Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.08.2006. In der NZZ sieht György Konrad die Möglichkeit eines zweiten Holocaust über Israel heraufziehen. In der Welt erklärt Grass-Verleger Gerhard Steidl, warum er die Aufmachung des Grass-Interviews in der FAZ "ziemlich infam" fand. Die FAZ liest Grass' Buch als "Roman zum Leben" des Autors. Die taz zeigt sich beeindruckt von John Updikes aktuellem Roman "Terrorist". Die FR besucht New Orleans ein Jahr nach "Katrina" und triff auf ein surreales Bild. Der Tagesspiegel bilanziert die Arbeit des Berliner Kultursenators Thomas Flierl. Die SZ schreitet durch zwei Ausstellungen über die Geschichte des Deutschen Römerreichs: "Über Jahrhunderte wollten die deutschen Eliten Römer sein - was für ein Traum!"

Welt, 26.08.2006

Hendrik Werner hat Grass-Verleger Gerhard Steidl zu Hause in Göttingen besucht, gerade als dieser zwei Kisten Lübecker Wein von seinem Autor empfing. Laut Werner stellt Steidl mit Blick auf die FAZ klar: "Grass habe das Gespräch zwar autorisiert, aber keinen Einfluss auf die 'marktschreierische Aufmachung' gehabt. Aus journalistischer Sicht sei das Vorgehen der Zeitung fraglos virtuos und effektiv gewesen, moralisch allerdings 'ziemlich infam'... Steidl bleibt trotz eines gestern veröffentlichten FAZ-Dementis bei seiner Version, dass das Interview und die Beilage mit Buchauszügen zeitgleich hätten erscheinen sollen. 'So sah es der Vertrag jedenfalls vor.'" Steidls Lesart der Grass-Autobiografie weckt bei Werner allerdings einige Zweifel - eine Interpretation, die mit dem Lübecker Wein zu tun hat. Aber das lesen Sie bitte selbst.

Zweieinhalb Milliarden Dollar haben die Filme von Tom Cruise eingespielt. Dennoch hat Paramount gerade seinen Vertrag gekündigt. "Beging Sumner Redstone, Konzernchef der Viacom-Tochter Paramount, rituellen Selbstmord oder opferte er sich für die Befreiung der versklavten Studios?", fragt Uwe Schmitt. Er hält Redstones Reaktion wohl eher für einen kalkulierten Coup, der Hollywoodstars angesichts von Self-made-Stars in Fernsehen und Internet ihre Grenzen zeigt. Zum Beleg zitiert Schmitt die Produzentin Cathy Schulman ("Crash"): "Jeder spürt das Beben. Wenn (sogar) Tom und Paula ihren Deal verlieren können, was bedeutet das für jeden anderen?'"

Weiteres: Gerhard Gnauck sieht einen Unterschied zwischen Zbigniew Herberts und Andrzej Szczypiorskis Zusammenarbeit mit der polnischen Staatssicherheit. Ernst Cramer erinnert sich an seine vor 120 Jahren geborene Mutter, die von den Nazis ermordet wurde. Elmar Krekeler spottet am Beispiel von Günter Grass und Eva Hermann über die "absichtsvoll vorzeitige Buchejakulation" von Verlagen. Constanze Klementz resümiert die Halbzeit des Berliner Festivals Tanz im August. Besprochen werden zwei AusstellungenMagdeburg und Berlin über das Heilige Römische Reich und CDs mit ernsten Opern von Rossini.

Im Kunstmarkt erklärt Lisa Bosse, warum die Werke des britischen Künstlers Simon English so heiß begehrt sind. Bettina Krogemann macht einen Rundgang durch die wichtigen Auktionshäuser Münchens. Besprochen werden eine Ausstellung über den Fotografen F. C. Gundlach in der Berliner Galerie Kicken und eine Ausstellung der Fotografien aus dem Besitz des Malers Eduard Gaertner im Kunstforum der Berliner Volksbank.

