Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.10.2003. In seltener Einmütigkeit zweifeln die Herren von Berliner Zeitung, Welt, FR und NZZ an den verlegerischen Fähigkeiten der Ulla Berkewicz. In der SZ verteidigt Götz Aly die Identifizierung der Anonyma als historisch notwendig. In der taz erzählt Henning Mankell, warum er sich auf namibischen Inseln gerne küssen lässt. Die FAZ berichtet über einen umstrittenen Fall von Sterbehilfe in den USA.

SZ, 18.10.2003

In der Debatte um die Enttarnung der Autorin von "Eine Frau in Berlin" (mehrgeht der Historiker Götz Aly (mehr hier) den Spuren der Anonyma nach und pocht auf die zeitgeschichtliche Bedeutung des Textes. "Der gegen Bisky erhobene Einwand, das Inkognito einer vergewaltigten Frau dürfe auch nach 60 Jahren nicht gelüftet werden, mag Literaturkritikern einleuchten, die ein Buch vorschnell zur Sensation stilisierten. Historiker kann er nicht beeindrucken. Deren Arbeit besteht darin, Unbekanntes bekannt zu machen, Anonymes oder Fragmentarisches den tatsächlichen Verfassern, Bearbeitern und Adressaten zuzuordnen." Dabei geht es Aly nicht um "sprachliche Finessen, sondern um die Authentizität eines Textes, den der Verlag als 'einzigartiges Dokument' verkauft. Sie gilt es zu prüfen. Und es scheint, dass die Verantwortlichen des Verlages dies nach vier Wochen endlich einsehen."

Weitere Artikel: Benjamin Henrichs hat in der schwäbischen Alb eine Theaterbastion entdeckt. Mit sichtlicher Sympathie nähert sich Henrichs auf der dritten Seite dem Theatermacherduo vom Lindenhof, die auch auf Tiefgaragenbühnen ihre Spielfreude nicht verlieren. Joachim Riedl fühlt mit dem kritischen Geist des österreichischen Satirikers Helmut Qualtinger, der postum zu einer "verkitschten Ikone der Stadtfolklore" umetikettiert wird. Petra Steinberger glaubt, dass der amerikanische Präsident gerade wegen seiner Schlichtheit den intellektuellen, ja arroganten Demokraten überlegen ist. Alexander Kissler empört sich über die Nonchalance, mit der die Regierung in Sachen Klonen über den Willen des Parlaments hinweggeht. Helmut Schödel empfiehlt Paulus Manker als neuen Intendanten des Wiener Volkstheaters, unter dem Motto: "Kunst statt Sparkasse". Das Deutsche Historische Institut in Warschau feiert sein zehnjähriges Bestehen, und Thomas Urban zieht Bilanz. Hans-Ulrich Wagner stellt Werner Höfers Brief an Werner Pleister aus dem Jahr 1953 vor. Michael Kläsgen informiert uns über die Bemühungen, ein deutsches Museum für Migranten zu errichten.

Besprochen werden die zwei Eröffnungsinszenierungen in den Hamburger Kammerspielen, einmal leisetreterisch, einmal ernüchternd, David Bowies quälender Auftritt in Hamburg, eine Ausstellung in der Münchner Villa Stuck über den Zusammenhang von HipHop und Gegenwartskunst, eine Schau der Werke von Charles Sheeler im Fotomuseum Winterthur, Gabriela Davids Kinomärchen "Taxi", und viele Bücher, darunter Jörg Friedrichs zwischen klassizistischem Kunstmarmor und banalem Kitsch schwankender Bildband "Brandstätten", eine Ergänzung zum Werk über den Luftkrieg gegen die deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg sowie Baruch Kimmerlings Angriff auf Ariel Sharon "Politizid" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende hält Kurt Kister es an der Zeit, nach Bohlen, Küblböck und Konsorten nun seine Erinnerungen zu veröffentlichen, von denen wir einen Vorabdruck lesen dürfen. "In meinem Buch nenne ich alle Namen und erzähle alles: Wie Hacke und Jauch auf dieser Party in Gurnöbach hinter dem Buffet XXXXX haben; wie Schröder auf der Bohrinsel die XXXX hinter dem Stahlträger XXXXXXX hat; wie der XXXX erst versucht hat, die Illner und später dann die MaischXXXXX zu XXX , und auch: warum Christiansens Bett brannte)."

