9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Dezember 2014

Das ist richtig gut für die Lungen

31.12.2014. Die  feministische Ökonomin Mascha Madörin sagt im Freitag den Frauen eine große Zukunft voraus. Im Jahr 2014 haben Europa und die USA endgültig ihre Vormachtstellung in der Welt verloren, findet die taz. Oliver Stone hat den Schuldigen für die Majdan-Revolution gefunden und outet ihn auf Facebook: Es war die CIA. Das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums zu den Öffentlich-Rechtlichen sorgt weiter für Diskussionen.

Mit Zitaten an der Grenze des Erlaubten

30.12.2014. Nur freie Software, nicht der Staat oder Unternehmen, können uns vor Überwachung schützen, meint Richard Stallman in einer Rede vor dem Chaos Computer Club laut heise.de. Auch andere Medien berichten über das Treffen des Clubs. Die NZZ bringt eine Physiognomie der chinesischen Superreichen. Nach dem Urteil gegen Alexej Nawalny wird sich heute Abend zeigen, ob die russische Opposition noch demonstrieren kann, meint AFP. In der Zeit feiert Mircea Cartarescu die Rumäniendeutschen.

Schuhe im Schlafsack

29.12.2014. Katja Petrowskaja betrachtet in der FAS mit Entsetzen die europäische Reaktion auf die Ukraine-Krise. Die NZZ trauert um Londons Vergnügungsviertel Soho. In der taz schreibt Gabriele Goettle einen Nachruf auf den Obdachlosen Jürgen Jonas. taz und FAS feiern die Tagung des Chaos Computer Clubs als Ort der Selbstbestimmung und Aneignung. "The Interview" läuft nun in Netz und Kino, künstlerisch eine Enttäuschung, finanziell ein Erfolg.

Die Übermacht der westlichen Kultur

27.12.2014. Ein algerischer Hassprediger hat den Tod des Schriftstellers Kamel Doaud gefordert, die NZZ berichtet über die als Fatwa verkappte Morddrohung, die Huffpo.fr bringt schon eine gewaltige Solidaritätserklärung. In der taz erklärt die Ökonomin Mariana Mazzucato, dass nicht die Agenda 2010 Deutschland so stark gemacht hat, sondern das Fraunhofer-Institut. In der FAZ erinnert Hans Christoph Buch an Haiti. In der Welt fragt Marko Martin, was denn bitte das wallonische Mons zu einer Kulturhauptstadt machen soll.

In Form von Dampf

24.12.2014. Sony hat eine frohe Botschaft: "The Interview" kommt nun doch in die Kinos. In Spiegel Online ist sich Jan Fleischhauer sicher: Das Internet ist schuld an Pegida. Die taz ist anderer Meinung: Es könnte auch an Dresden liegen. Das "Recht auf Vergessen" ist ein Riesenerfolg, meldet dpa. Die taz führt ein unweihnachtliches Gespräch mit Markus Gabriel. Aber wenigstens den Kirchen brachte 2014 einen großen Segen, berichtet die FAZ. Und auch der Perlentaucher wünscht seinen Leserinnen und Lesern: Frohe Feiertage!

Waffen gegen Butter

23.12.2014. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash eine Hommage auf Schildkrötenbändigerin Merkel, die den Bären Putin besiegte. Die Russlandfreundlichkeit der Deutschen ist laut Zeit online aber so groß, dass sehr viele von ihnen den Medien lieber nicht mehr glauben. In der SZ erstellen Heinz Bude und Ernst-Dieter Lantermann eine Psychologie der Islamfeindlichkeit. Motherboard erzählt, wie Sony die weitere Verbreitung geleakter Mails bekämpft. In der Welt fragt Wolf Lepenies, ob Deutschland überhaupt "Abendland" ist.

