Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.08.2005. In der Zeit erklärt Heinrich August Winkler, warum es die Iraker gar nicht verdient haben, von den Amerikanern besetzt zu werden. Der Tagesspiegel diagnostiziert: Brandenburg mental verwahrlost. Die NZZ stellt die letzte jemals von der EMI herausgebrachte "Tristan"-Aufnahme vor. In der taz schildert Navid Kermani bedrückende Erlebnisse von einer Palästina-Reise. Die SZ begutachtet die Museumsinsel in Berlin.

Zeit, 04.08.2005

In einem Gespräch mit Bernadette Conrad erzählt der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen von seinem Buch "Schweres Beben" und seinem Leben in Deutschland. Und er verrät, was er - abgesehen von Kafka, Karl Kraus und Thomas Mann - von hier mitgenommen hat: "Zigarettenabhängigkeit, gewachsene Alkoholtoleranz, Skepsis über Amerika, Gewissheit, dass ich lieber in Amerika als in Europa leben möchte. Ich kam nach Hause, geheilt von meiner Sehnsucht, in der Alten Welt zu leben."

Der Historiker Heinrich August Winkler erklärt ausführlichst, warum sich der Erfolg der deutschen Demokratisierung nach 1945 nicht auf den Irak übertragen lasse. "Deutschland konnte 1945 nur von außen befreit werden. Den Weg von der Befreiung zur Freiheit aber konnte der westliche Teil Deutschlands nur gehen, weil er die Möglichkeit hatte, an freiheitliche, rechtsstaatliche und demokratische Traditionen anzuknüpfen, die sich wiederbeleben ließen", schreibt Winkler und folgert: "Wenn sich aus der Demokratisierung Deutschlands etwas für die Demokratisierung des Iraks oder anderer Staaten lernen lässt, dann das: Die entscheidenden Antriebe müssen aus dem Land selbst kommen."

Weiteres: Zum sechzigsten Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki fragt sich der Kulturwissenschaftler Thomas Macho, wieso eigentlich die Angst vor den Bomben verschwunden ist, obwohl "weltweit immer noch rund 20.000 Nuklearwaffen aufbewahrt werden" und die berühmte "Doomsday Clock" des Bulletin of the Atomic Scientists auf sieben Minuten vor zwölf steht? Der Historiker Yehuda Bauer findet Götz Alys "Hitlers Volksstaat" zwar sehr aufschlussreich, ist aber nicht einverstanden mit seiner monokausalen Herleitung des Holocausts aus wirtschaftlichen Interessen. Anlässlich des Kunstraub-Prozesses gegen das Getty-Museum meint Claudia Herstatt in der Randspalte, dass der Handel antike Kunstwerke mehr bedroht als ihre illegale Verwahrung in Museen. Nikos Panajatopoulos schreibt zum achtzigsten Geburtstag des Komponisten und Politikers Mikis Theodorakis.

Großen Spaß hatte Claus Spahn mit Mozarts "Mitridate" in Salzburg: "Wie ein Frettchen die geklauten Eier schlürft er die Gegebenheiten der Gattung aus und lässt seinem Theaterinstinkt freien Lauf. Es liegt etwas Rampensäuisches in der Art, in der Mozart damals die kapriziösen Mailänder Sängerstars in rasender Komponiergeschwindigkeit mit virtuosen Kabinettstückchen abgefüttert hat." Michael Mönninger besucht den Chef der Pariser Bibliotheque Nationale, Jean-Noel Jeanneney, der Google den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Er will verhindern, dass die amerikanische Firma als erste und am umfangreichsten europäisches Kulturgut ins Netz stellt.

Außerdem gibt es noch eine ganze Seite zum Irakkonflikt: Salman Rushdie kommentiert die Gefangenen-Misshandlungen in Guantanamo Bay. Der amerikanische Publizist und Veteran Bill Scannell sieht die Fernsehserie "Over There" näher an der irakischen Realität als jeden Nachrichtenbeitrag. Ulrich Ladurner hätte sich von Oday Rasheeds erstem irakischen Film "Underexposure" mehr Bagdad und weniger Ego gewünscht. Derselbe Autor berichtet über den Konflikt um die irakische Verfassung, in der die Religiösen den Koran als Quelle des Rechts verankern wollen.

