Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.11.2005. Die Debatte um Luciano Canforas Buch "Die Demokratie - Geschichte einer Ideologie" wird fortgeführt. Die NZZ sieht die vom Beck-Verlag erhobenen Vorwürfe der Leugnung von Fakten bestätigt. Die FAZ liest Canforas Buch dennoch mit Gewinn und kritisiert außerdem die Verhaftung David Irvings in Österreich. Die taz interviewt Beate Klarsfeld und wundert sich über den Siegeszug der westlichen Küche in China. Jossi Wielers Inszenierung der "Bakchen" des Euripides in München und Sasha Waltz' neue Choreografie "Gezeiten" in Berlin werden eher skeptisch aufgenommen.

NZZ, 21.11.2005

Joachim Güntner hat das vom C.H. Beck Verlag abgelehnte Buch Luciano Canforas über die Demokratie gelesen und findet die Vorwürfe von Cheflektor Detlef Felken, Canfora beschönige den Kommunismus, berechtigt. "Wir haben die Probe gemacht: das Wort 'Gulag' taucht in der deutschen Übersetzung des Buches nirgendwo auf. Dafür werden die USA heftig für ihre Unterstützung der 'faschistischen Regime weltweit, von Indonesien bis Südamerika', und für den völkerrechtswidrigen Irak-Krieg attackiert. Ist der Autor auf dem linken Auge blind? Vor allem ist er jemand, der mit der kommunistischen Vorstellung von historischer 'Notwendigkeit' noch nicht gebrochen hat. Demnach war Stalin nicht einfach ein machthungriger Blutsäufer, sondern jemand, der tat, was er tun musste: die Sowjetunion zur Großmacht ausbauen, den Kommunismus als nationales Projekt betreiben (dass dies die Verfolgung von 'Volksfeinden' einschloss, erwähnt Canfora nicht), die Industrialisierung brachial vorantreiben, die Kulaken deportieren (auch sie kommen nicht vor, wie überhaupt eine Konkretisierung der Opfergruppen vermieden wird)."

Paul Jandl schreibt über Hermann Nitschs gesittete Wiener Burgtheater-Orgie: "Auch bei seiner für das Burgtheater komponierten 122. Aktion nichts Neues. Immer noch werden Schweine und Lämmer ausgeweidet und mit Innereien neu gefüllt. Kübelweise steht Blut bereit, das über gekreuzigte Akteure gegossen wird." Die Wiener nahmen's gelassen, das Burgtheater auch. "Hinter dem orgiastischen Spiel mit tropfenden Eingeweiden taucht alsbald die Putzfrau mit einem Scheuerlappen auf. Es riecht allmählich etwas streng im Haus am Ring, aber auch die Weihrauchschwenker tun an diesem Abend ihren Dienst. Wenn Hermann Nitsch mit einem Glas in der Hand durch die Schlachtlandschaft stapft, dann hat er den gütigen Blick des Landpfarrers nach der Moralpredigt. Erst gedroht und dann gefeiert. Das ist wohl überhaupt ein Teil von Österreichs Psychologie."

Weiteres: Hans Maier wirft einen Blick auf die katholische Kirche und den Vatikanstaat unter Benedikt XVI.. Peter Hagmann war bei einem Recital der "reizenden" Anna Netrebko und des "entzückenden" Rolando Villazon im Hallenstadion Zürich: "Sie im langen Weißen mit Silber um die Hüften, er im schwarzen Anzug mit offenem Hemdkragen." Christina Thurner schreibt über Sasha Waltz' Ballett "Gezeiten" in Berlin: "Es ist ein langer Abend aus mehrfach aufsteigenden und wieder abebbenden Tumulten - letztlich ein zu langer Abend. Und doch trägt man einige ungeheure Eindrücke aus diesem dreiteiligen Stück mit nach Hause." Besprochen werden weiter Jossi Wielers Inszenierung der "Bakchen" an den Münchner Kammerspielen und die Tagebücher von Angelo Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII..

