Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Sono una stacanovista

26.10.2013. Der Guardian bringt neue Papiere, die belegen, dass der GCHQ nicht aus Sicherheitssgründen gegen die Geheimdienst-Debatte kämpft, sondern weil er illegal gehandelt hat. Außerdem haben die Telekomkonzerne offenbar weit intensiver kooperiert, als sie zugeben. Die Welt steht weiter fest zum Überwachungsstaat. Die taz freut sich über das möglicherweise bevorstehende Ende des Suhrkamp-Dramas. Sämtliche Zeitungen hatten das exklusive Privileg, Robert Harris zu seinem Dreyfus-Roman "Intrige" interviewen zu dürfen - in der FAZ erklärt er, warum er gegen Regulierung der Presse ist. Und die Washington Post fragt: Wird es neuen Streit um die Verlängerung von Copyrights geben?

Zerfallen lautlos

25.10.2013. Die ganze Welt und neuerdings sogar die Welt interessieren sich für Angela Merkels Handy, nur die ARD nicht, hat Stefan Niggemeier herausgefunden. In Zeit online erklärt der Historiker Josef Foschepoth, warum es legal ist, die Kanzlerin abzuhören. In der FAZ erklärt Michael Naumann, warum Theodor Eschenburg als einer der wenigen SSler kein Nazi war, und wenn, dann höchstens im weiteren Sinne. Die Welt findet den Armutskult des neuen Papstes moralisch bedenklich. Die taz sucht mit Toni Negri und Byung-Chul Han nach einem Notausgang aus dem Kapitalismus.

Die sexuelle Ökonomie des unteren Mittelstands

24.10.2013. Angela Merkel wurde abgehört. Nun hat sie Obama ihre Meinung auch einmal direkt gesagt. Wir bringen eine Blütenlese aus vielen Medien. Alle amüsieren sich mit Asterix bei den Pikten. In der Zeit beklagt Sibylle Lewitscharoff den Niedergang Italiens. Aber Durs Grünbein braucht es trotzdem. Laut Welt will Hans Barlach sich mit seiner Rolle als Suhrkamp-Aktionär abfinden. Und Bunuel mixt den perfekten Martini.

Wir suchen die Auseinandersetzung

23.10.2013. Die taz hält fest: Wer im Museum der bildenden Künste Leipzig Tiernamen ruft, kriegt sein Tiananmen. Die gesamte Presse kommentiert die neueste Peripetie im Suhrkamp-Drama als entscheidenen Etappensieg Ulla Unseld-Berkéwicz'. In der Welt spricht der Historiker Krisztián Ungváry über die Ursachen des ungarischen Antisemitismus. Die NZZ ist nicht zufrieden mit der Theophil Hansen-Schau in Wien. Die SZ bewundert die in Frankreich grassierende rebellische Ungeduld.

Wenn es sich um Zorn handelt

22.10.2013. Die NZZ ergründet das Geheimnis von Catherine Deneuves Reserviertheit. Nicht nur manche Parteien, auch die Journalisten haben den Bundestagswahlkampf verloren, findet Max Thomas Mehr in Dradio Kultur. Zeit online ruft der Bundesregierung nach den Enthüllungen über die NSA-Bespitzelung der Franzosen zu: Empört euch! Die Welt entscheidet sich mit Albrecht Dürer für die Wahrheit und gegen das Ideal. Die taz berichtet über einen historischen Streit im Hause C.H. Beck. Die SZ verliert im dänischen Seefahrtsmuseum den Boden unter den Füßen. Und Slavoj Zizek rappt jetzt auch.

Es gibt keinen Theatergott

21.10.2013. In Libération beklagt sich Filmregisseur Olivier Dahan bitter über die Weinsteins, die seinen Film neu geschnitten haben. Die NZZ besucht die Hutterer in Montana. Die FAZ beklagt sich über den Mangel an Anstand im Netz. In der SZ lehnt der Filmproduzent Martin Moszkowicz ein Zwangslizenzsystem für Filme im Netz ab. Die Feuilletons trauern um den Theatermacher Dimiter Gotscheff.

Geiles atonales Nichts

19.10.2013. Die NZZ erzählt, wem Büchner seinen physiologischen Blick auf die Welt verdankt. In der Welt rühmt Ian McEwan die großen Agentinnen. Die taz verfällt dem akustischen Klöterkram von Dino Valente. Die SZ stellt die Phantastische Bibliothek in Wetzlar vor. In der FAZ erinnert sich Monika Maron an Gert von der ZAD.

Nullprozentige Chance

18.10.2013. In der Welt spricht Ben Urwand über die Kollaboration der Hollywood-Majors mit den Nazis. Die NZZ entdeckt Facebook und ist schockiert. Edward Snowden beteuert in der New York Times, dass er Russen und Chinesen keine Dokumente gegeben hat. Laut Spiegel Online bewegt sich die EU in Sachen Datenschutz. Zwei unterschiedliche Perspektiven auf Theater und Wirklichkeit und die mindestens ebenso schnöde Wirklichkeit im Theater bietet Nachtkritik. Zeit online ruft BND-Mitarbeiter zum Whistleblowing auf. Die SZ belegt, dass Konversationskompetenz kein Ausweis für Intelligenz ist, zumindest nicht künstliche.

Wir sind solche Schoßhunde

17.10.2013. Jay Rosen hat mit Pierre Omidyar über dessen neues Medienprojekt gesprochen, für das der Ebay-Gründer Glenn Greenwald und Laura Poitras engagiert hat (und für das er so viel ausgeben will wie Jeff Bezos für die Washington Post). Die taz fragt: War denn die Leipziger Völkerschlacht wirklich ein Allerlei? Die NZZ erklärt, warum die Briten über den neuen Booker-Preis sauer sind. Der Freitag erzählt vom Einfluss goldener Schuhe auf die Völkerverständigung. Und Alain Badiou überlegt schon mal, wessen Freiheit er im Kommunismus zerstören würde. Beim Blick auf die Kirche fällt die Zeit doch noch vom Glauben ab. Alle feiern Georg Büchner.

Künftig nur noch gegen Rechnung

16.10.2013. Warum regen sich Künstler nicht über Prism auf, fragt der Kunstjournalist Jörg Heiser in der FAZ und vermutet eine geheime Komplizenschaft. Der Prism-Enthüller Glenn Greenwald verlässt den Guardian und gründet etwas Neues, meldet reuters. Die taz erinnert an die Rettung der dänischen Juden. Carta und Tagesspiegel fragen, ob Zitieren jetzt endgültig kostenpflichtig wird. Um gut zu bauen, nahm die katholische Kirche sogar schon die Reformation in Kauf, meint die Berliner Zeitung. Quallen übernehmen die Weltmeere, berichtet Atlantic. Und Eminem hat eine Menge zu sagen.