Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.07.2006. Für die Zeit blickt Cees Nooteboom in ein Selbstporträt des alternden Rembrandt und erschauert. Außerdem räumt die Zeit auf - mit der deutschen Hausfrau. In der NZZ beschreibt Sonja Margolina das russische Öl als Jungbrunnen alter Großmachtträume. In der SZ schreibt der aus Bombay stammende Schriftsteller Kiran Nagarkar über den Extremismus in Indien. Die taz warnt die Straße davor, die Radikalität des Feuilletons zu übernehmen. Und die FAZ fragt: Warum wollen die Chinesen, dass wir chinesisch lernen?

Zeit, 13.07.2006

In einem sehr schönen Text folgt der Schriftsteller Cees Nooteboom den Spuren Rembrandts durch die Stadt Leiden und denkt mit Blick auf Rembrandts Selbstporträt von 1658 darüber nach, was es bedeutet, ein solches zu zeichnen: "Ich weiß genauso gut wie jeder, der dies liest, was ein Selbstporträt ist. Allerdings war mir, so blödsinnig sich das auch anhört, die volle Tragweite dessen, was das bedeutet, nie richtig bewusst geworden. Ein Maler malt sich selbst, aber wie macht er das? Die Vorstellung hat etwas Unheimliches. Die ganze Zeit muss er sich ansehen, bis auf der Leinwand vor ihm ein aus Farbe bestehender Doppelgänger entstanden ist, der er nicht nur ist, sondern dem er zugleich noch etwas hinzufügt, nämlich das, was er von sich denkt. Der Mann, der sich und mich nun ansieht, ist ein älterer Mann, der sich als König aus dem Morgenland verkleidet hat. Alles an diesem Bild ist warm, dunkle Braun- und Goldtöne, doch Augen und Mund widersprechen dieser Wärme. Es sind die Augen und der Mund eines alten Mannes, der die Welt gesehen hat und weiß, was nicht mehr zu erwarten ist."

Im Interview mit Stefan Koldehoff erzählt der niederländische Kunsthistoriker Ernst van de Wetering, wie er mit seinen strengen, aber nicht unfehlbaren Rembrandt-Gutachten Museumsdirektoren zittern lässt.

Petra Reski trägt einige Erfahrungen zusammen, die Giuseppe Prezzolinis These belegen könnten, dass es in Italien höchstens ausgleichende Ungerechtigkeit gibt: "Parmalat-Skandal und ein schändlicher Nationalbankgouverneur, ein stumpfer Königprinz, sexbesessen und habgierig, ein lippenloser ehemaliger Bahnbeamter als König des italienischen Fußballs, ein Spinnennetz der Korruption, der Schamlosigkeit und der Käuflichkeit, und zur Belohnung sind wir auch noch Weltmeister geworden! Poveri noi!, sagt der Italiener, wir Ärmsten! Alles vergeben und vergessen! Und Justizminister Mastella hat auch noch für mildere Umstände plädiert wegen des Gewinns der Weltmeisterschaft! Für eine Amnestie! Cossiga empfahl den Verantwortlichen des italienischen Fußballskandals: Sagt den Richtern, dass sie euch am Arsch lecken sollen! Und das ist unser ehemaliger Staatspräsident!"

Weitere Artikel: In einem sehr persönlichen Text fragt Hilal Sezgin anlässlich des morgigen Integrationsgipfels: "Alle reden plötzlich vom Migrationshintergrund, doch was steht denn im Vordergund?" Eva Schweitzer informiert, dass die amerikanische Einwanderungspolitik von den Interessen weißer, angelsächsischer Protestanten gesteuert sei. Elena Lappin und Harald Martenstein beschließen artig ihren WM-Briefwechsel. Und Claudia Herstatt berichtet von dem Streit um das Erbe des deutsch-niederländischen Kunstsammlers Franz W. Koenig, das der niederländische Staat für sich beansprucht.

Besprochen werden die erste große Sammelausstellung zur Leipziger Schule in der Sammlung Essl (die Hanno Rauterbergs strengem Urteil zufolge "den Mythos um Neo Rauch, Matthias Weischer und Co weiter aufpumpen möchte - und ihn doch zum Platzen bringt"), Greg McLeans "verstörend ruhiger" Horrorfilm "Wolf Creek", Theresia Walsers Theaterstück "Die Liste der letzten Dinge", das letzte Album des malischen Gitarristen Ali Farka Toure "Savane", Nils Muellers Paranoia-Film "Attentat" auf DVD, Ornette Colemans Klassiker-Album "At the Golden Circle" und die neue CD "Impeach My Bush" von Peaches.

