Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Krimsekt und Tee

14.01.2009. In der NZZ klagt der palästinensische Lyriker Salman Masalha: "Ein grundlegendes Problem arabisch-islamischer Gesellschaften ist die fehlende Tradition der Gewissensprüfung." Die Welt online bringt Durs Grünbeins spöttisches Abschiedslied auf den Palast der Republik. Die FAZ liest die Erinnerungen Dominique Fernandez' an seinen Vater, den Kollaborateur Ramon. Alle Zeitungen (inklusive der Berliner) begrüßen die Übernahme des Berliner Verlags durch DuMont Schauberg.

Koninklijk

13.01.2009. Die Welt hat nachgerechnet: Den internationalen Museen gehen durch die Lehman-Pleite 39 Millionen Dollar im Jahr verloren. Und Gawker lästert: Yves Saint Laurents Kunstsammlung wurde neulich auf 780 Millionen Dollar geschätzt - und jetzt nur noch auf 380 Millionen. In der FAZ schickt Amir Hassan Cheheltan Neuigkeiten aus dem gläubigen Iran.

Komplex, emotional und verständlich

12.01.2009. In der taz entschuldigt sich der türkische Publizist Sahin Alpay bei den Armeniern, auch wenn sie seinerzeit mit westlichen Kräften im Bündnis standen. Im Guardian fordert die Altermondialistin Naomi Klein: Kauft nicht bei Israelis! In der FAZ fordert Aravind Adiga westliche Unterstützung für Indien gegen den von Pakistan zugelassenen Terrorismus. In der SZ plädiert die Philosphin Martha Nussbaum für eine multikulturelle Gesellschaft.

Schwatzschwatz, meistens ernst, selten witzig

10.01.2009. In der SZ erinnert sich Sibylle Lewitscharoff an ihre Zeit bei der Gruppe Spartacus Bolschewiki-Leninisten. Die NZZ hat in Detroit in die vielen Gesichter des Nichts gesehen. In der taz beklagt der Schriftsteller Nir Baram das Versagen der Linken in Israel. Und die FAZ erkennt in der chinesischen Markenpiraterie die Intelligenz des Volkes. In Poynter rechnet Rick Edmonds vor, warum die New York Times im Mai bestimmt nicht pleite ist.

Das Scheitern der Patrone

09.01.2009. "Horror! Horror!" ruft Abdelwahab Meddeb mit Blick auf den Gazakrieg in der FR - und er spart nicht mit Kritik an beiden Seiten. In der Jungle World fragt Cord Riechelmann nach Parallelen zwischen dem Darwinismus und der Ideologie des Laissez-faire-Kapitalismus. Amerikanische Blogs entwerfen Szenarien für die Zeit nach der Pleite der New York Times. Auch die NZZ diskutiert über die Zukunft des Journalismus. In der SZ schreibt Burkhard Spinnen über den Freitod des Milliardärs Adolf Merckle.

Immer nur Abendessen für drei Leute

08.01.2009. In der NZZ erklärt Dan Diner, warum sich der Clinch zwischen Israel und den Palästinensern auch diesmal nicht lösen lässt. In der Zeit erklärt Francis Fukuyama, warum er trotz allem an die Macht Amerikas glaubt. In der taz erzählt Christian Petzold, warum er die Schauspieler in Autoszenen wirklich fahren lässt. Die SZ porträtiert den britischen Autor Matt Beynon Rees, der versucht, die Lage im Gaza-Streifen in seinen Krimis widerzuspiegeln.

Humility is endless

07.01.2009. In der SZ erklärt Regisseur Christian Petzold den Unterschied zwischen Filmen aus Berlin und Filmen aus München. Im Tagesspiegel erklärt Daniel Barenboim über seine Arbeit mit dem West-Eastern Divan Orchestra: Wir spielen weiter. Die Welt bringt eine Reportage über den Unternehmer Adolf Merckle, der sich vor einen Zug geworfen hat. Alle sind traurig: Unser Wedgwood ist zerbrochen. Und in der SZ schreibt Durs Grünbein zum Tod von Inger Christensen.

Federleichte Kosmologie

06.01.2009. Rhythmisch organisiert, beginnen die Wörter zu sprechen: Alle Zeitungen trauern um Inger Christensen. Die FAZ liest mit Begeisterung die Garcia-Marquez-Biografie des britischen Autors Gerald Martin. Im Perlentaucher schreibt Kenan Malik: 20 Jahre danach hat die Linke die Fatwa längst verinnerlicht.

Nur noch vierzig Kilometer

05.01.2009. In der FR protestieren zwei israelische Autoren, Gideon Levy und Yossi Sarid, gegen die Besetzung des Gaza-Streifens. Die FAZ schildert die Zusammenarbeit zwischen Iran, Hamas und Hisbollah. Im Tagesspiegel spricht Christian Petzold über die Sehnsuchtsorte von Brandenburg.

Morgen, Jungs. Wie ist das Wasser?

03.01.2009. In der Berliner Zeitung läuft Dimiter Gotscheff mit Heiner Müller gegen einen Baum. In Spiegel online nimmt Harald Welzer die Zukunft in Schutz vor heutigen Krisenbewältigern. Die FR begibt sich in den Morast der Schlacht im Teutoburger Wald. Barack Obama ist alles, nur keine unbefleckte politische Jungfrau, meint Leon de Winter in der Welt. In der NZZ erzählt Olga Martynova von den Veränderungen in St. Petersburg. Die taz steht heute auf Rumms. Die SZ würdigt Johannes Mario Simmel.