Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Sich erheben, abwärts schweben

23.03.2013. Die NZZ lässt sich vom Berliner Verleger Andreas Rötzer erklären, was eingreifendes Verlegen ist. In der taz fordert die Aktivistin Monika Hauser eine Aufarbeitung der Vergewaltigungen durch deutsche Soldaten. In der Welt antwortet Wolfgang Kraushaar seinen Kritikern. In der SZ verteidigt Salman Rushdie noch einmal einen universellen Freiheitsbegriff. Entsetzen herrscht in der Netzöffentlichkeit über das Einknicken der SPD beim Leistungsschutzrecht. Till Kreutzer nennt das Gesetz verfassungswidrig und fordert Bundespräsident Gauck auf, es nicht zu unterzeichnen.

Phasenphysik und Frequenzmodularanalyse

22.03.2013. Die SPD ist beim Thema Leistungsschutzrecht eingeknickt und wird das Gesetz heute im Bundesrat wohl passieren lassen. Der FAZ ist es eine winzige Meldung wert. Die FR sorgt sich um das "geistige Eigentum". Ohnmächtiger Aufschrei im Netz. In der taz kritisiert der Historiker Ulrich Herbert die ZDF-Serie "Unsere Mütter Unsere Väter", die von der Liebe der Deutschen zu Hitler so gar nichts zeigt. Die NZZ befasst sich mit der amerikanischen Debatte um Roosevelt und die Juden.

Sein Prosafluss ist kein gerader

21.03.2013. Im Freitag gibt die Kulturjournalistin Agnes Szabo einen bestürzenden Einblick in die Gleichschaltung der ungarischen Kulturszene. Jungle World liefert den geschichtspolitischen Hintergrund dazu, der ebenso deprimierend ist. Nach jahrelangem beredtem Schweigen und kurz bevor es durch ist, bringen die Zeitungen doch noch Pro-und-Contras zum Leistungsschutzrecht, so die Zeit und die FAZ. SZ und FAZ sind konsterniert darüber, dass Suhrkamp-Miteigner Hans Barlach erneut vor Gericht Recht bekommen hat.

Ach, so fickten Nazis?

20.03.2013. #UMUV! So langsam gibt es auch Gegenstimmen zur Wehrmachtsschmonzette im ZDF, deren Hashtag eigentlich #UUUU lauten müsste ("Unsere Urgroßmütter unsere Urgroßväter"). Ekkehard Knörer dreht im Cargo-Blog durch: Haben Fernsehkritiker, anders als Filmkritiker denn gar keine Kriterien? In der  taz spottet Jan Feddersen: "Mann, das haben wir ja nicht gewusst!, Mensch, wie verhängnisvoll!" Und Tilman Krause meldet in  der Welt gehorsamst: "Unser Mütter, unsere Väter" durchgeführt, äh: angesehen."

Kaum koschere Leber

19.03.2013. Der Tagesspiegel schaut mit Maurizio Pollini ins Laboratorium der Komponisten. Rue89 erklärt, warum Bernard-Henri Lévy jetzt nicht mehr nach Libyen darf. In der taz ist Najem Wali verzweifelt über den Irak im Zustand der Selbstverwaltung. Die NZZ erklärt, warum Google News nicht so gut funktioniert, wie es sollte. In der FAZ betrachtet Botho Strauß Govaert Flincks "Susanna und die beiden Alten". Alle gratulieren Philip Roth zum Achtzigsten.

Pure Idyllen der achtziger Jahre

18.03.2013. Die NZZ möchte das Roma-Problem als Armutsproblem und nicht als ein ethnisches behandelt sehen. Außerdem würdigt sie den frischgekürten Pritzker-Preisträger Toyo Ito. Dezeen bringt eine Menge Bilder von seinen Entwürfen. Warum kommen in der Serie "Borgen", die einen illusionslosen Blick auf Dänemark werfen will, Karikaturenstreit und Islamdebatte gar nicht vor?, fragen Jens-Martin Eriksen und Frederik Stjernfelt im Perlentaucher. Richard Herzinger geißelt in seinem Blog die Stigmatisierung der Gottlosen durch den neuen Papst. In der FR gibt Hans-Ulrich Wehler eine Wahlempfehlung für Peer Steinbrück.

Das ist Humbug, wenn nicht Unfug

16.03.2013. Die Gleichung "68 = Antizionismus = linker Antisemitismus" geht nicht auf, rechnet die taz vor. Die NZZ beschwört die Gunst des Augenblicks. Lukas Foerster fordert von Kinos die Einhaltung musealer Grundprinzipien. Die FAZ wünscht sich einen Gorbatschow des Kapitalismus. Isabelle Huppert bestreitet, eine intellektuelle Schauspielerin zu sein. Die Welt beklagt die Putinisierung Ungarns. Frankfurt ist keine romantische Stadt, findet die FR. Die SZ vermisst bei der Biennale im Emirat Sharjah Exzesse, Drogen und Queer Art.

Gegenwartskompatibler als jeder Actionfilm

15.03.2013. In der NZZ bekennt der Politologe Otto Kallscheuer, dass er sich vom Heiligen Geist etwas mehr Mut bei der Papstwahl gewünscht hätte. Der Tagesspiegel erklärt, was die vatikanischen Riten so netzkompatibel macht. Auf der Leipziger Buchmesse wird der Name des Teufels Amazon gemieden, berichtet die SZ. Mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises an David Wagner sind alle einverstanden. Die FAZ empfiehlt einen generationenübergreifenden Fernsehsonntag.

Generalverdacht gegen die Wirklichkeit

14.03.2013. Als Bildungsrevolution feiert die Zeit die wachsende Zahl der im Netz zugänglichen Hochschulvorlesungen. Die Blogs reagieren bestürzt auf das angekündigte Ende des Google Reader. Die taz klagt über die spezifisch deutsche Hysterie gegenüber Googles Datenbrille. In der Welt pocht Henryk Broder auf Pornografie. Der Freitag untersucht die Rückkehr des Politischen in der deutschen Literatur. Die SZ bewundert die Ausdauer der Protagonisten von 1968. Und die FAZ spricht mit Simon Rattle über seinen Rücktritt und Mozarts 'Zauberflöte'.

Hirschragout mit Datteln

13.03.2013. "Vorsicht Buch!" ruft die FAZ gemeinsam mit der Buchbranche zu Beginn der Leipziger Buchmesse. Die taz interviewt  Klaus-Michael Bogdal, der heute den Leipziger Preis zur Europäischen Verständigung erhält. Anne Applebaum empfiehlt einen Klacks Crème fraiche. Im Tagesspiegel spricht die Linguistin Manana Tandaschwili über die Lage der Frauen in Georgien. In der NZZ macht der Theologe Jan-Heiner Tück Vorschläge zur Schwächung des Papstes. Die SZ blickt in den Abgrund, der die Kardinäle anstarrt, wenn sie ihre Zettel in die Urne stecken. Und Anna Wintour wird jetzt Modepäpstin bei Condé Nast, meldet die New York Times.