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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Dieser billige Gutenberg-Druck!

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.06.2012. Das Kölner Urteil zur Beschneidung von Jungen sorgt in fast allen Zeitungen für Diskussionen. Michel Friedman kritisiert das Urteil in der Welt und fordert eine breite Debatte. Die FAZ stimmt den Richtern dagegen zu. Die taz wundert sich nicht, dass die Religionsgemeinschaften "aufheulen". Achgut erzählt die Geschichte der nicht-jüdischen "jüdischen Israelkritikerin" Irena Wachendorff. Die SZ erklärt, warum Jean-Jacques Rousseau gegen Twitter wäre. Und in der Zeit erklärt Paulo Coelho, warum er für Twitter ist.

Welt, 28.06.2012

Michel Friedman ist gegen die Gerichtsentscheidung (Pressemitteilung des Gerichts als pdf-Dokument) zur Beschneidung von Jungen - aber er fordert auch eine breite Diskussion: "Sie steht stellvertretend für eine Neupositionierung in der Frage, wie es um die Rolle, den Einfluss und die Rechte der Religionsgemeinschaften bestellt ist. Sie berührt die Frage, wie viel Toleranz und Freiraum wir uns gegenseitig geben. Sie steht aber auch für die Frage, die uns in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dem Islam immer wieder beschäftigt hat, wann genau der Moment gekommen ist, an dem staatliches Recht religiöse Riten unterbinden muss."

Im Feuilleton erkennt Thomas Schmid in Jean-Jacques Rousseau den "selbstgeschaffenen Prototyp des modernen Menschen": "Wenn wir ihn mögen, mögen wir uns, wenn wir mit ihm hadern, hadern wir mit uns selbst." Auch Tilman Krause schreibt zum 300. Geburtstag Rousseaus.

Besprochen werden Marcus Vetters Dokumentarfilm "Cinema Jenin" (mehr hier) über das Kino, das der Deutsche in der palästinensischen Stadt Jenin betreibt, und eine Retrospektive des chinesischen Malers Qiu Shihua in Berlin.

Aus den Blogs, 28.06.2012

Jennifer Nathalie Pyka erzählt auf Achgut die Geschichte der Aufschneiderin Irena Wachendorff aus Remagen, die auf der Facebook-Seite von Ruprecht Polenz als jüdische Israelkritikerin auftritt und sich ihre Vita selbst gestrickt zu haben scheint - ihr Vater sei ein stenggläubiger Jude gewesen, die Mutter eine Auschwitz-Überlebende. Dummerweise stelt sich nach Recherche heraus, dass der Vater Wehrmachtsoffizier war, während die Mutter auf Nachfrage beteuert, nie in Auschwitz gewesen zu sein: "Aus dem väterlichen Wehrmachtsoffizier wird mal eben ein verfolgter Jude, aus der Mutter eine Auschwitz-Überlebende und aus ihr selbst eine IDF-Veteranin, und schwupps, schon avanciert sie als 'jüdische Israelkritikerin' zur Jüdin der Herzen. Bejubelt wird sie dabei nicht nur von Salafisten, Esoterikern und anderen Antisemiten, sondern auch von Ruprecht Polenz, dessen blinder Glaube an das rheinisch-jüdische Alibi ihm die Sinne offensichtlich komplett vernebelt hat."
Stichwörter: Auschwitz, Mutter

TAZ, 28.06.2012

Das LG Köln hat sein Urteil gegen Beschneidung nicht nur mit der Körperverletzung begründet, sondern auch mit der so verletzten Freiheit des Individuums, selbst über seine Religionszugehörigkeit entscheiden zu dürfen. Kein Wunder, dass die Religionsgemeinschaften "aufheulen", meint Isolde Charim. "Entscheidung ist nicht der Modus, in dem diese Religionen ihre Zugehörigkeiten regeln. Aus religiöser Sicht ist der Gläubige kein mündiger Bürger, der seine Religion frei wählt. Denn in der religiösen Innenperspektive gibt es keine Wahl des Glaubens. Das würde ja voraussetzen, dass der spätere Gläubige vorher schon jemand war." Trotzdem ist Charim am Ende gegen das Urteil, weil sie befürchtet, dass die Jungs wieder "auf dem Küchentisch" landen.