Besprochen werden Paul Haggis' Episodenfilm "L.A. Crash", Marc Coplands Solo-Album "Time Within Time", Amos Kolleks Frauenporträts "Sue, Fiona und Bridget" auf DVD und D.W. Griffiths Klassiker "Zerbrochene Blüten".

Im Leben erzählt Christoph Schlingensief, dass er Angela Merkel "supersüß" findet und von Gerhard Schröder die Nase voll hat: "Für mich ist er ein 68er, der noch mal seine dicken Eier zeigen wollte. Ich kann ihn nicht mehr ertragen. Wenn jetzt alle die CDU so toll finden, dann soll die jetzt von mir aus mal vier Jahre lang den Arsch hinhalten."

NZZ, 04.08.2005

Gerade hat die EMI eine neue Aufnahme von "Tristan und Isolde" herausgebracht - es ist laut Ankündigung ihre letzte hochkarätige Studioproduktion einer Oper. Die Sache ist einfach zu teuer. Für Kurt Malisch Anlass, einen Rückblick auf die "Tristan"-Diskographie seit 1928 zu werfen. Wunderbar findet er immer noch die frühen Aufnahmen, die vor den fünfziger Jahren entstanden sind, auch wenn ihre Tonqualität nicht so gut ist. "In künstlerischer, vor allem gesanglicher Hinsicht halten diese Aufnahmen ein Niveau, das später nie mehr überboten worden ist. Die Höhe der stimmlichen Messlatte bestimmen führend der dänische Tenor Lauritz Melchior und die norwegische Sopranistin Kirsten Flagstad auf ihren zehn bzw. acht Live-Aufnahmen, davon sieben gemeinsamen. Er: der Tristan, der diese mörderische Rolle nicht nur physisch mühelos im Griff hat, sondern noch dazu Maßstäbe setzt in ihrer imaginativen Ausgestaltung. Sie: gleichermaßen souverän in der stimmlichen und der darstellerischen Autorität." Die neue Aufnahme mit Placido Domingo beeindruckt ihn weniger.

Weiteres: Uwe Justus Wenzel wundert sich über eine Petition, mit der rund fünfzig Mitglieder der nordamerikanischen Society for Neuroscience gegen den geplanten Auftritt des Dalai Lama während des kommenden Jahrestreffens der mit 36.000 Mitgliedern weltgrößten Organisation von Hirnforschern protestieren. Wird damit die Grenze zwischen Wissenschaft und Politik verwischt? "Diese Frage stellt sich in Anbetracht der Tatsache, dass nicht wenige der Protestierenden amerikanische Forscher chinesischer Herkunft sind."

Besprochen werden eine Ausstellung mit spanischer Malerei aus deutschen Sammlungen - darunter Werken von Greco, Velazquez, Goya - im Bucerius Kunst Forum Hamburg, eine CD mit zwei Aufnahmen von Borodins Sinfonie Nr. 2 h-moll op. 5, dirigiert einmal von Erich Kleiber und einmal von Carlos Kleiber, eine Ausstellung zur Geschichte des Lufthansa-Designs im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main und Bücher, darunter der vierte Band von Foucaults Schriften "Dits et Ecrits" und Antonia S. Byatts Erzählband "Stern- & Geisterstunden" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Tagesspiegel, 04.08.2005

Frank Jansen verteidigt Brandenburgs Innenminister Schönbohm, der die neunfache Kindstötung auch mit einer Verproletarisierung der Region durch die SED erklärt hatte: "Wer sich mit Brandenburg über einen langen Zeitraum befasst, sieht nicht nur idyllische Landschaften, sanierte Städte, Dörfer und Straßen. Man stößt auch auf eine Topografie des Horrors. Des eklatanten Mangels an Mitgefühl, der mentalen Verwahrlosung, der Gewalt bis hin zum Exzess. Die 'Proletarisierung', so pauschal es auch klingt, gehört zu der unheimlich anmutenden Grundströmung, die in Teilen Brandenburgs Mentalitäten prägt." Es folgt ein kleiner Überblick über die jüngsten Tragödien und Verbrechen.
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Stichwörter: Mitgefühl

