Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Spiellust des Lustspiels

15.09.2008. Der "berüchtigte Großschauspieler" Brandauer als Dorfrichter Adam und die "erwartungsgemäß textfromme" Inszenierung Peter Steins versetzen die Kritik wider Erwarten in Begeisterung, na ja, zumindest teilweise. Der Selbstmord des Autors David Foster Wallace im Alter von 46 Jahren schockiert die Zeitungen. In der FAS begeht Frank Schirrmacher den "Untergang 2".

Die Kunst bin ich

13.09.2008. Während die Architektur die Utopie gerade neu entdeckt, hat das deutsche Theater sie schon aufgegeben, diagnostiziert die NZZ. Die SZ hat in Uwe Tellkamp ihren Thomas Mann des Ostens gefunden. Die FR fragt sich, warum es einen Barack Obama, aber keine deutsch-türkischen Bürgermeister gibt. Autor Ulrich Holbein plant in der taz, einmal ein Buch über seine Drogenerfahrungen herauszubringen, dass Ernst Jüngers "Annäherungen" um einige Jointlängen schlägt. Und in der FAZ reist Andrzej Stasiuk ins öde Krasnokamensk, in dessen Straflager russische Ex-Oligarch Michail Chodorkowski festgehalten wird.

Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck

12.09.2008. Im Freitag fordert der georgische Schriftsteller Dato Barbakadse die russischen Intellektuellen auf, sich von ihren chauvinistischen Traditionen zu verabschieden. In der SZ stellt John Gray klar, dass uns im Kaukasus kein neuer Kalter Krieg bevorsteht, sondern die alten geopolitischen Konflikte des 19. Jahrhunderts. Die FAZ blickt nach Gazela, in das Roma-Ghetto von Belgrad. Dank Jeff Koons verspürt die NZZ noch einmal den genius loci von Versailles. Mehr Stifter als Dostojewski entdeckt die FR in Orhan Pamuks neuem Roman "Das Museum der Unschuld".

Zu Italo-Pop gemordet

11.09.2008. FAZ und Zeit bewundern und fürchten Damien Hirsts Coup, seine neuesten Werke bei einer Auktion selbst zu versteigern: Wird er den Kunstmarkt einbrechen lassen? Die Welt annonciert eine Glamour-Offensive der Opern. Die SZ preist Matteo Garrones schmutzigen Camorra-Film "Gomorrha". Die FR plädiert für einen weltweiten Kampf gegen die Unbildung. Der Tagesspiegel fragt, wie viele Milliarden Physiker-Träume wert sind.

Wenn Hawking recht hat

10.09.2008. Wir blicken gebannt nach Genf, wo heute der Teilchenbeschleuniger LHC in Betrieb geht. Der Tagesspiegel sieht kaum Chancen auf einen von wissengierigen Atomphysikern provozierten Weltuntergang. In der SZ beschreibt der Physiker Klaus Hentschel, wie am Cern kommuniziert wird. In der NZZ brandmarkt Arkadi Babtschenko Russlands Willen, um jeden Preis Großmacht zu sein. In der Welt erklärt Leoluca Orlando seine Solidarität mit Georgien. Die FR feiert Matteo Garrones ganz unglamourösen Mafia-Film "Gomorrha". Die FAZ will Google nicht auch noch die Vergangenheit der Zeitung überlassen.

Eine Horde Orang-Utans

09.09.2008. Das Drama der SPD beschäftigt auch die Feuilletons: Die FAZ verzweifelt über fehlende Verzweiflung. Die FR sieht das Politische in ein Trivialspektakel verwandelt. Im Tagesspiegel erzählt Christoph Schlingensief von seinem Kampf gegen größere Mächte. Und die SZ analysiert die Ökologie des Gehirns. Don Alphonso bezweifelt, dass ein bisschen Communitygedöns über die lausige Qualität von Qualitätsportalen hinweghilft.

Wille zur ästhetischen Unreinheit

08.09.2008. Am Ende hat Venedig die Kritiker doch noch zufriedengestellt, Mickey Rourke als abgehalfterter Wrestling-Star rührte sie sogar zu Tränen. Die FR verteidigt die Unwägbarkeiten des öffentlichen Raums. In der SZ erinnert Marcia Pally an die schmutzigen Kriege demokratischer US-Präsidenten.

Wahnsinn ohne Methode

06.09.2008. Juri Andruchowytsch erwartet in der NZZ, dass der "bespredelschtschik" Russland sich als nächstes die Ukraine vornimmt. Peter Glaser huldigt in der taz der zehnjährigen "Jetzt-sofort-alles-Maschine" Google. Die Welt erschrickt über venezianisches Mittelmaß. Die SZ spricht mit Dina Babbit, die für Josef Mengele Porträts malen musste, die FAZ plaudert mit dem gefürchteten Literaturagenten Andrew Wylie über das Verhältnis von Brad Pitt und Literatur.

Er stinkt und fasziniert

05.09.2008. Die Jungle World erkundet mit Theodor Lessing akademischen Antisemitismus und jüdischen Selbsthass. In der Welt erzählt Christoph Schlingensief, wie es ist, wenn es plötzlich im Leben knallt. In der FR schildert Barbara Frischmuth, wie die türkische AKP die Gunst der Intellektuellen verspielte. Die NZZ warnt vor dem Aussterben der italienischen Denkmalschützer. Die Tages-Post nimmt Gerhard Schröders Reden für Russland auseinander. Die FAZ führt mit Bernhard Bueb.

Zu hochhackig die Schuhe!

04.09.2008. Die SZ wehrt den Angriff gegen die Vernunft durch modische Dissidenten ab. Die taz warnt fröhlich vor Gefühlschaos und emotionalen Eskapaden im Rentenalter. In der FR erklärt der Schriftsteller Tom Piazza den Unterschied zwischen New Orleans und Albuquerque. Die Zeit vermisst intellektuelle Frauen in Deutschland. In der Welt stellt Cora Stephan klar, dass die Bundeswehr nicht der militärische Arm von amnesty international ist. Und die FAZ sieht ein neues schöpferisches Computerspiel-Zeitalter heraufziehen.