Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.10.2013. In der FAZ fragt Ilija Trojanow, warum er nicht in die USA einreisen darf. Keine Antwort. Die NZZ hat das attraktivste Stadtmuseum Europas entdeckt. Es steht in Barcelona. Bei den Netzpiloten erklärt Gerard Ryle vom Recherchenetzwerk ICIJ, warum Journalismus international wird. Im Atlantic erklärt Jonathan Franzen, warum er das Internet nicht mag, und was Karl Kraus damit zu tun hat. Wie lernt man Demokratie als Erwachsener, fragt Inga Pylypchuk in der Welt. Die SZ klammert sich an Deleuzes Luftwurzeln, da sie sonst die Gravity verliert. Die Zeit feiert Yasmine Hamdan und mit ihr Asmahan und wir mit ihr und ihr und ihr.
01.10.2013. Edward Snowden fordert in einem Statement, das im EU-Parlament verlesen wurde, dass die Bürger selbst über ihren Datenschutz entscheiden. Die Welt versucht herauszufinden, was Jonathan Franzen mit Karl Kraus macht. In der taz konstatiert Ilija Trojanow: Niemand liest in Brasilien. In der FAZ verschafft Sascha Lobo Botho Strauß intellektuellen Zugang zum Netz. SZ und FAZ feiern Edgar Reitz. Zeit.de debattiert über Big Data. Das New York Times Magazine bringt einen Vorabdruck aus Dave Eggers' neuem Roman "The Circle", in dem es um Überwachung in Unternehmen geht.
30.09.2013. Wer sich mit Buzzfeed befasst, stellt sich plötzlich ganz neue Fragen über die Zukunft des Journalismus, meint Karsten Lohmeyer auf lousypennies. Der Blogger thorstena analysiert die Wahlniederlage der "Netzgemeinde". Die amerikanischen Blogger reiben sich nach dem endgültigen Ende von "Breaking Bad" die Augen. Die NYTimes bringt neue NSA-Enthüllungen. In der NZZ erzählt Lizzie Doron, wo man außer neurotisch auch noch paranoid werden kann. In der taz ehrt Tahar Ben Jelloun den ghanaischen Autor Kofi Awoonor, der bei dem Terroranschlag in Nairobi ums Leben kam. Die FAZ feiert eine Berliner Ausstellung über Warlam Schalamow.
28.09.2013. Im Guardian erklärt die Reporterlegende Seymour Hersh, was wir Edward Snowden zu verdanken haben. In der Welt verrät Lech Walesa, was er von Politikern hält: "Das sind alles Langweiler." Außerdem schreibt der brasilianische Schriftsteller Paulo Scott über die Missstände in seinem Land. Die NZZ Diderot und Verdi. Die FAZ taumelt trunken vor Glück durch das Metropolitan Museum in New York. Und Die SZ sucht im deutschen Fernsehen die Gegenwart, findet aber nur eine regionale Wasserleiche.
27.09.2013. "Handwerk. Doubletake. Pause": Im Tagesspiegel erinnert sich Bruno Ganz an seinen Freund, den Schauspieler, Komiker und neugierigen Melancholiker Otto Sander. Die SZ berichtet vom hartnäckigen Kampf des Regisseurs Mohammad Rasoulof, dem iranischen Regime ein Minimum an Zivilität abzuringen. In einer Spezial-taz berichtet Exil-Autoren vom Leben im Krokodilpark. Die NZZ erkundet die Spiritualität der abstrakten Malerei. Die FAZ erlebt bei der Istanbuler Biennale die Alchemie einer Stadt.
26.09.2013. In der FAZ will Frank Schirrmacher die SPD wachrütteln, die die kommende industrielle Revolution zu verschlafen droht. In der NZZ beobachtet Otto Kallscheuer, wie sich Papst Franziskus von der Dogmatik zur Pragmatik wendet. Die Welt erschauert vor den einstigen Planungsfantasien deutscher Architekten. In der SZ fragt der vom Verfassungsschutz unerlaubt observierte Journalist Ronny Blaschke, warum er sich jetzt eigentlich rechtfertigen muss. Die Zeit zeigt am Beispiel Brasiliens, was eine Regierung gegen die flächendeckende NSA-Überwachung tun kann.
25.09.2013. Die Welt veröffentlicht den offenen Brief von Pussy-Riot-Mitglied Nadeschda Tolokonnikowa über die Zustände in ihrem mordwinischen Straflager. Die Pianistin Kimiko Ishizaka möchte Johann Sebastian Bach aus den Fängen des Urheberrechts befreien, meldet MuseScore. Der Jurist Christoph Möllers verspricht sich in der SZ von einer Minderheitenregierung eine neue Debattenkultur. Die taz attestiert der linken Politik intellektuelle Hasenfüßigkeit. Und Gerhart Baum geißelt in der FAZ den Gleichmut, mit dem Bürger und Politik auf den Überwachungsskandal reagieren. Auch Sascha Lobo kann's kaum fassen.
24.09.2013. Die NZZ berichtet über die aufkommende syrische Untergrundpresse. In der Welt macht der israelische Schriftsteller Eli Amir keine großen Hoffnungen auf einen baldigen Frieden mit den Palästinensern. Auch wenn die FDP daran gescheitert ist, findet die taz die Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr zeitgemäß. Gudrun Krämer erläutert in der FR die Vorbehalte der islamischen Welt gegen den Säkularismus. In der FAZ spricht Christopher Clark über den Alptraum, der ins 20. Jahrhundert führt.
23.09.2013. In der NZZ fürchtet sich Javier Marías vor der Rache der spanischen Regierung an den Kulturschaffenden. Die FAZ vergewissert sich beim Filmfestival in Toronto der Wirkmächtigkeit des Films. Dem Chaos Computer Club genügt das Foto eines Fingerabdrucks zum Knacken des neuen iPhones. Die Welt gedenkt Theodor Wolffs und seiner opportunistischen Kollegen. Und die taz fühlt sich mit dem gestrigen Wahlergebnis endgültig in der Demokratie light angekommen.
21.09.2013. Im Wahlkampf offenbart sich unser Versagen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, diagnostiziert die FAZ. Den Chilenen haben für solche Fälle die Literatur, berichtet der Schriftsteller Antonio Skármeta der NZZ. Die SZ bejubelt die Rückkehr von James Salter unter die Romanautoren. In den falschen Händen könnte die Überwachungstechnologie der NSA großen Schaden anrichten, befürchtet Friedrich Schorlemmer ebenda. Agnes Szabó bittet in der taz, Europa möge seinen verlorenen Sohn Ungarn umgarnen.