Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

100 Milliarden positive Kommentare

21.01.2010. In der Welt sucht Dirk von Lowtzow von der Band Tocotronic die Antwort auf die Frage, wie man Widerstand leistet, ohne in opportunistische Kapitalismuskritik zu verfallen. Die NZZ bewundern die Coen-Brüder, die ihren Pessimismus in in fröhlich schwebende Petitessen zu verpacken verstehen. In der FR sagt der Blogger Han Han voraus, wie die chinesische Regierung das Problem mit dem Netz bewältigt. 

Die Stimmen, die da ins Dunkel aufstiegen

20.01.2010. Die Welt freut sich auf die vollständige Fassung von Fritz Langs "Metropolis".  Außerdem plädiert Gerhard Schulze in der Welt gegen einen Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan. Die FAZ fragt sich, was eigentlich in die Professorin Birgit Rommelspacher gefahren ist, die Islamkritikerinnen in die Nähe von Nazis rückt.  Henryk Broder hat für den Spiegel Kurt Westergaard besucht. Die SZ lotet die Krise der Literturkritik in der Schweiz aus. Die SZ ist außerdem entsetzt darüber, dass die SZ lobende Blogger für die SZ-Werbung kaufte.

Wie eine Reinkarnation von Baron Samedi

19.01.2010. Hans-Christoph Buch spricht in der FR ausführlich über die dunkle Geschichte Haitis. Die taz fürchtet ein neues Bündnis zwischen der Türkei und dem Iran. Die FAZ trauert um die Schweizer Armee, die leider pleite ist. In der Welt polemisiert Hamed Abdel-Samad gegen den feuilltonistischen Dschihad von SZ, FAS und vielen anderen Zeitungen gegen Islamkritiker. Ebenso der Perlentaucher.

Wir sind eure Hauptstadt, ihr Bauern!

18.01.2010. Die taz hyperventiliert: Sie musste feststellen, dass Feminismus rechts ist. Die NZZ bringt ein Gespräch über das Schweizer Unbehagen am deutschen Professor, der einfach ein bisschen präpotent ist. Warum hat Hertha keine Fans?, fragt Wolf Lepenies in der Welt.  Die New York Times wird demnächst zahlbar, melden Blogs und andere Medien. Verlinken ist ein Menschenrecht, ruft Jeff Jarvis an die Adresse Rupert Murdochs im Guardian. In der SZ schreibt Richard Fleming aus Haiti über die Rolle der sozialen Medien bei der Bewältigung der Erdbebenfolgen.

Die Welt in ihrem Urzustand

16.01.2010. Die Welt stellt die algerische Schauspielerin und Autorin Rayhana vor, die nur knapp einem islamistischen Anschlag entronnen ist. In der FAZ verurteilt Jaron Lanier den Autor zum Tod durchs Netz. In der NZZ schreibt Richard Wagner eine Hommage auf die Einzelgänger, Einsiedler und Eigenbrötler der Philosophie in Ostmitteleuropa unter dem Kommunismus. Die SZ porträtiert den Fotografen Sebastiao Salgado, bei dem die "Genesis" auf dem Programm steht. Alle Zeitungen trauern um Katharina Rutschky.

Ebenmäßige Strahlkraft einer Cate Blanchett

15.01.2010. Eine Lücke im Internet Explorer erlaubt es chinesischen Spähern, in die Mailkonten von Dissidenten zu gucken - und sie spähen noch weiter: bis in die Google-Konten amerikanischer Menschenrechtsaktivisten, berichten Blogs und Zeitungen in den USA. Im Tagesspiegel spricht Hans Christoph Buch über die haitianische Katastrophe. Die NZZ lotet noch einmal ausführlich den Abgrund der Securitate-Bespitzelungen unter rumäniendeutschen Autoren aus. Claude Lanzmann hat in seiner Autobiografie nicht gelogen, hält die SZ fest.

Hirn, Zunge, Mark

14.01.2010. In der Welt erklärt der Direktor des Islamischen Museums in Berlin, Stefan Weber, warum er nicht auf die Ausstellung von Mohammed-Bildern verzichten wird. Die taz feiert Gilles Deleuze' Lust an der Willkür des Alphabets. Die amerikanischen Blogs sind begeistert von Googles Drohung, China zu verlassen. Nun sollten Googles Programmierer noch Wege finden, die große chinesische Brandmauer einzureißen, rät Gawker. Die Zeit fordert Flashmobs gegen Google. Die SZ ruft: Toleranz den Intoleranten!

Zeichen der Henzeschen Spätmeisterschaft

13.01.2010. Google droht, sich aus China zurückzuziehen, weil die Gmail-Konten von Regimekritikern gehackt wurden, melden die New York Times und das offizielle Blog des Konzerns. Anne Applebaum fragt in Slate: Wie wird man mit gebildeten Islamisten fertig? Wie anrüchig ist Islamkritik?, fragt Henryk Broder in einer Replik auf Wolfgang Benz in der Welt. In der FR spricht Alexander Kluge mit dem Virologen Alexander Kekule über die Unruhe im Genom.

Wo genau ist eigentlich die Panik?

12.01.2010. FR und taz kritisieren die immer neuen Sicherheitsmaßnahmen auf den Flughäfen. "Sicherheitsbehörden genießen inzwischen eine falsche, nahezu absolute Autorität", schreibt Peter Schneider in der FR. Die Vergütungsregeln für freie Journalisten sorgen in den Blogs weiterhin für Aufruhr - ein Aufruf fordert jetzt die Gewerkschaften zu einer breiteren Diskussion auf. Liberation bringt Videos und Le Monde bringt Bilder zum Tod von Eric Rohmer. In der SZ beklagt der Historiker Aram Mattioli die neue Salonfähigkeit des Faschismus unter Berlusconi.

Komm zur Ruh

11.01.2010. Die amerikanischen Blogs diskutieren über eine Äußerung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg, der meint, dass Internetnutzer immer weniger Privatsphäre wollen. Das Blog Bewegliche Lettern ist auf eine Diskrepanz gestoßen: Der Bund will 5 Millionen Euro für die Digitalisierung von Kulturgütern ausgeben. In Frankreich liegt die Summe bei 750 Millionen Euro.  Die New York Post meldet, dass das Metropolitan Museum in New York ab sofort keine Mohammed-Bilder mehr zeigt.  Die Welt veröffentlicht ein Manifest der grünen Bewegung im Iran, und Abdolkarim Soroush erklärt, warum der Aufstand eine Theorie braucht. Die FAZ erklärt ihre Bereitschaft zum Selbstopfer für das Recht aufs islamische Kopftuch.