TAZ, 04.08.2005

Navid Kermani war in Israel und den palästinensischen Gebieten und kam wütend und zutiefst deprimiert zurück. Die Palästinenser, berichtet er auf den Tagesthemenseiten, sind so verzweifelt, dass sich unter ihnen ein "religiöser Dogmatismus ausbreitet, wie ich ihn in seinem Ausmaß nicht einmal aus Iran kenne." Warum, fragt Kermani, behandeln sie die Palästinenser nicht wie Menschen? "Ich schreibe das so pauschal, dabei könnte ich allein aus meinen fünf Tagen und ebenso von meiner letzten Reise dutzende Beispiele anführen, wie Palästinenser jeden Tag gedemütigt werden, in ihrer Würde verletzt, als Verbrecher behandelt, in Käfigen eingeschlossen, an geladenen Maschinengewehren vorbeigetrieben. Das sind alltägliche Erfahrungen im Leben so gut wie aller Palästinenser."

Auf der Meinungsseite wirft der Historiker Paul Nolte ("Generation Reform") der SPD den Rückfall in alte Muster vor: "Der Versuch, die Moderne wiederzugewinnen, ist passe. Die Reflexe der Angst, der Schutzsuche vor den Zumutungen einer sich dynamisch und bisweilen bedrohlich wandelnden Welt haben wieder die Oberhand gewonnen. Statt Politik mit der gesellschaftlichen Mitte zu machen, was Zumutungen nicht ausschließt, verengte sich die Perspektive der SPD auf einen Kampf um die Befriedigung der Klienten des Sozialstaats."

Im Kulturteil: Stefan Drößler, der für das Filmfestival in Locarno eine Retrospektive zu Orson Welles organisiert hat, plaudert für Anke Leweke ein wenig darüber, wie wunderbar leicht Welles "Hokuspokus und Hochkultur" verbunden hat. Schon die Ankündigungen wirkten "allzu matt", und so hat Frieder Reininghaus bei den Salzburger Festspielen auch nur einen "produktiven Abstecher" entdeckt: Nikolaus Lehnhoffs Inszenierung von Franz Schrekers "Gezeichneten". Dirk Knipphals mag sich nicht damit abfinden, dass die Raumfahrt sich derzeit nur mit schnöden Kacheln und Füllmasse beschäftigt. Cristina Nord gedenkt ihres ersten Kinos, das "Kaskade" in Kassel. Anlässlich der Übernahme von Reebok durch Adidas zählt Clemens Niedenthal in der zweiten taz Meilensteine der Turnschuhgeschichte auf. Im Medienteil verbittet David Denk sich und seinen Lesern, bei der Zeitschrift Daheim in Deutschland mitzuschreiben.

Besprochen wird neues Kino, Fruit Chans Streifen "Dumplings" mit der gewohnten Dosis an "konkreter Körperlichkeit", Michael Bays Klon-Actionfilm "Die Insel" sowie Ricky Tognazzis auf Kinoformat gebrachter Fernsehfilm "Johannes der XXIII." (Philipp Gessler hat umsonst gehofft, "dass der Film den Kinosälen erspart bliebe").

Schließlich Tom.

FR, 04.08.2005

Hans-Klaus Jungheinrich versucht zu erklären, warum sich Christoph Schlingensiefs "Parsifal" in Bayreuth schon im zweiten Jahr zur Kultvorstellung mausert. "Nach wie vor frappiert die professionelle Virtuosität, mit der Schlingensief einen perfekten synästhetischen Zusammenhang herstellt zwischen dem für sich genommen gerümpelhaft-raffiniert dosierten kinetischen Elementen, die sich einerseits abstrahierend mit Licht-Strategien verbinden (das Licht ist hier ein viel schlagkräftigerer Mitakteur als bei Marthalers Tristan), andererserits die tropisch-afrikanische Atmosphäre miterzeugen, die der synkretistischen Annäherung Schlingensiefs so wichtig ist."

Weiteres: Elke Buhr schreibt zum Tod des niederländischen Malers Constant, der mit seinem Kulturentwurf New Babylon noch einmal auf der documenta 2002 vertreten war. Hein van der Werft warnt angehende Paparazzi in Times mager vor den Graubündener Braunbären. Die einzige Besprechung widmet sich Birgit Vanderbekes Roman "sweet sixteen", der in "verblüffender Weise" Andreas Maiers allerdings "gelungenerer" Erzählung "Kirillow" ähnelt.