Es endet nicht mit der Kulturindustrie

22.12.2014. Ägypten wird zum Land des Schweigens und der Angst, fürchtet die Autorin Mansura Eseddin in der NZZ. Angesichts der Erfolge der IS-Miliz hilft nur Islamkritik, besonders wenn sie von aufgeklärten Muslimen kommt, meint Matthias Kuentzel im Perlentaucher. Die Konsequenzen des Sony Hacks auf den kulturellen Diskurs sind noch gar nicht abzusehen, meint David Carr in der New York Times. Die FAZ empfiehlt nachdrücklich Rainer Merkels großen Bericht über Ebola in Liberia.

Ein beängstigender Effekt

20.12.2014. George Clooney ist stinksauer über den Sony-Hack und den Rückzug von "The Interview" und lässt in dem Hollywood-Blog Deadline Sony, die Filmindustrie, die Stars und die Medien sehr schlecht aussehen. Barack Obama beschuldigt Nordkorea und kündigt eine Antwort an. Google sollte den Film hosten, meint Mashable. Warum darf man in sieben Staaten der USA keinen offiziellen Posten bekleiden, wenn man Atheist ist, fragt Slate.fr. Henryk Broder kritisiert in der Welt den Paternalismus gegenüber Pegida-Anhängern.

International anerkannter Desinformationsindex

19.12.2014. Der Totalrückzug der Nordkorea-Satire "The Interview" versetzt das globale Dorf in helle Aufregung. Gizmodo hat noch einen Trailer gefunden, auf den wir verlinken. Allgemein wird die Niederlage der Freiheit beklagt: "American freedom is now dead (1776-2014, RIP)". Außerdem: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat Ärger mit "postkolonialen" Interessenvertretern, die das komplette Konzept für das Humboldt-Forum in Frage stellen, berichtet die taz. Und Carta fragt, was Springer mit Politico vorhat.

Auf Weihnachten gibt es kein Copyright

18.12.2014. Hollywood und Medien in Aufruhr: Sony zieht seine Nordkorea-Satire "The Interview" nach Terrordrohungen mit Haut und Haar zurück. Der Film sollte zu Weihnachten starten, nun kommt er nicht mal mehr auf DVD. Noch nie hat eine US-Firma derart hilflos ausgesehen, kommentiert Mashable. Die Welt bringt einen Artikel des Autors Aaron Sorkin, dessen Mails beim Cyberangriff auf Sony geleakt wurden: Er wollte Tom Cruise als Steve Jobs. Die taz hofft, dass Pakistan nach dem jüngsten Massaker von der Unterstüzung der Taliban abrückt. Die FAZ bringt ein weiteres Plädoyer gegen Sterbehilfe. In der taz schreibt Ilija Trojanow über die Berichte zu CIA-Folter.

Sei es fremd, sei es links, sei es irgendwie modern

17.12.2014. In der arabischen Welt gibt es immer mehr Tendenzen zur Abkehr von Religion, berichtet die NZZ. Auch deshalb, weil Religion und Gewalt im Islam nicht erst seit der IS-Miliz verknüpft sind, meint der Religionspädagoge Ednan Aslan in der Zeit. Bei dem Sony-Hack sind auch einige Mails von Hollywood-Bossen zutage gekommen, die davon träumen, Websites willkürlich sperren zu dürfen, berichtet The Verge. Die Zeit ärgert sich sehr über Menschen, die das Leben nicht mehr als ein Geschenk Gottes anerkennen und über ihren Tod selbst entscheiden wollen. Das Entsetzen über Pegida ist überall groß.

Der Anfang der Aufteilung

16.12.2014. In der Berliner Zeitung fragt sich Götz Aly, ob die Fremdenfeindlichkeit in Dresden nicht eingebaut ist. Der Streit ums Leistungsschutzrecht ist nicht ausgestanden - laut Wall Street Journal und Businessweek wird er wohl in Brüssel fortgesetzt. Das NYRBlog widmet dem Dalai Lama eine Art Nachruf zu Lebzeiten: Keiner will sich mehr mit ihm blicken lassen, nicht mal der Papst. Die  SZ berichtet über russische Ernüchterung in der Ostukraine. Die Welt stellt Iwan Iljin vor, einen von Putin verehrten Philosophen.

