Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Der Kapitalismus hat so viele Gestalten

06.12.2008. Es ist Samstag. Den deutschen Feuilletons wird ganz feierlich, und sie lesen Geburtstagsmessen. John Milton wird 400. Elliott Carter wird 100. Alle gratulieren Noam Chomsky zum 80.. Und Jorge Semprun gibt zum 85. zwei Interviews in taz und Welt. Er spricht über die Krise und das Böse. In der NZZ erklärt Alexander Kluge, was ihn an Marx eigentlich interessiert.

Per Kabel ins Kino fließen

05.12.2008. Die NZZ twittert und bloggt iranisch. Die Welt geht ins digitale Kino und blickt Tierversuchsgegnern ins Hirn. Im Tagesspiegel warnt Wolfgang Schivelbusch vor der regressiven Sehnsucht nach dem Staat. In der taz rät Jane Birkin zu schmerzlosen Lifting-Techniken. Aber niemand toppt die journalistische Ethik des FAZ-Feuilletons.

Altmodische Korrespondenztheorie

04.12.2008. Soll ein Bekenntnis zur deutschen Sprache in die Verfassung aufgenommen werden? Unsinn, findet die SZ. Warum denn nicht, die anderen machen's doch auch, meint die Welt. In der Zeit regt sich Klaus Harpprecht über Peter Sloterdijks "Theorie der Nachkriegszeiten" auf: ein "Schwadroneur in Schwarz-Weiß-Rot".

Gleichsam natürliches Ziel

03.12.2008. Kiran Nagarkar, Autor von "Gottes kleiner Krieger", macht den westlichen Medien in der SZ den Vorwurf, sie hätten sich in der Berichterstattung über Mumbai nur für die weißen Opfer interessiert. Der Tagesspiegel untersucht das Bild des Terroristen im Bollywood-Kino. Und die Berliner Zeitung findet: Das Internet ist ganz schön wild. Gottseidank gibt es aber die Printpresse.

Nichtrealist zu sein

02.12.2008. In der Welt beschreibt der Asienexperte Hermann Kulke die konfliktuelle Komplizenschaft zwischen Islamisten und Hindunationalisten in Indien. Die SZ hat sich in ein Märchenschloss in Dubai zum deutsch-arabischen Kulturdialog einladen lassen. Außerdem erzählt sie die Geschichte der Juden in Indien. In der FR erklärt Herfried Münkler die Weltlage. Hinzu kommt die Lage in Ost-Sibirien.

Schokoladentorten

01.12.2008. Aravind Adiga schreibt in der FAZ über die Attentate von Bombay, die er als Angriff auf die Buntheit, Toleranz und Offenheit der Stadt sieht. In der Berliner Morgenpost erzählt der Berliner Galerist Andreas Osarek, wie er die Terrornacht im Taj Mahal erlebte.  Für die FR analysiert Hans Christoph Buch die Lage im Kongo. Und alle Feuilletons haben sich bei Elfriede Jelineks Spektakel über das Massaker von Rechnitz in München recht gut unterhalten.

Neupreußisches Bürschchen-Getue

29.11.2008. In der FR finden es die Schriftsteller Tariq Ali und Suketu Mehta recht bequem, wegen der Terroranschläge in Mumbai auf Pakistan zu zeigen. In Project Syndicate fragt Norman Manea mit Blick auf Milan Kundera, warum man sich für die Sünden einer Putzfrau, aber nicht für die eines großen Schriftstellers interessieren darf. In der Welt geht Arno Lustiger mit dem Antisemitismus der Uno-Konferenz von Durban ins Gericht. Stellen wir uns der trüben Wahrheit über Wirtschaftswissenschaftler, fordert Peter Sloterdijk in der NZZ. In der SZ sieht der Komponist Konrad Boehmer ein neues Biedermeier heraufziehen. Die FAZ will Bossanova. Und alle diskutieren über den Siegerentwurf für das Berliner Stadtschloss.

Und ohne deren Wissen denken

28.11.2008. Im Guardian erklärt Shashi Tharoor zu dem Terroranschlag in Mumbai: Dieser Horror ist nicht hausgemacht. Auch Entsetzen lässt sich recyclen, beweisen Faz.net und Welt online. Die NZZ fragt: Gibt es eine Alternative zu Google? Überall wird Roland Suso Richters Film "Mogadischu" über die Entführung der "Landshut" als Gegengift zu Bernd Eichingers RAF-Film empfohlen. Die taz feiert das" beste Musikmagazin der Welt", The Wire. Die FAZ erlebte Sonny Rollins als Demosthenes des Saxofons. Und, ja, Levi-Strauss ist jetzt wirklich hundert.

Intelligente Literaturvermittlung

27.11.2008. Die FR berichtet über das Stockholmer Treffen zwischen Salman Rushdie und Roberto Saviano. In der Welt spricht sich der Drummer von Polarkreis 18 für das Schleierhafte an der Musik seiner Band aus. Die SZ erklärt, warum die Berliner Volksbühne tot ist, aber als Untote weitermacht. In der taz singt Dmitri Muratow ein Loblied auf den Mut der Geschworenen im Politkowskaja-Prozess. In der Zeit rät Erwin Wurm: Bevorzugen Sie Robbenfellschuhe.

Okay, du kannst fliegen. Na und?

26.11.2008. Die NZZ meldet: So langsam trauen sich die Norweger wieder, Knut Hamsun zu verehren. Die Welt meint: Die Berliner Schlossattrappe ist die verdiente Strafe für das Versagen der Moderne in der Architektur. Und dann ist noch die Frage, was hinten reinkommt, meint der Tagesspiegel. In der FR erklärt die Opernsängerin Natalie Dessay, warum sie die tiefen Töne so viel schöner findet als die hohen. Die FAZ staunt über die Intelligenz des Oktopus. Außerdem: Gorbatschow rätselhaft verschwunden.