9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Es sind schamlose und törichte Zeiten

22.04.2023. Moskau droht Deutschland mit dem Hufeisen: Eine Recherche der Washington Post belegt, wie Putin die öffentliche Meinung, ja die politische Landschaft in Deutschland formen will: durch eine Fusion der ganz Linken mit den ganz Rechten. Recht skeptisch blickt die FAZ auf das neue Konzept für die Paulskirche: Ist das geplante "Haus der Demokratie" eine Exklusivveranstaltung des Bundes? In der taz skizziert der israelisch-palästinensische Politologe Bashir Bashir eine mögliche Versöhnung in Israel.

Vor der großen Havarie

21.04.2023. In der SZ wirft der sehr zornige ukrainische Diplomat Oleksander Scherba den hiesigen Friedensaktivisten vor, sie erschüttere weniger der Tod ukrainischer Zivilisten als die Bilder von ihrem Tod. taz und FAZ stellen den Erdogan-Herausforderer Kemal Kilicdaroglu vor, der sich gerade offen als Alevit bekannt hat. In der FAZ ermuntert Fabian Payr dazu, auch mal die Gefühle der Menschen ernst zu nehmen, denen das Gendern ihre sprachliche Identität nimmt. Die SZ erinnert die Klimakleber daran, dass nicht nur nur ältere konservative Biodeutsche am Auto hängen.

Die Ideologie der Macht und des Kapitals

20.04.2023. Maria Pevchikh von der Nawalny-Stiftung porträtiert auf Twitter die Oligarchen-Gattin Swetlana Maniowitsch, die sich in Cannes, London und Genf vergnügt, während ihr Mann, stellvertretender Verteidigungsminister Russlands, die Ukraine in Schutt und Asche schießt. Was macht Europa eigentlich, wenn in den USA Trump oder ähnliche wieder an die Macht kommen, fragt Hannes Stein in der Welt. Es gibt die Cancel Culture nicht nur nicht, sie lohnt sich auch sehr für ihre Verfechter, schreibt Ijoma Mangold in der Zeit.

Halt links statt rechts

19.04.2023. Alles, was die russische Armee in der Ukraine anrichtet, hat sie schon Jahre zuvor in Tschetschenien angerichtet, erinnert in der Zeit der russische Schriftsteller Sergej Lebedew. In der Welt erkennt der Migrationsforscher Oliviero Angeli die Flüchtlingskonvention als Produkt des Kalten Krieges. Auch Provenienzforschung kann als kolonialistisch angesehen werden, informiert uns die FAZ. In der taz prangert die Schriftstellerin Nora Bossong die Heuchelei in den Medien an, die Mathias Döpfner seine politische Agenda vorwerfen, als hätten sie selbst keine. Welt, SZ und FAZ versuchen die KI einzufangen.

"Nur du kannst uns noch retten"

18.04.2023. Russland muss eine totale Kapitulation erleben, um sich von seinem staatlichen Größenwahn zu befreien, meint in der Welt Olaf Kühl. Das Timing war schlecht, aber ansonsten begrüßt die SZ Emmanuel Macrons Vorstöße für mehr europäische Souveränität. Helfen die von der Zeit geleakten Mails von Mathias Döpfner dem Ex-Bild-Chef Julian Reichelt gegen den Vorwurf, seine Position missbraucht zu haben, um Frauen bei der Bild zum Sex zu zwingen, rätseln Meedia und die FAZ. Die NZZ würde gern wissen: Ist Reichelt die Hauptquelle des Zeit-Artikels? taz und NZZ erinnern an den Aufstand im Warschauer Ghetto vor 80 Jahren.

Wie bei Poes entwendetem Brief

17.04.2023. Nicht nur Alexei Nawalny und Wladimir Kara-Mursa , auch der ehemalige georgische Staatspräsident Michail Saakaschwili wird in Haft gequält, berichtet der Observer. Die New York Times erklärt, warum Google solche Angst vor Künstlicher Intelligenz hat. In der NZZ fragt Ljudmila Ulitzkaja: Brauchen wir Freiheit, und wie viel davon? Die FAS beleuchtet das schwere Leben mit ÖPNV in Deutschland. Im Guardian fragt Tomiwa Owolade: Was ist, wenn sich weiße Iren häufiger als rassistisch verfolgt sehen als Schwarzafrikaner und alle asiatischen ethnischen Gruppen?

Kant würde Waffen liefern

15.04.2023. Der Guardian fürchtet, die amerikanischen Geheimdienste sind zu aufgebläht, langsam und komplex, um ihr Wissen unter Kontrolle zu halten. In der FR nimmt der Philosophieprofessor Markus Tiedemann Immanuel Kant gegen die Pazifisten in Schutz. Die FAS widerspricht Alexander Kluges Idee vom Krieg als großem Gleichmacher. In der taz opponiert die Feministin Luise F. Pusch gegen das Selbstbestimmungsgesetz. In der NYTimes fordert Thomas Friedman die Journalisten auf, nach China zu gehen: If you don't go, you don't know.

Die Rente als Erlösung

14.04.2023. Die Presse schwelgt in ihrem Lieblingsthema: der Springer-Presse. Handelt es sich bei den in der Zeit geleakten SMS von Mathias Döpfner um eine Rache Julian Reichelts, fragen Stefan Niggemeier und die FAZ. Döpfner ist ein Ossist, ruft die Berliner Zeitung. China ist ab heute nicht mehr das bevölkerungsreichste Land der Erde - die Chinesen werden jetzt animiert, viele Kinder zu zeugen, berichtet die taz. In der SZ erklärt der Soziologe Luc Rouban, warum die Franzosen so hingebungsvoll für ihre Rente kämpfen.

Wer da so alles mitliest

13.04.2023. Wladimir Putin scheint Alexei Nawalny zu Tode quälen zu wollen, fürchtet die taz. SZ und FAZ versuchen, mit Emmanuel Macrons leichtfertigen Äußerungen zu Taiwan fertig zu werden. In der Zeit beleuchtet der russische Kulturwissenschaftler Alexander Etkind die russisch-chinesischen Beziehungen: China hat Russland einiges zu verzeihen. Warum müssen die Staatsleistungen an die Kirchen abgelöst werden, da die Ansprüche über Jahrhunderte doch längst abgelöst sind, fragt die SZ.

Schüren der Glut

12.04.2023. Politische Gefangene in Belarus werden mit Aufnähern gekennzeichnet, um zu markieren, wer gewissenhafter gefoltert werden soll, sagt Swetlana Tichanowskaja in einer von der SZ veröffentlichten Rede. Auf die vielen Iranerinnen, die ohne Kopftuch auf die Straße gehen, werden jetzt die "Feuerfreien" losgelassen, berichtet die FAZ. Die Chinesen investieren und sprechen nicht von Menschenrechten, erklärt Asfa-Wossen Asserate in der NZZ afrikanische Sympathien für China. Und in der FR sieht Claus Leggewie Frankreich auf dem Weg in die "Sechste Republik".