Für den Literaturteil beschreibt Jens Jessen in einem minutiösen Protokoll, wie er sich über Hans Magnus Enzensbergers neues Buch "Josefine und ich" schwarz geärgert hat: "18.20 Uhr... Ich brauche einen Schnaps." (Mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

Im Leben nimmt es Susanne Mayer mit einer der mächtigsten Bastionen in Deutschland auf: den Hausfrauen und ihren männlichen Verbündeten. Mayer hält die zehn Millionen Hausfrauen für das "fürchterlichste Investitionsdebakel" des Landes und rechnet vor, dass eine gut ausgebildete Akademikerin, die nicht in ihren Beruf zurückgeht, den Staat über eine Million Euro kostet - qua vergeudete Ausbildungskosten und entgangene Steuern."Was tun sie? Die deutsche Mutter leistet eine Minute mehr Hausarbeit am Tag als ihre berufstätigen Schwestern. Sie verbringt 20 Minuten mehr am Tag mit ihren Kindern als Eltern der Nachbarländer. Sie investiere die durch Berufsaufgabe gewonnene Zeit keineswegs in Hausarbeit, sondern in persönlicher Freizeit, so der Siebte Familienbericht. Ein teures Vergnügen... Die deutsche Hausfrau aber rechnet nicht in Euro. Ihre Währung ist die Liebe."

NZZ, 13.07.2006

Die sprudelnden Ölquellen und die damit einhergehende finanzielle Potenz befeuern längst untergegangene Großmachtträume in Russland, warnt Sonja Margolina. "Schon zu Stalins Zeiten wurde Geografie in der Großmachtideologie durch die Geologie - den Besitz unermesslicher Bodenschätze - ergänzt. Heute kann Putin daran anknüpfen. Nach all den postsowjetischen Erniedrigungen gefällt sich die politische Klasse Russlands in der Rolle der Ölgroßmacht und legt eine selbstbewusste Ruppigkeit an den Tag. Da eine institutionelle Annäherung an die EU unerwünscht ist, hegen die frischgebackenen Oligarchen aus der Kreml-Administration der Einschätzung des Publizisten Andrei Piontkowski nach die Hoffnung, sich in die europäischen Energieversorgungsnetze einkaufen und Europa dadurch abhängig machen zu können."

Weitere Artikel: Die Popindustrie hat das Alter entdeckt, erkennt Christoph Fellmann, nachdem er Elvis Costello, Allen Toussaint und natürlich das von Rick Rubin produzierte und postum erschienene letzte Album "A Hundred Highways" von Johnny Cash genossen hat. Das im August startende Filmfestival Locarno wird nur noch 170 Filme zeigen, meldet Alexandra Stäheli in ihrer Programmvorschau. Oliver Pfohlmann schreibt zum Tod des österreichischen Schriftstellers Fred Wander.

Besprochen werden eine Ausstellung mit "Bildern vom Vierwaldstättersee" im Kunstmuseum Luzern und Bücher, darunter Cathy Days Roman "Winterquartier" und Jose Samaragos Roman "Stadt der Sehenden" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

SZ, 13.07.2006

Der aus Bombay stammende Schriftsteller Kiran Nagarkar (dessen jüngster Roman "Gottes kleiner Krieger" sich mit Formen des Extremismus befasst) schreibt angesichts der CNN-Bilder von den verheerenden Terroranschlägen in seiner Stadt: "Ich habe acht Jahre damit zugebracht, das Wesen des Extremismus zu studieren und ich glaube heute, dass man Klarheit und Verständnis nie dadurch gewinnt, dass man in linearem Schwarz-Weiß-Denken operiert, sondern nur durch Ambiguität, durch den Zweifel, das vorsichtige Befragen... Aber was nützt mir all dieses Wissen jetzt angesichts der wahnsinnigen Szenen auf dem Bildschirm? Der Schrecken dieser sieben Anschläge hat all meine ach so wertvollen Einsichten geradezu entmannt."

