Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.02.2013. In der Welt macht sich Boualem Sansal keine Illusionen: auf den arabischen Frühling folgt ein islamischer Sommer. Der Kleinverleger Christopher Schroer geißelt in einem offenen Brief die Marktmacht von Amazon. In der FAZ wünscht sich der Wirtschaftswissenschaftler Philip Mirowski einen ergebnisoffenen Diskurs über den Kapitalismus. Die SZ sieht im Kapitalismus eher einen Gegenstand für Literaturwissenschaftler und Feuilletonisten. Die NZZ beklagt das Verschwinden der Ränder. Der Perlentaucher zieht eine Bilanz der Berlinale: Was bleibt, sind die starken Frauen.
15.02.2013. In der Welt findet Antje Ravic Strubel die Sexismusdebatte in Deutschland mehr als überfällig. Schwulenehe ist möglich, aber keine Ehe zwischen Postkolonialismus und Homosexualität, berichtet die taz aus Frankreich. Die Berlinale-Seiten der Zeitungen und des Perlentauchers feiern ein Wiedersehen mit River Phoenix in "Dark Blood". Die NZZ hat herausgefunden: Die DDR lebt, zumindest im Jazz. Im NYRBlog rät Nicholson Baker, nicht übers Träumen zu schreiben, sofern man weiterträumen will. Die FAZ erzählt, wie Springteufel Berlusconi die italienische Politik ruiniert.
14.02.2013. "Semlerpedia: ein Schatz, ein Strom von Anekdoten, Analysen, zu jedem Thema mindestens ein Titel des dazugehörigen Standardwerks." Die taz trauert um Christian Semler, auch die anderen Zeitungen würdigen den 68er und großen Journalisten. Anderes Thema des Tages: Der Gerichtstermin in Sachen Suhrkamp, der zwar nur zu einer Verschiebung des Prozesses führte, aber trotzdem zu großen Kommentaren Anlass bietet. In der Zeit spricht Joschka Fischer über 1968.
13.02.2013. Götz Aly erinnert in der Berliner Zeitung an alle Arbeiter, Arbeitslose, Kleinrentner, verarmten Bauern, Dienstboten, Mägde, die ... äh... Nazis waren. In der NZZ zieht der Theologe Jan-Heiner Tück eine keineswegs nur positive Bilanz des Pontifikats Benedikts XVI. Die SZ kritisiert die Schavan-Entscheidung der Uni Düsseldorf als jakobinisch. Gizmodo hat herausgefunden, dass der Iran eine neue Technik nutzt, um Kampfflieger in den Himmel zu schicken: Photoshop. Slate.fr teilt die jüngst gefundene Primzahl durch 1.Alle Zeitungen feiern Jafar Panahis Film "Closed Curtain".
12.02.2013. Die Berlinale-Seiten der Zeitungen befassen sich Călin Peter Netzers rumänischem Wettbewerbsfilm "Child's Pose" und mit Jane Campions Mystery-Thriller "Top of the Lake". In seinem Blog lästert der Regisseur Dietrich Brüggemann über die Berliner Schule. Die FAZ ist ergriffen vom Rücktritt Benedikts XVI. - Martin Mosebach würdigt noch mal seine konservative Mission, so auch The Onion. Im Perlentaucher bekommt Klaus Müller, inspiriert von Karl Leonhard Reinhold sowohl Vernunft als auch Religion unter einen Hut. Außerdem stellt sich heraus: Der Perlentaucher hat die zweitwichtigsten Literaturseiten im Netz. Die drittwichtigsten hat die FAZ.
11.02.2013. Die FAZ fragt: Warum liest das neue Politbüro in China Tocqueville? Außerdem rät der Historiker Valentin Groebner angesichts des stets nur unfertigen Internets zu Buch und Zeitschrift. Die NZZ kritisiert die Angst der Museen vor Ruhe. Der Konzertagent Berthold Seliger wundert sich über die Honorarvorstellungen der ARD. Slate.fr ruft 2013 zum Jahr des Pferdefleischs aus. In der Welt wirft Kurt Biedenkopf der Uni Düsseldorf Feigheit vor. In der SZ zieht Anne Wizorek die Möglichkeit in Betracht, dass Männer Hirn haben.
09.02.2013. In der NZZ erklärt der lettische Regisseur Alvis Hermanis, warum man im globalen Theater viel weniger versteht als gemeinhin geglaubt wird. Im Tagesspiegel formuliert Thomas Arslan sein filmisches Credo. In der Welt lobt der polnische Schriftsteller Zbigniew Mentzel die therapeutische Wirkung von Börsenspekulationen. In der taz philosophiert Schorsch Kamerun über die einkaufbare Sichtbarkeit von Künstlern. In der SZ erklärt Jürgen Vogel den Geschlechterkampf für beendet.
08.02.2013. Die Welt besucht Luthers Sterbehaus. Die NZZ fordert - im Sinne Europas - Gerechtigkeit für Richard III.! In Faust Kultur will Detlev Claussen nichts wissen von einer Verteidigung Annette Schavans. Die taz diagnostiziert eine gewisse Betretenheit in Akademikerkreisen. Die SZ findet: Klagen ist auch nicht der richtige Weg. Paris Match weiß, welches Gesicht der Ursprung der Welt hat.
07.02.2013. Die Welt träumt von einer Tanzmetropole namens Berlin. Der Freitag verortet den deutschen Film zwischen Überproduktion und Desinteresse des Publikums. Stefan Niggemeier erklärt, warum man in Deutschland keine Bücher über eine langjährige Krimireihe der ARD mit sechs Buchstaben schreiben darf. In der Zeit macht sich Hans-Ulrich Wehler Sorgen über die wachsende Ungleichheit in Deutschland. Der SZ fehlen im Berlinale-Wettbewerb die Weltpremieren und Meisterwerke.
06.02.2013. In der NZZ erklärt John Burnside, warum er sich zu jener Minderheit von Briten zählt, die sich als Europäer fühlen. Die Welt kritisiert die Aberkennung von Annette Schavans Doktortitel als infam. Abschreiben kann auch eine Tugend sein, findet die FAZ - sofern man bei Meyerbeer abschreibt. Im Perlentaucher fragt Bernhard Lang: Warum hat Mose nicht getanzt? Und Lukas Förster blickt auf die Berlinale. Die SZ kann den Kummer der Professoren über ihre Besoldung verstehen. Und die FR erschrak bei Max Ernst.