Mathias Becker unterhält sich mit dem brasilianischen Soziologen und Graffiti-Experten Sergio Franco über einen Zwischenfall beim Graffiti-Workshop während der Berlin Biennale: einer der brasilianischen Sprüher, der "Pixadores" hatte dabei sein Kürzel an das Gemäuer einer Kirche gesprüht, was zu einer Auseinandersetzung mit Biennale-Kurator Artur Zmijewski und der Polizei führte. "Das war eine echte physische Auseinandersetzung, nur eben mit Farbe statt mit Fäusten. Hier waren echte Gefühle im Spiel. Der Zorn der Kurators über die Respektlosigkeit seiner Gäste. Und der verletzte Stolz des Künstlers."

Weitere Artikel: Sonja Vogel resümiert eine Veranstaltung des Berliner Literaturforums, mit Nachfahren deutscher Kommunisten, deren Eltern in der UdSSR ins Lager kamen. Jan Feddersen ärgert sich über den unfairen Vorwurf, Israel beitreibe mit seiner schwulen- und lesbenfreundlichen Kritik nur Marketing. Der Historiker Jörg Baberowski plädiert im Interview dafür, dass demokratische Politiker, auch Angela Merkel, den EM-Spielen in der Ukraine fernbleiben: "Der Opposition würde diese Geste helfen, sich gegenüber der Regierung als eigentliche Europäer zu profilieren. In der Bevölkerung wird registriert, dass die Herrschenden boykottiert werden."

Besprochen werden der Arthousefilm "Cinema Jenin" von Filmemacher Marcus Vetter (in dem laut Stefan Reinecke "zu viel ich" unterwegs ist) und Ed Gass-Donnellys Film "Small Town Murder Songs".

Und Tom.
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Twitterfeed der Verlage

Weitere Medien, 28.06.2012

Michael Wuliger von der Jüdischen Allgemeinen stieß in einer Arbeit des Künstlers Marc Adelman auf eine interessante Information über das Berliner Holocaustmahnmal: "'Stelen (Columns)' heißt die Montage aus Fotos, die Adelman von der schwulen Datingsite gayromeo.com heruntergeladen hat. Dort finden sich Hunderte von Bildern knackiger junger Männer, aufgenommen am Holocaustmahnmal, das offenbar für diese Zwecke ein beliebtes Hintergrundmotiv ist."

Freitag, 28.06.2012

Gar nichts anfangen kann Wolgang Michal mit dem Buch "No Coypyright" der niederländischen Autoren Joost Smiers und Marieke van Schijndel, die behaupten, das beste Urheberecht sei gar keines: "Das klingt für manche wie ein Märchen, für andere wie heller Wahn, doch genau mit dieser naiven 'Schockstrategie' wollen die Autoren einen 'Paradigmenwechsel' beim Nachdenken über das Urheberrecht erzwingen."
Stichwörter: Urheberrecht

NZZ, 28.06.2012

Die brasilianische Bauwirtschaft boomt, berichtet Regina de Macedo Marquardt. Während internationale Stararchitekten Bauprojekte in São Paulo und Rio de Janeiro verfolgen, wird auch der soziale Wohnungsbau wieder zum Thema, nachdem jahrzehntelang Wildwuchs herrschte: "Gerade in São Paulo zeichnete sich neuerdings ein Trend hin zu baukünstlerischer und urbanistischer Qualität ab, die durch etablierte Architekten mit städtebaulichem Geschick garantiert werden soll. Diese Wende mag heute selbstverständlich erscheinen, dennoch musste sich diese neue Sinneshaltung gegen das Dogma des Mutirão genannten kollektiven Bauens durchsetzen. Dieses erlaubte den Favela-Bewohnern, ihre Hütten selber und gemeinsam zu bauen."