"812 Orte gehören anerkannt zum Weltkulturerbe. Warum so viele? Warum nur so wenige?", fragt Johan Schloemann und wundert sich über die gerade in Vilnius tagende Welterbe-Kommission der Unesco: "Während die eigentliche Weltinnenpolitik der UN in Trümmern liegt, während die in Wahrheit schlimmsten Bedrohungen der Kulturstätten weltweit Krieg, Umweltzerstörungen und Überbevölkerung sind, betreibt die kulturelle Weltgemeinschaft auf einem Nebenschauplatz ihre inkonsequente Historisierung der Welt - und alle lokalen Kulturschaffenden müssen mitmachen. Nunmehr wird übrigens auch das 'orale und immaterielle Kulturerbe der Menschheit' unter Schutz gestellt. Vedisches Singen, sizilianisches Puppentheater und madegassisches Holzschnitzen sind schon dabei. Alemannische Fastnacht, niederrheinisches Witzeerzählen und die Holzschnitzer im Erzgebirge warten noch sehnsüchtig auf ihre Verewigung."

Weitere Artikel: Christiane Kohl berichtet aus Dresden, dass dortige Lokalpolitiker sich nicht wirklich von den Drohungen der Unesco beeindrucken lassen wollen (mehr hier), die Dresdener Elbauen aus der Liste des Weltkulturerbes zu streichen. Tobias Kniebe interviewt den "Lemming"-Regisseur Dominik Moll. Fritz Göttler zeigt an, dass Martin Scorceses und Paul Schraders Kinoklassiker "Taxidriver" dreißig Jahre nach seiner Entstehung jetzt wieder in einige Kinos kommt, und es außerdem Pläne für ein Remake des Kultfilms "Battle Royale" gibt.

Besprochen werden Greg McLeans australischer Horrorfilm "Wolf Creek", (dem Anke Sterneborg "virtuose Lässigkeit" bescheinigt), Dominik Molls Psychothriller "Lemming" (der nicht so gut ankommt), ein Konzert von The Who in Bonn, die Retrospektive "Gruppe Spur" im Museum Villa Stuck in München, und Bücher, darunter Hans Magnus Enzensbergers neues Buch "Josefine und ich" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Hinweisen müssen wir natürlich auch noch auf den aktuellen Stand in der Affäre Zidane, der gestern in einer Pressekonferenz seinen Kopfstoß erklärte, aber nicht bedauerte, wie die SZ Online meldet, er sei übel von Materazzi beleidigt worden: "Er hätte lieber einen Schlag ins Gesicht bekommen als das zu hören, sagte Zidane. Dennoch sei sein Kopfstoß nicht zu rechtfertigen, 'und ich entschuldige mich bei allen Kindern, die das gesehen haben', sagte Zidane in dem Interview. Er bedauere jedoch nicht, was er getan habe."
Anzeige

FR, 13.07.2006

Der Schriftsteller Clemens Meyer preist im heutigen Literaturspecial der FR-plus Kultur die hohe Kunst des F. Scott Fitzgerald: "Fitzgeralds elegische Sprache, die oftmals aber auch sehr einfach ist und eine Poesie der Schlichtheit erzeugt, einen Sog, der trotz der Unvollkommenheit des Romans gefangen nimmt. Ein unvollkommenes Meisterwerk nenne ich 'Diesseits vom Paradies', und ich bin bestimmt nicht der Erste, der das tut. Ein Meisterwerk trotz und wegen seiner Unvollkommenheit, denn das ist die Unvollkommenheit der Jugend, behaupte ich (und sicher würde das Fitzgerald gefallen); das Redselige, oft zum Schwadronieren Neigende, die Naivität der Gefühle, man verzeiht dem Autor, denn man spürt die Ideale, so groß das auch klingen mag, die Ideale einer Generation, die Ideale, die Träume einer jeden heranwachsenden Generation."

Außerdem in der FR-plus, aber nicht online: Ursula März fragt sich, warum Marguerite Duras vor zwanzig Jahren so populär war. Besprochen werden Bücher von Kevin Vennemann, Louis Auchincloss, Joachim Lottmann und Alexander Masters (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Im Feuilleton verabschiedet Martin Scholz den Pink-Floyd-Gründer Syd Barrett. Thorsten Ahrend schreibt zum Tod des Schriftstellers Fred Wander. In Times Mager kommentiert Harry Nutt den Abgang Jürgen Klinsmanns.