TAZ, 21.11.2005

Tagesthema ist die geplante Übernahme von ProSieben Sat 1 durch Springer, gegen die nicht nur das Kartellamt, sondern auch Günter Wallraff Bedenken äußert, im Gespräch mit Stefan Reinecke. "Weil Springer bei einer Übernahme noch mehr Möglichkeiten hätte, genehme Politiker aufzubauen und missliebige zu demontieren. Dann werden sich Sat 1 und Bild noch mehr die Bälle zuspielen als jetzt bereits. Denken Sie an die Kampagnen, die Bild gegen Jürgen Trittin oder Joschka Fischer gefahren hat. Bis hin zu dem Titelfoto, in dessen Bildunterschrift Trittin ein Schlagstock in die Hand gedichtet und so Gewaltbereitschaft suggeriert wurde. Die Vorstellung, dass so etwas von TV-Sendern unterstützt und bebildert wird, ist doch beängstigend."

Ebenfalls auf den vorderen Seiten unterhält sich Thilo Knott mit Beate Klarsfeld, der nunmehr "letzten Nazi-Jägerin", die weiland bekannt wurde, als sie Kurt Georg Kiesinger ohrfeigte. Klarsfeld spricht auch über die damaligen Pläne, den ehemaligen Gestapochef von Paris Kurt Lischka nach Frankreich zu entführen. "Ich hatte alles ausgekundschaftet: Wo er wohnt, wann er zur Arbeit geht, wann er zum Mittagessen nach Hause kommt. Aber die Gruppe, die wir angeheuert haben, war dazu nicht in der Lage. Das fing schon an mit dem Auto, das wir angemietet hatten. Es war ein Sport-Coupe und kein Viertürer, was eine Entführung schwierig macht."

In der zweiten taz beschreiben Georg Blume und Qiang Zhaohui den Siegeszug der westlichen Küche in China. Nur Kaffee bleibt unbekannt. "Diplomat Wang musste früher chinesischen Delegationen, die er durch Europa begleitete, immer wieder ins Ohr flüstern, dass sie Kaffee nicht wie Suppe löffeln sollten." Giuseppe Pitronaci plädiert für den Erhalt des Palastes der Republik in Berlin, mit dessen Entfernung man den Fehler des Schlossabrisses nur wiederholen würde. Und Jony Eisenberg berichtet von Richtern, die nicht glauben wollen, dass auch unmanipulierte Roller 60 Sachen fahren können.

Besprechungen widmen sich dem "aufgeregten" Tanzstück "Gezeiten" von Sasha Waltz an der Berliner Schaubühne, Fow Pyng Hus Film "Paradise Girls" sowie drei Büchern chinesischer Autorinnen, die sich laut Susanne Messmer langsam von der linearen Erzählperspektive lösen.

Schließlich Tom.

Welt, 21.11.2005

Ulrich Clauss wendet sich gegen ein Verbot brutaler Computerspiele: "Eine neue Kulturtechnik wird in der vorherrschenden Wahrnehmung reduziert auf ästhetisch zugegebenermaßen befremdliche Auswüchse. Es ist die Kulturtechnik des computergenerierten dreidimensionalen Handlungsraums, eine Werkbank der Zukunft für Industrie, Handel und Gewerbe."

Weitere Artikel: Stefan Kister fragt, was es mit der Inflation der "Bakchen" des Euripides an den deutschen Theatern (zuletzt an den Münchner Kammerspielen unter Jossi Wieler) auf sich hat. Hanns-Georg Rodek lobt die Pläne der neuen Regierung zur Filmförderung. Reinhard Wengierek betrachtet Hans-Jürgen Syberbergs Filme über Fritz Kortner, die neu auf DVD erscheinen. Hellmuth Karasek guckt für seine Kolumne noch mal Kubricks "Odyssee" und "Uhrwerk Orange" auf DVD. Schließlich führt sich Gerd Midding restaurierte Filme von Dziga Vertov auf DVD zu Gemüte. Besprochen wird außerdem Sasha Waltz' neue Choreografie "Gezeiten" in der Schaubühne.

Auf der Magazinseite schreibt Uwe Schmitt über die Eröffnung eines Museums für Muhammed Ali in Louisville.

