Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.11.2013. Peter Raue wiederholt im Tagesspiegel seine Forderung, die Bilder des Gurlitt-Fundes ins Netz zu stellen. Aber handelt es sich überhaupt um Raubkunst, fragen NZZ und SZ. Die FAZ stellt klar, dass Werke verfolgter Künstler auch in der Nazizeit durchaus gehandelt wurden. Der Gegensatz zum Islamismus sind nicht "westliche", sondern universale Werte, meint Boualem Sansal in der Huffpo Maghreb. Im Guardian kritisiert Tim Berners-Lee die Geheimdienste, die mit der Entschlüsselung von Codes die Welt nur unsicherer machten. In der Zeit erzählt Claude Lanzmann, wie er sich mit Steven Spielberg versöhnte.
06.11.2013. Im Deutschlandradio fordert Peter Raue, dass die Bilder des Gurlitt-Schatzes ins Netz gestellt werden. Aber genau das will die Augsburger Staatsanwaltschaft nicht, meldet die taz. Erstaunlich, dass man von Schatz spricht, und nicht von Schätzen, findet die NZZ. Immerhin, sie wurden gut gelagert, meldet erleichtert die SZ. Ist der an deutschen Universitäten gelehrte Islam allzu liberal, fragt die FAZ.Vor seiner Wahl erweckte Barack Obama den Eindruck, er wolle Whistleblower schützen und Folterer verurteilen, nun macht er's genau umgekehrt, klagt der Atlantic.
05.11.2013. Die SZ stellt die unheimliche Frage, ob sich die Familie des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt ihren Kunstschatz wegen abgelaufener Verjährungsfristen womöglich "ersessen" hat. Auch die FAZ trägt Hintergründe zum Fall von Hitlers Kunsthändler zusammen. Außerdem fragt sie sich angesichts eines Google-Springer-Deals, warum Springer das Leistungsschutzrecht erkämpfte (und die FAZ hinterhertrottete). Die Welt freut sich weiter über die Bespitzelung durch freiheitliche Mächte. Und MacKenzie Bezos, die Frau von Amazon-Gründer Jeff Bezos bewertet ein kritisches Buch über ihren Mann auf Amazon mit nur einem Stern.
04.11.2013. Die Welt fragt, warum bayerische Behörden den Fund von 1.500 Kunstwerken seit 2011 geheim hielten. In der NZZ verzweifelt der syrische Dichter Adonis am Westen, der in Syrien die Falschen unterstütze. Wer ist Old School und wer ist New School, fragt Jay Rosen mit Blick auf Glenn Greenwald und den New-York-Times-Redakteur Bill Keller. Die SZ hält die Behauptung, dass der russische Geheimdienst die Enthüllungen Snowdens steuere, für Desinformation. In der Financial Times spricht Michail Chodorkowski über seine Lagerhaft.
02.11.2013. Der Guardian erzählt, wie beflissen kontinentaleuropäische Geheimdienste NSA und GCHQ beim Ausspähen der eigenen Bevölkerung helfen. Die taz konstruiert eine Symmetrie zwischen NSA und islamistischem Terror. Die SZ plädiert auf Asyl für Snowden. Nazis, Klimt, österreichische Honoratioren und 14 uneheliche Kinder - Art erzählt, warum der Direktor des Leopold Museums zurückgetreten ist. Krieg ist auch eine Hochzeit für die Literatur, lernt die Welt in einer Marbacher Ausstellung.
01.11.2013. Frank Schirrmacher fordert in der FAZ eine europäische Alternative zu Google und Co. Die Historikerin Anne Applebaum kritisiert in Slate die "selbstgerechte Hysterie" der Deutschen. Glenn Greenwald betont trotz Keith Alexanders Protesten, dass die amerikanische Regierung bisher keine der Snowden-Enthüllungen dementiert hat. Und was wird wohl in Edward Snowdens Brief an die Kanzlerin stehen, den Christian Ströbele heute Nachmittag überreicht? Schon jetzt sollte er zumindest den Generalbundesanwalt beschämen, meint jedenfalls Netzpolitik.
31.10.2013. NSA und GCHQ greifen unsere Mails nun doch bei Google und Yahoo ab, berichtet die Washington Post. Die SZ nimmt die Heuchelei europäischer Staatschefs aufs Korn, die sich über die NSA empören, während sie fleißig mit ihr kooperieren. In der FAZ möchte der Historiker Thomas Stamm-Kuhlmann die amerikanische Verfassung beim Wort nehmen. In der Welt gibt Ian Buruma dem Internet die Schuld an allem. Außerdem heute: Die taz beschreibt Warschau als globale Stadt. Die NZZ begutachtet die postrevolutionäre Literatur in China. Die Zeit huldigt der athenehaften Kühle Cate Blanchetts. Und Glenn Greenwald vermisst die Distanz heutiger Journalisten zu den Mächtigen.
30.10.2013. In Spiegel Online fordert Sascha Lobo die Abschaffung des Verfassungsschutzes. Der Guardian und faz.net versuchen aus den neuesten Äußerungen des NSA-Chefs Keith Alexander schlau zu werden. Die taz erklärt, wer alles von den Five Eyes eigentlich gar nichts wissen darf. Die NZZ besucht Stalins fernöstliches Jerusalem und Petros Markaris' Athen. Laut Telepolis will die VG Wort ihre von Gerichten als illegal befundenen Ausschüttungen an Verlage jetzt von der Politik legalisieren lassen. Die FAZ recherchiert zur Lage der Billeteure im Burgtheater. Und sie rudert im Streit mit den Buchverlagen um Blurbs zurück, meldet Carta. Die Welt erliegt heute Neo Rauchs unironischem Zauber.
29.10.2013. David Cameron droht den britischen Zeitungen inzwischen offen mit Zensurmaßnahmen, falls sie die Berichte über die Geheimdienste fortsetzen, meldet der Guardian. Nicht der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe der Moderne, sondern das Trauma der napoleonischen Kriege, meint Götz Aly in der Berliner Zeitung. Open Culture präsentiert einen Dokumentarfilm, den Lou Reed über seine hundertjährige Kusine Red Shirley gemacht hat. Für die FAZ lässt sich Ranga Yogeshwar abhören. Außerdem verlinken wir das einzige Interview mit Robert Capa.
28.10.2013. In der taz erzählt die Atomforscherin Inge Schmitz-Feuerhake der Reporterin Gabriele Goettle, wie sie die Atomkraft hassen lernte. turi2 meldet, dass die Zeitungsverleger im Kampf gegen den Mindestlohn zur Not das Bundesverfassungsgericht einschalten wollen. In der FAZ fordert Christian Lindner eine deutliche Antwort auf die Abhöraffäre und stellt sogar das Freihandelsabkommen mit den USA zur Disposition. Und einige Links zu Lou Reed.