Im Medienteil berichtet Florian Hassel, dass die Korrespondenten des amerikanischen Fernsehsenders ABC wegen der Ausstrahlung eines Interviews mit dem tschetschenischen Rebellenführer Schamil Bassajew aus Russland ausgewiesen werden. Bassajew sagte darin unter anderem: "Ich gebe es zu, ich bin ein schlechter Kerl, ein Bandit, ein Terrorist. OK. Also ich bin ein Terrorist. Aber wie soll man sie (die Russen, d. Red.) nennen?"

Im FRplus spricht der in London lebende Schriftsteller Nadeem Aslam im Interview über sein neues Buch "Atlas für verschollene Liebende" und die Zeit nach den Terroranschlägen: "Als ich vor dem Haus des Attentäters Shehzad Tanweer stand, sah ich die Blumen im Garten und das Auto, das dringend eine Wäsche brauchte, und musste daran denken, dass seine Mutter die Blumen vor sechs, acht Wochen gepflanzt haben muss, als sie noch keine Ahnung hatte, dass ihr Sohn wenig später für einen Massenmord verantwortlich sein und dass ich in ihrem Garten stehen würde. Ich musste an den Spruch von der Banalität des Bösen denken, daran, was sich hinter der Fassade verbirgt. Mütter spielen in der muslimischen Gesellschaft eine prekäre Rolle: Als Frauen sind sie nicht gleichberechtigt; zugleich sind sie aber auch verantwortlich, dass sich daran nichts ändert, etwa, indem sie ihre Söhne zu Chauvinisten erziehen. Das tradierte Rollenverständnis hat natürlich auch etwas mit den wirtschaftlichen und politischen Umständen zu tun ..."

Besprochen werden Filme, darunter Michael Bays Science-Fiction-Film "Die Insel" und Paul Haggis' Debütfilm "L.A. Crash".

SZ, 04.08.2005

Die Berliner Museumsinsel (3 D-Modell) beherrscht die erste Seite des SZ-Feuilletons. Der britische Architekt David Chipperfield, der den Umbau des Neuen Museums leitet, äußert sich zu den Protesten gegen seine Modernisierungsmaßnahmen. "Ich habe den Verdacht, dass die Gesellschaft vor allem an der Preußenzeit interessiert ist. Sie verfolgt polemisch eine bestimmte Idee von Geschichte." Bernd Lindemann, der Direktor der Berliner Gemäldegalerie, spricht sich im Interview mit Johan Schloeman zwar für einen Umzug auf die Museumsinsel aus, aber nur, wenn das Bode-Museum erweitert wird. "Eine Verkleinerung der Gemäldegalerie auf unabsehbare Zeit, möglicherweise für Generationen, kann ich als ihr Direktor nicht verantworten." Jens Bisky skizziert die Gesamtanlage, wenn 2009 alle Bauarbeiten beendet sein werden. Lothar Müller erinnert an die Eröffnung von Karl Friedrich Schinkels Alten Museum 1830, der "Urszene" der Berliner Museenlandschaft.

Tobias Kniebe ermittelt in Sachen Angela Merkel und Pop. Gibt sie nur vor, ein Beatles-Fan zu sein? Denn "damit sagt sie nur, dass sie alles gut findet, was zu allen Zeiten und Orten jeder gut finden kann, und also sagt sie im Grunde: nichts. Wollte man einem Klon aus DDR-Laboren eine artifizielle Kindheit einprogrammieren, die er nie gehabt hat, wäre dies ein plausibles und unverdächtiges Erinnerungsmuster."

Weiteres: Frieder Reininghaus besucht das Festival in der Provence, auf dem der Modemacher Pierre Cardin dem Geist des Marquis de Sade auf dessen Herrensitz nachspürt. Andrian Kreye berichtet, dass die Staatsanwaltschaft jetzt gegen den Direktor der Getty-Stiftung ermittelt, denn Barry Munitz lebt auf verdächtig großem Fuß. "jja" und "tyc" hätten zwei Rededuelle vorgezogen, und nicht einen Abend mit "gleichgeschaltetem Staatsfernsehen", wie sie auf der Medienseite schreiben.

