Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

I love Juice

20.12.2010. Der Comedian Ricky Gervais erklärt in einem Blogbeitrag für das Wall Street Journal, warum er nicht erklärt, warum er nicht an Gott glaubt. Kenan Malik erinnert in seinem Blog an eine sehr internetfreundliche und zensurfeindliche Rede der jetzigen Wikileaks-Jägerin Hillary Clinton von Anfang des Jahres. In der SZ  wundert sich der Berthold-Beitz-Biograf Joachim Käppner über Kritik an dem Buch "Das Amt": "Natürlich war das Auswärtige Amt 1933 bis 1945 eine verbrecherische Organisation."

Der Westen erzittert vor Ekel

18.12.2010. In der taz fragt Tom Tykwer, warum zum Teufel man im Film eigentlich nicht denken dürfen soll. In der Berliner Zeitung meint Sophie Rois: Können wir langsam mal über die Liebesheirat wegkommen? Die Presse überlegt, warum der Begriff "Islamophobie" so geliebt wird. In der Welt beschreibt Viktor Jerofejew den Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Liberalen in Russland. In der SZ feiert Evgeni Morozov DDoS-Attacken als neue Form digitalen Widerstands. Die FAZ berichtet über die Exhumierung von Mordopfer des Spanischen Bürgerkriegs.

Da erschrak er, da erschrak ich

17.12.2010. Alan Posener wendet sich in starke-meinungen.de gegen Pascal Bruckners Perlentaucher-Artikel über die "Erfindung der Islamophobie". Vera Lengsfeld erinnert in der Achse des Guten an Jürgen Fuchs. Die FR erklärt am Beispiel Italiens, was Selbstentmächtigung der Politik ist. Die SZ versucht ihren Lesern zu erklären, was Leistungsschutzrechte sind.

Attacke einer verlorenen Kohorte

16.12.2010. In der FR verteidigt Micha Brumlik den Begriff der Islamophobie und macht gleich mehrere Treitschkes der Jetztzeit ausfindig. Die Welt kritisiert die Schüchternheit der FDP bei der Verteidigung säkularer Werte. Die SZ findet nun auch, dass Wikileaks für einen Paradigmenwechsel im Verhältnis des Staates zu seiner Öffentlichkeit stehe. Ähnlich sieht es Julian Nida-Rümelin in der Zeit. Aber nicht Bernd Ulrich in der Zeit. Der Perlentaucher fragt: Leistungsschutzrechte? Wofür denn?? Alle Zeitungen besprechen höchst beeindruckt Xavier Beauvois' Film "Von Menschen und Göttern".

Kreuzung von Dagobert Duck und Kim Il Sung

15.12.2010. CNN erklärt, warum die Cyberkrieger von Anonymous gegen den Weihnachtsmann keine Chance haben. In den Digitalen Notizen wendet sich der Medienwissenschaftler Stefan Münker gegen die Vermutung, früher sei für Inhalt bezahlt worden. In der FAZ erklärt Frank Rieger vom Chaos Computer Club, warum er das Prinzip Wikileaks für segensreich hält. Die taz wirbt für die Sharjah Art Foundation. Für die SZ ist Xavier Beauvois' Film "Von Menschen und Göttern" ein Wunder. Die NZZ fühlt mit Norwegens totem König Olav.

Der Elefant im Raum, Berliner Version

14.12.2010. Die NZZ ist entgeistert über die Stillhaltepolitik deutscher Politiker und Medien im Fall der beiden im Iran inhaftierten Journalisten Marcus Hellwig und Jens Koch. Die Blogs erklären einen Tag nach der Gründung des "Igels" gegen das Leistungsschutzrecht, was es mit diesem Spezialpolster für Verleger auf sich hat. Die SZ erklärt die Grundlagen des Cyberkriegs. Die FR beleuchtet die keineswegs vorteilhafte Rolle Pius' XII. und Ernst von Weizsäckers bei der Rettung der Juden von Rom.

Dogan K.! Wie Josef K.

13.12.2010. Im Journal du dimanche erzählt Bernard-Henri Levy, wie er die neuesten Wirren im Fall Sakineh Ashtiani erlebte. Die Diskussion um Wikileaks geht weiter: Auch in den Medien häufen sich die Stimmen für die Enthüllungen. Nachdem Frits Bolkesteins den Juden der Niederlande empfohlen hat zu emigrieren, bringt Trouw eine Reportage über die jüdische Gemeinde im Land. Im Perlentaucher kritisiert Pascal Bruckner die "Erfindung der Islamophobie". In der SZ erzählt Dogan Akhanli, wie er seine Inhaftierung in der Türkei erlebte.  Die FAZ diagnostiziert eine Verschwörung zwischen Rechtspopulisten aus Israel und Europa. Inszenierung des Wochenendes: ganz klar Volker Löschs Wedekind-Montage nach "Lulu" mit original Berliner Prostituierten. Und ein Igel ist geboren: gegen das Leistungsschutzrecht

Die Aus-Funktion wird mitgedacht

11.12.2010. Wikileaks treibt die Zeitungen immer noch stark um. Leiden Journalisten an dem Umstand, dass nicht sie die Dokumente lancierten? Sie sind erstaunlich schlechte Verlierer, schreibt Hans-Martin Tillack in seinem Stern-Blog. Wikileaks ist totales Denunziantentum, meint James Carinsson in der Welt. Im digitalen Zeitalter lassen sich Daten nicht mehr schützen, informiert Tim Renner mit der Erfahrung der Musikindustrie in Carta. Hans Leyendecker stellt sich in der SZ die bange Frage, ob er Teil des Systems sei. Taz und Tagesspiegel staunen über die Linke auf dem Kunstmarkt.

Jene Ehemaligen

10.12.2010. In der NZZ verteidigt der der kolumbianische Autor Hector Abad seinen Kollegen Mario Vargas Llosa gegen europäische Lateinamerikaromantiker. In der Welt plädiert Gerhard Schulze gegen totale Transparenz im Internet, auf das er übrigens gern verzichtet hätte. Das Feuilleton der Welt feiert die Freilassung  Dogan Akhanli, die sich möglicherweise der Angst vor einer Aktion Günter Wallraffs verdankt. In der FR erklärt der Sinologe  Heiner Roetz, warum der Konfuzianismus nicht im Widerspruch zu Menschenrechten steht. SZ und FAZ bringen großformatige Verteidigungen des Buchs "Das Amt".

Der gestisch verteilte Farbstoff

09.12.2010. Im Freitag kritisiert der Wikileaks-Dissident Daniel Domscheit-Berg die jüngste Veröffentlichungspolitik seines jüngsten Arbeitgebers. In der Zeit stellt er klar, dass ihm zwar Transparenz in der Organisation, aber mehr noch überall sonst fehlt. Würde ein Medium spo angegriffen wie Wikileaks, dann würden die Medien aber laut schreien, meint Neunetz. Mario Vargas-Llosas Nobelpreisrede spaltet die Feuilletons: Der SZ ist sie zu phrasenhaft und nicht links genug. Die FAZ lobt ihre politische Weitsicht. In der Zeit outet die des Zickenkriegs bezichtigte Alice Schwarzer die wahren Meister des Genres. In der taz lässt Ai Weiwei kein gutes Haar an Liu Xiaobo.