Außerdem stellt Christoph Bartmann seine Herzlandschaft vor, die Hohenlohe, wo Misthaufen entweder protestantisch oder katholisch sind. Harald Hordych beschreibt einen Bob-Dylan-Verehrer, der seine Leben dem seines großen Idols unterordnet. Und Rebecca Casati unterhält sich mit einer spitzfindigen Sabrina Setlur über das Dasein als Superstar.

Berliner Zeitung, 18.10.2003

Für Christian Esch ist der Suhrkamp Verlag der "Kreml unter den deutschen Verlagen". Seine Mauern "bleiben undurchdringlich, auf dem Vorplatz wird umso mehr spekuliert. Dass Frau Berkewicz stärker auf das Verlagsgeschäft Einfluss nehmen will, gilt als ausgemacht. Wäre es aber für den Verlag gut? Und wäre die Erweiterung der Geschäftsführung, so sie eintritt, überhaupt im Sinne des verstorbenen Patriarchen, auf den sich jeder gern beruft? Warum aber hat er es dann nicht gleich selbst so eingerichtet?"
Stichwörter: Suhrkamp, Suhrkamp Verlag

Welt, 18.10.2003

Qualifiziert Heirat? Wieland Freund und Uwe Wittstock glauben nicht so recht daran, wenn sie den Lebenslauf von Ulla Berkewicz betrachten: Ihre "erste Leidenschaft galt dem Theater, als aufstrebende Schauspielerin heiratete sie den berühmten Bühnenbildner und Regisseur Wilfried Minks. Gleichwohl konnte sie sich auf deutschen Bühnen nicht durchsetzen. Anfang der achtziger Jahre wandte sie sich der Literatur zu und heiratete als aufstrebende Schriftstellerin den berühmten Verleger Siegfried Unseld. Gleichwohl konnte sie sich im deutschen Literaturbetrieb nicht durchsetzen. Und dies, obwohl ihre Bücher im glanzvollen Verlag ihres Mannes erschienen. Als eine der Geschäftsführerinnen des Suhrkamp Verlages versucht sie sich nun in einer dritten Laufbahn. Entsprechende Qualifikationen hat sie nicht vorzuweisen, aber da sie die Mehrheitsanteile des Verlages geerbt hat und da der Verlag sich in Privatbesitz befindet, sollte ihre Machtübernahme die Öffentlichkeit im Gunde wenig angehen."
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FR, 18.10.2003

Christoph Schröder fürchtet, dass die derzeitige Zerreißprobe dem Suhrkamp-Verlag "weitaus größeren, existentielleren Schaden" zufügen könnte "als der Tod Siegfried Unselds, dann nämlich, wenn die Übernahme der programmatischen Verantwortung durch seine Witwe einen Exodus von Lektoren und Autoren nach sich zöge". Schröder: "Ob eine von ökonomischem Grundwissen tendenziell unbeleckte, auf die eigene Aura und die des Wortes bauende Verlegerin in der Lage und Willens sein wird, einen Wandlungsprozess einzuleiten, wird auch von nicht Wenigen innerhalb des in zwei Lager gespaltenen Verlags bezweifelt. Günter Berg steht, vor allem unter den Autoren des Verlags, im Ruf von Tatkraft und hoher Kompetenz."

Wenn Klaus Kinski Texte der Weltliteratur spricht, entsteht ein "unglaublicher Sog", weshalb Udo Feist die jetzt erschienene Gesamtausgabe der Rezitationen Kinskis nicht nur Fans empfiehlt. Das Repertoire auf den zwanzig CDs reicht dabei von Shakespeare und Goethe über Nietzsche, Strindberg und Dostojewskij bis Mallarme, Wilde, Jack London und afrikanischer Dichtung. "Viehisch, Popanz, Schreihals oder Versekotzer wurde er genannt, weil er sich Schiller ebenso emphatisch wie Baudelaire einverleibte. Ob in Kneipen, Kinos, Turnhallen, Universitäten oder Theatern - seine Ein-Mann-Wanderbühne polarisierte wie in den 50ern sonst nur Rock'n'Roll-Kapellen. Exaltierte Interpretationen, rüde Publikumsbeschimpfung ('Geh raus, du Schwein!' an einen lachenden Zuhörer in München) und mitunter gar Handgreiflichkeiten machten Abende mit ihm zu Happenings."

