Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Glück der Heuschrecken

06.02.2009. Viel Lob für Tom Tykwers Berlinale-Eröffnungsfilm "The International": Die Welt freut sich, dass Berlin darin so jung und frisch aussieht. Die FR freut sich über den bei aller Spannung doch reflektierten Ton. Der FAZ macht er Lust auf Kino. Die SZ erfüllt er mit größter Vorfreude auf das nächste Werk Tykwers. Nur die taz wünscht sich, der Held liefe nicht herum wie ausgespuckt. Die NZZ erliegt nicht Tykwer, sonder dem liebevollen Charme Peter Zadeks.

Mal eben so darüber hinwegsetzen

05.02.2009. Der neue Freitag ist da und er will so links sein wie die FAZ rechts ist. Cargo ist auch da, ein neues Intelligenzblatt für Kinogeher. In der Welt klagen die Filmemacher von "Deutschland 09" über einen Mangel an echten Feindbildern. Die taz fürchtet, dass durch einen Zuzug des Suhrkamp Verlags nach Berlin die Mieten in Kreuzberg steigen könnten. FR und SZ freuen sich sehr über die Klage des Rowohlt Verlags gegen den Spiegel, der den neuen Kehlmann vor Ablauf der Sperrfrist besprach.

Die immergleiche böse Linie

04.02.2009. In der FR sieht der Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer in der Geste des Papstes gegenüber den Lefebvristen eine Tendenz: "Als ob wir nicht alle Auschwitz mental so allmählich verrotten lassen." Der Tagesspiegel möchte sehr gern, dass Suhrkamp nach Berlin kommt. Die FAZ fragt: Wie reagieren deutsche Bibliotheken auf den Digitalisierungsangriff durch Google? Die SZ kann nach der Lektüre des neuen Philip Roth keine Entwarnung bezüglich Amerikas geben. Die Blogosphäre ist aufgeregt: Die Bahn will Netzpolitik.org wegen Veröffentlichung eines Dokuments juristisch belangen.

Es ist schrecklich zu leben

03.02.2009. Die Achse des Guten, die FAZ, die SZ fragen: Was um Himmels willen ist in den Papst gefahren? Der Heilige Geist kann es ja nicht gewesen sein. Vielleicht ein Hungry Ghost? In der Welt meint Michael Cimino: es gibt zur Zeit fantastische Filme aus Serbien, Brasilien oder Korea, aber nicht aus Hollywood. In der FR spricht der irakische Autor Najem Wali über das multikulturelle Israel. In der FAZ wirft Necla Kelek den türkischstämmigen Politikern in Deutschland vor, ihre Klientel als Opfer zu stilisieren.

Was für Augen, was für Hände!

02.02.2009. In der Medienlese lässt ein anonymer Journalist seinem Zorn über die Festangestellten freien Lauf. Die NZZ begutachtet das Potenzial der Star lit. In der Welt lehnt Dieter Kosslick jegliche Besitzstandswahrung auf der Berlinale ab.

Wiederentdeckt, reanimiert, musealisiert

31.01.2009. Der Islam war im Iran nie so verpönt wie heute, erklärt der deutsch-iranische Schriftsteller Said in der FR. Im Guardian sieht Ian McEwan das Ende des Goldenen Zeitalters der amerikanischen Literatur gekommen. In der taz fürchtet der Journalist Kadri Gürsel eine geistige Abkopplung der Türkei vom Westen. Die Welt bilanziert das vergangene Krimijahr. FAZ und NZZ begehen den 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Ein Arbeitsloser mit dem Namen Park Dae Seung

30.01.2009. Gegen einen Artikel von Richard J. Evans attestiert Karl-Heinz Bohrer in der SZ den Hitler-Attentätern eine "Höhe des sittlichen, charakterlichen und kulturellen Formats", die heutigen Politikern abgehe. Die FR bringt eine bisher unveröffentlichte Erzählung Mark Twains, in der dieser ein Gesetz über das Funktionieren von Öffentlichkeit formuliert. Die Welt beschreibt die wachsende Macht privater Opernagenturen. Die NZZ weiß, wer Minerva ist.

Unendlich unbefriedigendes Leben

29.01.2009. Haut doch endlich ab!, ruft eine der wenigen verbleibenden Kulturinstitutionen Frankfurts der anderen zu (nämlich das Feuilleton der FR dem Hause Suhrkamp). Außerdem in der FR: Burkhard Spinnen über John Updike. Die Zeit staunt: Barack Obama hat es so weit gebracht, dass die Grünen der CDU Antiamerikanismus vorwerfen. Crooked Timber diskutiert über den Science-Fiction-Autor Charles Stross, und zwar mit Paul Krugman und anderen Koryphäen.

So viel so gut

28.01.2009. In Open Democracy und der Nowaja Gazeta sieht Juri Afanasjew das Ende Russlands. Die NZZ erzählt, wie Fred Vargas einen fatalen Fehler machte und durch ein Telefonat ihren wegen Mordes in Italien gesuchten Freund Cesare Battisti fast ausliefern half. Die SZ beklagt die Automusealisierung der deutschen Autoindustrie. Die Welt findet, dass das Englische als Wissenschaftsprache auch Vorteile hat. Alle schreiben zum Tod von John Updike.

Manipulierte Depeschen

27.01.2009. Die NZZ liest neue japanische Romane von "extremer Frustration und Traurigkeit". Nicht Wilhelm II. war der eigentliche Kriegstreiber, sondern Moltke, sagt Wilhelms Biograf John C. G. Röhl in der Welt. Die taz empfiehlt die Palästina-Thriller des Briten Matt Beynon Rees. In der SZ klagt Assaf Gavron über Selbstgerechtigkeit und wachsende Intoleranz in Israel.