Besprochen wird außerdem der Film "The Amazing Spider-Man" ("ein Genuss. Es sei denn, man leidet an Höhenangst", meint Jürg Zbinden) sowie Bücher, darunter György Dalos' tragikomischer Schelmenroman "Der Fall des Ökonomen" (Leseprobe, mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Spiegel Online, 28.06.2012

Thilo Sarrazin fordert von der taz eine Unterlassungserklärung. Am 18.6. hatte ein anonymer Autor auf der Wahrheitsseite der taz über Sarrazin geschrieben, dieser werden "inzwischen von Journalisten benutzt wie eine alte Hure, die zwar billig ist, aber für ihre Zwecke immer noch ganz brauchbar, wenn man sie auch etwas aufhübschen muss". Dass die taz die Bild-Zeitung mal als Qualitätszeitung aussehen lassen würde, hätte man auch nicht gedacht.

FAZ, 28.06.2012

Den empörten Reaktionen religiöser Vertreter zum Trotz hält Jürgen Kaube die Entscheidung des Kölner Landgerichts, die religiöse Beschneidung von Säuglingen als Körperverletzung einzustufen, für gut und richtig, da es ein "Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften" nicht gebe: "Das Kindeswohl kann nicht ausschließlich von Gepflogenheiten einer Religionsgemeinschaft abhängig gemacht werden. Bräuche, die in die körperliche Unversehrtheit eingreifen, sind abzuschaffen." Und wenig versteckt an Matthias Drobinski wegen dessen gestriger Apologetik in der SZ adressiert: "Wer Richtern, die dem folgen, den Vorwurf macht, sie machten den Rechtspositivismus zu einer Ersatzreligion, macht ihnen in Wahrheit das größte Kompliment."

Weiteres: Verfassungsrechtler Winfried Hassemer fürchtet, dass der akute Zeitdruck in Sachen Europa in starkem Widerspruch zur juristisch gründlichen und entsprechend langsamen Vorgehensweise bei der Entscheidungsfindung des Bundesverfassungsgerichts stehe. Gina Thomas liest den neuen Roman von Martin Amis, der darin zum Abgesang auf Großbritannien anhebe und sich dort deshalb gegen den Vorwurf der Nestbeschmutzerei verteidigen müsse. "Im Gegensatz zur Berlin Biennale", schreibt Swantje Karich, gewinne bei der Manifesta im belgischen Genk "die Kunst gegenüber den historischen Dokumenten". Verena Lueken tappt in einer Reihe mit Films Noirs im Filmmuseum Frankfurt "durch dunkle Treppenhäuser" und erblickt dabei "Frauen, die rauchen, Frauen, die trinken, Frauen, die schießen." Helmut Mayer sichtet neue Buchveröffentlichungen zum 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau. Nils Minkmar schreibt den Nachruf auf die Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron, Gerhard Stadelmaier den auf die Schauspielerin Doris Schade.

Besprochen werden neue Schallplatten von Keane und dem John Abercrombie Quartet, sowie Bücher, darunter ein Plädoyer für das Kino von Lars Henrik Gass (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

SZ, 28.06.2012

Die Philosophin Ursula Pia Jauch erinnert ganzseitig an Jean-Jacques Rousseau, der vor dreihundert Jahren geboren wurde und als Kritiker einer "Gesellschaft von Ich-Süchtigen" ihr zufolge wohl schon damals vor Twitter gewarnt hätte: "Im Gewitter von Tweets und Twitter ist 'der Andere' erodiert, der Narziss beginnt den Citoyen zu ersetzen." (Unser Eindruck vom Geschehen auf der Plattform ist freilich ein anderer.)

Weiteres: Jens-Christian Rabe wird beim Berliner Konzert von Jack White Zeuge einer "irrwitzigen Mischung aus einer knarzig-jaulenden Feier der E-Gitarre (...) und einem rührseligen Americana-Volksfest". Henning Klüver blättert in italienischen Zeitungen, wie sich das Land auf das heutige Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien einstimmt. Matthias Drobinski holt kritische Stimmen zum Beschneidungsurteil des Kölner Landgerichts ein. Anke Sterneborg plaudert mit Emma Stone, die im heute anlaufenden "Amazing Spider-Man" dem Spinnenmann ins Netz geht. Susan Vahabzadeh schreibt den Nachruf auf die Regisseurin Nora Ephron (dazu mehr hier).

