Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Wahnsinnig toll gezeichnet

08.10.2012. In der Welt erfahren wir, wie Peter Zadek seinen Freund Christoph Schlingensief vom Krebs befreien wollte. In der FAZ beteuert der Schriftsteller Laurent Binet, dass François Hollande gar nicht mal so langweilig sei. In der SZ feiert Willibald Sauerländer die Karlsruher Camille Corot-Ausstellung. Die taz fragt: Wie kann man die "Begegnung" mit einem Land inszenieren, das ausländische NGOs als Spione behandelt. Die NZZ nimmt Russlands "heroische Geschichtsschreibung" unter die Lupe.

Favelas der unteren Mittelschicht

06.10.2012. In der NZZ erklärt der neuseeländische Autor Alan Duff, warum der schönste Geistesblitz manchmal nichts wert ist. Die taz experimentiert mit dem E-Book und lobt die Widerstandskraft des Taschenbuchs. In der Welt planiert Ulf Poschardt schon mal Berlins Schrebergärten. FR und SZ sind entsetzt über die Ausstellung "Russen und Deutsche": weich gespülte Geschichtsversion, kritisiert die SZ. Die FR plädiert gleich fürs Einmotten. NZZ und FAZ erscheinen heute mit Literaturbeilage.

Der Sieg des kapitalistischen Spaßes

05.10.2012. Einen höchst deprimierten Zustandsbericht über die deutsche Literaturkritik veröffentlicht buchreport.de: Freie Journalisten können das Genre allenfalls noch als Hobby betreiben. In der FAZ rät Salman Rushdie von Respekt vor Religionen ab. Die NZZ berichtet aus Malmö, wo der sozialdemokratische Bürgermeister nach Ausschreitungen gegen Juden sagte, er dulde weder Antisemitismus noch Zionismus.  Außerdem feiern die Feuilletons goldene Hochzeit mit den Beatles und James Bond.

Unselbständig aber glücklich

04.10.2012. Yasmina Rézas neues Stück "Ihre Version des Spiels" nimmt das Ritual der Dichterlesung aufs Korn. Die Kritiker sind begeistert. Weniger begeistert ist dagegen Thomas Hettche von den Kritikern, die sich mit den Autoren nicht mehr solidarisieren, klagt er in der Zeit. Wie gut passt die Shortlist des Buchpreises zum eigentlich lesenden Publikum, den Damen über sechzig?, fragt der Freitag. Die SZ arbeitet sich mal wieder an der Aufklärung ab. Und Slate hat alle Experten gefragt: Aber keiner fand im Kandidatenduell Obama besser als Romney.

Verwildertes Freund-Feind-Denken

02.10.2012. In der taz beschwört Daniel Cohn-Bendit die Perspektive eines Europas mit viel weniger Deutschland. In der NZZ fragt sich der Historiker Christoph Jahr, warum Eric Hobsbawm sein Leben lang dem Glauben an den Kommunismus treu blieb. Wir verlinken auf die Prêt-à-porter-Schauen in Paris: Endlich Puschen mit Absätzen! In Zeit online wendet sich der Jurist Reinhard Merkel gegen den "kläglichen" Gesetzesentwurf zur Beschneidung. Die FAZ verteidigt die Aura eines hinter seinem Buch verschwindenden Autors gegen die Digitalisierung.

Gott ist der einzige Universalhistoriker

01.10.2012. In der taz verortet Joachim Unseld die Zukunft des Buchs irgendwo zwischen Manufactum und Amazon. Die NZZ trinkt keinen Cappuccino in Triest. In der FR wendet sich Jörg Fischer gegen die Idee der Globalgeschichte. In der SZ fordert Marcel Beyer mehr Fantasie von deutschem Aufklärungspersonal.

Kein Zauberkunststückchen weit und breit

29.09.2012. Die SZ sieht die Strahlkraft westlicher Werte vom Aufstieg Chinas nicht bedroht. Angesichts des Putinkults fühlt sich die taz in die Zarenzeit zurückversetzt. Welt und FAZ werfen einen Blick auf Neuseeland, das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Nadine Gordimer zeigt sich in der NZZ enttäuscht von der Entwicklung Südafrikas. NZZ, taz und FR würdigen Michelangelo Antonioni, der heute vor 100 Jahren geboren wurde. Von Joanne K. Rowlings Erwachsenen-Roman ist man einhellig unterwältigt.

Der Heiland war kein Single

28.09.2012. Im Perlentaucher skizziert Stephan Porombka die Zukunft des Schreibens. Felix Schwenzel nahm an einer Diskussion über "geistiges Eigentum" teil und verließ sie in tiefer Hoffnungslosigkeit. Die Tagesschau-App eines bestimmten Tages wurde gerichtlich verboten - und die FAZ feiert das als "Zeichen der Freiheit". Die NZZ beleuchtet die bewegte Geschichte der Inselgruppe Senkaku beziehungsweise Diaoyu. Die SZ verzweifelt an Berlin. Aber Kai Biermann weist einen Weg aus der Krise.

Alles Unfug: Du bist du!

27.09.2012. Auf der Website von Litflow annonciert Clemens J. Setz den Tod des Todes des Autors. Die Welt ist leicht irritiert: Quietschbunt wie ein Kinderladen ist die Lobbyzentrale von Google in Berlin. In der FAZ freut sich BHL über die Demokratiebewegung in Libyen. Die Zeit veröffentlicht Gefängniskassiber Hans von Dohnanyis. Die taz befreit sich mit Mühe vom Übergewicht Helmut Kohls. Die in diesen Dingen vorsichtige SZ spricht sich gegen aufdringlichen Mut von Mohammed-Karikaturen aus.

Radikaler Rutsch in die Mitte

26.09.2012. In der NZZ freut sich der Amsterdamer Schriftsteller Abdelkader Benali über die Marginalisierung des Geert Wilders. Im Blog der NYRB erinnert sich Charles Kaiser ans große Jahrzehnt des homosexuellen Coming Outs in New York - die siebziger Jahre. Die FAZ erzählt die Geschichte des Kairoer Bloggers Albert Saber, dem Atheismus vorgeworfen wird. GQ interviewt Pussy Riot. Alle gratulieren Karl-Heinz Bohrer zum Achtzigsten. Und Charlie Hebdo bringt erstmals in seiner Geschichte ein verantwortungsvolles Magazin heraus.