Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Fußleisten bereits abgefallen

13.03.2009. In der NZZ hofft Christoph Schlingensief auf ein Treffen mit Luis Bunuel. Spiegel Online erzählt, wie der baden-württembergische Innenminister und mit ihm die gesamte Öffentlichkeit auf eine Internet-Fälschung hereinfielen. Die taz fürchtet, dass die Buchlobbyisten, die in Leipzig den "eskalierenden Fortschritt" beklagen, die Fehler der Musikindustrie wiederholen. Die SZ schildert, wie der Buchhandel auf das Internet reagiert: mit taktiler Unordnung.

Furcht und Hochmut

12.03.2009. In der FR rät der Literaturwissenschaftler Roland Reuß zur Enteignung von Google. Denen geht's aber sowieso nicht mehr so gut, meint Gawker. In der Welt fürchtet Wolfgang Sofsky: Es gibt kein Mittel gegen Amok. Die SZ beschreibt den Verfall der amerikanischen Suburbs. Die Zeit hat herausgefunden: Unsere Städte gehören mehr oder weniger den Amerikanern. Die FAZ zeiht den Papst des Feuilletonismus!

Aus dem Netz gefischt

11.03.2009. Die FAZ muss eine Richtigstellung zu einem Artikel über den Perlentaucher bringen. Der Tagesspiegel bringt ein Gespräch mit Karl Schlögel, der heute mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet wird. Navid Kermani erklärt im Blog von Eren Güvercin, warum er den Begriff des Dialogs der Kulturen für genauso sinnlos hält wie den des Kampfs der Kulturen. In der SZ fragt die Autorin Katharina Hagena: Kann man ein E-Book scheiben?

Ein Haar von Gottes Haupt

10.03.2009. In der FR erklärt Salman Rushdie, warum er immer die ganze Welt in seine Bücher packt. Die taz fragt: Wenn 25 Prozent aller UN-Resolutionen von Israel handeln, finden dann 25 Prozent des Weltunrechts in Israel statt? Die Welt fragt sich, warum es so wenige globale Bestseller-Autoren gibt. Und die Berliner Zeitung meldet: Während die Medien der Welt darben, investieren die Chinesen fünf Millarden Euro zur Verbesserung ihres Images.

Wir beliefern keine Blogs

09.03.2009. Die FAZ überzeugt die FR von der Sinnlosigkeit staatlicher Interventionen in der Krise. Das Blog Carta ist traurig, denn es muss ohne ein PR-Bild von Nikolaus Brender auskommen. Die taz erlebte Slavoj Zizek bei einem Vortrag in Berlin als Leibhaftigen. Die SZ lässt sich auch von der Meldung, dass Nicolas Sarkozy Briefmarken sammelt, nicht über den Niedergang der Philatelie täuschen. Die Welt testet Sonys E-Book. Alle Feuilletons feiern ein Wiedersehen mit der "Trilogie des Wiedersehens".

0,8 Prozent des ganzen Trümmerberges

07.03.2009. In der NZZ erzählt Karl Schlögel, wie er seinen Studenten den Stalinismus nahebringt. Die FAZ macht sich ein Bild von der Lage am Kölner Stadtarchiv - sie ist desolat. In der SZ rechnet Ingo Schulze mit den Siegern der Geschichte ab. Die taz stellt zum Tag der Frau fest: 88 Prozent aller Männer haben Angst vor Frauen.

Sehen Sie diese Boje, Herr Kunert?

06.03.2009. In der FR erinnert sich Günter Kunert an Uwe Johnson. Die Achse des Guten deckt auf, wie das ZDF seinen Politikern die Reverenz erweist. Die Berliner Zeitung schildert die traurige Lage der Männer im chinesischen Volk der Mosuo, wo die Frauen herrschen. Die SZ bringt einen Nachruf auf Rüsselsheim. In The Daily Beast begrüßt George Clooney den Haftbefehl gegen Omar al-Bashir.

Kaputtverblödet

05.03.2009. In der NZZ betrauert der dänische Autor Christian Groendahl die ungeheuchelte Solidität elektrischer Apparate aus der vordigitalen Zeit. In der FR erklären Chamisso-Preisträger, wie sie deutsch lernten. In der Welt fragt der Washington Post-Journalist Walter Pincus: Was tun, wenn man 19 Pulitzer-Preise gewinnt und 140.000 Auflage verliert? In der Zeit meint Eva Menasse: Das einzige was an Kärnten noch lecker ist, sind die Knödel.

Die sogenannten Nahesteher

04.03.2009. In der Welt fürchtet der Kulturtheoretiker Hans-Jürgen Heinrichs, dass Suhrkamp seine Aura nicht mit nach Berlin nehmen kann. In der FR wettert Christopher Hitchens gegen den israelischen Rechtspopulisten Avigdor Lieberman. Im Kölner Stadtanzeiger bestreitet der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, dass das Internet oberflächlich macht. Die FAZ erblickt in den zusammengekniffenen Augen Clint Eastwoods die Möglichkeit der Veränderung.

Es ist auch eine Inhaltekrise

03.03.2009. Die Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal erklärt in der taz den Unterschied zwischen Vulva und Vagina. Berliner Zeitung und SZ schreiben über den neuen Prozess gegen Michail Chodorkowski, dem nochmal 22 Jahre Lager drohen. Die FR beschreibt den Sieg der kleinen über die großen Verlage in den USA.