9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

November 2018

Don't be Sorry, Be Angry

17.11.2018. Carole Cadwalladr macht in NYRDaily klar, dass Trump und Brexit unauflöslich miteinander verbunden sind.  Es gibt eine Wahrheit im Krieg, auch im Syrienkrieg, und auch Gut und Böse lassen sich unterscheiden, sagt die Politologin Kristin Helberg an die Adresse all der Medien, die mal den Experten A, und dann Experten B interviewen.  Der Künstler Nils Pooker begründet im Blog  des Marta-Museums in Herford, warum es für ihn ein Skandal ist, dass das Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim Rechte auf Reproduktionen gemeinfreier Bilder geltend macht.

Jenes Fremdheitsgefühl

16.11.2018. Der Guardian fragt: Warum eigentlich verzichten so viele dezidierte Brexit-Anhänger darauf, den Brexit mitzugestalten und verlassen die Regierung? Soll das Gendersternchen in die amtliche Rechtschreibung eingeführt werden, oder ist das Gewalt an der Grammatik, fragt der Dlf. Aufruhr bei Facebook nach der Enthüllung der New York Times, dass der Konzern zur Not nicht mal davor zurückschreckt, George Soros anzuschwärzen. Und die FR erklärt, warum die öffentlich-rechtlichen Sender immer noch Gebühren für Zweitwohnungen wollen.

Die kleinen Bestechungen

15.11.2018. Theresa Mays Brexit-Kompromiss mit der EU ist von ihrem Kabinett abgesegnet. Dem Guardian graut jetzt nur noch vor dem Parlament. In der NZZ prangert Steven Pinker linken Kulturpessimismus an.  Die New York Times bringt eine aufwändige Recherche über das unzureichende Krisenmanagement bei Facebook. Reuters erzählt, wie China sein System der Überwachung der Bürger per Personalausweis nach Venezuela exportiert. In der Welt wendet sich der Gymnasiallehrer Rainer Werner gegen das Kopftuch in Schulen. Aktualisiert: und außerdem die neue Tellkamp-Debatte.

Nicht nur, dass man nicht weiß

14.11.2018. Die Irish Times unterscheidet mit Blick auf die Brexit-Anhänger zwischen drei Formen der Ignoranz: absichtliches Unwissen, krasse Selbsttäuschung und "pig ignorance". Die SZ erzählt, wie die Stadt Chemnitz ihren Ruf retten will. Die New York Times bringt eine dreiteilige Videoserie über russische Einflussnahme bei den amerikanischen Wahlen. Wieviele Paywalls werden die Leser von Medien wohl bezahlen, fragt das Nieman Lab. Die FAZ beklagt die öffentlich-rechtliche Schmonzettenexpansion.

8 Millionen Aktivitäten zur ethnischen Einheit

13.11.2018. Im Guardian beschreibt der Sinologe Timothy Grose die brutale Unterdrückung der muslimischen Bevölkerung von China.  Laut New York Times präsentiert die Türkei neue Audiodokumente, die nachweisen sollen, dass Jamal Khashoggi auf höchste Weisung ermordet wurde. Politico.com erklärt, was es mit dem "Intellectual Dark Web" (IDW) auf sich hat. Und der Guardian freut sich über eine Million Leser, die ihn unterstützen.

Verhängnisvolles Zusammendenken

12.11.2018. In der FAZ erzählt Alexander Gallus, was die Novemberrevolution in den Köpfen der Rechtsextremisten anrichtete. Robert Menasse und Ullrike Guérot riefen von mehreren Berliner Balkonen die Europäische Repubilk aus. Der Text ist in der Berliner Zeitung zu lesen, das Publikum war schütter. Golem.de erläutert, was Katarina Barley am Leistungsschutzrecht kritisiert, und warum sich die Zeitungen bei der der Eprivacy-Verordnung mit Google und Co. auf einmal so gut verstehen.

Das zu sehen, ist unheimlich

10.11.2018. In der Welt erklärt Per Leo, dass es im Kampf gegen Rechts nicht reicht, seine Haltung zu demonstrieren: Man braucht Strategie. Auch die taz warnt vor Konfliktscheu. Außerdem erinnert sie an die große Frauenrechtlerin Marie Juchacz. Die Berliner Zeitung ruft: Die SPD hat 1919 die Arbeiterbewegung nicht verraten, sondern gerettet. Peter Sloterdijk wirft die Frage auf, ob wir zur Freiheit genötigt werden. Die NYRB beschreibt den innigen Clinch von CNN und Donald Trump. Und Britannien droht Jo Johnson zufolge: Vasallentum oder Chaos.