Auf der Forumsseite analysiert Rory Stewart, ehemals stellvertretender Gouverneur der südirakischen Provinzen Maysan und Dhi Qar, die Lage im Südirak: "Dies ist nicht der Staat, den die Koalition schaffen wollte. In den 14 Monaten unserer direkten politischen Kontrolle versuchten wir die Entstehung genau dieses Staates zu verhindern. Wir wandten uns dagegen, dass die Scharia zu "der Quelle des Rechts" in der Verfassung wird. Wir förderten religiöse Minderheiten und Frauenzentren, unterstützten die ländlichen Gebiete und 'Stämme'. Wir wollten aus dem Irak eine tolerante, moderne Gesellschaft machen. Diesen Traum teilten wir mit vielen Irakern. Doch dann zogen wir ab, und in den folgenden Wahlen errangen die islamistischen Parteien die Macht in den Provinzen und in Bagdad."
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Tagesspiegel, 21.11.2005

Den haben wir am Samstag übersehen: Moritz Rinke nahm Abschied von Gerhard Schröder und der Medienrepublik. "Der Kanzler, die Künstler und Intellektuellen, was für ein Missverständnis! Für die unionsnahen Kulturkritiker fand da die ganze Zeit so etwas statt wie Geschlechtsverkehr, mein Gott, man musste sich ja teilweise rechtfertigen für einen Besuch im Kanzleramt, als sei man im Swingerclub gewesen. Natürlich haben einige der Künstler die Nähe, die Schröder herzustellen vermochte, mit Zuwachs an eigener Bedeutung verwechselt, und da erschien manchem eine schnelle Unterschrift weitreichender als die stille, eigentliche Arbeit. Wir waren nah dran an einem Unterschriftstellertum und zwar auch deshalb, weil die Feuilletonpolizisten alles pauschalisierten: Wer gegen den Irakkrieg war, war auch automatisch fürs Dosenpfand und die Praxisgebühr, da kamen die Knöllchen ganz automatisch."

FR, 21.11.2005

Warm anziehen können sich einige Zeitungsressorts, wenn es stimmt, was der Schweizer Medienberater Carlo Imboden mit seinem Reader-Scan-Verfahren herausgefunden hat. Laut den Ergebnissen seiner Methode zur direkten Messung des Leserverhaltens, die Imboden in Leipzig vorstellte, werde der Lokalteil entgegen aller bisherigen Studien nur von einer Minderheit konsumiert, wie Martin Achter im Medienteil berichtet. "'Ähnlich sieht es mit den Kultur-Seiten aus', sagt der Schweizer. 'Die werden tagtäglich gemacht, egal, ob sich der Leser dafür interessiert oder nicht.' Imboden lässt einige Kultur-Seiten aus deutschen Regionalzeitungen aus dem Video-Beamer fluten. Lesequote im Schnitt: Zwei Prozent."

Auch Jossi Wieler ist als letzter Regisseur in diesem Jahr an den "Bakchen" des Euripides gescheitert, wie Peter Michalzik bezeugt. Ist der Auftritt des rationalen Matadors Pentheus noch ein Triumph, gerät das Stück mit dem Erscheinen von Dionysos zum Reinfall. "Dass der Schlaf dieser hochgezüchteten Vernunft Ungeheuer gebiert, muss man niemand erklären. Trotzdem ist sein traumgeborenes Ungeheuer das Problem der Aufführung. Was Wiebke Puls und Sylvana Krappatsch, die ihm als gottbegleitende Bakchen vorauseilen, was Robert Hunger-Bühler als gespielinnenbegleiteter Dionys dann zeigen, das ist nicht der Einbruch des Irrationalen, des Archaischen, des Anderen, schon gar nicht des Ungeheuerlichen. Das ist viel eher der Dieter-Bohlen-Traum vom wilden Leben. Lederkostümchen in Apricot mit Schlangenleder-Stiefeln als Zuckergussvariante des Verruchten, langer Schlangenledermantel als Edelrocker-Version des Machos."

