Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.01.2009. In der SZ beklagt Diedrich Diederichsen den Strukturwandel der Gegenöffentlichkeit durch das Internet. In der FR erklären ein palästinensischer und ein israelischer Autor, warum der jüngste Krieg im Gaza-Streifen gerecht beziehungsweise ungerecht ist. Die Welt macht sich Sorgen: 2009 scheint die annoncierte Krise nicht recht eintreten zu wollen, aber das historische Jahr 1989 sah ja auch keiner kommen.
31.12.2008. In der FR warnt Rolf Hochhuth: Wir sollen Russland nicht einfach auf Weisung der Amerikaner ein Drittel seines Territoriums (auch Ukraine genannt) wegnehmen! In der SZ schildert Stefan Weidner die Erfolge der Hamas vor der Bombardierung durch Israel. In der FAZ nehmen David Grossman und Fania Oz-Salzberger Stellung zum Gaza-Krieg. Die Zeit sondiert Poes poetologische Poesitionen. Und wir wünschen allen Perlentaucher-Lesern einen guten Rutsch!
30.12.2008. Die Welt sieht in der Krise eine Chance auf Poprevolte. In der Berliner Zeitung erklärt die erste Konzertmeisterin der Wiener Philharmoniker, Albena Danailova, wie sie dazu wurde. Für die FR besuchte Claudia Schmölders die europäische Internetbibliothek Europeana. Der taz stellt Natalie Zemon Davis Leo Africanus vor. Die französischen Blogs diskutieren über den linken und rechtsradikalen Stand up-Comedian Dieudonne, der einen Holocaustleugner vor 5.000 Zuschauern mit einem Preis für Frechheit auszeichnete.
29.12.2008. Zum Tode Samuel Huntingtons arbeiten sich die weihnachtsmüden Feuilletons nochmal an seinem Begriff des Clash of Civilisation ab: Er analysierte den identitären Diskurs und war selbst Teil davon, meint die taz. Das Religiöse ist nur die Verkleidung des Politischen, meint ausgerechnet die FAZ.
27.12.2008. Die FR stellt die amerikanische, offensiv multi-ethnisch muslimische "Taqwacore"-Bewegung vor. In der NZZ wendet sich Dubravka Ugresic mit Grausen von nackten Füßen auf einem Cafehaus-Tisch ab. In der Welt erinnert sich Fritz J. Raddatz an einen noblen Emporkömmling. Die Berliner Zeitung freut sich, dass die New York Times den echten Stauffenberg heute etwas komplexer sieht als 1944. In der FAZ stellt Daniel Kehlmann seinen neuen Roman vor.
24.12.2008. In der FR trinkt Cees Nooteboom einen Glühwein auf die Krise. Die Welt sieht Heinrich Breloer als Spielverderber, der die die "Buddenbrooks" aller Buffo-Elemente beraubt. In der SZ spricht sich Adolf Muschg gegen eine Verankerung der deutschen Sprache in der Verfassung aus. In der taz meint Paul Scheffer: Multikulti ist schwieriger als man denkt. Ach ja, und Frohes Fest!
23.12.2008. Die SZ will keinen Intendanten von der Fraktion Fettlebe, auch nicht Jürgen Flimm, auch nicht an der Berliner Staatsoper. Die FR hat herausgefunden: Jesus ist auch ein Perser. Die Welt fragt nach Josef. Die FAZ hat die Schnauze voll von der Bahn. In der Zeit verteidigt Michael Krüger den Autor Milan Kundera.
22.12.2008. Bitter registriert Zafer Senocak in der Welt die Kälte, mit der die Türken auf die Petition einiger Intellektueller zum Völkermord an den Armeniern reagieren. Im Tygodnik Powszechny konstatiert Stefan Chwin: Walesa ist der Preis dafür, dass die Polen keinen Havel haben. Kurz vor Schluss noch ein großes Theaterereignis: Jürgen Goschs Berliner Inszenierung der "Möwe" wird in allen Zeitungen groß und meist begeistert besprochen.
20.12.2008. In der FAZ meint Richard Ford: Egal ob Obama Erfolg hat oder nicht: die Rassisten werden es ihm nicht verzeihen. Die NZZ bringt eine vertrackte Statistik zur Tugend des Schlankseins in Japan. Im Spiegel spricht Christoph Schlingensief über seine Krankheit. In der Welt erklärt der Rechtsanwalt und Publizist Klaus Faber, warum er den Begriff der "Islamophobie" absurd findet. Heinrich Breloers "Buddenbrooks"-Verfilmung findet wenig Anklang.
19.12.2008. Die taz besucht das Rommel-Museum und schreitet über die Rommel-Brücke und wohnt im Rommel-Hotel in Marsa Matruh in Ägypten. In der NZZ erklärt der Musikjournalist Nik Cohn seinen zwangsläufigen Weg zum Gangsta-Rap. In der SZ übt Nadine Gordimer scharfe Kritik am künftigen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma. Und die FAZ konstatiert: China diskutiert nicht über die Charta 2008, China verhört.