In der Literarischen Welt besucht Andrea Seibel die südafrikanische Autorin Nadine Gordimer. Wolfgang Herles spricht mit John Updike über dessen neuen Roman "Terrorist". Katja Ridderbusch porträtiert die Krimiautorin Karin Slaughter. Krauses Klartext schubst Günter Grass vom Sockel der Nationaldichter, auf dem Goethe, Schiller und Thomas Mann thronen. Besprochen werden unter anderem John Updikes Roman "Terrorist", Bücher über den Hurrikan Katrina und Richard Wagners Essayband "Der Deutsche Horizont".

Auf der Forumsseite erklärt Edward Luttwak, warum die Hisbollah allen Anschein zum Trotz den Libanonkrieg nicht gewonnen hat. Und Eckhard Fuhr grübelt über die Unterwäsche seiner U-Bahn-Mitfahrer (der Anlass ist ein durch und durch seriöser: er hat "das weißleinene Unterkleid Friedrich Barbarossas" in der Magdeburger Ausstellung "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" gesehen).

FAZ, 26.08.2006

Nach Interview und Präsentation einer Schmuckbeilage mit Leseprobe, Auszug und Steidl-Anzeige bespricht Hubert Spiegel jetzt Grass' Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel" und wird im Ton recht feierlich: "Die Beschreibung der Kampfhandlungen, als Grass im Granatfeuer der Roten Armee den Anschluss an seine Truppe verliert, hinter die feindlichen Linien gerät und nur knapp dem Tod entgeht, beeindrucken durch ihre Kunst der Vergegenwärtigung. Eindringlicher, beklemmender hat man derlei kaum können."

Weitere Artikel: Jürgen Kaube extemporiert im Aufmacher über die Frage "Führt der Terrorismus zum unfreien Überwachungsstaat?" Christian Schwägerl analysiert neue Vorschläge für eine ethisch unbedenkliche Stammzellforschung. Jürg Altwegg liest französische Zeitschriften, die sich mit Krieg und Religion befassen. Lorenz Jäger glossiert die amtliche Degradierung des Pluto zum Zwergplaneten. Jürgen Dollase kostet für seine Gastro-Kolumne, was Harald Wohlfahrt aus Taschenkrebsen kocht. Paul Cochrane schreibt über den Fortgang des libanesischen Kneipenlebens in Zeiten des Krieges. Dieter Bartetzko bringt neue Informationen über den "skythenzeitlichen Reiterkrieger", der im Permafrostboden im Dreiländereck zwischen Russland, China und der Mongolei gefunden wurde. Andreas Rosenfelder besuchte die Games Convention in Leipzig. Wolfgang Sandner schreibt zum Tod des Jazztrompeters Maynard Ferguson. Und für die Kunstmarktseite unternimmt Lisa Zeitz einen Rundgang durch neue Berliner Galerien.

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage erzählen Udo Jürgens und Michaela Moritz die Geschichte eines armen und behinderten bulgarischen Jungen, der den Tag zusammen mit seinem Vater in beheizten Bussen zubringt, weil Behinderte dort kostenlos transportiert werden. Und der Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, Michael Knoche, erinnert sich (in einem Vorabdruck aus einem demnächst erscheinenden Buch) des schlimmen Brandes vor zwei Jahren.

Besprochen werden ein Konzert des Philadelphia Orchestras unter Christoph Eschenbach in Frankfurt und die Ausstellung "Wunder des imperialen Japan" mit Exponaten aus der Meiji-Zeit in Amsterdam.

Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite geht's um eine Einspielung der wenig bekannten Rossini-Oper "Matilde de Shabran", um zwei Aufnahmen mit deutschen Volksliedern, um die neue CD der schwedischen Folkpopsängerin Nina Kinert und um das neue Album der Band Razorlight. Auf der Medienseite berichtet Jörg Bremer über die Entführung zweier Fox-Reporter in Gaza, denen die Ermordung droht.

