Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Jedes Jodel-Format

21.10.2008. FR, SZ und FAZ befassen sich weiterhin mit der Finanzkrise. Die taz und die Welt setzen sich mit Jörg Haiders Homosexualität auseinander, die ein Gutes hatte: Wenigstens gegen Schwule hat er nie etwas gesagt. Die Berliner Zeitung berichtet über eine Kritik chinesischer Dissidenten an der Haltung deutscher China-Experten zum Land.

Nur leider schrecklich inkompetent

20.10.2008. Die NZZ untersucht die Vorwürfe gegen Milan Kundera und sein schwieriges Verhältnis zur alten Heimat. Und Sonja Margolina erzählt, wie der KGB sie im Jahr 1984 als IM anwerben wollte. Die Welt findet Oliver Stones Biopic über George W. Bush überraschend sanft. Der FAZ wurde bei Anselm Kiefers Friedenspreisrede ein wenig unheimlich.

Erhabener Fingerzeig

18.10.2008. In der Welt verteidigt Rolf Schneider Milan Kundera: Nicht alle Geheimdienstakten seien zuverlässig. Was, wenn die Vorwürfe gegen Kundera stimmen?, fragt Wolfram Schütte im Titel-Magazin. Im Salon Magazin schreibt Ivan Klima über Kundera. Die FR besucht die neue Moschee in Duisburg. In der NZZ beschreibt Alena Wagnerova - ohne Bezug auf Kundera - Aufstieg und Fall der tschechischen Kulturelite. In der taz setzt Schorsch Kamerun alle Einflüsse auf null. Die SZ erinnert an die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Sowjetsoldaten.

Gebot der Nullintelligenz

17.10.2008. Die NZZ berichtet von einer Fatwa saudi-arabischer Kleriker gegen die populäre Seifenoper "Noor", in der sich Muslime bei Wein und vor der Ehe lieben. Außerdem erklärt Steinunn Sigurdardottir, wie Gordon Brown Islands Finanzwelt den Todesstoß versetzte. Die Welt greift das Drama um Milan Kundera auf und berichtet von einem Entlastungszeugen. Die taz schildert, wie die Finanzkrise das türkische Kulturleben trifft. Und die FR bestaunt die hohe Kunst, Rauchverbote zu umgehen.

Absatz, Absurdität, Kinnhaken, Absatz

16.10.2008. Alle sind hoch zufrieden mit dem neuen Booker-Preisträger Aravind Adiga. In der taz versichert die Kunsthistorikerin Sarah Thornton: Kunsttrophäen sind gute Investitionsobjekte. Die SZ wünscht sich mehr Autoritäten. Die Zeit porträtiert den sizilianischen Mafiajäger Giuseppe Linares. Die FAZ prophezeit: künftig gibt's Sozialprogramme statt Kultur.

Das Fremde in mir

15.10.2008. Das tschechische Magazin Respekt wirft Milan Kundera Verrat vor. Die Welt feiert die angeblich schneidende Verachtung Uwe Tellkamps fürs Proleten- und Kleinbürgertum. Die taz stellt den neuen Eigentümer des Aufbau-Verlags vor. Die NZZ spielt Liquiditätspoker. In der SZ extemporiert Ulrich Beck schon mal über den tieferen historischen Sinn der Finanzkrise. Die FAZ fürchtet vorauseilende Kooperationsbereitschaft der Buchverlage mit dem Netz.

Die Nerds haben gesiegt

14.10.2008. taz und FR kommentieren die Buchpreisentscheidung für Uwe Tellkamp recht wohlwollend. Richard Wagner ist in der Achse des Guten zumindest froh, dass nicht die Diskursdiktatur gewonnen hat. Die Welt weiß: Das Kindle wird kommen. Und das Buch wird sich auflösen wie eine Träne im Ozean, meint der Perlentaucher. Die FR fürchtet, dass das Versagen des Marktliberalismus die Korruption in Afrika fördert. Und die Finanzkrise wirkt sich jetzt auch auf das Verlagswesen aus - Stroemfeld wurde der Kredit gekündigt.

Die graue Maus der Antike

13.10.2008. Alle sind sehr aufgeregt: Marcel Reich-Ranicki hat bei der Verleihung des Fernsehpreises einen Eklat ausgelöst. Wir bringen das Video. Elke Heidenreich stellt in der FAZ ihren Job zur Disposition: "Von mir aus schmeißt mich jetzt raus." Die FR plädiert für das afrikanische Kino. Die NZZ befasst sich mit Sklaverei im Islam. In der Welt plädiert Burkhard Spinnen für die Verhaftung der Banken. In der Financial Times erklärt der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson, wie es in Island zur Krise kam.

Ich bin nicht Kemal. Monsieur Flaubert, c'est moi

11.10.2008. In der Welt streiten Gottfried Honnefelder und Helge Malchow über Sinn und Unsinn von Gastländern der Buchmesse. Die Türkei entdeckt ihr multikulturelles Erbe, schreibt die NZZ. In Eren Güvercins Blog bekennt Feridun Zaimoglu: Ich gehöre der Gegenaufklärung an. Im Tagesspiegel findet die Pianistin Mitsuko Uchida das Gute und Reine nicht bei Mozart. In der FR beschreibt Noam Chomsky den Neoliberalismus als effektive Waffe gegen Demokratie. Die FAZ starrt entgeistert auf einen somnambul stierenden, bemalten Strizzi. Die SZ lauscht Kent Naganos naturgetreuer Imitation einer Schlittenhundenmeute.

Ein Musterschwede

10.10.2008. "Schal", "edle Langeweile", "taghelle Mystik", "Chefgerontologen", "Experte für Ureinwohner", "fleißiger Schreiber", "Don't know who you're talking about", "intelligenzfeindlich, antiurban", "Das ist doch schön". Die Reaktionen auf den Nobelpreis für JMG Le Clezio fallen bestenfalls lauwarm aus. Die taz würdigt die leuchtenden Skijacken im Werk Peter Doigs. In der Welt warnt Oliver Stone: Die Ära Bush ist noch längst nicht vorbei! In der FAZ verteidigt Ralf Dahrendorf die Amerikaner.