Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Maximale Partitur-Rendite

25.11.2008. Bei der taz ist nicht alles Goldt, was Essig und Gurk ist. Die FR bringt David Grossmans Dankesrede zum Erhalt des Geschwister-Scholl-Preises. Im Rahmen der FAZ-Berichterstattung über die Finanzkrise kommt es zur vierten apokalyptischen Vision Frank Schirrmachers. Die SZ haut unterdes mit jungen Dirigentenstars auf die Pauke.

Die Glyzerintränen des Poeta lacrimosus

24.11.2008. Mit der FR freuen wir uns über eine neue Art: Willkommen auf Erden, Rhagoletis pomonella. Die Achse des Guten fragt: Wir karikaturistenfeindlich ist das Zentrum für Antisemitismusforschung? In der taz bringt Gabriele Goettle neue Episoden aus dem Leben Dorothea Ridders. In der FAZ spricht Aravind Adiga über Indien und Deutschland. In der SZ erklärt Martin Mosebach, warum er das Libretto zu "Fidelio" bearbeitete.

Eines mit Teufeln drauf

22.11.2008. In Cargo durchlebt Ekkehard Knörer Rausch und Panik der Freiheit der Kritik im Netz. In der taz benennt Güner Balci das kommunikative Defizit zwischen Alt- und Neuneuköllnern. Die NZZ macht sich anhand von "Turm" und "Kinderhochzeit" Gedanken über den Stand der Erzählkunst. In der FAZ beschreibt Viktor Jerofejew, wie der Putinismus seinen Bürgern Loyalität abkauft, indem er ihnen Freiheit zur Gestaltung ihres Privatlebens einräumt.

Hausgemachte Schande

21.11.2008. In der taz wittert Adam Krzeminski niedere Motive hinter der Berichterstattung über Milan Kunderas möglichen Verrat an Miroslav Dvorecek. Der Freitag sieht das ganz anders. Die Welt zitiert Hayek gegen Marx. Die NZZ spricht futuristically mit den Rapperinnen von Yo Majesty. Die SZ kommentiert das Urteil des BGH zur Frage, ob man Kraftwerk sampeln darf.

(Winde, Wellen)

20.11.2008. Die Band Kraftwerk ist bis vor den BGH gegangen, um sich gegen die Übernahme von zwei Takten Musik zu wehren. Die taz fragt: Wem gehört der künstlerische Einfluss: der Band oder den Beeinflussten? Die Blogs spekulieren über massive Entlassungen bei Gruner und Jahr und bei Time. Die Welt hat Guido Knopp geguckt und findet: Die deutsche Geschichte ist wie Salzgebäck. Für die SZ hört Diedrich Diederichsen die mit Pomp und Circumstances exhumierten Guns'n'Roses.

Nichtkatholiken sind im Nachteil

19.11.2008. Die SZ zeichnet den polnischen Streit um ein Weltkriegsmuseum nach. Der FR gehen beim Altar von Merode die Augen auf. Die taz ächzt angesichts von "Palermo Shooting": "Möge Wim Wenders sein Seelenheil gefunden haben!" Die FAZ macht sich Sorgen über das zunehmend ausländerfeindliche Russland.

Geplärre im großen Maßstab

18.11.2008. Die taz bringt traurige Nachrichten vom Berliner Open Mike-Wettbewerb: Die Texte waren durchweg solide. Die Berliner Zeitung wundert sich über Medwedjew und sein elastisches Verständnis des Begriffs "Völkermord". Die FR erinnert an eine literaturhistorische Entscheidung zwischen Solschenizyn und Schalamow.

Das hängende Handgelenk

17.11.2008. In der Welt sagt Michail Chodorkowsky einen weltweiten Linksruck an. In der FR beklagt Niall Ferguson das Grausame am Wahlsieg Obamas. Für die SZ hat Stewart O'Nan einen kleinen Nachruf auf die amerikanische Industrie geschrieben.

Homo Faber, das bist du!

15.11.2008. Die NZZ duftet heute nach Tabak. Nicht Habgier ist der Motor des Kapitalismus, sondern Geiz, erklärt Wolfgang Sofsky in der Welt. Die taz liest eine wahnsinnig schräge Gebrauchsanweisung für Indien. Die FR taucht ab in die Büros von Manhattan. Die FAZ wandert durchs krisengeschüttelte New York. Die SZ begutachtet Parallelgesellschaften im akademischen Betrieb.

Auf Comics fixiert wie ein Entenküken

14.11.2008. In der FR erklärt der Booker-Preisträger Aravind Adiga, warum er höchstwahrscheinlich niemals nach Deutschland kommen wird. In der NZZ spricht Art Spiegelman über sein "Porträt des Künstlers als junger %@)*!" In der taz bekennt Campino seinen Konservativismus. Die Welt staunt über den Erfolg von "World of Warcraft". Die SZ staunt über die Türken, die sich mit einer Schlaftablette in Wallung bringen.