In der Frankfurter Anthologie stellt Ludwig Harig ein Gedicht von Martin Opitz vor:

"Hier liegt ein höffliches doch geiles Weib begraben
Wüntscht ihr nicht daß sie Rhu mög' in der Erden haben:
Sie hat dem Himmel selbst zu gleichen sich geübt
Und nichts als stetige Bewegung mehr geliebt. "

TAZ, 26.08.2006

Jörg Magenau hat John Updikes hochaktuellen neuen Roman "Terrorist" gelesen und findet, dass er sich nahtlos ins Oeuvre des Autors einfügt: "Die Frage, wie einer zum Terroristen wird, ist für Updike die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Wert des einzelnen Individuums und nach dem Zustand der Gesellschaft. Was kann man wollen in dieser Welt? Was darf man glauben? Über Terrorismus zu sprechen heißt, von Religion zu handeln. Nicht die konkrete Tat steht im Mittelpunkt des Romans - auch wenn er im letzten Drittel echte Thrillerdynamik entwickelt. Updike will herausfinden, was einen jungen Mann antreibt, der bereit ist, sein Leben zu opfern. Er rückt ihm ganz nahe und belauscht ihn, um die Logik seiner Gedankengänge zu begreifen."

Weitere Artikel: Ronald Berg hat die große Ausstellung "Talking Cities" in der Essener Zeche Zollverein besucht. Tobias Rapp hat den Verdacht, dass Florian Illies mit seinem Schlossplatz-Zwischennutzungs-Architekturwettbewerb in der Zeitschrift Monopol doch Stadtschloss-Endnutzungs-Zweifel säen wollte. Niels Kadritzke berichtet von einem Zensur-Skandal um den zypriotischen Film "Akamas". Auf der Themen-des-Tages-Seite spricht der Jugendforscher Klaus Farin im Interview über 50 Jahre Bravo. Besprochen wird Gil Kenans Animationsfilm "Monster House".

In der zweiten taz porträtiert Daniel Bax den ägyptischen Sänger Hakim. Heide Oestreich findet es peinlich, dass sich in der ZEIT-Kampagne für eine neue Frauenbewegung offenbar kein Mann zur Teilnahme bewegen ließ. Der Musiker Bernd Begemann erklärt im Kurzinterview, dass die über Grass Empörten die besten Schüler des Autors sind.

Michael Rutschky spekuliert im taz mag über das Fortleben der DDR in der Bundesrepublik. Im Dossier erinnert Ralph Bollmann an einen frühen Vorläufer des Terrors, nämlich an die Plünderungen der Goten im Rom des Jahres 410. In der Literaturabteilung spekuliert Gerrit Bartels über die Favoriten für den Deutschen Buchpreis und landet bei Bernd Schroeder und Thomas Hürlimann.

Besprochen werden Bücher, darunter Ulrich van Suntums Entwurf für einen "Masterplan Deutschland" und Eva Demskis Roman "Das siamesische Dorf" (mehr in der Bücherschau des Tages).

Schließlich Tom.
Anzeige

FR, 26.08.2006

Eher düster scheint die Zukunft von New Orleans - es fehlt, wie Sebastian Moll berichtet, an umfassenden Plänen zum Wiederaufbau: "Viele Bürger haben unterdessen das Warten auf Vorgaben oder Genehmigungen aufgegeben und nach guter amerikanischer Wildwest-Manier ihre Häuser mitten in völlig zerstörten Gegenden wiederaufgebaut. An Straßen, in denen noch immer mit Schlamm überzogene Autowracks stehen, und in denen die meisten Gebäude verschimmelt und verwüstet sind, stehen vereinzelt frisch renovierte Einfamilienhäuser. Ein surreales Bild. Und nach Ansicht vieler keine gute Entwicklung: 'So sehr ich den Geist dieser Leute bewundere', sagt der Umwelt-Ökonom Richard Campanella von der New Orleanser Tulane-Universität, 'bin ich mir doch nicht sicher, ob es so glücklich ist, in einer Gegend zu bauen, von der man nicht weiß, ob sie jemals wieder eine Infrastruktur haben wird.'"

Weitere Artikel: Im Interview sprechen Amelie Niermeyer, die neue Intendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses, und Burkhard C. Kominski, der neue Mannheimer Schauspieldirektor, über ihre Pläne. In einem weiteren Interview informiert Bettina Twrsnick über die Phantastische Bibliothek in Wetzlar. Stefan Behr bedauert, dass das Frankfurter Institut für Sexualwissenschaft nach dem Abschied seines Gründers Volkmar Sigusch nicht weiterbestehen wird. In ihrer "Plat du jour"-Kolumne schreibt Martina Meister über das Paris der Terrassen. Den Nachruf auf den Jazztrompeter Maynard Ferguson hat Hans-Jürgen Linke verfasst.