Weitere Artikel: Judith Jammers hat die aufstrebende Frieze Art Fair in London besucht und schreibt etwas verstört von der sensationsheischenden Atmosphäre. Rene Aguigah stellt das Merkur-Sonderheft "Kapitalismus oder Barbarei?" vor (mehr in der Magazinrundschau vom 8. September). Im Streit Literatur vs. Persönlichkeitsrechte verkündet Renee Zucker (homepage) ein salomonisches Unentschieden.

Auf der Medienseite versichert Charlotte Roche im Gespräch mit Christine Koischwitz, Ausnahmemoderatorin zuerst bei Viva, jetzt bei ProSieben, dass der Wechsel sie nicht verändern wird. "Ich habe ja vorher schon akribisch wie ein alter Opa-Musikjournalist gearbeitet." Harald Keller geht Thomas Gottschalks provinziell-peinliche Deutschtümelei auf die Nerven. Im den Lesern der gedruckten Ausgabe vorbehaltenen Magazin erscheint unter anderem ein Interview mit Peter Maffay und eine Reportage über Galicien nach der Ölpest.

Eine Besprechung widmet sich der "frei schwingenden" Hamburger Uraufführung von Dea Lohers Drama "Unschuld" in Frankfurt, inszeniert von Andreas Kriegenburg.

NZZ, 18.10.2003

"Eigentlich schlüge jetzt die Stunde des für Suhrkamps 'Kontinuität, Ruf und literarischen Anspruch' bürgenden Stiftungsrates. Aber Enzensberger, Habermas, Kluge, Muschg und Singer sind uneins. Lauter Protest gegen den Umbau der Geschäftsführung ist von ihnen nicht zu erwarten. Natürlich kann man das Votum von Siegfried Unseld für Günter Berg beiseite schieben. Suhrkamp war ein Patriarchat, warum sollte dieser Verlag es jetzt nicht mit einem Matriarchat versuchen? Die neue Chefin habe Charisma, sagen ihre Fans. Gewiss, doch es könnte das falsche sein", kommentiert Joachim Güntner den Machtkampf im Hause Suhrkamp.

Naomi Bubis stellt eine Studie der Universität Tel Aviv vor, die zeigt, wie die Israelis auf den Terror reagieren. "Jedes neue Attentat lässt die Israeli weiter nach rechts abdriften. 75 Prozent der Befragten unterstützen die gezielten Tötungsaktionen der Armee gegen mutmaßliche palästinensische Terroristen. Selbst die Gegner der Tötungspolitik lassen sich nicht von moralischen Beweggründen leiten, sondern von der Furcht, neue Attentate durch die militärischen Vergeltungsschläge zu provozieren. 59 Prozent unterstützen die Politik der Sharon-Regierung, keine Gespräche mit den Palästinensern zu führen, solange die Terroranschläge anhalten."

Weitere Artikel: Max Nyffeler beschreibt die kulturpolitischen Aktivitäten beim Warschauer Herbst, dem internationalen Musikfestival in der polnischen Hauptstadt. Online meldet die NZZ, dass der spanische Krimiautor Manuel Vazquez Montalban in der Wartehalle des Flughafens der thailändischen Hauptstadt Bangkok an einem Herzinfarkt gestorben ist. Besprochen werden die Ausstellung "Migration" im Kunstmuseum Liechtenstein und Bücher, darunter Peter Glasers Erzählungen "Geschichte von Nichts" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der Beilage Literatur und Kunst erläutert Luzius Keller, warum die Madeleine-Szene in der "Suche nach der verlorenen Zeit" nicht nur Prousts Kunsttheorie erläutert, sondern auch verborgen Bezug nimmt auf eine Schaffenskrise Richard Wagners. Rüdiger Görner macht sich Gedanken zu Gedanken zu Conrad Ferdinand Meyers Dichtung "Engelberg". Andreas Hauser erklärt, wie Jakob Burkhardt mit seinem Erstlingswerk eine Architekturgeschichte der Schweiz initiiert hat. Beatrice von Matt porträtiert mit Hilfe der literarischen Hinterlassenschaft die Schweizer Künstlerin Annemarie von Matt-Gunz (1905-1967).