Besprochen werden eine große Ausstellung über das "Nichts" in der Frankfurter Schirn, Wolfgang Petersens Katastrophenfilm "Poseidon" (an dem Daniel Kothenschulte eine "dumpfe Protzigkeit" auffällt), Jessica Bendingers Teenagerdrama "Rebell in Turnschuhen" und Dominik Molls Film "Lemming".

TAZ, 13.07.2006

"Das Treffen ist eine Sensation" begrüßt Eberhard Seidel den für morgen geplanten Integrationsgipfel im Bundeskanzlerinnenamt. Was sich hier andeute, sei ein Sieg der besonnenen Politik über das Ressentiment, meint Seidel: "Seit mehr als einem Jahr ist die Integrationsdebatte außer Kontrolle geraten. Im Wochentakt wurden vor der Fußball-WM in den Feuilletons überhitzte und kulturalistisch abgedrehte Debatten zu Stichworten wie Ehrenmorde, Rütli-Schule, Zwangsheirat, Deutschpflicht auf dem Schulhof, Karikaturenstreit, Muslimtest, Parallelgesellschaften und gewalttätiger Islam geführt. Teile der bürgerlichen Mitte rückten zumindest bei diesem Thema weit nach rechts. Ihre Argumentationsmuster und Stereotypisierungen waren in der Vergangenheit nur den Schreibern der Jungen Freiheit oder der Deutschen Stimme vorbehalten gewesen... Für die nüchtern analysierenden Soziologen ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Radikalität des Feuilletons in die Radikalität der Straße mutiert."

Weitere Artikel: "It's better to burn out than to fade away", zitiert Arno Frank Neil Young zum Tod von Pink-Floyd-Gründer Syd Barrett. Barnett habe beides geschafft. Und im Vorfeld der ersten Arno-Breker-Einzelschau seit 1945 im Schweriner Schleswig-Holstein Haus stellt Jörg Magenau angesichts von Boykottforderungen fest: "Kunst ist viel mehr als nur das, was gefällt. Breker ist ein Teil der Geschichte, mit der wir leben müssen. Hinschauen kann da nur nützen."

Besprochen werden Jessica Bendingers Debütfilm "Rebell in Turnschuhen", Mikhail Kalatozovs Film "Soy Cuba" von 1964, der jetzt auf DVD erschienen ist, sowie Martin Scorceses und Paul Schraders Klassiker "Taxidriver", der jetzt wieder in die Kinos kommt, wo er nach Ansicht von Andreas Busche deutlich besser aufgehoben ist als im DVD-Spieler.

Und Tom.

Welt, 13.07.2006

"Die deutschen Medien stellen die Brüder Kaczynski vorzugsweise als antisemitische, homophobe Populisten und Verfechter der Todesstrafe dar", klagt die Politikwissenschaftlerin Katarina Niedwiedzia im Forum. Das werde der Leistung der Kaczynskis jedoch nicht gerecht, die vor allem darin bestehe, die kommunistische Vergangenheit des Landes aufzuarbeiten. "Noch heute sitzen an vielen entscheidenden Stellen Personen mit kommunistischer Vergangenheit - ob im Justizwesen, im Geheimdienst, bei der Polizei, in der Armee oder in der Verwaltung. Auch die Universitäten und Schulen wurden nie entideologisiert und auf Verstrickungen mit dem alten System hin durchleuchtet. Das Ausmaß dieser Versäumnisse ist für Westeuropäer kaum vorstellbar."

Im Feuilleton wirft Matthias Heine einen Blick auf Franzosen, Engländer, Brasilianer, Dänen, Deutsche und stellt fest: Fußball ist kein Spiegel der Wirklichkeit. "Es wäre zu schön, wenn die Trias von Einigkeit, Aufbruchsgeist und Fröhlichkeit, an der sich Volk und Mannschaft hierzulande während der WM beschwipsten, auch jenseits der Fußballwelt existierte. Aber wo sind denn - um nur die offensichtlichste Frage zu stellen - die Klinsmänner der Politik und der Wirtschaft? Es sind ganz gewiss nicht diejenigen, die sich dafür ausgeben. In Deutschland gibt es zwar viele, die gern alle alten Strukturen zerschlagen wollen wie Klinsmann beim DFB. Aber es gibt fast niemanden, der in der Lage ist, mit seinen Leuten einen Traum zu teilen, sie zu fördern und über sich selbst hinauswachsen zu lassen - wie das dem Bundestrainer mit der Nationalelf gelungen ist."