Zugeknöpft wie ein Nachkriegsauto

15.12.2014. Im Perlentaucher wendet sich Ralf Fücks gegen die putinistische Verdrehung von Tatsachen. In der FAZ fragt Timothy Snyder, warum Wladimir Putin den Hitler-Stalin-Pakt rehabilitiert. Neunetz fürchtet, dass Europa sich per Regulierung gegen das Internet wehrt. Großer Ärger bei der NZZ: Die Redaktion wehrt sich gegen die Installation eines Christoph-Blocher-Manns als Chefredakteur.

Unbeabsichtigtes Aufschnappen

13.12.2014. Der Folterbericht des Senate Intelligence Committee in dern USA sorgt überall für Diskussionen, der Miami Herald setzt seine verdienstvolle Berichterstattung zum Thema mit neuen Enthüllungen fort. Der New Yorker erzählt, wie es in der New Republic zum Krach kam, und was Amazon damit zu tun hat. Die spanischen Zeitungsverleger wollen laut Spain Report nicht nur, dass Google für Snippets bezahlt, sondern dass es zu Snippets gezwungen wird, so dass auch wirklich Geld rüberkommt. Die SZ fürchtet, dass die aramäische Sprache vollends verschwindet.

Den Impulsen von Interessengruppen gewidmet

12.12.2014. Eine Gruppe von Osteuropaforschern veröffentlicht auf Change.org einen Gegenaufruf zum Putin-freundlichen Appell einiger Elder Statesmen und Artists. Google News schließt in Spanien ganz, um auf die neue Google-Steuer des Landes zu reagieren. Europäische Netzverleger wenden sich zugleich gegen ein Leistungsschutzrecht auf EU-Ebene. Für alle Medien, die kein Geld von Google bekommen, entwickelt laut cicero.de der Tagesspiegel ein neues Geschäftsmodell. Die SZ beschreibt, wie einige Psychologen die Foltermethoden der CIA entwickelten. In der NZZ feiert Otfried Höffe die "Kant-Dekade" als Gegengift zur "Luther-Dekade".

Schamanen des Informationszeitalters

11.12.2014. Libération berichtet aus dem französischen Städtchen Lunel, das sechs Jugendliche an den Dschihad verlor. Adonis macht in der Zeit den Westen für die Probleme verantwortlich, die die arabischen Länder mit sich selber haben. Auch die deutschen Zeitungen berichten jetzt über die Krise bei der New Republic. Der Guardian sucht einen neuen Chefredakteur - Alan Rusbridger geht in den Aufsichtsrat.

Keine Angst vor der Nato

10.12.2014. Der moskaufreundliche Aufruf deutscher Elder Statesmen und Artists wird in SZ und FAZ kritisiert. Chinesische Dissidenten greifen laut Telegraph Mark Zuckerberg an, der sich an Xi Jinping ranschmeißt, um endlich auch in China zugelassen zu werden. Die NZZ ist beeindruckt vom Jüdischen Museum in Warschau, beklagt aber Überinszenierung. Cory Doctorow kritisiert in Boingboing Zensur im britischen Netz.

Die leere Zeit als Zeichen bedächtiger Klugheit

09.12.2014. Der Prominenten-Aufruf für Russland sorgt weiter für Debatten. Richard Herzinger fragt in seinem Blog nach dem Wesen des "Genscherismus", dessen Geist der Aufruf atmet. Stefan Niggemeier hätte sich mehr Berichterstattung über den Aufruf gewünscht. Anna Netrebko posiert inzwischen mit den prorussischen Separatisten. In der taz stellt sich KiWi-Verleger Helge Malchow der Vergangenheit des Mitgründers Joseph Caspar Witsch. Die SZ denkt über einen Digitalisierungsstreik nach. Le Monde stellt das neue Medium Reported.ly vor.