Besprochen werden eine Ausstellung zum Architekten Piero Portaluppi im Palazzo dell'Arte der Triennale di Milano und eine Ausstellung zum Architekten Fritz Höger im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

TAZ, 18.10.2003

Henning Mankell (mehr) spricht mit Jan Feddersen auf der Meinungsseite darüber, was man in Afrika über die EU lernen kann. Und warum ihn eine Frau auf einer Insel vor Maputo unbedingt küssen wollte. "Sie meinte, hier auf die Insel kämen jetzt so viele Zeitschriften mit schönen Menschen - Magazine der westlichen Welt. Und darin stehe immer etwas vom Küssen, das man mache, wenn man sich verliebt. Aber das sei auf der Insel nicht üblich. Und nun wolle sie einfach wissen, wie das geht. Ich will damit sagen, dass unsere Mobilität - ob wir selbst reisen oder mit Medien Reisen unternehmen - uns lehrt, dass woanders nicht alles ist wie das, was man kennt. Und deshalb wird die Welt nicht kleiner, sondern größer."

Weitere Artikel: Viktor Lerdek schwärmt von Booker-Preisträger DBC (Dirty But Clean) Pierre und dessen Buch "Vernon God Little" (mehr). Dirk Knipphals sinniert mit dem ewigen Kopfschüttler Onkel Heinz über kreischende Mädchen, Pop und Medien. Dorothea Hahn trauert um den einst integren Georges Lopez, Dorfschullehrer aus dem Dokumentarfilm Etre et avoir, der vor Gericht jetzt seinen Anteil am Erfolg einklagen will. Anna Lehmann protokolliert eine Tagung linker "Querdenker", auf der eine Chronik der linken Bewegung gefordert wurde.

Besprochen werden Judith Wilskes allzu anheimelnde Inszenierung von Einar Schleefs tausendseitigem Endlosmonolog "Gertrud" auf der großen Kampnagel-Bühne in Hamburg, und Bücher, darunter Herrmann Scheers Essay und Lehrbuch des politischen Handelns "Politiker", Marco Carinis schwache Biografie von "Fritz Teufel" sowie Stuart David Roman "Peacocks Manifest" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

Im tazmag denkt der Historiker Martin Zimmermann in einem anregenden Gespräch mit Gero Günther über die Karriere der Gewalt im Laufe der Menschheitsgeschichte nach. Etwa bei Diktatoren. "Ist es sozusagen in der menschlichen Natur angelegt, dass man im Besitz uneingeschränkter Macht genau diese grausigen Dinge tut? Was wissen wir eigentlich wirklich über Kim Jong Il? In der Zeit hat man derartige Nachrichten aus der Weltpresse einmal unter dem Titel 'Der neue Caligula' zusammengestellt. Das las sich wie Sueton, die römische Kaiservita. Ein ähnlicher Fall ist der frühere Diktator Ugandas, Idi Amin, über den berichtet wurde, er habe Offizieren ihre Kinder als Mahlzeit vorgesetzt. Kannte er das Thyestesmotiv oder war dies nur denen geläufig, die entsprechende Gerüchte verbreiten wollten?"

Außerdem porträtiert Anja Maier den Fernsehstar der Gehörlosen in Deutschland, Kira Knühmann-Stengel, ihres Zeichens Gebärdendolmetscherin der Tagesthemen auf Phoenix.

Und schließlich Tom.

