Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.04.2009. In der NZZ erzählt die russische Lyrikerin Olga Martynova, wie der KGB die orthodoxe Kirche neu erfand. Das Blog Carta zitiert den britischen Medienwissenschaftler Richard Collins, der eine Neuverteilung öffentlich-rechtlicher Gelder vorschlägt - auch zugunsten von Zeitungen und Internetredaktionen. Im Tagesspiegel erinnert sich Elliott Carter an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die SZ hat kein Mitleid mit der Musikindustrie.
18.04.2009. In der FAZ rechnet Erich Loest mit der Leipziger Kulturpolitik und ihrer DDR-Verklärung ab. In der NZZ legt George Steiner Milliarden von Kilometern Entfernung zwischen sich und das Werk. In der FR sieht Roberto Saviano die Mafia schon beim fröhlichen Wiederaufbau der vom Erdbeben verwüsteten Gebiete in den Abruzzen. Abgezockt von Elfriede Jelinek fühlt sich die Welt. Und es gibt erste Reaktionen auf die Internetsperren durch deutsche Provider und die Verurteilung der Betreiber von Pirate Bay: Die FAZ jubelt, die SZ wird sehr nachdenklich. Die Blogs fragen, was das Urteil für Google bedeutet.
17.04.2009. In der Welt setzt sich Walter Laqueur mit Ernst Noltes Buch über den Islamismus auseinander, das allerdings mehr von den Juden als von den Muslimen zu handeln scheint. Slate plädiert für das Prinzip Perlentaucher. Im Tagesspiegel erklärt Volker Grassmuck die Idee einer Kulturflatrate. Und überall pfeifen ergraute Ex-KollegInnen 30-jährigen hinterher.
16.04.2009. In der FAZ sehen Peter Nadas und Peter Esterhazy schwarz für Ungarn. Amerikanische Blogs sind fasziniert von deutscher Kondomwerbung. Jungle World fragt sich, was die UNO unter "Diffamierung von Religionen" versteht. In der Zeit erinnert Alice Schwarzer an eine wenig reflektierte Tatsache aus Winnenden: Elf von zwölf Opfern waren weiblich. Welt und SZ besuchen den Bonner Kanzlerbungalow: Ein flaches Gebäude, das tief blicken lässt.
15.04.2009. Die taz kritisiert die DDR: Das war Liebesterror. Die Welt zeigt am Beispiel des Berliner Schlosses: Nun wird auch noch die Zivilgesellschaft verstaatlicht. Die SZ fragt: Wie ernst ist den Türken die Versöhnung mit den Kurden? Die Berliner Zeitung macht sich Sorgen um den Wissenschaftsjournalismus, die FAZ um einen ganz normalen Banker.
14.04.2009. In der SZ erklärt Per Olov Enquist sein Engagement gegen das illegale Herunterladen von Hörbüchern. Die FAZ besuchte die Ausgrabungen des Kölner Stadtarchivs und kommt mit deprimierenden Meldungen nach Haus. Die NZZ ist sehr erfreut über den Pritzker-Preis für Peter Zumthor. Alle haben Robert Wilsons Dramatisierung der Shakespeare-Sonette am BE gesehen, die "Shakespeares queere Seite"" zum Vorschein brachte.
11.04.2009. In der Welt erklärt der Ökologe Hansjörg Küster, warum er den Begriff des "Naturschutzes" verabscheut. In der NZZ besorgt sich David Albahari den Grundstock für das Museum einer Liebe. Die SZ besucht das landschaftlich und geopolitisch attraktive Kirgistan.
09.04.2009. Die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Leben findet höfliche Aufnahme. Die taz zürnt dem Zorn. Nachtkritik und SZ schreiben Kritiken der Hauptversammlung von Daimler. Die Zeit erklärt Open Access. Die Blogs bringen Eric Schmidts Rede an die Zeitungen: Google ist die einzige Lösung. Die Zeitungen sehen das laut FTD aber ganz anders.
08.04.2009. Der Kapitalismus geht unter - und kein Mucks von links, nörgelt die FAZ. "Kapital" lesen bringt's jedenfalls nicht, meint Mathias Greffrath in der Berliner Zeitung, es kömmt darauf an, die Erde bewohnbar zu machen. In der FR versuchen unterdes drei Star-Ökonomen eine Billiarde in neuen Derivaten unter Kontrolle zu bringen. In der SZ erklärt Ai Weiwei, warum er nach den Kindern aus den Tofu-Schulen sucht. In der NZZ bewältigen Deutsche und Schweizer 4000 Meter Empörung.
07.04.2009. In der FR meint der Literaturwissenschaftler Uwe Jochum: Der Zwang zu Open Access verstößt gegen die Verfassung. In der Welt schreibt der Soziologe Gerhard Schulze: Gier hilft nicht weiter, auch nicht als Begriff. Die SZ staunt: Wie fragil der Begriff des Originals geworden ist! Und in Daily Beast erklärt Rupert Everett, warum der Vanity Fair- Chef so kompetent wirkt.