Ein Bruchteil jener Aufmerksamkeit

09.11.2018. Das Humboldt-Forum wird wohl doch erst später eröffnet, meldet die SZ, und das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst werden gerupft. Die taz fragt, warum sich Deutschland mit dem 9. November so schwer tut. Und warum wird der Novemberrevolution kaum gedacht? In der SZ fordert Heribert Prantl, dass der 9. November zum Feiertag erklärt wird. Die internationale Journalistenschaft streitet über den Clash zwischen Donald Trump und dem CNN-Reporter Jim Acosta.

Mit einem Handstreich

08.11.2018. In der FAZ erzählt Georg Stefan Troller, 1922 geboren,wie die Juden in Wien in der Pogromnacht vor achtzig Jahren schikaniert wurden. Julius Schoeps vermutet im Tagesspiegel, dass die Bevölkerung nichts gegen die Pogromnacht unternahm, weil die Kirchen sich duckten. CNN  legt dar, wie Donald Trump seine größere Mehrheit im Senat nutzt, um die Untersuchungen zu seinem Wahlkampf abzuwürgen - Trump entzieht einem CNN-Journalisten zugleich die Akkreditierung. 

Foucault nannte das Diskurspolizei

07.11.2018. Leise Hoffnung nach den Midterm-Wahlen: Die Demokraten sollen sich das Konfetti aus dem Haar schütteln und jetzt bloß keinen Mist bauen, meint die New York Times. In der FR spricht Yehuda Bauer über die Zeit, als die Palästinenser noch keine Palästinenser waren. Die FAZ giftet gegen Bundesjustizministerin Katarina Barley, die das Leistungsschutzrecht in Frage stellte. Und Amazon verdient laut Handelsblatt jeden fünften Euro im deutschen Buchmarkt (off- und online zusammengenommen).

Sonst ist die Debatte so hilflos

06.11.2018. Nach dem Mord an der Aktivistin Kateryna Gandsjuk äußern Bürgerrechtsgruppen scharfe Kritik an den ukrainischen Behörden, berichtet Radio Free Europe. Tim Berners-Lee lanciert eine Charta für eine freies Internet, berichtet der Business Insider. Auf der Website von Rowohlt erklärt die Kolumnistin Margarete Stokowski, warum sie in der Buchhandlung Lehmkuhl in München nicht lesen wollte - und der Buchhändler Michael Lemling erklärt in der SZ, warum er es für richtig hält, auch Bücher von Rechtsintellektuellen anzubieten.

Der Lärm hat kaum mehr ästhetische Bedeutung

05.11.2018. Herta Müller schaut in einer Rede, die im Tagesspiegel abgedruckt ist, nach Osteuropa und erblickt ein Zerrbild von 1989. Der Neubeginn von 1918 war von Anfang an vergiftet, ruft Heinrich August Winkler in der FAZ in Erinnerung. Die ukrainische Aktivistin Kateryna Gandsjuk ist ermordet worden, meldet Radio Free EuropeLe Monde blickt nach Kiel. Und die NZZ  fragt bang: "Wird in Zukunft Stille herrschen?"

Referendum über das Zeitalter des Donald Trump

03.11.2018. Im New York Magazine macht Andrew Sullivan den Amerikanern Mut: Schon vor zwei Jahren waren sie gegen Trump in der Mehrheit, und diesmal wird die Mehrheit größer sein. Nein, das Attentat von Pittsburgh war kein Attentat gegen Religion, es war eines gegen Juden, weil sie Juden sind, insistiert Yair Rosenberg in der Washington Post. Fact-Checking hat auch Schattenseiten,  erklärt der Kommunikationswissenschaftler Christian Hoffmann in der NZZ.

Indolenz damals, Indolenz heute

02.11.2018. Die taz erinnert an die Konferenz von Evian vor achtzig Jahren, wo sich die Staaten nicht auf die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge einigen konnten.  Der Tagesspiegel bringt einen Abgesang des Dramatikers Moritz Rinke auf Angela Merkel. Die Organisation Freedom House zeigt in einem Bericht, wie Regierungen das Internet kapern und mit dem Argument, "Fake News" zu bekämpfen, jegliche Kritik ersticken. Spiegel online berichtet, wie Jan Böhmermann mit einer müden Pointe der Kritik ausweicht.

Freiheitsverwöhnung

01.11.2018. Die CDU wird nach rechts rücken. Die taz würde einen Kandidaten Friedrich Merz begrüßen, weil er ein "Garant für klare Fronten" wäre. Jens Spahn legt in der FAZ einen Grundsatztext vor, in dem er behauptet, das die CDU eigentlich gar nicht nach rechts rücken muss - solange es nur christlich und familienfreundlich zugeht. Der Zeit wird bei beiden mulmig. Die New York Times erzählt, wie Donald Trump und seine rechtsextremen Weggenossen die Diabolisierung George Soros' betrieben haben.