Für die Medienseite hat Claudia Tieschky die Redaktion des Philosophie Magazins (mehr) in Berlin-Wedding besucht.

Besprochen werden der kanadische Indiethriller "Small Town Murder Songs", der Dokumentarfilm "Cinema Jenin", Ausstellungen über den Karikaturisten Karl Arnold in der Pinakothek der Moderne in München und im Olaf-Gulbransson-Museum am Tegernsee und Bücher, darunter Stefano Bennis Roman "Brot und Unwetter" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

Zeit, 28.06.2012

"Wir können doch den Fortschritt nicht stoppen": Der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho ruft im Feuilleton seine Branche dazu auf, sich an die technischen Gegebenheiten anzupassen. Künstler sollten stolz sein, wenn Piraten ihre Werke kopieren. Das Urheberrecht schützt ohnehin nicht ihre Interessen, sondern die der Geschäftswelt. Und der klassische Intellektuelle ist tot, abgelöst vom internetual, vom 'Internetuellen', der sich über Blogeinträge und Tweets ausdrückt: "Als Gutenberg den Buchdruck erfand, riefen die Mönche: 'O Gott, wir ziehen uns lieber aus dieser Welt zurück, sie ist zu schnell geworden. Früher haben wir Zeichnungen gemacht, unsere Bücher waren Kunstwerke, und jetzt haben wir diesen billigen Gutenberg-Druck!' Aber: Jede technologische Revolution schafft eine Plattform für eine kulturelle Revolution."

In der Berliner Zeitung hat Martin Mosebach vergangene Woche bekannt, dass er sich nicht empören könne, "wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern - wenn wir sie einmal so nennen wollen - einen gewaltigen Schrecken einjagen". Die Abneigung des Büchnerpreisträgers gegen kalkulierte Blasphemie kann Ijoma Mangold zwar nachvollziehen, doch sei Mosebachs "steile These" selbst eine solche.

Weitere Artikel: Christine Lemke-Matwey zieht eine Bilanz von Alexander Pereiras 21 Jahren als Intendant des Züricher Opernhauses. Ein "barbarischer Akt" ist für Hanno Rauterberg der Plan, den Großteil der Sammlung der Berliner Gemäldegalerie im Depot verschwinden zu lassen, um Platz für Werke des 20. Jahrhunderts zu machen. Ingeborg Harms porträtiert Tom Ford, den "007 der Mode", der gerade in München sein erstes deutsches Markengeschäft eröffnet hat.

Besprochen werden außerdem die "treffliche" Ausstellung "A House Full of Music" auf der Darmstädter Mathildenhöhe, das Comeback-Album der Dexys (ehemals Midnight Runners) sowie Bücher, darunter Mathias Gatzas Wissenschaftskrimi "Der Augentäuscher" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Archiv: Heute in den Feuilletons

Rückerinnerung an das Menschenopfer

27.06.2012. In der NZZ erklärt der ukrainische Autor Mykola Rjabtschuk, wie er die Spaltung zwischen den russischen und nicht-russischen Ukrainern überwinden will. In der Paris Review träumt Umberto Eco von dem Buch, das er gern geschrieben hätte. Der Buchreport berichtet über eine Erklärung von Verlegern zu E-Books, die den europäischen Markt harmonieren soll. Netzpolitik und taz erklären, warum der Ökonom Justus Haucap gegen ein Leistungsschutzrecht im Pressewesen ist. Die SZ möchte den magisch-religiösen Kern der Beschneidung von Jungen nicht missen. Auch Kater Henry gibt seinem mal de vivre Ausdruck. Mehr lesen

Umstellt von Informanten

26.06.2012. In der FR kritisiert der Musiker Guido Möbius die Gema, die 65 Prozent aller Ausschüttungen an 5 Prozent aller Mitglieder auszahle. Auf worldpolicy.com fragt Neal Stephenson, ob sich ein Zeitalter, das nicht mal mehr Menschen zum Mond schießen kann, noch als innovativ bezeichnen kann. Im Blog ihrer Partei erklären Brigitte Zypries und Lars Klingbeil, warum die SPD ein Leistungsschutzrecht ablehnt. Das Wall Street Journal meldet, dass Rupert Murdoch die wenig profitablen Printmedien aus seinem Konzern abspaltet. Mehr lesen

