orte plötzlich zu Gestalten, zu seltsam verbeulten Phantasiefiguren, die aus den Luken und Ritzen unserer vermeintlich so fest verfugten Zivilisation hervorkriechen."

Weitere Artikel: Niklas Maak berichtet, dass mehrere namhafte Kunstprofessoren der Berliner Universität der Künste nach Querelen mit der Verwaltung ihr Amt niederlegten, darunter so bekannte Künstler wie Daniel Richter, Tony Cragg, Stan Douglas und Lothar Baumgarten. Kkr kommentiert den Umstand, dass immer mehr Deutsche in die Türkei auswandern. Dirk Schümer stellt das Programm des Teatro La Fenice in Venedig für die nächste Saison vor. Felix Johannes Krömer meldet, dass das BKA die Echtheit der Tagebücher von Anne Frank keineswegs, wie von Rechtsextremen behauptet, in Zweifel zieht. Stephan Sahm liest Zeitschriften zu bioethischen Fragen. Zwei ganze Seiten geben Auskunft über Veranstaltungen im August. Gemeldet wird, dass neben Günter Grass auch Joachim Fest in diesem Jahr seine Memoiren vorlege und dass diese sehr erwartet seien. "Der Historiker, Publizist und langjährige Herausgeber dieser Zeitung", so wird erläutert, "hat mit seiner 'Hitler'-Biografie eines der historisch, politisch und stilistisch einflussreichsten Bücher der Nachkriegszeit geschrieben, ohne Zweifel einen Klassiker der Geschichtsschreibung".

Auf der Medienseite schildert Nina Rehfeld eine geradezu unheimliche Welle der Prüderie, die amerikanischen Fernsehserien und -Shows jeden Witz austreibt: "Die amerikanischen Sendeanstalten, für die es immerhin um ihre Lizenzen geht, sind mittlerweile derart verunsichert, dass die Angst vor Abstrafung die bizarrsten Blüten treibt. Fox machte den Hintern von Baby Stewie aus 'Family Guy' - einer Zeichentrickserie - unkenntlich." Und Dirk Schümer berichtet über löbliche Vorsätze der neuen italienischen Regierung, die RAI wieder zu einem seriösen Staatssender zu machen.

Auf der letzten Seite erklärt Veronica Ferres im Gespräch mit Hannes Hintermeier, warum sie die für sie geschriebene Rolle der "Courage" in einem Einpersonenstück von Wilhelm Genazino letztlich nicht spielen wollte: "Im dritten Akt gibt es die Situation, wo sie einem Soldaten anbietet, ein kleines Mädchen sexuell vorzubereiten, damit er es vergewaltigen kann. Sie macht das, um sich einen Vorteil zu verschaffen, aber sie macht es, ohne dass sie dafür bestraft wird. Da sind für mich moralische Grenzen überschritten, da kann ich mich nicht hinstellen und mich dafür beklatschen lassen. Ich finde keinerlei Zugang dazu." Außerdem stellt Dietmar Dath Internetcomic "Weebl" vor. Und Joachim Müller-Jung warnt vor einer Überdramatisierung der Hitzewelle.

Besprochen werden die Ausstellung "Zurück zur Figur - Malerei der Gegenwart" in der Münchner Hypo-Kunsthalle und Kim Ki-duks neuer Film "Hwal - Der Bogen".

Berliner Zeitung, 28.07.2006

Im Interview mit Inge Günther beschreibt der israelische Autor Abraham B. Jehoschua das Leben in Haifa und entwickelt eine Perspektive für eine Waffenruhe: "Eine 'Mission Impossible' wäre es, eine komplette Entwaffnung der Hisbollah oder ihre politische Auflösung erreichen zu wollen. Das einzig Machbare ist, die Hisbollah von der Grenze zurück zu drängen und an ihrer Stelle eine internationale Truppe dort zu stationieren."

SZ, 28.07.2006

Am Schluss wird es etwas schwerfällig, aber die ersten zwei Akte des Salzburger "Figaro" sind ein "musikalisch-szenischer Geniestreich", jubelt Reinhard J. Brembeck. "Regisseur Claus Guth verweigert ... dem Paar Susanna & Figaro liebende Nähe, intimes Einverständnis und gemeinsame Zukunft. Durchaus im Einklang mit Dirigent Nikolaus Harnoncourt, der von Anfang an darauf beharrt, dass in Wolfgang Amadeus Mozarts 'Die Hochzeit des Figaro' überhaupt keine Hochzeit stattfindet - sondern dass hier ein Interruptus den anderen jagt, und dass diese Jagd wohl schon recht lange im Gange ist. So lange, dass deren Tempo längst die Zeitlupe bevorzugt, und jeder gesellschaftsrevolutionäre Impetus einem nicht weniger gefährlichen Brodeln im Privaten gewichen ist." Die Sänger fand er hinreißend - allen voran Christine Schäfer als Cherubino: "Sie gibt diesem pubertierenden Jungen alles, sie macht fassbar, was erste Liebe ist, was hemmungslose Erregung, was der Duft der Frauen, Erotik, Sexus, Verführung. All das kann sie singen. Ihre Stimme ist Hauch, Duft, Streicheln, Liebkosung."

Begeistert ist Joachim Kaiser nicht von diesem "Rheingold". Tankred Dorst zeige sich mit seiner Inszenierung der Sache nicht gewachsen. Selbst Christian Thielemann, von dem er eigentlich glaubt, er werde der "Rheingold-Triumphator", halte den ersten Teil des "Rings" offenbar für ein "musikbegleitendes Konversationsstück", dem Menschen-Schicksale und Götter-Nöte erst in den nächsten drei Teilen folgen. "Immerhin wissen wir, dass wir einen 'Ring' vor uns haben, der es ernst und ehrlich meint. Das lässt fürs Kommende hoffen."

Weitere Artikel: Fritz Göttler hat begeistert die Notate zu Lars von Triers geplanter und dann abgesagter "Ring"-Inszenierung im Internet gelesen. Sonja Zekri schreibt über den ägyptischen Skandalfilm "Das Haus Yacoubian": "Der Westen hält die arabische Welt naturgemäß für unfähig zur Selbstkritik. Dieser Film aber seziert die eigenen Unzulänglichkeiten mit einer Inbrunst, die ein Außenstehender kaum aufbringt." (Mehr dazu hier.) Petra Steinberger hat libanesische Blogs gelesen.

Roswitha Budeus-Budde porträtiert den Kinderbuch-Lektor Frank Griesheimer. Alexander Kissler erklärt, wie die EU-Einigung zum Embryo das Bild vom Menschen verändert. Wolfgang Luef berichtet von einem Streit um die amerikanische Fotografin Jill Greenberg, die zwei- bis dreijährige Kinder zum Weinen brachte, indem sie ihnen den Lutscher wegnahm, und die Fotos der heulenden Blagen dann mit Bush-kritischen Unterzeilen versah wie "Four more years".

Besprochen werden eine Ausstellung der Turner-Preis-Kandidatin Tomma Abts in der Kunsthalle Kiel, die Ausstellung über Becketts Berlin-Besuch 1936 im Berliner Literaturhaus und Bücher, darunter Lavinia Greenlaws Gedichtband "Minsk" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).