Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.03.2001.

NZZ, 31.03.2001

SZ, 31.03.2001

Im Gespräch mit Willi Winkler plaudert Mario Vargas Llosa über literarische Vorbilder und andere Nährböden für anspruchsvolle Literatur: "Wenn eine Gesellschaft einigermaßen glücklich ist und stabil, bringt sie im allgemeinen auch keine besondere Literatur hervor. Wozu auch? Chaos, Instabilität, Angst, Unsicherheit über Zukunft und Gegenwart sind gutes Material für Literatur. Reiche, befriedete Gesellschaften haben keine große Literatur, weil sie keine brauchen. Für die anderen gilt: Man weiß nicht, in welcher Welt man lebt. Deshalb erfindet man Welten, in denen es sich leichter leben lässt." Mit anderen Worten: Gute Bücher wird es immer geben - leider.

Was eigentlich ist eine Weltsprache? fragt Konrad Lischka. Englisch vielleicht? Ja und nein. Einerseits wird Englisch noch international gesprochen und verstanden, andererseits gibt es immer mehr regionale Hybridformen, sogenannte "Oral and Vernacular Englishes" (OVE) - das in Singapur gesprochene und wohl auch nur dort verstandene "Singlish" etwa -, die Standardenglisch, Werbeslogans und eine weitere Muttersprache miteinander vermengen. Wie nun sich verständigen, wenn die Weltsprache Englisch in einen Haufen neuer Landessprachen zerfällt? Ganz einfach: "Die Welt wird 'International Colloquial English' (ICE) sprechen. Das ist eine sich sehr schnell wandelnde Mixtur aus SABE ("Standard American-British Englis"), OVE und neuen Wortschöpfungen." Mit dem ICE-Verfahren, meint Lischka, ließe sich dann auf der ganzen Welt problemlos ein Burger bestellen. ---

Weitere Artikel: Helmut Mauro kommentiert die Entscheidung, Eva Wagner-Pasquier als neue Leiterin der Bayreuther Festspiele einzusetzen.

Besprochen werden: Eine kuriose TAT-Tat: Wagners Nibelungen, aber ohne Musik, von Tom Kühnel, Albert Ostermaiers Bühnenlamento "Abriss" im Münchner Marstall-Theater und ein Film mit Fingerspitzengefühl: "Die Farbe des Paradieses" des iranischen Regisseurs Majid Majidi. Schließlich empfiehlt Fritz Göttler das neue Buch von Hans Blumenberg: "Löwen", 32 Reflexionen über "das König unter den Tieren" - in Literatur und Malerei, Religion und Politik.

In der "SZ am Wochenende" geht's hoch her. Rolf Hochhuth, gerade 70 geworden und nicht leise, bricht eine Lanze für die sogenannten "Freischaffenden" und gegen die Medienkommandeure und Literaturverwalter. Und Volker Wörl bricht ein Länzchen für den Sozialismus: "Hat (der Kapitalismus) seine Überlegenheit wirklich bewiesen? ... In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion hat sein von Gesetzen, Regeln und Gewohnheiten ungebändigter Einzug Not und Kriminalität mit sich gebracht, den Lebensstandard einer überwiegenden Mehrheit katastrophal verschlechtert, Ordnungen aufgelöst und Mafiastrukturen geboren ... In den westlichen Gesellschaften kann die jüngste Entwicklung zu denken geben. An der Börse, also auf seinem ureigenen Gebiet, hat der Kapitalismus gezeigt, dass er keine Erfolgs- und Wohlstandsgarantie bietet. Schon der hektische Kursaufschwung bis zum Frühjahr 2000 war mehr Chaos als Ordnung, und seitdem sind Milliardenvermögen kaputt gegangen. Dabei hat sich übrigens die politische und wirtschaftliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten nicht gerade als segensreich erwiesen." Ohne demokratische Zügel und ein starkes Gegengewicht des Faktors Arbeit, meint Wörl, bleibe der Kapitalismus ein System der Starken, wird er die Differenzen zwischen Arm und Reich, die Ausbeutung von Mensch und Natur ständig vergrößern."

Weitere Artikel: Matthias Keller porträtiert den Komponisten Alfred Newman, Birgit Weidinger porträtiert die Autorin Esther Freud, und Isabel Schayani beschreibt ihre Begegnung mit einer streng orthodoxen Jüdin in Amsterdam.

FR, 31.03.2001

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FAZ, 31.03.2001