Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
15.10.2013. In Creativetimereports.com klagt David Byrne: New York ist stinklangweilig geworden. Die taz begleitet den 1. FC Lampedusa zum 1. FC Sankt Pauli. Rue89 macht sich Sorgen über französische Schlachthöfe, die immer öfter nach religiösen Vorschriften ohne Betäubung schlachten und mit diesem Fleisch auch normale Supermärkte beliefern. Glenn Greenwald rauft sich im Guardian die Haare über einen Kollegen vom Independent. In der FAZ schildert Mohsin Hamid die Dynamik des Sicherheitsstaats. Und viel Harmonie zu Scharouns Philharmonie!
14.10.2013. Swetlana Alexijewitsch erzählt auch in ihrer Friedenspreisrede Geschichten, zum Beispiel die von der schönen Tante Olja. Interessante Copyright-Probleme stellen sich bei den Hardcore-Sexszenen in Lars von Triers neuem Film, erläutert die Welt. Die NZZ ist zufrieden mit dem Brasilien-Schwerpunkt der Buchmesse. In der SZ erklärt Filmproduzent Fred Breinersdorfer, warum er sich seine Internetrechte vom Staat abnehmen lassen will. Die New York Times heißt jetzt auch international so. Und Google will mit dir werben.
12.10.2013. Evgeny Morozov sieht uns in der FAZ auf dem Weg in die dystopische Zukunft des präemptiven Regierens. In der Welt verneigt sich Sonja Margolina vor Swetlana Alexijewitsch, die morgen den Friedenspreis erhält. Die NZZ stellt mit Sigismund Krshishanowski einen unbekannten russischen Autor vom Rang Vladimir Nabokovs vor. Die Golfstaaten wollen Immigranten künftig maximalinvasiven Untersuchungen auf Homosexualität unterziehen, meldet Spon. Und die SZ berichtet von Attacken auf Luiz Ruffatos Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse.
11.10.2013. Alle Zeitungen freuen sich über den Literaturnobelpreis für Alice Munro. Es war ein weiter Weg für die Autorin, der Anfang der Sechziger noch vorgeworfen wurde, nicht attraktiv genug zu sein, erzählt Margaret Atwood im Guardian. Die NZZ war dabei, als Japans höchste Gottheit Amaterasu Omikami ihren neuen Schrein bezog. Die Welt erstarrt vor dem späten Braque im Pariser Grand Palais. In der FAZ erklärt Roberto Saviano, warum er sein Buch "Gomorrah" heute nicht mehr schreiben würde.
10.10.2013. Die NZZ schildert die gefährliche Lage syrischer Christen. Der Tagesspiegel untersucht das Phänomen Crowdfunding auf dem Buchmarkt. In der Welt verzweifelt der ägyptische Journalist Hani Shukrallah an seinen Kollegen. In der SZ erklärt Ladar Levison, warum er seinen Emaildienst lieber eingestellt als dem FBI offengelegt hat. In der Zeit feiert Obama-Berater Harper Reed Big Data. Eva Menasse kann dagegen nicht fassen, wie gleichgültig die Deutschen auf die Überwachung reagieren.
09.10.2013. Die taz fordert: Mehr Anerkennung für die lateinamerikanische Kunst. Der Reporter Gay Talese erklärt im Nieman Storyboard, wie er seine berühmte Reportage "Frank Sinatra has a cold" schrieb. Die NZZ klagt Google, GPS und Twitter an: Wir können uns nicht mehr verirren. FAZ, SZ und alle anderen Zeitungen trauern um Patrice Chéreau.
08.10.2013. Die
taz begibt sich auf einen historischen Strandlauf an der
Copacabana: Hier entstand das
Anthropophagische Manifest. Die
Welt fragt:
Techcrunch meldet:
Amazon baut die Wolke für die
CIA und
NSA.
Netzpolitik lauscht dem
Schweigen der Bundesregierung zu den Fragen der Grünen betreffs Geheimdienste. Und auch der
BND hört fleißig mit, wahrscheinlich rechtswidrig, so der Anwalt Thomas Stadler. Der
Tagesspiegel ist überzeugt: Die Buchpreisentscheidung für
Terézia Mora ist der stärkste, bestmögliche Kompromiss. Die
SZ und
FAZ staunen weiter über
Jonathan Franzens Liebe zu
Karl Kraus. Zu spät für die deutschen Zeitungen kam die Meldung vom Tod
Patrice Chéreaus.
07.10.2013. Die NZZ besteht auf dem Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Der Blogger Frank Zimmer will die Aufregung um die kostenlosen Gastbeiträge der Huffington Post (die in der FAS von Stefan Niggemeier angeprangert werden) nicht teilen. Der Naturwissenschaftler Neil deGrasse Tyson staunt auf Twitter über einige Naturwunder in dem Film "Gravity". Die FAZ fürchtet: Italien ist auch ohne Berlusconi marode. Der SZ graut vor einem Lampenfieber-Detektor, der Terroristen aufspüren soll. Und: die Tonschönheit, Phrasierungskunst, Charakterisierungslust Kim Kashkashians.
05.10.2013. In der NZZ beschreibt der Schriftsteller Luiz Ruffato die institutionalisierte Barbarei in Brasilien. Die FR würdigt Diderot als Netizen im Geiste. Die taz fragt, wer eigentlich die antirassistischen Sprachregeln festlegt. In der SZ klagt Christopher Schmidt den deutschen Literaturbetrieb an: Er sei eine Konformismusmaschine. FAZ und NZZ haben heute ihre Buchmessenbeilage in der Zeitung, beide machen mit nicht-literarischen Titeln auf.
04.10.2013. In der FAZ freut sich Constanze Kurz: Drei britische Organisationen klagen vor dem Europäschen Gerichtshof gegen Tempora. John Lanchester fordert im Guardian eine Digital Bill of Rights. Jonathan Franzen ist dem FAZ-Redakteur Dietmar Dath nicht kommunistisch genug, weil er das Netz zwar verdammt, aber nicht mit Haut und Haar. taz und SZ interpretieren die allerneueste Suhrkamp-Gerichtsentscheidung als Sieg für Ulla Unseld-Berkéwicz. Eine in Cision präsentierte Umfrage zeigt: Deutschlands Journalisten können Facebook und Twitter nicht. Die NZZ steht vor Munch und kann nur staunen.