Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.08.2009. David Foster Wallaces Kolossal-Roman "Unendlicher Spaß" erscheint auf Deutsch. In der FAZ erklärt Übersetzer Ulrich Blumenbach, was Wallace mit der Sprache macht. In der FR berichtet Ai Weiwei von seiner Verhaftung durch Schergen des Systems. In Slate protestiert Christopher Hitchens gegen die Zensur der Mohammed-Karikaturen durch die Yale University Press. Das Blog Free Iran Now weiß, warum Ägypten eine iranische Briefmarke mit dem Bild der ermordeten Ägypterin Marwa Al-Sherbini zensiert. Und es zeichnen sich Diskussionen über Tarantino ab: Erteilt er eine Lizenz zum Sadismus oder ist sein Film ein Exorzismus?
17.08.2009. In vielen amerikanischen Blogs wird über die Entscheidung der Yale University Press diskutiert, ein wissenschaftliches Buch über die dänischen Mohammed-Karikaturen herauszubringen, ohne diese abzudrucken. In dem Blog Theartsfuse.com erklärt die Autorin des Buchs, Jytte Klausen, warum sie den Abdruck für notwendig hält. Die SZ kommt nochmal auf den Mord an Marwa El-Sherbini zurück. In der FAZ erkennt Andrzej Stasiuk sein Polen nach zwanzig Jahren Kapitalismus kaum mehr wieder. In der taz fragt "Freischreiber" Kai Schächtele: Wer ist hier der Enteignete?
15.08.2009. Heute geht's viel um Geschäftsmodelle: Die NZZ lernt von Yu Hua, wie man sich eine ordentliche Portion Nudeln der drei Köstlichkeiten verdient. In der FR erklärt James Frey, wie man das auf amerikanische Art macht. In der taz erklärt der Prostituierte Cem Yildiz, wo für ihn die Grenze liegt. Ruth Klüger feiert in der Welt Herta Müllers neues Buch über die Lager in Rumänien. Im Tagesspiegel liefert Georg Seeßlen eine kleine Meditation über den Bastard. Die FAZ droht uns mit einem Neandertaler.
14.08.2009. Die NZZ berichtet aus dem digitalen Kulturkampf der Blogger gegen die übrigen Medien. Slate bestätigt sich die Attraktivität von Google und Twitter durch ein Rattenexperiment. In der FR schreibt Yoram Kaniuk über die "letzte Liebe" alter Eheleute in einem Krebskrankenhaus. Die Welt konstatiert: Der Niedergang der Leipziger Schule ist auch durch einen belgischen Professor nicht zu stoppen. In der FAZ erklärt Mathias Döpfner, wie er den Qualitätsjournalismus durch ein zahlbares App für bild.mobile auf dem i-Phone retten will.
13.08.2009. Die NZZ fragt: Wie wird Google E-Books "verkaufen"? Und wem "gehören" sie dann eigentlich? Die taz interviewt den britischen Künstler und Filmemacher Steve McQueen zu seinem Film über die IRA. Die Zeit bringt eine Exklusivgeschichte: Vor 250 Jahren erfanden Goethe und Schiller die Freundschaft.
12.08.2009. In der taz macht die Menschenrechtlerin Tanja Lokschina die Passivität der Weltöffentlichkeit für die Verbrechen an russischen und tschetschenischen Menschenrechtskämpfern mitverantwortlich. Die NZZ rät Hugo Chavez, seinen Soldaten eine Entziehungskur zu verordnen. Als Intendant der Pariser Oper musste Gerard Mortier laut FR feststellen: "Paris ist heute nicht mehr die inspirierende Stadt." Und in der SZ empfiehlt Joachim Kaiser im Widerstreit zwischen Werktreue und Regisseurswillkür den Mittelweg.
11.08.2009. Das Ende des Ammann Verlags schockiert die Feuilletons: Die NZZ hätte sich gewünscht, dass der Verleger über seinen Schatten springt. Die SZ fürchtet, dass es gerade die literarische Passion war, die dem Verlag die Perspektive nahm. Die FAZ hat Ammann interviewt. In der FR schildert Hector Abad das schwierige Leben der Kolumbianer. Die Welt fragt: Gibt es Rassismus in deutschen Orchestern? Die taz plädiert gegen Dekolletes bei CDU-Politikerinnen im Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
10.08.2009. "Eto stal, eto stal!", rufen sie. Die FAZ berichtet aus einem Sommerlager der Naschisten. Der Spiegel fürchtet sich vor einem Netz ohne Gesetz. Die NZZ besucht die europäische Kulturstadt Vilnius und würdigt die Rolle der litauischen Fotografie. Der Internetpionier Jason Calacanis erklärt in seinem Blog, warum er Apple gefährlicher findet als Microsoft oder Google. Die SZ hat in China die Zukunft des E-Books gesehen und feiert Volker Zastrows Reportage über die "Vier aus Hessen".
08.08.2009. Unbehagen bereitet der Welt, wie die Polizei einen mutmaßlichen Kindesvergewaltiger an den Internet-Pranger stellte. Telepolis erkennt in Schützenvereinen und Kircheneinrichtungen die übelsten Missbrauchsstätten. Techcrunch macht sich auf Google Earth ein Bild vom Völkermord in Darfur. Die taz porträtiert den HipHopper Pharrell Williams , der seine Cupcakes am liebsten mit Diamanten mag. Die NZZ freut sich über die Rückkehr Saigons. In der SZ diagnostiziert der Philosoph Rober Pfaller eine neue Prüderie. Und im Perlentaucher kommentiert Thierry Chervel Rupert Murdochs Entscheidung, seine Zeitungen vom Internet abzukoppeln.
07.08.2009. Die taz sammelt Reaktionen zu ihrem Boykott der Leichtathletik-WM wegen Geheimdienstüberprüfung der Journalisten. Die FR ist erschrocken, wehrt sich aber im Dienste ihrer Leser nicht. Die SZ hat sich keine Gedanken gemacht. Großen Wind macht die Ankündigung Rupert Murdochs, die Online-Ableger seiner Printmedien kostenpflichtig zu machen. Die Welt ist sehr dafür. Jeff Jarvis findet diese Strategie im Guardian dagegen selbstmörderisch. Und die SZ muss doch sehr über Philips Wouwerman staunen.