Das angeblich so geistfördernde Schlachten

25.06.2012. In der Welt freut sich Ai Weiwei auf den China-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich würde sie sehr gern treffen." Die Jungle World ist enttäuscht von Martin Mosebach, der Gotteslästerer gern von anderen verfolgen lässt. Auch die Presse wundert sich über Mosebachs Kokettieren mit der Infamie. Ingo Schulze kann Mosebach in der FR dagegen nicht ganz ernst nehmen. Die NZZ bewundert die glückliche Führungslosigkeit des Orchesters Spira mirabilis. Die SZ macht sich Sorgen über Antisemitismus in Ungarn. Die FAZ blickt zurück auf Elfriede Jelineks Eurydike. Mehr lesen

Gewissheit ist unwissenschaftlich

23.06.2012. Die Welt sorgt sich: Hat die Türkei die Lust an der Klassik verloren? Die SZ verabschiedet das Paradigma von der künstlichen Verknappung in der Kultur. Die taz erklärt, warum Piraten und Presse einfach nicht zueinander passen. Die FR fühlt der Gema auf den Zahn. NZZ und FAZ huldigen Jean Jacques Rousseau, dessen furchtloses, furchtbares und fruchtbares Leben vor dreihundert Jahren begann. Mehr lesen

Heute gehören wir endlich uns selbst

22.06.2012. Zustimmung so weit das Auge reicht für die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den chinesischen Autor und Lyriker Liao Yiwu. Skandalös findet die SZ die willfährige Anselm-Kiefer-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle. Die FAZ hofft auf einen wenn schon nicht ökonomischen, dann doch wenigstens fußballerischen Befreiungsschlag gegen Griechenland. Und die taz fordert: "Eier zeigen!" Mehr lesen

Geburtswehen der Popmoderne

21.06.2012. Die Documenta ist gar nicht so tierlieb wie sie immer tut, findet die FR. Die Welt erinnert sich an die Schwabinger Krawalle. Bei Angela Merkels Regierungsstil fühlt sich die FAZ nach Entenhausen versetzt. Die Zeit feiert den 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau. Der Musiker David Lowery fragt, warum wir bereit sind, für Musikabspielgeräte zu bezahlen, nicht aber für die Musik selbst. Mehr lesen

Erleuchtung im Gemeinschaftserlebnis

20.06.2012. In der SZ erinnert Vassilis Vassilikos an die Zeiten, als sich deutsche Autoren  noch für Griechenland interessierten. In der taz verteidigt Jo Lendle die Rolle der Verlage: Oder wollen Sie ein unlektoriertes Buch lesen? Unterschiedlich wird das Frankfurter Jeff-Koons-Spektakel aufgenommen. Die FR erfreut sich an prallen, priapischen Skulpturen, der FAZ missfällt der Versuch, den schrillen Geschmack einer ökonomischen Super-Elite zu veredeln. Trotzdem gibt es allgemein gute Vibrationen. Mehr lesen

Die Unkosten wird er generös begleichen

19.06.2012. Während iranische Großayatollahs den Rapper Shahin Najafi per Kopfgeld jagen lassen, lobt sich Martin Mosebach in der FR das Blasphemieverbot und findet es ganz in Ordnung, "wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern einen gewaltigen Schrecken einjagen". Bernd Neumann und die Welt bekräftigen in einer gemeinsamen Manifestation ihre Ablehnung der Gratismentalität. Die FAZ liest David Maraniss' Biografie des kiffenden Barack Obama. Mehr lesen

Bin ich nicht das Genie?

