Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.06.2010. Schade, findet Matthias Spielkamp im Immateriblog: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger redet in ihrer Urheberrechtsrede von den Urhebern, aber nicht von den Total-Buyout-Verträgen, mit denen sie ausgepresst werden. In der FR kommentiert Geert Mak das niederländische Wahlergebnis als Flucht in den Provinzialismus. Außerdem ruft die FR der ARD zu: Es gibt auch Zuschauer unter 49!
15.06.2010. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat gestern Abend ihre lang erwartete Rede übers Urheberrecht gehalten. Das Leistungsschutzrecht wird kommen. Aber es wird nicht reich machen. Die Blogger kommentieren. Die taz berichtet über italienische Kampagnen gegen Roberto Saviano. Die NZZ erzählt die Urgeschichte des Ipad bei Stanislaw Lem. In der SZ verflüssigt Peter Glaser die Zeitung, aber nur online. Der Freitag ist sauer auf die anderen Zeitungen, die die Sperrfrist für den neuen Christa-Wolf-Roman nicht respektierten: Am Ende leidet immer der Leser.
14.06.2010. Der "innere Reichsparteitag" aus der gestrigen ZDF-Berichterstattung über Deutschland-Australien, beschäftigt Twitter, die Blogs und die Medien. In der taz kritisiert der politische Journalist Wolfgang Storz den politischen Journalismus in Deutschland. Wie wahnhaft so wahr findet die FR Christa Wolfs neuen Roman. Necla Kelek schreibt in der FAZ über eine Studie, die zeigt, dass muslimischer Hintergrund Integration von Jugendlichen erschwert. Der Tagesspiegel fragt: Warum brauchen ARD und ZDF 550 Mitarbeiter in Südafrika, wenn Sky mit fünfzig auskommt?
12.06.2010. In der NZZ erklärt Jean-Christophe Ammann, warum das erste Opfer der Globalkunst der weibliche Körper ist. Die taz beschreibt die südafrikanische Designszene. In der FR staunt Karl Schlögel über den raschen Wandel der Städte nach 1989. In der Welt erklärt Leon de Winter die Unterstützer der Gaza-Flotille zu nützlichen Idioten in einem geostrategischen Spiel gegen Israel. Und alle würdigen den vorgestern gestorbenen Künstler Sigmar Polke.
11.06.2010. Spiegel Online gratuliert den öffentlich-rechtlichen Anstalten: Wenigstens eine Institution, die in schwierigen Zeiten eine Bestandsgarantie erhält. In der taz spricht der Warschauer Kurator Pawel Leszkowicz über Homosexualität in Polen. Israel ist ein normaler Staat, meint Tony Judt in der New York Times, und darum soll Amerika die Nabelschnur durchschneiden. Die SZ macht bereits Vorschläge für David Grossmans Friedenspreisrede: Er soll in der Paulskirche fordern, dass die palästinensischen Flüchtlinge zurückkehren dürfen. Luc Bondys Wiener Inszenierung der "Helena" des Euripides stößt auf die Begeisterung der Kritik.
10.06.2010. Der Freitag porträtiert Pierre Assouline, den ersten Literaturkritiker, der durch ein Blog zu Macht gelangte: 1000 Kommentare für einen Eintrag zu Georges-Arthur Goldschmidt. Außerdem steht der Freitag in seiner Abneigung gegen Gauck fest an der Seite der PDS. Die taz plädiert für ein Berichts-Moratorium zu Apple. Lawblogger Udo Vetter staunt über die neue Rundfunkszwangsgebühr: "Kann man wirklich für etwas zur Kasse gebeten werden, was man gar nicht nutzt?" Die NZZ berichtet über neue Dokumente zur Ermordung von Sudetendeutschen. In der Zeit erklärt Florian Illies, warum er damals für das Schloss war und heute dagegen und dabei immer Recht hat. Es hat mit Marx zu tun.
09.06.2010. Das Blog Little Green Footballs zeigt zwei Versionen eines Reuters-Fotos von der Mavi Marmara und fragt: Erkennen Sie den Unterschied? Tayyip Erdogan ist kein Islamist, sondern ein Populist, meint die SZ. Die taz bringt ein Gespräch mit dem amerikanischen Krimi-Autor Martin Cruz Smith. Der haitianische Autor Franketienne plädiert in der FR für Voodoo. Ausgerechnet die westliche Linke demontiert den Begriff der universellen Menschenrechte, schreibt Caroline Fourest im Perlentaucher. Und die NZZ demontiert Henning Mankell.
08.06.2010. Gauck soll Präsident werden!, ruft Katja Lange-Müller in der FAZ. Schumann ist für die Musikwelt verloren, ruft die SZ. Die FR verteidigt Tilman Jens. Im Blog der New York Review of Books schreibt Ahmed Rashid über das Massaker an Betenden der Ahmadiyya-Sekte in Pakistan. In der Welt will Paul Scheffer in Integrationsfragen beides: Konfrontation und Selbstkritik. Wir bringen viele Informationen zur Verhaftung eines angeblichen Wikileaks-Informanten.
07.06.2010. Ein deutsches Mafia-Buch sorgt in Italien für gewaltigen Ärger, berichtet die SZ. Henryk Broder hat eine Frage an Marcel Reich-Ranicki: Spiegel Online druckt Broders Rede aus Anlass des Börne-Ehrenpreises auf den Jubilar. Alle (oder fast) sind für Gauck: Bricht die Kanzlerinnendämmerung an, fragt Cora Stephan in ihrem Blog. Die taz bringt Angela Merkels Laudatio auf Gauck vom Januar dieses Jahres. Die NZZ macht sich Sorgen: Krisendiskurse sind zwischen Abwiegeln und Alarmismus in die Krise geraten.
05.06.2010. Erfrischt und beglückt verlässt die Welt Peter Steins zwölfstündige Inszenierung von Dostojewskis "Dämonen". Ulrich Beck denkt in der FR über Globalisierung in ihrer kleinsten Zelle, der Familie, nach. Die Freischreiber freuen sich: Immer wenn die Total-Buy-Out-Verträge für freie Autoren vor Gericht kommen, werden sie annulliert. Die FAZ meint: Gauck wäre der bessere. Die SZ erklärt auf zwei Themenseiten, wie im Internet das Ich zur Ware wird.