Besprochen werden eine Ausstellung mit dem Werk des Architekten Gottfried Böhm im Deutschen Architektur Museum und Bernd Schroeders Roman "Hau" (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).

NZZ, 26.08.2006

In einem düster gestimmten Text sieht György Konrad die Möglichkeit eines zweiten Holocaust über Israel heraufziehen. Auch die Haltung vieler Europäer zu Israel kritisiert er: "Der bedrohte Westen hat in Israel eine wunderbare Ersatzzielscheibe gewonnen. Europa hat die Juden um die Zeit des Zweiten Weltkriegs verstoßen und einem Teil von ihnen angeboten, heimzukehren ins Heilige Land, jedenfalls weg von hier. Und jetzt sehen die braven Europäer, dass sich die Kinder und Enkel der Juden aus dem Nahen Osten nicht auch vertreiben lassen. Das verblüfft sie derart, dass sie jedenfalls für die Araber Partei ergreifen und gegen die Israeli Stellung beziehen."

Weitere Artikel: Nick Liebmann schreibt zum Tod des Jazz-Trompeters Maynard Ferguson. Alfred Zimmerlin schreibt zum Tod des Komponisten Jacques Wildberger. Besprochen werden eine Modigliani-Ausstellung in London, Laurent Cantets Film "Vers le sud" und Bücher, darunter Briefe und ein Tagebuch von Charles Bukowski.

In der Beilage Literatur und Kunst schreibt der Politologe Matthias Messmer über Internet in China und rät, das Phänomen der Zensur nicht überzubewerten: "Die Mehrzahl der chinesischen Blogger besteht mit Bestimmtheit nicht aus Cyberspace-Dissidenten, die am Umsturz der Regierung oder an der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung interessiert wären. Zensur ist lediglich einer unter vielen Aspekten in diesem Land, und für die meisten Chinesen kaum der wichtigste."

Außerdem erzählt Hoo Nam Seelmann, wie die Südkoreaner ihre Dorfstrukturen auch in modernen Hochhaussiedlungen pflegen. Kersten Knipp porträtiert Fernando Pessoa als Kritiker seiner Zeit. Und Albrecht Buschmann lässt den jetzt abgeschlossenen Pepe-Carvalho-Krimizyklus von Manuel Vazquez Montalban Revue passieren.

Berliner Zeitung, 26.08.2006

Carmen Böker unterhält sich mit der Kunsthistorikerin Ruth Hanisch über den Zusammenhang zwischen Mode und Architektur. "Pradas Mode ist ja nicht in dem Sinne avantgardistisch oder innovativ wie etwa Comme des Garcons, aber sie setzen auf trendige Architektur. Das gibt der Marke jene sophistication, die sie für gutausgebildete Besserverdiener attraktiv macht. Umgekehrt sind es aber oft die innovativsten Labels, die auf spektakuläre Neubauten verzichten; Martin Margiela bezieht vorzugsweise Räume mit Altbaucharme. Es gibt also kein notwendiges Zusammenspiel von Avantgardemode mit Avantgardearchitektur - oft wird der Kontrast gesucht."

Außerdem im Magazin der Berliner Zeitung: ein Interview mit dem Schauspieler Jürgen Vogel über seinen neuen Film "Der freie Wille", in dem er einen Vergewaltiger spielt.

Tagesspiegel, 26.08.2006

Rüdiger Schaper bilanziert die Arbeit des Berliner Kultursenators Thomas Flierl, der sich demnächst wie der gesamte Berliner Senat zur Wahl stellen muss: "Meist .. hat er den Eindruck erweckt, er wolle unter dem Radar fliegen - mit dieser Eigenheit erinnert Flierl von fern an Angela Merkel. Deren alten Wissenschaftskollegen Michael Schindhelm hat Flierl zum Gerneraldirektor der Berliner Opernstiftung gemacht. An dem Monstrum hatten sich schon viele Spezialisten verhoben. Ihre schiere Existenz, die bis auf weiteres eine Sicherungsgarantie aller drei Opernhäuser bedeutet, betrachtet Flierl als persönlichen Erfolg. Dieses Erfolgserlebnis hält bis zur Abgeordnetenhauswahl am 17. September. Bald danach wird Schindhelm sein Reformpapier für die Opernstiftung vorlegen. Dann kann es krachen im Gebälk. Ein großes Opernhaus könnte wackeln."

