Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Öffentliche Beschäftigung mit Nachrichten

12.03.2013. Was soll mit dem Erbe des großen Film-Essayisten Chris Marker geschehen?, fragt die Welt. Im Design Observer bringt David Brook einen Riesen-Essay über die atemberaubende Entwicklung der Stadt Schanghai. Wir verlinken auf die Dokumentation des ORF über die Nazivergangenheit der Wiener Philharmoniker, die 75 Jahre nach dem "Anschluss" ihre Archive öffnen. Die SZ findet Anthony Hopkins' Latexkinn im "Hitchcock"-Film  schmerzhaft offensichtlich.

Queseria Mürsch

11.03.2013. Hans Christoph Buch berichtet für den Tagesspiegel aus einem demoralisierten Kuba. Das Literaturcafé testet den Ebookreader Tolino. Im Deutschlandfunk rechnet Sabine Pamperrien mit den China-Verteidigern Helmut Schmidt und Tilman Spengler ab. In der FR erinnert sich Amos Oz an den Kibbuz. Die NZZ besucht die zweitbeste Schweiz der Welt. Die LA Times empfiehlt 3D-Drucker bei Kopfverletzungen. Dezeen empfiehlt 3D-Drucker für Nylonkleider.

Abgekoppelt-anomische Arbeitslosigkeit andererseits

09.03.2013. In der Welt bespricht Necla Kelek das Buch Semiya Simseks über den Mord an ihrem Vater und die traumatisierenden Pannen bei den Ermittlungen zu den NSU-Morden. In der taz jongliert Chefapokalyptiker Harald Welzer mit Europa-, Klima-, Finanzkrise. Ebenso Vizechefapokalptiker Wolfgang Streeck in der FR. Überchefapokalyptiker Frank Schirrmacher hatte wohl frei, und darum erzählt in der FAZ Andrzej Stasiuk etwas von seiner Großmutter. Und in der Abendzeitung macht Joseph von Westphalen aus Mangel Kunst.

Kulinarische Ruinenromantik

08.03.2013. Der Buchreport fragt, was die Fusion von Penguin und Randomhouse, die gemeinsam fünfzig Prozent der amerikanischen Belletritik herausbringen, für den Buchhandel heißen wird. Die Blogs diskutieren über einen Zeit-Artikel zu Schwarzkopien in der Kinobranche, den die Zeit gerade online gestellt und dann gleich wieder gesperrt hat. Die Schweizer Medienwoche konstatiert, dass Journalisten Teil der Eliten sind, über die sie eigentlich mit Distanz berichten sollten. Die FAZ fragt: Was passiert mit all dem Geld, das den Banken zugesteckt wird, das sie aber nicht weitergeben?

Kein Raum für das Übernatürliche

07.03.2013. Die Zeitungen versuchen Beppe Grillo und seinen "Grillini" auf die Spur zu kommen: Ein Blogger ist er schon mal nicht, meint der Autor Giuliano Santoro in der Jungle World. Eher schon ein Clown, meint Dario Fo in der Zeit. Auf jeden Fall sind die Italiener aber geistesgestört findet Peter Stein, ebenfalls in der Zeit. Auch in der SZ ist Italien Thema. In der FAZ hält Marina Weisband ihren Trollen den Spiegel vor. In der NZZ schreibt Héctor Abad den Nachruf auf Hugo Chavez. In der Welt stellt Oliver Sacks klar, dass es auch wissenschaftlich wertvolle Halluzinationen gibt.

Kreatur des magischen Realismus

06.03.2013. Hugo Chavez ist tot. Wir verlinken auf  Texte von Enrique Krauze, Christopher Hitchens und anderen. In der FAZ beschreitet Ulrich Holbein den  zweihundert Kilometer langen Jean-Paul-Wanderweg. Außerdem schreibt der JU-Netzpolitiker Henrik Bröckelmann gegen Leistungsschutzrecht. Die SZ erinnert an ihren Mitbegründer und Streiflicht-Erfinder Franz Josef Schöningh, der ein eifrigerer Nazi war, als man bisher wusste.

Teuflisch gut, einschüchternd bissig

05.03.2013. Die taz hat das Problem der Seligen: Die Liebe zu Wagners Musik macht blind für den Fall Wagner - dank Barenboim (und Wagner natürlich). In der SZ feiert der Historiker Lutz Klinkhammer den Wahlerfolg Beppe Grillos als Sensation. In der FAZ wehrt sich Ulrich Enzensberger gegen Vorwürfe Wolfgang Kraushaars in seinem Buch über "München 1970". Alle Zeitungen schreiben über Milo Raus Reinszenierung putinistischer Prozesse in Moskau. Das Blog Farhoo fragt: Fallen sprechende Links künftig unter das Leistungsschutzrecht?

Wo aber ist der Geist als solcher hin?

04.03.2013. In der NZZ beklagt Petros Markaris den dramatischen Niedergang Athens. Die taz klärt, dass auch die afrikanische Kolonialismuskritik ohne europäische Förderung nur halb so gut funktionieren würde. In der New Republic interveniert Yochai Benkler für Bradley Manning - im Interesse der New York Times. In der FAZ beschreibt der EU-Politiker Martin Schulz das "europäische Blame Game", das immer nur die nationalen Politiker gut aussehen lässt. Im Culturmag wirft Wolfram Schütte einen illusionslosen Blick auf die FR. Und Michael Seemann beklagt in seinem Blog das journalistische Totalversagen beim Thema Leistungsschutzrecht.

Gesetz gegen digitale Gespenster

02.03.2013. SZ, taz, NZZ, Zeit online - alle ärgern sich über das Leistungsschutzrecht. Nur die FAZ verteidigt es als immerhin sinnvolle Verhandlungsbasis. Carta wittert eine Springer-LSR-Verschwörung auf Seiten der Opposition. Shereen El Feki mahnt in der FAZ: keine gesellschaftliche Freiheit ohne sexuelle Freiheit. Die NZZ fordert, den unflätigen Beppe Grillo nicht mit seinen gebildeten Wählern zu verwechseln. Allgemein große Begeisterung über David Bowies neues Album. Und die FR meint: Amazon ist dem historischen Marktplatz ähnlicher als die innerstädtischen Fußgängerzonen.

Dieser außerordentliche Wille zur Kunst

01.03.2013. Leider, leider kann die taz der FR nicht so richtig zur Übernahme durch die FAZ gratulieren. Gegenwartstexte müssen kryptisch sein, ruft Diedrich Diederichsen in der Jungle World. Welt und FAZ denken anlässlich des Streits über den Umzug der Berliner Gemäldegalerie über den Sinn von Kunstmuseen nach. Die SZ weiß, warum die Italiener Beppe Grillo wählten. Die Welt besucht die Tillmans-Retrospektive.