Harry Nutt kommentiert in einer Times mager den Großen Zapfenstreich, mit dem Bundeskanzler Schröder am Samstag von der Bundeswehr verabschiedet wurde. Besprochen werden Armin Petras' "oft leere" Inszenierung von Goethes "Egmont" am Schauspiel Frankfurt und die Jubiläumsausstellung "Find the Gap. Neue Köpfe und Wege in der Architektur" zum 25-jährigen Bestehen der ersten deutschen privaten Architekturgalerie Aedes in Berlin.

FAZ, 21.11.2005

Die FAZ führt die Debatte um Luciano Canforas Buch "Die Demokratie - Geschichte einer Ideologie", das der Beck-Verlag wegen Leugnung einiger historischer Fakten nicht verlegen will, fort. Lorenz Jäger nutzt den Anlass, um auch ein Wort für einen anderen Revisionisten, den britischen Historiker David Irving, einzulegen, der in Österreich wegen Leugnung des Holocaust festgenommen wurde: "Nun wüsste man doch gern, welchen Reim sich die deutschen Voltaires auf die Verhaftung machen."

Unterdessen hat Dirk Schümer Canforas Buch gelesen und stellt fest, dass der Autor den Kommunismus tatsächlich systematisch beschönigt. Dennoch zieht Schümer Gewinn aus der Lektüre: "Das liegt gerade an der Sturheit, mit der sich Canfora der Revision seiner kommunistischen Glaubenslehre verweigert, an seinem Insistieren auf den Lebenslügen des westlichen Parlamentarismus. Auf einem Auge blind, nimmt Canfora mit dem anderen historische Sachverhalte besonders scharf wahr, über die wir uns meist angewöhnt haben, hinwegzusehen. (...) Den billigen Zaubertrick, die westliche Demokratie vom Aufkommen des Faschismus freizusprechen und dagegen den Kommunismus als Grundübel zu brandmarken, macht Canfora nicht mit. Für ihn hat die 'dritte Kraft', also das System des Kapitalismus, 'das Inferno des zwanzigsten Jahrhunderts erst angefacht'." Aber was meint Schümer mit diesem Satz: "Natürlich verdient das Insistieren auf der Oder-Neiße-Grenze, das Helmut Kohl dann 1989 korrekterweise und zügig erledigte, das Prädikat 'revanchistisch' sehr wohl."

Weitere Artikel: Patrick Bahners war dabei, als der Erfinder der Pille Carl Djerassi in Göttingen die Lichtenberg-Medaille bekam. Heinrich Wefing weist auf die morgige Gerichtsentscheidung zur Klage der Architekten Gerkan, Marg und Partner gegen die Verhunzung ihres Entwurfs für den Lehrter Bahnhof hin.

Auf der Medienseite fragt Michael Hanfeld, was passiert, falls Springer die Fusion mit Pro 7 Sat 1 beim Kartellamt nicht durchkriegt - seine Vermutung: Haim Saban wird sich ausländische Investoren suchen. Michel Seewald referiert Pläne des ZDF-Historikers Guido Knopp und des History Channels. Und Eva-Maria Lenz resümiert die Hörspieltage der ARD.

Auf der letzten Seite schreibt Dietmar Dath eine große Hommage auf Dick Brunas Bilderbuchfigur Miffy, die 50 wird. Zhou Derong beschreibt, wie sich die Filmindustrie in Hongkong gegen digitale peer-to-peer-Börsen wendet - mit drakonischen Strafmaßnahmen gegen die dateientauschenden Surfer. Und Reinhard Lauer porträtiert den kroatischen Lyriker Dragutin Tadijanovic, der gerade bei bester Gesundheit seinen hundertsten Geburtstag feierte.

Besprochen werden die "Die Bakchen" des Euripides, inszeniert von Jossi Wieler ("Dionysos scheint ziemlich impotent", diagnostiziert ein mal wieder am deutschen Theater verzweifelnder Gerhard Stadelmaier) in den Münchner Kammerspielen, Sasha Waltz' neue Choreografie "Gezeiten" in der Berliner Schaubühne (die Wiebke Huester bei aller Kunstfertigkeit vage und banal erschien), eine Ausstellung über den Architekten Peter Kulka in Frankfurt, ein Konzert der New Yorker Philharmoniker unter Lorin Maazel in der Dresdner Frauenkirche, die Kabarett-Tage in Morenhoven, und Armin Petras' "Egmont"-Inszenierung in Frankfurt.