Weitere Artikel: Dankwart Guratzsch berichtet von trotzigen Reaktionen in Dresden auf die Entscheidung der Unesco, das Elbtal auf die Liste des bedrohten Welterbes zu setzen. Uta Baier erzählt, wie der Kölner Mittelalterspezialist Roland Krischel die Rosenlaubenmadonna entschlüsselt hat. Josef Engels war beim Montreux Jazz Festival. Michael Pilz schreibt zum Tod von Syd Barrett. Und zum neuen deutschen Patriotismus meint Eckhard Fuhr bündig: "Die wiedergefundene nationale Identität der Deutschen ist nicht konventionell, sondern postkonventionell."

Besprochen werden Wolfgang Petersens Katastrophenfilm "Poseidon", Dominik Molls "schauerlich romantischer" Filmthriller "Lemming", Jessica Bendingers Teenagerdrama "Rebell in Turnschuhen" und Greg McLeans Horrorfilm "Wolf Creek".

FAZ, 13.07.2006

Heinrich Wefing besucht das Konfuzius-Institut in Berlin und begutachtet die neue Dynamik der auswärtigen Kulturpolitik Chinas, der in Berlin ein Kolloquium gewidmet war: "Die Ressourcen sind augenscheinlich enorm, die eigentlichen politischen Absichten aber schwer zu bestimmen. Im Zentrum steht offenbar das Bemühen, weltweit die Chinesisch-Kenntnisse zu verbessern. So soll innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Nicht-Chinesen, die Chinesisch sprechen, mehr als verdreifacht werden, von jetzt rund dreißig auf dann gut hundert Millionen Menschen. Selbstverständlich auch, um mit der eigenen Sprache in der Welt zugleich chinesische Denkweisen und Wertvorstellungen zu vermitteln..."

Weitere Artikel: Im Aufmacher sendet Eberhard Rathgeb Impressionen aus Heiligendamm, wo der amerikanische Präsident erwartet wird. Christian Geyer glossiert den Abgang Jürgen Klinsmanns. Reiner Burger berichtet, dass die Dresdner Elblandschaft ihren Weltkulturerbestatus zu verlieren droht, falls die geplante Waldschlösschenbrücke tatsächlich gebaut wird. Klaus Ungerer schickt eine Gerichtsreportage über den Fall einer 60-jährigen Berlinerin, die ihren Lebensgefährten erstach. Feilix Johannes Krömer schreibt zum Tod des Schriftstellers Fred Wander.

Auf der Kinoseite berichtet Rüdiger Suchsland vom Filmfestival in Schanghai. Andreas Rosenfelder verfolgte eine Konferenz über das Tier im Film in Köln. Hans-Jörg Rother empfiehlt eine Filmreihe des Berliner Arsenal-Kinos über das Leben in der Tundra. Und Michael Althen fragt sich, ob die ganze WM nicht vom Regisseur Sönke Wortmann inszeniert wurde, der bekanntlich einen Film über die deutsche Mannschaft drehte und den Ereignissen sehr nah war.

Die Medienseite eröffnet eine Reihe zum Internet in China. Als erstes untersucht Jörg Becker die Bloggerszene und stellt fest, dass all die Millionen Blogger nichts Subversives im Sinn haben und ihre Blogs allein zu narzisstischer Selbstbestätigung nutzen. Franziska Bossy erinnert außerdem an den burmesischen Journalisten U Win Tin, der seit 17 Jahren in Haft sitzt. Für die letzte Seite besucht Christian Schwägerl die "Residenz Wasserstadt", eine neuartige WG für alte demenzkranke Menschen in Berlin Spandau. Andreas Kilb beobachtete Gerhard Schröder bei einer Pressekonferenz für die Aktion "Gesicht zeigen". Und Lisa Zeitz porträtiert Matt Piepenburg, der in Robert Redfords Hotels in Sundance Lebenskunst lehrt.

Besprochen werden Dominik Molls Film "Lemming" (mehr hier, Michael Althen feiert eine der peinlich-komischsten Abendessen-Szenen seit Bunuels "Diskretem Charme der Bourgeoisie"), eine Ausstellung junger Kunst im Washingtoner Katzen Arts Center, ein Konzert des Liedermachers James Blunt und ein neues Musikspektakel des Komponisten Rüedi Häusermann in München.