18.06.2012. In der FR erblickt Ralf Bönt in der Urheberrechtsdebatte den Gipfel der Spießigkeit. Die taz begrüßt die Rückkehr des Flaneurs in der Berlinliteratur. Die NZZ begrüßt Warschau in der europäischen Architekturmoderne. Und die FAZ stößt in den innersten Kern der abstrakten Malerei vor. Mehr lesen

Ouvertüre zum Sirenengesang

16.06.2012. Mit seiner Reise nach Jerusalem hat Boualem Sansal die arabischen Hardliner gegen sich aufgebracht. In der Welt erklärt er: "Den ersten Schritt zu tun, ist sehr viel wichtiger als den letzten." Die FAZ besucht den Comic-Autor Art Spiegelman, der in nur drei Bildern ein ganzes Leben erzählen kann. Die SZ gibt die Filesharer-Jugend noch nicht verloren. Für Till Kreutzer von irights.info lässt der Entwurf zum Leistungsschutzrecht eigentlich alle relevanten Fragen offen. In der taz nimmt linke Diskursunfähigkeit in den Blick. Die FR verbringt den heutigen Bloomsday vor dem Radio. Mehr lesen

Wer sich nicht ruiniert, aus dem wird nichts

15.06.2012. Der Spiegel vergreift sich bei seiner Kritik an Obama im Ton und Deutschland ist bloß neidisch auf die USA, findet Hans Ulrich Gumbrecht in der Welt. Die taz beschreibt neue Verlagsexperimente zur Verbindung von Print und Elektronik. In der SZ wird der Gesetzesentwurf für das Leistungsschutzrecht vorgestellt, und der Jurist Till Kreutzer warnt vor der Kriminalisierung von Kommunikation. Die FAZ räumt den Protesten gegen Putin keine Erfolgsaussichten ein.  Mehr lesen

Schund kann lehrreich sein

14.06.2012. Bei der Debatte über das Urheberrecht geht es eigentlich um den Wert von Arbeit in der Wissensgesellschaft, meint die taz. Die SZ ermahnt Europa, sich endlich seiner treuhänderischen Verantwortung gegenüber Griechenland zu stellen. Die Welt ist nicht mehr in Ost und West, sondern in Süd und Nord geteilt, stellt die Zeit fest. Die FAZ sorgt sich um den bürgerlichen Zusammenhalt in den USA. Alle nehmen Abschied von Margarete Mitscherlich. Mehr lesen

Die Idee der Weltregistratur

13.06.2012. In seinem Blog fragt der abgemahnte Rudolf Thome, welcher Schaden dem Tagesspiegel entsteht, wenn er Kritiken zu seinen eigenen Filmen dokumentiert. Die FAZ sieht im syrischen Bürgerkrieg auch eine kulturelle Katastrophe. Die FR fragt, warum eigentlich kein Museum im letzten Jahr eine Ausstellung zu Ai Weiwei gemacht hat. In der NZZ erklärt Uli Sigg, warum er seine Sammlung chinesischer Gegenwartskunst nach Hongkong geben will. Und die taz weiß, warum es Spaniern im armen Neukölln so viel besser geht als im armen Spanien. Mehr lesen

Niemand lächelt

12.06.2012. In der SZ beschreibt Viktor Jerofejew den Ingrimm, der in Moskau unter Zar Putin herrscht. In der FAZ erinnert Ai Weiwei daran, dass nicht das nur das Geld, sondern auch der Geist die Welt antreibt. Die NZZ fürchtet, dass die Ahnungslosigkeit der griechischen Zeitungen ihnen nun selbst zum Verhängnis wird. In der Welt erzählen junge Israelis von ihrem Leben in Berlin. Comics sind schon lange nicht mehr komisch, stellt die FR klar. Und die taz fordert mehr Disziplin. Mehr lesen

Unfähigkeit zum Mitmachen

11.06.2012. In der FR denkt Armin Nassehi über die Intellektualisierung des Fußballs und die Bedeutung des Augenblicks nach. Der SZ graut es vor den kommenden Cyberkriegen. Die NZZ warnt: Üppiger Barock gefährdet die tektonische Stabilität. Die Welt untersucht sich häufende Unpässlichkeiten im Opernbetrieb. Und die FAZ geht in Habacht vor dem "Soldaten des Kinos", Werner Herzog. Mehr lesen