Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ganz großes Senioren-Tennis

06.04.2013. Der Spiegel setzt seine beiden Chefredakteure ab, meldet die Welt. Außerdem begrüßt Necla Kelek Shereen el Fekis Buch über Sexualität in der arabischen Welt. Die NZZ betrachtet Tod und Auferstehung der Ana Mendieta im Castello di Rivoli. Die SZ zieht die Richter im Münchner NSU-Prozess an den Ohren und sitzt selbst einem Hoax auf. Die FAZ betrachtet japanische Künstler der Gruppe Gutai bei der Entfesselung der Materie. In FR/Berliner Zeitung fürchtet Filmemacher Edgar Reitz die Tücken der Digitalisierung. Die taz berichtet, dass jeder dritte ungarische Student rechtsextrem wählt.

Blitzender Reflektor

05.04.2013. Die Welt gibt den polnischen Kritikern der ZDF-Serie "Unsere Mütter Unsere Väter" recht. Im Freitag denkt Herfried Münkler über den Krieg mit Drohnen nach. Wir bringen viele Links amerikanischer Medien und Blogs zum Tod des großen Filmkritikers Roger Ebert und ein Video, in dem er erzählt, wie er seine Stimme wiederfand. Die SZ staunt über das pompejanische Sexleben. Die taz feiert James Blake. FAZ und Welt kritisieren das bürokratische OLG München, das sich außerstande sieht, türkischen Journalisten Zutritt zum NSU-Prozess zu gewähren. 

Unsere journalistischen Standards

04.04.2013. Im Tagesspiegel schimpft der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, auf Spaßverderber Martin Luther. Die Berliner Zeitung unterdrückt in ihrem Online-Auftritt eine Passage, in der sich Kolumnist Arno Widmann kritisch mit dem Verleger Alfred Neven-DuMont auseinandersetzt. Wir lesen sie. Außerdem im Perlentaucher: Adam Krzeminski kritisiert die ZDF-Serie "Unsere Mütter Unsere Väter" aus polnischer Perspektive. In der Zeit entschlüsselt Harald Welzer die genau dreißig Jahre alte Affäre um Hitlers gefälschte Tagebücher. Die FAZ erinnert an den großen italienischen Filmemacher Elio Petri. Zur Illustration der SZ bringen wir acht Minuten Kuscheltechno. Zur Kompensation der jahreszeitlich bedingten Frustration: den Gesang einer Nachtigall.

Jede Menge elektronisches Gefiepe

03.04.2013. In der SZ Online bekennt Adam Krzeminski sein Entsetzen über die ignoranten polnischen Passagen in der Serie "Unsere Mütter Unsere Väter". Das Blog Meedia fürchtet: paid content wird auch nicht funktionieren. In der Berliner Zeitung fordert Götz Aly die Benennung einer Kreuzbeger Straße nach Moses Mendelssohn. Aber die Grünen sind dagegen. Die FAZ ärgert sich über die weiter versagende Elite der Politiker in Italien und erhofft sich auch nichts von Italiens Populisten.Und in der New York Review of Books verkündet Robert Darnton: Die National Digital Public Library of America steht vor der Eröffnung..

Temporäre Realitätsflucht in beide Richtungen

02.04.2013. In der Welt spricht der große Songwriter Stephen Stills über seine Schwerhörigkeit und über seine Ideen für Hörhilfen, die nicht barbarisch sind. In der FAZ empfiehlt Dominik Graf Fritz Umgelters Fernsehfünfteiler "Am grünen Strand der Spree" von 1960. Die taz begeistert sich für die Punk-Künstlerin Linder. Die FAZ berichtet außerdem über den Kauf der Social-Reading-Plattform Goodreads durch Amazon. Auf der Seite wasjournalistenverdienen erzählen sich Journalisten, wie sie von Medien bezahlt werden. Spiegel Online erinnert an die Sympathien westlicher Intellektueller für Pol Pot.

Der Mantel der Maria

30.03.2013. Die NZZ beklagt die frostigen Temperaturen in Europa, politisch gesehen. In der taz spricht sich Micha Brumlik sehr deutlich gegen den Boykott von Waren aus dem Westjordanland oder Israel aus. Die FAZ unterhält sich mit Joachim Sartorius über Zypern. Die SZ feiert den revolutionären Tizian: "Endlich darf ein Maler im Dreck wühlen". Und wir wünschen schöne weiße Ostern!

Bis in die letzte geschriebene Zeile dunkel

28.03.2013. In der Welt fragt Wolf Biermann, was Helmut Schmidt dazu treibt, das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens zu rechtfertigen. Der Verkauf von Ebooks wächst in Europa, meldet der Buchreport - allerdings fast nur in Großbritannien. Die taz versucht zu erklären, warum es so schwierig ist, netzpolitische Themen populär zu machen. Die FAZ geißelt die Amüsierlust der gottlosen Berliner Theater am Karfreitag. Auch wir bringen ein Karfreitagsliedchen zum Mitpfeifen.

Tut mir leid, ich war nie in Haft

27.03.2013. In der taz reagiert Detlev Claussen auf die Anwürfe des Sinologen Wolfgang Kubin gegen den chinesischen Dissidenten Liao Yiwu. Die Welt bringt ein Dramolett von Bodo Kirchhoff, in dem Franziskus an Franz gerät. Das Blog Uhupardo hat den von El Pais gestrichenen Kommentar des Ökonomie-Professor Juan Torres López, für den Merkel = Hitler ist, übersetzt. Den Briten geht an den Deutschen aber vor allem das pedantische Festhalten an formaler Legalität auf die Nerven, hat die SZ herausgefunden. In der Zeit gratuliert Alexander Fest seinem Autor Georg Klein zum Sechzigsten. Außerdem hat die Zeit eine Suhrkamp-Vision mit degradierter Chefin.

Überaus sympathisches Prä-Hippietum

26.03.2013. Die New York Times stellt den Millionär Nick D'Aloisio vor, der eine News App  erfunden hat. Bald wird er 18. Das Schild "Swing tanzen verboten", das in der Serie "Unsere Mütter Unsere Väter" eine Rolle spielte, ist eine historische Fälschung, hat das Blog pophistory herausgefunden. queer.de berichtet, dass Länder, in denen lesbische Paare türkischstämmige Kinder adoptieren, Ärger mit Tayyip Erdogan bekommen. Im Tagesspiegel erzählt der Psychologe Ahmad Mansour, wie er in seiner Jugend zum Islamisten gemacht wurde. In der FAZ plädiert Katharina Hacker dringend für Otto Dov Kulkas Buch "Landschaften der Metropole des Todes".

Parsifal kann sehr rational sein

25.03.2013. Die Blogger lecken sich nach der Niederlage beim Thema Leistungsschutzrecht die Wunden. Hat die "Netzgemeinde" versagt? Gabriele Goettle erzählt in der taz von einem Arzt, der ein Immunsystem gegen Pharmawerbung entwickelt. In der NZZ erinnert Hector Abad mit Blick auf Franziskus, den Papst, an die fatale Rolle der Jesuiten in Lateinamerika. Spiegel Online meldet, dass das Land NRW jetzt notleidende Pressekonzerne mit Geldern aus den Zwangsgebühren unterstützen will. Außerdem konnten Superreiche und Journalisten in Baden-Baden und Salzburg die Partie Rattle versus Thielemann verfolgen. Außerdem: Die eigentlich innovative Mode kommt aus Japan.