Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

In einer Ära großen Durcheinanders

24.01.2013. In der FAZ erinnert sich Dustin Hoffman an seine WG-Kumpels  Robert Duvall und Gene Hackman. Die NZZ macht sich Sorgen ums preußische Kulturerbe. Techcrunch kann es nicht fassen: Apple macht in einem Quartal fast soviel Umsatz wie Microsoft im ganzen Jahr. Das Schweizer Fernsehen erklärt das Leistungsschutzrecht. Die taz beleuchtet die komplizierte Lage der deutschen Kinematheken. Die Welt findet: Die Deutschen sollten es nicht den Franzosen überlassen, ihre Freiheit zu verteidigen. In der Zeit nennt  Ulla Unseld-Berkéwicz realistische Renditeerwartungen für den Suhrkamp Verlag.

Lächeln im Kolkrabengesicht

23.01.2013. In der FR entwirft Robert Menasse Umrisse eines schlanken Europas, auch als Gegensatz zu national ausgefetteten Demokratien. Die NZZ beleuchtet die prekäre Situation der syrischen Christen. In der Welt lernt Dustin Hoffmann die Höflichkeit der Regisseure zu schätzen. Kontrovers wird Steven Spielbergs "Lincoln"-Film aufgenommen: Groß findet ihn die FAZ, besonders aber Daniel Day-Lewis, die taz moniert sein Geschichtsmodell, in dem allein der große weiße Mann agiert.

Nicht für das brennende Herz der Theresa von Avila

22.01.2013. Die FAZ protestiert gegen Verspargelung der Landschaft und Wattierung von Denkmälern im Zeichen der Energiewende. Die Welt feiert Dan Flavin. In der SZ erklärt Stephane Braunschweig seinem Kollegen Thomas Ostermeier die Vorzüge des französischen Theaters: Kein festes Ensemble bedeutet auch Freiheit. Das Blog  journalism.co.uk erklärt Journalisten, wie man Fehler korrigiert. Die taz zeigt am Beispiel Dänemark, wie subventionierte  Medienmodelle auch funktionieren können. Auch die NZZ berichtet über neue Medienmodelle in der Schweiz.

Luxus und Erleuchtung gehen immer

21.01.2013. Wer die FAZ liest, kommt zu dem Schluss: Der gefährlichste Job der Welt muss der Direktorenposten des Bolschoi-Balletts sein. Während amerikanische Zeitungen Paywalls errichten, expandiert das kostenlose Angebot des Guardian mit eigenen Redaktionen in andere englischsprachige Länder, berichtet Mashable. In der SZ erkunden Nir Baram und Abraham B. Yehoshua die Zukunft Israels. Außerdem: ein Schicksalstänzchen am Montag.

Dialektik aus Wärme und Distanz

19.01.2013. In der Welt schildert Adam Krzeminski den Kulturkampf, den Polens Rechte gegen das unbehauste und europagläubige Volk der Lemminge führt. In der NZZ erkennt Milton Hatoum im pluralen Brasilien das Land der Zukunft. Die SZ bereitet uns vorsorglich auf das Allerschlimmste vor. Die taz feiert das neue Album von Tocotronic. Und in der FAZ rät Steven Spielberg den nicht-englischsprachigen Zuschauern seines Lincoln-Films: Lest nicht die Untertitel, lest in den Gesichtern!

Um sich gerade noch in die nächste Zählzeit zu retten

18.01.2013. Die taz fragt sich, was die SZ zu ihrer "perfiden" Berichterstattung über Pola Kinski und ihre Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Vater treibt. Der Freitag wundert sich, warum die "Holocaust"-Rhetorik Quentin Tarantinos und Spike Lees in Bezug auf die Sklaverei nicht zu mehr Debatten führt. Wir verlinken auch auf ein langes Gespräch zwischen Henry Louis Gates und Tarantino. Die FAZ befasst sich mit der Lage der Frauen im Kunst- und Kulturbetrieb. Die Welt feiert das neue Album des Jazzsängers José James.

Küssende Hasen totschießen

17.01.2013. Es gab noch Zeiten, in denen Kinderbücher drastisch werden durften, aber die sind nun vorbei, meint die Presse in Wien, auch die Zeit befasst sich mit dem Thema. Für die Frankfurter Rundschau wird's langsam knapp, berichten verschiedene Medien. Die taz schildert Oper, Pornografie und Prostitution im Kontext. In der FR hält Quentin Tarantino am Begriff des Holocausts für die Sklaverei und die Geschichte der Indianer in den USA fest. In der Zeit versteht ZDF-Intendant Thomas Bellut das ganze Gerede um Schleichwerbung bei Gottschalk nicht: Die sei doch "durch die Clearingstelle ausgeschlossen".

Die Zukunft hat immer recht

16.01.2013. Die NZZ hält fest: Es ist nicht die Schuld der Habsburger, dass das Ungarische zur finnisch-ugrischen Sprachfamilie gehört. Alle feiern Quentin Tarantino, aber nicht die Amerikaner, die taz und die SZ.  Alle trauern um Nagisa Oshima. In der FAZ begrüßt Bernard-Henri Lévy den französischen Einsatz in Mali und warnt vor der Wüste.

Sie aßen nur, schliefen, putzten sich

15.01.2013. Die SZ beklagt reaktionären Infantilismus in dem Streit über politisch korrekte Sprache in Kinderbüchern. Das Cabinet Magazine erinnert an ein kulturkritisches Mäuseexperiment. Die Welt meditiert über die Dialektik des Arguments, Antisemitismusvorwürfe schadeten nur der Bekämpfung des Antisemitismus. Die taz wittert Korporatismus in der einhelligen Verteidigung Jakob Augsteins durch Kollegen.In der Berliner Zeitung rät Götz Aly Peer Steinbrück, nach unten zu blicken. Der Tod Aaron Swartz' löst nach wie vor Diskussionen aus.

Eine Zukunft, die niemals eingetreten ist

14.01.2013. Lawrence Lessig und Cory Doctorow schreiben zum Freitod des Internetaktivisten Aaron Swartz. Ihm drohten 35 Jahre Gefängnis, weil er wissenschaftliche Artikel einer MIT-Datenbank freigestellt hatte. Der Spiegel enthüllt: Jahrelang wurde in Thomas Gottschalks Show "Wetten dass" Werbung platziert. Die Österreicher sind happy: Golden Globes für Michael Haneke und Christoph Waltz. The Daily Beast bringt Jodie Fosters rätselhafte Golden Globes-Rede in sämtlichen denkbaren Versionen. Die NZZ feiert die Kulturhauptstadt Kosice. Die Welt am Sonntag analysiert den subtilen Rassismus der Israelkritiker.