Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ich verzichte auf Brot

13.11.2008. Verrat oder Tragödie? In der FR versucht György Dalos eine Rekonstruktion der Ereignisse in Prag 1950, die zur Inhaftierung Mirolsav Dvoraceks führten. In salon.eu.sk antwortet Martin Simecka auf die elf Großautoren, die Kundera verteidigten. In der Zeit brandmarkt Alena Wagnerova die Medienhinrichtung Kunderas (wie wir leider zu spät bemerkt haben). Online fordert Milena Oda: Kundera soll sprechen. In der Printausgabe In der taz kritisiert Alain Badiou den Kapitalismus. Die FAZ hat schon die Antwort auf die Krise: Meidet Mangos!

Cayenne, Dreyfus, Chauvinismus

12.11.2008. Nun stellt sich heraus: Marx' "Kapital" ist ein Kunstwerk, zumindest in der Verfilmung von Alexander Kluge, finden SZ und taz. Die Welt findet, dass die Nobelpreisträger durch ihren "Blankoscheck" für Kundera eine Debatte über den Stalinismus in Osteuropa verhindern. In der FAZ zeigt sich Jürgen Dollase entsetzt über Ferran Adria, der meint, dass er für dasselbe Geld auch keine besseren Hamburger machen kann als McDonald's.

Revival der Hausfrau?

11.11.2008. In der taz freut sich Kishore Mahbubani auf ein Ende der Dominanz des Westens. In der Welt macht Jeffrey Eugenides einen Übersetzungsvorschlag für das Wort "post-racial". Respekt weist nach, dass Milan Kundera entgegen seiner Behauptung die meisten Protagonisten der Verratsaffäre aus dem Jahr 1950 kannte. In der SZ warnt Richard Sennett vor der Herablassung der Soziologen. Die FAZ bringt die Antwort der Mode auf die Krise: Plateausohlen.

Total gemorphte Person

10.11.2008. Respekt antwortet den Literaturnobelpreisträgern, die Milan Kundera zur Seite eilten: Und was ist mit der historischen Wahrheit?  Die Welt resümiert Forschungen der Filmwissenschaft: Die meisten Dokumentaraufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg sind keine. Außerdem fordert Adam Krzeminski einen deutsch-polnischen Gedenktag. In der NZZ erklärt Manthia Diawara, wie Afrika aus zwei halben ein ganzes Kino machen sollte. Die FR hat aus Mario Vargas-Llosas Freiheitsrede Einsichten über die Finanzkrise gewonnen.

Das Wienerische, Vorstadtordinäre daran

08.11.2008. Vor neunzig Jahren war Revolution. Heinrich August Winkler würdigt in der Welt die Sozialdemokraten, die unter schwierigsten Bedingungen versuchten, eine Demokratie aufzubauen. Hans-Ulrich Wehler tut das gleiche im Tagesspiegel. Obama macht keine Revolution, aber er ist eine, meint der amerikanische Autor David Alarcon in der taz. Er ist keine, und er macht auch keine , meint dagegen der konservative schwarze Publizist Shelby Steele in der Welt.

Zentrale Gründe der Abwärtsbewegung

07.11.2008. In der Welt feiern Gäste der American Academy das nunmehr angebrochene postrassistische Zeitalter. Die NZZ befürchtet in den nächsten zwei Jahren ein Gemetzel unter den westlichen Medien. In der SZ schimpft Robert Menasse, wie das eben so Sitte ist in Österreich, auf Österreich. Le Monde hat in Prag mit Protagonisten der Kundera-Affäre gesprochen.

Jetzt bloß keine negro spirituals singen

06.11.2008. Wir verlinken dank Berliner Zeitung auf die ersten HipHop-Songs zum welthistorischen Ereignis, auf das in der FR außerdem eine Reihe bekannter Schriftsteller von Ariel Dorfman bis Tariq Ali reagiert. Der taz wird schon ungemütlich: Sie verabschiedet den Hedonismus. In der Zeit stellt Jürgen Habermas die neoliberale Agenda nun endgültig zur Disposition.

Our climb will be steep

05.11.2008. Yes, he could. Wir verlinken auf seine Rede. Das alte Europa beschäftigt sich indes noch mit der übrigen Aktualität. In der FR leiht sich Ulrich Beck einen Begriff von Josef Ackermann. Die Welt besucht Luhmanns Bielefeld. Die Kundera-Affäre ist den meisten Feuilletons trotz der kollektiven Nobelpreisträgersolidarisierung zumeist kein Wort wert. Nur der Tagesspiegel fordert die objektive Wahrheit. Und in Deutschlandradio hält Jiri Grusa das Polizeidokument für echt - und er glaubt Kundera doch.

Nur Gebetsbücher mit Litaneien

04.11.2008. Elf weltbekannte Autoren, darunter J.M. Coetzee, Salman Rushdie, Jorge Semprun, Gabriel Garcia Marquez bekennen in Le Monde ihre Solidarität mit Milan Kundera. Auch Richard Wagner kommentiert die Kundera-Affäre in der Achse des Guten: "Besser wäre es, er würde reden." In der FAZ kritisiert die chinesische Dissidentin Qinglian He den chinesischen Onlinedienst der Deutschen Welle. In der Welt erinnert Wolf Lepenies an den amerikanischen Publizisten Randolph Bourne.

Vorkommnisse gab es heuer keine

03.11.2008. "Ritter Dene Voss" am Deutschen Theater haben's auch nicht rausgerissen. Die Welt ist enttäuscht über den Beginn der Theatersaison in Berlin. In der Welt Online erklärt Bettina Röhl die Politik der Haarfarben in Bernd Eichingers RAF-Film. Die Berliner Zeitung analysiert Barack Obamas Wahlkampf als ein perfektes Beispiel für modernes Branding. Im Guardian schreibt Don de Lillo über seine Liebe zum Kino.