FAZ, 18.10.2003

"In ein paar Tagen, vielleicht schon am Sonntag, wird Terri Marie Schiavo verhungern", schreibt Heinrich Wefing über die Koma-Patientin, der man am Mittwoch die Geräte abgeschaltet hat, die sie seit 1990 mit flüssiger Nahrung versorgt haben. Der Fall hat in den USA eine hitzige Debatte über die Sterbehilfe ausgelöst. Während Schiavos Ehemann jahrelang für die Abschaltung der Geräte stritt, sind die Eltern überzeugt, dass sich ihr Zustand eines Tages verbessern kann. Wefing hat sich eine Internet-Seite, angesehen, die von Freunden der Eltern eingerichtet worden ist. "Dort sind Aussagen von Medizinern zu lesen, die die Diagnosen immerhin in Frage stellen, die der Gerichtsentscheidung zugrunde lagen. Und dort sind Videoaufnahmen aus dem Hospiz zu sehen, deren erklärtes Ziel es ist darzulegen, dass Terri Marie Schiavo keine Körperhülle ist, aus der Seele und Geist längst entwichen sind, sondern ein Mensch, der 'denkt, fühlt, weint'. Wer die kurzen Filme gesehen hat, tut sich schwer, dem zu widersprechen."

Weitere Artikel: Christian Schwägerl fragt, warum die herkömmliche Züchtung von Kulturpflanzen erlaubt ist, die Nutzung der Gentechnik aber verteufelt wird, obwohl sich die Wissenschaftler dabei biologischer Mechanismen bedienen. Robert von Lucius berichtet über die Wiederentdeckung des schwedischen Stummfilmregisseurs Victor Sjöström. Ingeborg Harms wirft einen Blick in deutsche Zeitschriften. Rainer Burger berichtet über Pläne zur Neugliederung der sächsischen Museumslandschaft. Michael Jeismann gratuliert dem Historiker Alf Lüdtke zum Sechzigsten. Christian Deutschmann erzählt, wie beim Prix Europa Surround-Soundsysteme ausprobiert wurden. Aro. meldet den Verfall von Essens ältestem Kino.

Mark Siemons hat eine kleine Phänomenologie der Zeichen im "neuesten China" gefertigt. Abgedruckt sind weiter 33 Kurzporträts von Schriftstellern, die Marcel Reich-Ranicki für seine nächste, Erzählungen gewidmeten Ausgabe des Kanons verfasst hat. Auf der Medienseite schildert Jürg Altwegg die stalinistischen Kapriolen der französischen Tageszeitung Le Monde, die erst ihren Medienkritiker gefeuert - und das Entlassungsschreiben auf ihren Seiten publiziert! - hatte und dann die Ablösung von Telerama-Chef Marc Lecarpantier gemeldet hatte und sich jetzt - ebenfalls auf ihren Seiten - dafür entschuldigen musste.

Besprochen werden die Ausstellung der dänischen Sammlung Ordrupgaard mit Werken von Delacroix bis Degas in der Stuttgarter Staatsgalerie, Roberto Ciullis Inszenierung des Genet-Stücks "Die Wände" im Theater an der Ruhr, Ausstellungen in Berlin: der Fotografin Dayana Singh im Hamburger Bahnhof und junge indischer Kunst im Haus der Kulturen der Welt, die Uraufführung von Rene Polleschs "Leopard von Singapur" im Berliner Prater, eine "Wozzeck"-Aufführung in Lyon, Stephan Müllers Inszenierung der "Hedda Gabler" in Basel und Bücher, darunter die Essays von Thomas Mann aus den Jahren 1914-1926 und Ralf Rothmanns Roman "Hitze" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um die neuen CDs von The Strokes (mehr) und ZZ Top (mehr). Außerdem werden Neueinspielungen von Händel-Konzerten vorgestellt und zwei CDs mit den Klavierwerken Eric Saties (gespielt von Jean-Yves Thibaudet) und Debussys "Images et Etudes" (gespielt von Pierre-Laurent Aimard).

In der Frankfurter Anthologie stellt Hans Christoph Buch Walter Höllerers Grabschrift für einen unbekannten Soldaten vor:

"Der lag besonders mühelos am Rand

Der lag besonders mühelos am Rand
Des Weges. Seine Wimpern hingen
Schwer und zufrieden in die Augenschatten.
Man hätte meinen können, daß er schliefe.

Aber sein Rücken war (wir trugen ihn,
Den Schweren, etwas abseits, denn er störte sehr
Kolonnen, die sich drängten), dieser Rücken
War nur ein roter Lappen, weiter nichts.
..."