Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Durchschnittsnatur von gutem Willen

05.02.2013. In der taz liest Micha Brumlik Marx über Lincoln und findet, dass die Lektüre eher gegen Marx als gegen Lincoln spricht. Die NZZ staunt unterdessen über die hippe Zeitschrift Jacobin, die dem Marxismus Sinnlichkeit einhauchen will. In der FR erklärt der Sinologe Kai Vogelsang, warum die chinesische Geschichte umgeschrieben werden muss. The Nation befasst sich ausführlich mit Thomas Bernhard und Siegfried Unseld, Buzzfeed mit kalifornischen Techniken der Entkaterung. Und Stefan Niggemeier findet die neue Google-Bildersuche dreist.

Geradezu zärtliches Verständnis

04.02.2013. Das Wall Street Journal berichtet über ein Buch von Google-Chef Eric Schmidt, der China als die gefährlichste Macht im Netz beschreibt. Jan Assmann macht keinen wirklichen Rückzieher, meint die Presse in einem Bericht über die Debatte um Monotheismus und Gewalt.  Die Welt berichtet über Stephen Kings E-Book gegen Waffen. Die SZ fordert mehr Feinfühligkeit in der politischen Debatte. Die FAZ ist enttäuscht: Google hat sich in Frankreich aus dem Leistungsschutzrecht freigekauft.

Zurück in die Zukunft, Teil IV

02.02.2013. Claude Lanzmann erzählt der taz, wie er die Nazis austrickste. In der SZ sucht Jörg Scheller vergeblich nach Arnold Schwarzeneggers semantischem Kern. Ahmad Mansour denkt in der FAZ über Ehrenmorde nach. Die NZZ widmet sich dem Judentum. Und in der Welt stellt die Ethnologin Ingrid Thurner fest, dass die jahrzehntelangen Anstrengungen zur schriftsprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter nach hinten losgegangen sind.

Die Weihen des Offiziellen

01.02.2013. Die Welt erinnert sich mit Rainer Fetting wärmstens an das New York der siebziger Jahre. Im Perlentaucher definiert der Konstanzer Soziologe Bernhard Giesen monotheistische Gewalt als Reaktion auf die "Beleidigung Gottes". Die NZZ annonciert eine linguistische Revolution in der Schweiz. Die taz singt mit Heino Rammstein. Die SZ fordert mehr Mut von Beamten. Die FAZ fordert mehr Stellen für Provenienzforschung in Bayern.

Mainstream von gestern

31.01.2013. Die Welt weiß, was Paul Celans "Kumi-Ori" wirklich bedeutet. Die taz erkennt in David Sievekings Film über seine demente Mutter, wann Objektivität in Aggression umschlägt. In der FR/Berliner Zeitung erklärt Götz Aly, warum auch Hitler für Mindestlöhne war. Die SZ findet das Leistungsschutzrecht plötzlich gar nicht mehr so gut. In der FAZ fragt sich Sujata Madhok, ob Indien die Herausforderung des Patriarchats akzeptieren wird. In der Zeit erklärt Christian Petzold, warum sich die DDR so gut als Filmstoff eignet. 

Stiere und Kühe

30.01.2013. Im Perlentaucher eröffnet Jan Assmann eine Debatte über Gewalt in der Religion. Die Welt findet, dass Jakob Augstein und Rainer Brüderle sich entschuldigen sollten. In der NZZ beschreibt Wei Zhang die prekäre Lage der chinesischen Bauern. In der FAZ findet Alice Schwarzer die Frauen krass sexistisch, die Brüderle mit dem Hinweis verteidigen: Männer sind halt so. Außerdem fordert in der FAZ der Historiker Thomas Weber mehr Mut in der Hitler-Forschung. Und in der SZ möchte Norbert Frei über das "Entstehen einer spezifischen NS-Moral" ab 1933 nachdenken.

Chinese übernimmt Vorsitz

29.01.2013. In der Welt erklärt John Woo, warum er sein Remake von Melvilles "Eiskaltem Engel" in Berlin spielen lässt, und nicht in Paris: Es liegt nicht nur an der Filmförderung. Die taz konstatiert, dass gerade Bollywood am vorsintflutlichen Frauenbild der Inder mitstrickt. Die New York Times macht sich Sorgen um die deutschen Zeitungen. In t3n benennt SZ-Online-Chef Stefan Plöchinger die vier As des neuen Journalismus. In der FAZ ergründet Viktor Jerofejew die französische Seele.

Wenn die Idole fallen

28.01.2013. In der SZ hofft Gustav Seibt, dass Großbritannien der EU erhalten bleibt. Laut Hamburger Abendblatt steht die Übernahme der FR durch die FAZ unmittelbar bevor: 30 Redakteure sollen übernommen werden, der überregionale Teil verschwindet. Die FR erzählt die Geschichte des Reisebüros MER, das unter den Nazis mit Judendeportationen und Zwangsarbeitertransporten Millionen verdiente und nach den Krieg als DER unbehelligt Urlaubsreisen organisierte. In der taz porträtiert Gabriele Goettle einen Augenarzt, der sich auch um Arme kümmert.

Skulptur aus flüssigem Material

26.01.2013. In der Welt stellt Ruth Klüger eine alte Frage zum Holocaust in der Literatur ganz neu. In der NZZ denkt Terezia Mora über Literatur an Grenzen nach. Außerdem beleuchtet die NZZ Lutoslawskis Liebe zu Cage. Die FR huldigt dem Kollateralnutzen von Frankreichs Uranpoltik. Und ach, seufzt die SZ: Was waren das für Zeiten, als ARD und ZDF Mut zur Zumutung zeigten.

Moderedakteurinnen in der zweiten Reihe

25.01.2013. In der FAZ denkt der tschechische Autor Jaroslav Rudis über die irgendwie surreale Präsidentenwahl in seinem Land nach. Die Welt verteidigt David Cameron gegen die beleidigten Leberwürste vom Kontinent. Die NZZ erklärt, unter welchen Umständen die direkte Demokratie funktioniert. Robert Basic wendet sich in seinem Blog gegen Prophezeiungen, dass es mit dem Bloggen ein Ende habe. Hier und dort wird weiter zu Suhrkamp diskutiert und präzisiert.