Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.07.2013. Jeff Jarvis kann es nicht fassen: Es ist Prism-Skandal, und die amerikanischen Journalisten fragen sich vor allem, wer als Journalist gelten und die Öffentlichkeit informieren darf. In der New York Times protestiert der Grünen-Politiker Malte Spitz gegen den Skandal, während der Guardian neue Details zur Bespitzelung europäischer Botschaften bekanntmacht. In der taz bezweifelt der NSA-Experte James Bamford, ob die ganze Bepitzelung überhaupt etwas bringt. Die Presse fragt, sich, ob man den Bachmann-Wettbewerb wirklich vermissen sollte. In der NZZ freut sich die kroatische Autorin Slavenka Drakulic trotz allem auf die EU.
29.06.2013. In The Nation warnt Jaron Lanier, Prism könne zu einem Regime der subtilen Konformität führen. Die Amerikaner halten trotz allem an ihrer Vorstellung vom Internet als Freiheitsmaschine fest, erläutert Thomas Frank in der FAZ. In der SZ beschwört Bild-Chef Mathias Döpfner eine Renaissance der Inhalte. Die taz denkt über Richard David Precht und das Talkshow-Paradoxon des modernen Intellektuellen nach: entweder gehört oder ernst genommen werden. Und die Welt würdigt das deutsche Literaturpreis-System in seiner Gesamtschönheit.
28.06.2013. Der Guardian zeigt in neuen Enthüllungen, wie Barack Obama die Abhörpraxis George W. Bushs fortsetzte. Timothy Garton Ash fragt sich im Guardian, wie die Öffentlichkeit, die Initiative zurückgewinnen kann. Constanze Kurz kann es in der FAZ nicht fassen, dass der Bundestag bei der Debatte über Prism fast leer blieb. Die US Army sperrt unterdessen den Zugang zur Guardian-Website - vorerst nur für ihre Soldaten. Critic.de fragt, ob ein Filmfestival wie das von München, das seine Filme von DVD abspielt, überhaupt ein Filmfestival ist. Die Welt hat in New York ein Mysterium Tremendum erlebt, entschuldigt sich aber auch dafür.
27.06.2013. In der Jüdischen Allgemeinen warnt Piratin Marina Weisband vor dem Überwachungsstaat. Das Künstlerduo FRONT404 setzt ihm ein Partyhütchen auf. Das deutsche Parlament verpennt lieber die Debatte, berichtet die taz. Die Zeit findet Edward Snowdens Leaks notwendig und legitim. Im Tagesspiegel beschreibt Michail Schischkin die russische Diktatur des 21. Jahrhunderts. Die SZ feiert das Stehvermögen der texanischen Senatorin Wendi Davis. In der NZZ feiert der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinow die Schönheit der protestierenden Menschen in Sofia. Wenig anfangen kann dagegen die FAZ mit der Schönheit operierter Menschen in Südkorea.
26.06.2013. Die wollen doch nur ins Fernsehen, schimpft der Autor Rafael Chirbes in der NZZ über die Protestbewegung in Spanien. Auf Spon will Sascha Lobo nicht unbeschwert, sondern unüberwacht das Internet nutzen. Die SZ reist in 16 Stunden von Sarajewo nach Budapest. In der FAZ erzählt Georg Mascolo, wie gut amerikanische und deutsche Geheimdienste zusammenarbeiten.
25.06.2013. Trita Parsi erinnert sich in der SZ mit Wehmut an die lange abgekühlte Freundschaft zwischen Iran und Israel. Im dritten Teil unserer Prism-Presseschau stellt der Perlentaucher fest: alle werden überwacht, nur nicht die Überwacher. Auch die FAZ meint: Jeder kann zum Opfer der Überwachung werden. Die NZZ findet die schönsten Neubauten Deutschlands in der Provinz. Alle nehmen Abschied vom FAZ-Feuilletonisten Henning Ritter.
24.06.2013. Die neuesten Enthüllungen über den britischen Geheimdienst, der die gesammelte Kommunikation Europas abhört, bewegen die Presse doch: Die Bürger stehen vor der Wahl, ob sie sich den totalitären Ansprüchen der Dienste entgegenstellen wollen oder nicht, meint Spiegel Online. Die Welt möchte dabei aber die Maßstäbe gewahrt sehen. Die Welt geht auch noch mal Peter Sloterdijks Börne-Dankrede durch und ist einigermaßen entsetzt. In Volltext mahnt Hubert Winkels: Der Bachmann-Wettbewerb gehört unter UN-Schutz, mindestens. In der taz spricht der türkische Musiker Burak Tamer über seine Erfahrungen auf dem Taksim Platz.
22.06.2013. Wir brauchen ein neues Wort für die atomare Stufe eines Skandals! Der Guardian hat gestern abend enthüllt, dass der britische Geheimdienst GCHQ in Allianz mit den USA, Kanada, Australien und Neuseeland weltweit Glasfaserkabel anzapft und den Internetverkehr und die Telekommunikation weltweit belauscht, ohne deshalb einen Richter zu belästigen. Die NZZ berichtet über kommerzielle Bücherverbrennungen. In der Welt outet sich Thomas Glavinic als Formel-1-Freak. In der FAZ erklärt Eva Illouz den Erfolg von "Fifty Shades of Grey".
21.06.2013. Die FAZ bringt ein großes Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch, die den Friedenspreis des Buchhandels erhält. In der taz erklärt Darren Pih, Kurator der Schau "Glam", warum Glam besser war als Punk. Die NZZ versucht Meret Oppenheim zu fassen. Die SZ hat bei einem Theatertreffen in Kinshasa herausgefunden: Das Nervende am Kolonialismus sind die Leute, nicht das Geld. Kenan Malik feiert in seinem Blog (eigentlich im New Humanist) den großen radikalen Aufklärer Jonathan Israel. Und alle verabschieden sich von James Gandolfini.
20.06.2013. Die Zeit erklärt, warum die Abhörmethoden der NSA schlimmer als Orwell sind. in einem Chat des Guardian dementiert Google so gut es geht. Die NZZ lässt sich Tomas Venclovas Gedichte von diesem selbst erklären und findet sie seitdem noch besser. In der Welt ruft Zülfü Livaneli die protestierende türkische Jugend auf, sich politisch zu organisieren. Die FAZ gewinnt bei einer Filmretro das Vertrauen in die totgeglaubte materialästhetische Avantgarde zurück. Zum frühen Tod des "Sopranos"-Helden James Gandolfini bringen wir einige Videos.