Auf der Filmseite rühmt Hans Schifferle das 19. Fantasy Filmfest, diese "verwegene Wundertüte aus Previews, DVD-Premieren und abgefahrenen Entdeckungen", die nach München noch in mehreren Städten zu sehen sein wird. Regisseur Carlos Sorin erklärt, warum in Patagonien die Häuser ärmlich, die Autos aber sehr gut in Schuss sind: "weil das Auto die Vorstellung symbolisiert, wieder abhauen zu können". Und Susan Vahabzadeh meldet, dass die Kinoflaute nun auch Deutschland erreicht hat.

Besprochen werden die Produktionen "Alamut", "La Scimia" und "Carnezzeria" beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele (Thomas Thieringer hat "das alles schon stringenter, wütender gesehen"), Michael Bays Film "Die Insel" (der "elegant zwischen orwellianischer Sozialkritik und amerikanischer Suburb-Phantasie" wechselt, wie Fritz Göttler meint), Carlos Sorins ironisch-distanziertes filmisches Hundemärchen "Bomban", und Bücher, darunter Willem Frederik Hermans' "ungestümer" Roman "Die Tränen der Akazien", Banana Yoshimotos Kurzgeschichtenband "Eidechse" sowie Andreas Novaks Untersuchung der Salzburger Festspiele im Nationalsozialismus mit dem schönen Titel "Salzburg hört Hitler atmen" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

FAZ, 04.08.2005

Michael Siebler schildert im Aufmacher Fortschritte bei der Erforschung der Farbigkeit antiker Plastik, die man sich bis heute ja fälschlicherweise rein weiß vorstellt, und er verweist auf eine Initiative des Archäologen Vinzenz Brinkmann, der schon die Ausstellung "Bunte Götter" organisierte und nun eine "Stiftung Archäologie" ins Leben ruft: "Denn viele antike Kunstgegenstände in Sammlungen auf der ganzen Welt besitzen noch Spuren ihrer einstigen Farbfassung. Und noch immer werden auf archäologischen Grabungen Funde antiker Skulptur und Architektur nach ihrer Auffindung gereinigt. Wichtige Informationen zur ursprünglichen farbigen Gestaltung gehen so unwiederbringlich verloren, obwohl diese Spuren mit geringem Einsatz dokumentiert und gesichert werden können. Deshalb will die Stiftung ein Archiv aufbauen, in welchem Wissenschaftler ihre Materialien und Ergebnisse hinterlegen und mit den daraus entstehenden Datenbanken einer breiteren wissenschaftlichen Gemeinde zugänglich machen können."

Weitere Artikel: In der Leitglosse wähnt sich Dietmar Dath nach den Verboten von Zigarettenwerbung endgültig in den Stalinismus zurückversetzt. Patrick Bahners greift einen Artikel der Reporterin Joan Didion über den Fall Terri Schiavo auf, der im Mai in der New York Review of Books erschien. Teresa Grenzmann setzt die Reihe über deutsche Verlegerinnen mit einem Porträt über Antje Kunstmann fort. Jordan Mejias besucht das Lincoln Center Festival in New York. Henning Ritter schreibt zum Tod des Kunsthistorikers Jörg Traeger.

Auf der Kinoseite resümiert Bert Rebhandl das Fantasy Filmfest, das in verschiedenen deutschen Städten stattfand. Und Peter Körte interviewt den Regisseur und Autor Paul Haggis über seinen Film "L. A. Crash". Auf der Medienseite berichtet Kerstin Holm, dass dem Sender ABC die Akkreditation in Moskau entzogen wurde, weil er ein Interview mit dem tschetschenischen Terroristen Bassajew brachte. Und Michael Hanfeld hat recherchiert, dass "Schimanski" mehrfach für Bier und Fitnessgetränke Schleichwerbung trieb.

Auf der letzten Seite stellt Regina Mönch einen Bildband über den "Mensch Schröder"vor, der zufälliger Weise pünktlich vor der Wahl den Schröder auch einmal als Menschen näherbringt. Martina Lenzen-Schulte stellt bedenkliche Tendenzen zur "Altersrationierung" von Medizin fest, womit schlicht gemeint ist, dass älteren Leuten medizinische Leistungen zusehends verwehrt werden sollen. Und Lorenz Jäger wirft die Frage auf, wie der in unserem Sonnensystem neu aufgespürte Planet 2003UB313 wohl zu benennen sei.

Besprochen werden der Film "Dumplings - Delikate Versuchung" von Fruit Chan und eine Retrospektive des Schweizer Künstlers Markus Raetz im Aargauer Kunsthaus.