Abstraktion lautet das Zauberwort

08.12.2014. In der NZZ fragt Jonathan Littell, ob Staaten für Geiseln der IS-Miliz Lösegeld zahlen sollten. Scharf wendet sich in der Welt Karl Schlögel gegen einen unter anderem von Wim Wenders und Gerhard Schröder unterzeichneten prorussischen Aufruf. Der britische Journalist Duncan Campbell beklagt in der taz die mangelnden Konsequenzen aus Edward Snowdens Enthüllungen. Mashable und Rue89 erzählen, wie die New Republic auf dem Weg ins digitale Zeitalter zerbricht.

Sei lieb zu der Flasche

06.12.2014. Die Welt denkt über die interkulturellen Kompetenzen von Cyborgs nach. Micha Brumlik fürchtet in der taz um die jüdische Diaspora. Ebenfalls in der taz erklärt Behnam Said das Sektierertum des Islamischen Staates zu seinem großen Schwachpunkt. Die Jungle World ächzt über die unpolitische Deutschland-Ausstellung im British Museum. Die NZZ fragt, wann den Menschen eigentlich der Glaube an Vernunft und Autonomie abhanden gekommen ist. Die SZ geht mit dem freundlichen Herrn Müller vom LKA einen Kaffe trinken.

In preisgünstigen Kleidungsstücken

05.12.2014. Die Berliner Zeitung schaut mit Grauen auf das 400-Millionen-Euro-Desaster der Berliner Statsoper. In den Verlagsblogs Hundertvierzehn und Logbuch denken Kathrin Röggla und Friedrich von Borries über Jaron Lanier nach. Die New Republic fragt: Wo bleibt die Entschädigung für Guantanomo-Opfer wie Murat Kurnaz? Die neuesten Vorgänge beim Spiegel sorgen bei Twitter und in den Medien für Aufregung. Pierre Assouline denkt in seinem Blog über den ungeheuren Erfolg des Rechtspopulisten Eric Zemmour nach.

Diese smarten Diktaturprofis

04.12.2014. Laut turi2 gibt es einen neuen Chefredakteur beim Spiegel. Helga Hirsch ruft dem Rapper Haftbefehl und der Presse, die ihn liebt, in der Zeit ein kräftiges "Zeig deine Eier, du Pussycat" entgegen. Sascha Lobo graut in seiner Spiegel-Online-Kolumne vor den Wohlverhaltens-Apps der Versicherungsindustrie. Die Berliner Zeitungen ächzen laut vernehmnlich: Die Sanierung der Staatsoper kostet nicht nur 93 Millionen Euro mehr als bekannt, sie wird auch erst nach drei, nein fünf, ach, äh, sieben Jahren abgeschlossen.

Eine Kolonie der eigenen Elite

03.12.2014. In der NZZ erinnert Hans-Christoph Buch an jene Zeit, als Berlin die Hoffnung der kolonisierten Länder war. Im Blog der NYRB erklärt Ahmed Rashid, warum sich die USA so schwer tun, eine Strategie gegen die IS-Miliz zu finden. BHL plädiert in Le Point gegen die französische Anerkennung eines palästinensischen Staates. Das NiemanLab staunt über die geplante europäische Google-Steuer.

Seitdem wechsle ich ständig die Autos

02.12.2014. Im New York Magazine erklärt Chris Rock den Unterschied zwischen weißem Fortschritt und schwarzem Fortschritt. Huffpo.fr erzählt, wie das ägyptische Militärregime mit der Verfolgung Homosexueller Punkte machen will. Die FAZ porträtiert den deutschen Rapper Denis Cuspert, der heute zur Leitungsebene der IS-Miliz gehören soll. Die SZ spricht mit Edward Snowdens deutschem Anwalt Wolfgang Kaleck über den alternativen Nobelpreis für den Whistleblower. In der taz schildert die Journalistin Farida Nekzad ihre Arbeitsbedingungen in Afghanistan.

Typische Kunsthändlerkollektion

01.12.2014. Die französische Huffpo nimmt die ideologischen Widerprüche innerhalb des Front national auseinander. Gerüchteweise sollen Wolfgang Büchner im Spiegel ab- und Jürgen Kaube im FAZ-Feuilleton antreten. Die Welt findet die Gurlitt-Sammlung gar nicht so aufregend.