Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Befugnis-Hopping

19.11.2013. Datenschützer Peter Schaar prangert in einem Bericht an die Bundesregierung die Rechtsbeugung durch die Geheimdienste an. In der NZZ fordern zwei Medienwissenschaftler eine medienübergreifende Bezahlschranke im Netz. Die taz feiert die ersten Inszenierungen der Ära Shermin Langhoff am Gorki-Theater. Guernica feiert die Gebrüder Gao. In der FAZ erschallt nun erwartungsgemäß ein Roland Reußscher Bocksgesang zu Google Books.

Großbritannien ist verdammt noch mal am Ende

18.11.2013. Dass mit dem Privatmann Cornelius Gurlitt anders verfahren wird als etwa mit Museen, erscheint der FAZ inzwischen skandalös. Die Welt unterwirft Gurlitt schon mal einer Psychoanalyse. Spiegel Online und SZ bringen neue Geheimdienstenthüllungen. In der Daily Mail erklärt Google-Chef Eric Schmidt, wie er durch Indizierung von Suchen Kinderpornografie verhindern will. In der taz schwärmt Oasis-Entdecker Alan McGee vom Bauch der Arbeiterklasse.

Vergangenheitsbewältigung im Zeitraffer

16.11.2013. Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" ist nicht aktueller denn je, wie es immer heißt, sondern reaktionäre Modernekritik, stellt die Welt zum fünfzigsten Todestag des Autors fest. Die FAZ sieht Google Books mit dem New Yorker Urteil als schützenswerte Errungenschaft anerkannt. Fritz Stern warnt davor, wegen der arroganten Dummheit der USA gleich in Antiamerikanismus zu verfallen. Der deutsche Kunstmarkt hat in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen versagt, stellen SZ und taz fest. Und die NZZ feiert Albert Camus' hundertsten Geburtstag.

Mit geläufiger Gurgel

15.11.2013. Heise analysiert das nach langen Jahren gefallene Urteil zu Google Books: Der Konzern darf Bücher einscannen und durchsuchbar machen - vorerst. Die taz fürchtet Pressezensur in Großbritannien. Die NZZ lauscht mit Oleg Jurjew russischen Ganovenliedern. Die SZ schildert das Behördenchaos im Fall des Schwabinger Kunstfundes. Und der Hornist Felix Klieser spielt Schumann.

Hochkulturwürden

14.11.2013. Die FAZ macht die Museen mit dafür verantwortlich, dass ein bunter Blechpudel jetzt 54 Millionen Dollar erlöst. Die Zeit erklärt, wie geraubte Kunst zum Grundstock der blühenden Galerienlandschaft nach dem Krieg wurde. SZ, FAZ und Perlentaucher sind schockiert von Joshua Oppenheimers Dokumentarfilm "The Act of Killing". Die NZZ macht einen Ausflug in die Schwulenszene von Jerusalem. Die Welt räumt mit dem Mythos der deutschen Alleinschuld am Ersten Weltkrieg auf. Seit hundert Jahren sucht Proust nach der verlorenen Zeit. Und wir betten einen 110-minütigen neuen Dokumentarfilm über Jimi Hendrix ein.

Das Jenaer Pendant zu den Twin Towers

13.11.2013. In der NZZ gibt Najem Wali Entwarnung: Er ist gar nicht von Al Qaida, obwohl er Arabisch kann. In der taz spricht Martin Miller über seine Mutter Alice Miller, die berühmte pädagogische Klassiker schrieb und ihren Sohn ins Kinderheim steckte. In der FAZ machen sich 160 Dirigenten Hoffnung, dass das Freiburger SWR-Orchester doch noch zu retten ist. Allgemein wird begrüßt, dass einige Werke aus dem Gurlitt-Fundus online gestellt wurden. Nun sollten es die in dieser Sache recht schüchternen Museen genau so halten , findet die FAZ.

Welthaltigkeit ist das Stichwort

12.11.2013. In der FAZ attackiert Roland Reuß deutsche Bibliotheken (etwa die Bayerische oder die HU-Bibliothek) und wirft ihnen vor, Nutzerprofile an Google (und somit tendenziell an die  NSA) auszuliefern. SZ und FAZ sind nicht ganz einverstanden mit der Entdeckung immer neuer Raffaels oder Da Vincis. Die NZZ porträtiert die katalanische Verlegerin und Autorin Rosa Regàs, die sich gegen den sezessionistischen Taumel in ihrer Region wendet. Rue89 analysiert das neue Wahlkampfplakat der unheimlichen Marine Le Pen.

Alles zitieren, aber selbst nicht zitiert werden

11.11.2013. FAZ und SZ sammeln neue Details aus dem Leben des Hildebrand Gurlitt. Die SZ wendet sich außerdem gegen Peter Raues Idee einer schnellen Veröffentlichung der Bilder im Netz. Mailand will die Via Gluck unter Denkmalschutz stellen, berichtet der Tagesspiegel. Netzwertig macht sich Sorgen um die Zukunft von Facebook. Das Urteil im Prozess um Kritikerzitate auf Klappentexten, die sich die FAZ künftig bezahlen lassen will, ist auf Januar verschoben, meldet burchreport.

Noch leiser als möglich

09.11.2013. In der Welt erzählt Jonathan Franzen, wie er gegen das elterliche München rebellierte. Außerdem fragt die Zeitung, wer wie viel über den großen Kunstschatz wusste. Die SZ widmet sich den ebenfalls recht enormen Lügen der Wiederaufbauzeit und fordert ein Ende der Verjährung bei Raubkunst. Auf dem E:publish-Kongress erklärt Katharina Hacker, warum sie die Gruppe "Fiktion" unterstützt. Die NZZ feiert Roman Polanskis listigen Film "Venus im Pelz". Und die taz zahlt für Erregungsvorschläge künftig in Sloti.

Wir twittern ganz frei aus Iran

08.11.2013. Die Welt beschreibt die "Wege des Unrechts", auf denen man unter den Nazis legal an Kunst kommen konnte. In der FAZ will der Provenienzforscher Willi Korte die Entdeckung des Gurlitt-Schatzes nicht als Sensation sehen. Der Freitag porträtiert die Verlegerin Sabine Dörlemann. Die britischen Abgeordneten haben ihren Geheimdienstchefs bei einer Befragung leider kein bisschen Angst eingejagt, finden Bürgerrechtsgruppen laut Guardian. Hasenherzig sind auch die deutschen Politiker, meint die SZ. In der NZZ hofft Bahman Nirumand auf eine Liberalisierung im Iran.