Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.08.2009. Sehr politische Feuilletons heute: Der Freitag bringt eine Reportage aus Dresden, wo man nach dem Mord an Marwa al-Sherbini sehr schnell zur Tagesordnung übergegangen ist. Der Tagesspiegel analysiert die schauerliche Dramaturgie der Teheraner Schauprozesse. Im Spiegel sieht Niall Ferguson das Geld als Motor des Fortschritts. Die SZ findet keine Belege für einen Handel mit Kinderpornografie im Netz. In der Zeit warnen Juli Zeh und Ilija Trojanow vorm Überwachungsstaat.
05.08.2009. Die NZZ sucht das extremste Habitat von Mikroorganismen auf. Netzwertig sagt eine Fragmentierung der Medienlandschaft voraus. Netzpolitik berichtet über einen Internetaufruf gegen Amazons Kindle. In der FR sieht Martin Amis das Mullah-Regime im Iran im Todeskampf. Die FAZ porträtiert einen amerikanischen Soldaten, der im Irak lernte, die Vögel zu lieben. Die Welt wundert sich, dass sich die EU erst drei Tage nach der Einspruchsfrist um das Google Book Settlement kümmern will.
04.08.2009. Die taz fragt: Warum schweigen in all den Debatten um Urheberrecht und Kulturflatrate ausgerechnet die Urheber? Die NZZ feiert Luigi Nonos Oper "Al gran sole carico d'amore" in Salzburg als Sensation. Die Blogs fragen sich immer noch, wie sich Ursula von der Leyen das "richtige Maß" an Demokratie vorstellt. Die SZ weiß, warum der Moritz den Frank-Walter wählt. Und Ingo Schulze fragt nach zwanzig Jahren Demokratie in der FAZ: wo bleibt bei all der Freiheit die Gleichheit?
03.08.2009. In der SZ konstatiert Diedrich Diederichsen: Pop ist noch nicht ganz tot, sondern wird im Netz zerstückelt und verknüpft fortleben. Die FAZ findet, dass sich der Dalai Lama ruhig ein bisschen respektabler aufführen könnte. Die FR übersetzt einen iranischen Blogeintrag: "Dass abends um zehn Uhr die Zeit zum Schreien ist!" Die Blogs freuen sich auf neue Maßnahmen Ursula von der Leyens zur Erhaltung der Demokratie "im richtigen Maß".
01.08.2009. In der FR sagt Günter Grass seinem Interviewer Andre Müller ein schlimmes Ende voraus. Die Welt liest ein Buch, das sowjetische, litauische und deutsche Antisemiten lieber endgültig zugeklappt hätten. Wer kann sich im Westen mit Peter Hacks, Heiner Müller oder Alfred Matusche messen? Niemand, ruft der Autor und Verleger Andre Thiele in der taz. Die FAZ besucht ehemalige Mitglieder der "SS Galizien" in Lemberg.
31.07.2009. Alle würdigen Zadek, den Allwissenden und Naivling. Die taz beschreibt, wie er den Schauspieler Gert Voss auf die Rolle des Shylock vorbereitete. Die FR schreibt: "Zadeks Menschen waren gegenwärtig." Die FAZ weiß sein Shakespeare-Geheimnis. Außerdem beschäftigt sich der Journalismus mit seiner Refinanzierung, etwa durch eine Tonne Nudeln. Die Welt zitiert Bernd Neumann, der schärfere Strafen für Copyrightsünder will. Und die FAZ hat herausgefunden: Google will Geld, viel Geld.
30.07.2009. Statt einer freien Öffentlichkeit haben die Chinesen Renrou Sousuo, berichtet die Welt. Die vergriffenen Bücher werden in der deutschen Google Buchsuche gar nicht zu sehen sein, hat Ilja Braun für den Perlentaucher herausgefunden. Der Tagesspiegel ist noch ganz Tarantino-trunken: Endlich schlachtet einer die Nazis einfach mal ab. Verstimmt äußert sich der Theaterregisseur Nicolas Stemann in der SZ über Daniel Kehlmanns Theaterregisseurskritik. Carl Hegemann deutet sie im Freitag psychologisch, bei Maxi Obexer führt sie in der taz zu plötzlichem Verständnis für Zertrümmerer wie Castorf.
29.07.2009. Chinesen inszenieren sich durchaus gern als Individuen, erzählen in der taz die Porträtfotografen Mathias Braschler und Monika Fischer. Die Welt federt und schwebt mit Judith in Salzburg. Die amerikanischen Blogs staunen über den Kampf der Giganten: Apple verbietet Google App für Iphone. Der NZZ graut vor einem niederländischen Ministerpräsidenten Geert Wilders. Die Berliner Zeitung solidarisiert sich mit der freien Theaterszene in Berlin.
28.07.2009. Spiegel Online staunt: Twitter gibt der Masse ein Gesicht und nimmt ihr den Kopf. Die Welt findet Daniel Kehlmanns Kritik am Regietheater im Prinzip richtig, findet aber, dass man über Tote nicht schlecht reden sollte. Die taz findet Krautrock ganz schön modern. Die SZ schaute den Gott des indischen Kinos. Stefan Niggemeier erzählt, wie ein raubkopiertes Stück Musik der beraubten Band sehr nützte. Alle trauern um Merce Cunningham.
27.07.2009. Daniel Kehlmanns Salzburger Eröffnungsrede gegen das Regietheater sorgt für Debatten: Die FR ist entsetzt, die SZ findet sie unangenehm, die FAZ druckt sie ab. Die taz geißelt das von Antisemitismus gekittete Bündnis zwischen Linken wie Hugo Chavez und Islamisten wie Achmadinedschad. Außerdem lässt sich Gabriele Goettle von einem Bankbeamten erzählen, wie es früher in Banken zuging. Die Welt weiß, dass die Rassenunruhen zwischen Henry Louis Gates und einem Polizisten nun durch ein Versöhnungsbier im Weißen Haus geschlichtet werden.