Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die alte Bombe der Gedankenlosigkeit

18.04.2013. Die Zeit veröffentlicht in Auszügen einen offenen Brief des Louvre-Chefs Henri Loyrette, der sich gegen Kritik am düsteren Deutschlandbild seiner Ausstellung "De l'Allemagne" wehrt. Die Welt wendet sich gegen die deutsche Parole "Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Im Freitag erzählt das  Kairoer Medienkollektiv Mosireen, wie es das Internet auf die Straße brachte. Indiewire leakt (oder fälscht) die Liste der Wettbewerbsfilme von Cannes. In Paidcontent erklärt Alan Rusbridger, warum der Guardian keine Paywall einführt: Wegen der BBC. In der SZ schlägt Adam Krzeminski eine deutsch-polnische Großproduktion vor.

Der Knüppel hängt ständig über deinem Kopf

17.04.2013. In der Welt beschreibt der Putin-Kritiker Alexej Nawalny, wie er mit dem heute beginnenden Prozess gegen ihn mundtot gemacht werden soll. In der NZZ fragt sich Hannelore Schlaffer, warum man heute lieber Biografien über Schriftsteller statt deren Werke liest. Die taz berichtet vom Filmfestival in Istanbul, wo man sich gegen die Gentrifizierung wehrt. In der FAZ spricht Christoph Waltz über den "Rosenkavalier", den er in Antwerpen inszenieren wird. In der SZ schildert Arundhati Roy den brutalisierten Alltag in Indien.

Sie steht scheu bei ihm am Mikrofon

16.04.2013. In der FAZ spricht William T. Vollmann über Schostakowitsch und auch über "deutsche Ideen". Warum wollen Institutionen, die sich vom Journalismus wegbewegen, auch noch Leistungsschutzrechte?, fragt Marcel Weiß in neunetz. In der NZZ spricht Peter Sloterdijk über den Medienwandel und vergleicht die heutigen Journalisten mit dem katholischen Klerus des 15. Jahrhunderts. Der Schauspieler und Musiker Lars Rudolph stellt in der taz fest, dass Kleist Rock ist, nicht Pop. Die Welt schildert das Damaskus-Erlebnis des Snoop Dog. Die SZ gerät in Rage über den Slogan "Kultur macht stark".

Raumschiffe hin oder her

15.04.2013. Die Welt ist stinksauer über die Entscheidung des Berliner Senats, am Alexanderplatz keine Wohnungen zu bauen. In der taz fragen Micha Brumlik und Hajo Funke, was die evangelische Akademie Loccum reitet, mit iranischen Schergen zu paktieren. In der NZZ protestiert die Pharmakologin und Bloggerin Ghada Abdelaal gegen die Sexualmoral der Muslimbrüder, die die Lage der Frauen in Ägypten noch verschlimmert haben.

Welchen Staub muss man erhalten?

13.04.2013. In der Zeit stellt Werner Herzog klar, dass er sich in Deutschland nicht missverstanden fühlte, höchstens von ignoranten Kretins. In der FAZ spricht der Islamforscher Gilles Kepel über Verbitterung und Antisemitismus in der Banlieue. Der Tagesspiegel sieht der partiellen Eröffnung der Digital Public Library of America entgegen. In der taz fragt Volker Gerhardt, ob die Öffentlichkeit des Netzes auch sichtbar ist. Die SZ steht vor der Schwierigkeit, einen Traum zu restaurieren. Die Welt erfährt, wie gefährlich es ist, für Alfred A. Knopf zu arbeiten. Und die NZZ begibt sich in Jean Pauls vielfach gefaltete Landschaften.

Süße Katermusik

12.04.2013. In der taz erklärt stellt die DJane Jennifer Cardini klar, dass ihre Berufsbezeichung nicht "Girl" ist. Auch die Verlagsbranche ist so sexistisch wie eh und je, erklärt die Autorin Deborah Copaken Kogan in The Nation. Im Tagesspiegel weiß man jetzt, wie man Gemälde und Skulpturen kombiniert - das Rijksmuseum macht es vor. Carta wischt ein paar Qualitätstränchen der deutschen Presse beiseite. Auf Achgut wird erzählt, wie Hardy Krüger mal als Nazi identifiziert wurde. Die NZZ sucht nach dem Einfluss Margaret Thatchers auf die Kunst. Im NYRBlog stellt Ian Buruma zwei japanische Fotografen vor. Und schließlich: Katzen in Jalousien.

Propaganda des Glücks

11.04.2013. Heute schauen wir der Welt beim Leiden unter Deutschland zu. Die Welt erinnert an den größten Horror im Leben Margaret Thatchers: Saumagen essen mit Helmut Kohl. Die Deutschland-Ausstellung im Louvre sorgt nach wie vor für Streit. Im Louvre muss man sich als Gast nun mal unterordnen, findet die SZ. Die Zeit ist entsetzt über Giorgio Agamben, der eine Abkehr der "lateinischen" Länder von Deutschland fordert. Die FAZ bringt ein Gespräch mit der New Yorker Avantgardefilm-Legende Jonas Mekas. Im Guardian wendet sich der Moskauer Patriarch Kirill I. gegen die Pseudo-Freiheit der Frauen. Die taz staunt über die Unbedenklichkeit der Niederländer im Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus.

Das Palimpsest als Werkbegriff

10.04.2013. Die NZZ hat herausgefunden: Das Internet macht die Literatur doch neu. Das Internet der Konzerne ist zugleich Straße, Karte und selbstfahrendes Auto und entmündigt seine Nutzer, meint Felix Stalder in der Berliner Gazette. Ian McEwan erinnert im Guardian an Großbritannien vor Thatcher - und will auf keinen Fall dahin zurück. FAZ Independent und Presse staunen über den Hass, der Thatcher bis heute entgegenschlägt. Die Welt schwankt zwischen Wolfgang Büchner und Jakob Augstein als Chefredakteur des Spiegel. In der SZ schämt sich Heribert Prantl im nachhinein über den Journalismus in der Causa Wulff.

Unter den giftigen Farben von Erde und Schimmel

09.04.2013. Der FAZ graut es vor dem Deutschlandbild der Louvre-Kuratoren. In der SZ zweifelt Architekt Hans Kollhoff am Verstand seiner Kollegen. Die Paywall bei Zeitungen ist auch eine Einschränkung der gesellschaftlichen Debatte, findet Thomas Wiegold auf Carta. Die NZZ gratuliert der Lettre International zum 25. Geburtstag.

Die berühmte Betroffenheit

08.04.2013. Die SZ erlebte bei der Ausstellung  "Erschütterung der Sinne" eine ebensolche. Die Welt findet den Streit um die Berliner "East Side Gallery" ziemlich verlogen. Die NZZ erzählt,. wie die Kultur des Irak aus der Hand Saddam Husseins auf den Boden fiel. In der FR erklärt Johannes Fried, was Globalgeschichte ist. Und außerdem wird munter spekuliert, wer Chefredakteur beim Spiegel wird.