SZ, 21.11.2005

Die Vorstädte mit ihren Hochhäusern, die heute ein Symbol der Klassengesellschaft sind, waren einmal ein Meilenstein des sozialen Wohnungsbaus und demokratischen Fortschritts, betont der gelernte Architekt Gert Kähler. Wie zur Industrialisierung musste nach dem Zweiten Weltkrieg Wohnraum geschaffen werden. "Hätten wir es vor 60 Jahren so gemacht wie zu jener Zeit, dann würden wir keine Trabantenstädte beklagen, stattdessen lägen die Slums innerhalb der Stadt. Dann hätten die Städte wieder urbane Dichte und viele Menschen auf den Straßen, weil man es in den Wohnungen nicht ausgehalten hätte. Dann gäbe es nicht so viele Autos, weil die Arbeiter sie sich nicht hätten leisten können. Und man könnte anhand der 'Adresse' noch sauberer als heute schon wieder unterscheiden zwischen sozialen Klassen. Konsequent wäre dann auch ein Dreiklassenwahlrecht, zum Beispiel an den Grundbesitz gekoppelt."

Weiteres: Christian Seidl stellt Juan Esteban Aristizabal vor, den Sänger aus Medellin, der als Juanes den 330-jährigen Geburtstag der nun friedfertigen und wieder aufstrebenden kolumbianischen Stadt mit einem Gratiskonzert feierte. Petra Steinberger fasst die in ihrer Konzentration "erschreckenden" Ergebnisse einer Studie über die globale Sicherheitslage der Frauen zusammen. Die Streitigkeiten um die Berufung einiger angeblich konservativer Katholiken in die "Europäische Gruppe für Ethik in den Wissenschaften und den Neuen Technologien" (EGE) zeigt Alexander Kissler, dass Europa als Wertegemeinschaft noch ganz am Anfang steht.

Thorsten Schmitz meldet in den Nachrichten aus Tel Aviv auch Madonnas Ärger mit israelischen Rabbinern, der entstand, weil die Popdiva den Song "Isaac" dem Kabbalisten Itzchak Luria gewidmet und damit dessen Namen verbotenerweise für kommerzielle Zwecke genutzt hat. Der ehemalige britische Botschafter in Washington Christoph Meyer hat mit seinem recht offenherzigen Buch "DC Confidential" über die Diskussionen vor dem Irakkrieg Wellen der Erregung ausgelöst, weiß Alexander Menden.

Das Kartellamt befürchtet bei der Übernahme von ProSieben Sat1 durch Springer eine symmetrische und damit lähmende Duopolanordnung mit Bertelsmann und RTL, informiert Hans-Jürgen Linke auf der Medienseite.

Besprochen werden Sasha Waltz' Tanzstück "Gezeiten" an der Berliner Schaubühne (das Eva-Elisabeth Fischer zumindest im zweiten und dritten Teil überzeugt hat) , die von Jossi Wieler zum Teil als "zäh zelebrierte Familientragödie" dargebrachten "Bakchen" des Euripides an den Münchner Kammerspielen, die Ausstellung "Nationalschätze aus Deutschland. Von Luther zum Bauhaus" mit Exponaten aus 25 Museen in der Bundeskunsthalle Bonn, die Aufführung der drei Beethoven-Sonaten des Opus 31 durch den Pianisten Andras Schiff im Münchner Herkulessaal, Nicolai Albrechts Film "Mitfahrer", Helke Sanders Film "Mitten im Malestream", und Bücher, darunter Michael Maars Überlegungen "Lolita und der deutsche Leutnant" ("Wie mache ich, so mag sich Michael Maar gefragt haben, aus einer Marginalie ein amüsantes Buch?", meint Hannelore Schlaffer), Beqe Cufajs Romandebüt "Der Glanz der Fremde" sowie der von "Power-Point-Denken" beherrschte "dtv-Atlas Ethnologie" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).