SZ, 26.08.2006

Auf der ganzen ersten Seite schreibt Gustav Seibt über gleich zwei große Ausstellungen zur Geschichte des "Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation" in Berlin und Magdeburg: "Eine 'Art Monstrum' nannte der Staatsrechtler Pufendorf im siebzehnten Jahrhundert das deutsche Römerreich. Die irdischen Hinterlassenschaften dieses Untiers liegen nun glanzvoll funkelnd in diesem selbst fast monströsen Doppelunternehmen vor den Augen eines wohl überforderten Publikums. Was für eine absurde, unverständliche Schatzkammer ist unsere Geschichte, so muss man denken, wenn man durch dieses erhabene Warenlager schreitet. Was auf jeden Fall anschaubar wird, und das ist ein Verdienst der enormen Anstrengung: Die kritischen Formeln der neuen Historiker auf ihrem kurzen Gedankenweg nach Westen stimmen nicht. Über Jahrhunderte wollten die deutschen Eliten Römer sein - was für ein Traum!"

Weitere Artikel: Im Interview erklärt Daniel Barenboim, dass sich sein "West-Eastern Divan Orchestra" in Sachen Libanon klar positioniert: "Der Krieg steht allem entgegen, woran wir glauben. Deswegen konnten wir nicht schweigen. Die Erklärung hält fest, dass es keine militärische Lösung geben kann." Manfred Schwarz hat die Ausstellung "Das achte Feld" gesehen und singt ein Loblied auf die Liberalität des Ancien Regime, das nicht den geringsten Anstoß nahm am mal Frauen- mal Männerkleidung tragenden Chevalier d'Eon. Falk Lenke schreibt zum Tod des Jazztrompeters Maynard Ferguson. Kritisch berichtet Peter Laudenbach von der großen Johannes-Heesters-Schau und -Ausstellung in der Berliner "Akademie der Künste". Willi Winkler porträtiert - aus Anlass von Arn Strohmeyers Studie "Dichter im Waffenrock" - den deutschesten aller Griechenlandfahrer, den Dichter Erhart Kästner. Kurz vorausgeblickt wird auf das 6. Internationale Literaturfestival in Berlin.

Besprochen werden Neuvertonungen von Heine-Texten bei der "Reichenhaller Liederwerkstatt", die Design-Ausstellung "Entry 2006" in der Essener Zeche Zollverein und Bücher, darunter Doris Bachmann-Medicks Einführung in die Kulturwissenschaften "Cultural Turns" ("der dröge Sound der Drittmittelprosa") sowie Kjell Westös Erzählungen "Tante Elsie und mein letzter Sommer" (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Aufmacher der SZ am Wochenende erinnert sich der Filmemacher und Schriftsteller Oliver Storz, wie die Waffen-SS 1944 um 15-Jährige warb - und dass er und seine Freunde sich heftig sträubten: "Des Menschen Gedächtnis ist mangelhaft. Ich weiß nicht mehr, warum wir damals ums Verrecken nicht in die Waffen-SS wollten. Fast glaube ich, wir haben es auch damals nicht gewusst. Es passte wohl einfach nicht mehr zu uns. (...) Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz, wir taugten nichts."

Weitere Artikel: Dirk Peitz porträtiert die in England weltberühmte New Yorker Band "Scissor Sister". Gabriela Herpell hat die "perfekt unperfekte" Sonic-Youth-Musikerin Kim Gordon besucht. Auf der Historien-Seite erzählt Heiko Flottau, wie Ibn Saud das Königreich Saudi-Arabien ausrief. Willi Winkler erinnert in "Es war einmal" im Zusammenhang mit Günter Grass an die sechziger Jahre. Vorabgedruckt wird Martin Klugers Erzählung "Die Feuerschluckerin". Im Interview spricht die junge Sopranistin Christiane Karg über den "Anfang".