Die Teletaucher Fernseh- und Hörfunk-Empfehlungen wurden 2010 eingestellt.

9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ein laut und deutlich gesprochenes "Stopp!"

05.05.2023. Morgen ist Krönung. Den Medien ist teils feierlich zumute, teils gar nicht. Golem.de empfiehlt: Charles III. sollte sich nicht von den Pixies wecken lassen. Die Welt erzählt, wie Barack Obama gegen ein üppiges Honorar peinliche Fragen umgeht. Anhänger der Cancel Culture bestreiten, dass es sie gibt, heute Hadija Haruna-Oelker in der FR. Ebendort rät Felix Klein von Boykotten ab. In der SZ nimmt der Autor Norbert F. Pötzl Katja Hoyers DDR-Geschichte "Beyond the Wall" auseinander.

Nur eine vermeintliche Stabilität

04.05.2023. Die Zeit berichtet, wie Alexej Nawalny in Putins Gefängnissen gequält wird. Dass sich Gerhard Schröder von Putin derart schmieren ließ, erscheint im nachhinein noch obszöner, meint Joachim Gauck im Tagesspiegel. Mathias Döpfner macht nicht nur als Romanfigur keine gute Figur, auch das Leistungsschutzrecht, das er für die deutschen Zeitungen erkämpfte, lässt laut golem.de zu wünschen übrig. Die NZZ berichtet über die scharfe Diskriminierung von Muslimen in China. Zeit online recherchiert über Viktor Orbans Netzwerke in Deutschland.

Pilcherhaft schöne Stunden

03.05.2023. Heute ist Internationaler Tag der Pressefreiheit. Die taz hat ihm eine ganze Ausgabe gewidmet und berichtet unter anderem, wie der türkische Staat versucht, Journalisten für sich spionieren zu lassen. In Indien achtet die Regierung darauf, dass Journalisten und Wissenschaftler "hinduistische Gefühle" nicht verletzen, erzählt die FAZ. Die FR befürchtet, dass KI der Pressefreiheit den Rest geben könnte. In der NZZ erzählt Mario Vargas Llosa, wie in Peru Reporter angegriffen werden, die über sexuellen Missbrauch von Priestern berichten.  Die Welt versichert, Frauen müssen keine Angst haben: Auch nach dem neuen Selbstbestimmungsgesetz wären sie in ihren Frauensaunen sicher vor "bärtigen Rockern namens Lisa".

Der Made-in-Europe-Anteil eines Geschosses

02.05.2023. In der FAZ sieht der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel den russischen Imperialismus bis zu Peter I. zurückreichen: Echte Verhandlungen im Ukrainekrieg sind erst nach Putin möglich, meint er. Die SZ ist entsetzt vom Bürokratismus der EU bei der Lieferung von Munition an die Ukraine. Dänemarks Gewerkschaftsführerin Lizette Risgaard muss wegen jahrelanger sexueller Belästigung jüngerer Männer zurücktreten, berichtet die taz. In der SZ beobachtet der Integrationsexperte Haci-Halil Uslucan eine Re-Ethnisierung der Deutschtürken, von denen überproportional viele Erdogan wählen würden.

Bloß nicht aufmucken

29.04.2023. In der FAS beschreibt der Historiker Jan C. Behrends, wie Russland zum Totalitarismus zurückkehrte. Auch die taz verfolgt, wie der russische Staat Lüge, Denunziantentum und massenhafte Unmoral fördert. Die FAS lässt sich von Petros Markaris erklären, warum die Griechen gegen die Gleichgültigkeit ihrer Regierungen opponieren. In der FR beklagt die simbabwische Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga den Braindrain als aktuelle Variante kolonialer Ausbeutung. In der Welt umreißt der Philosoph Hanno Sauer die Kosten des Fortschritts seit Erfindung des Ackerbaus.

Multimediale Verwertungskettenreaktion

28.04.2023. Äh, der Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, hat zwar die Quelle Julian Reichelt an Mathias Döpfner verraten, aber der Chefredakteur der Berliner Zeitung, Tomasz Kurianowicz, beteuert, es gelte weiterhin der Quellenschutz. Alle anderen Medien sind entsetzt. Emmanuel Macron ist einerseits zu sehr Gaullist, andererseits nicht genug, fürchtet Wolf Lepenies in der Welt. In der SZ ist die Schottin A.L. Kennedy nicht zufrieden mit der britischen Monarchie. Die NZZ ist dagegen entgeistert über die Verschwörungstheoretikerin Kennedy.

Dieser Gestus des Besserwissens

27.04.2023. Im Tagesspiegel spricht Swetlana Tichanowskaja über den Widerstand in Belarus und ihren Mann Sergej Tichanowski im Gefängnis. Bis zur Helsinki-Schlussakte im Jahr 1975 war die Ostpolitik eine gute Sache, sagt Joachim Gauck in der SZ, aber danach...  In taz und Welt wird über die Thesen Martin Schröders gestritten, der die Emanzipation der Frau für mehr oder weniger abgeschlossen hält. Und auf Twitter fetzt man sich über Reinhart Koselleck.

Den Schnabel zu öffnen ist verboten

26.04.2023. In Russland regiert endgültig Big Brother, schreibt die Psychologin Anna Schor-Tschudnowskaja in der NZZ: "Wahr" ist nur noch das, was der Staat verordnet. In der Welt fragt Michael Wolffsohn: Warum haben sich deutsche Politiker so kaltschnäuzig gegenüber den Angehörigen des Olympia-Attentats verhalten? Aus der Fülle der heutigen Meron-Mendel-Interviews greifen wir zwei heraus, eins in der taz, eins in der FR. Die FAZ ist zwar selbst nicht mehr präsent, wünscht der Leipziger Buchmesse aber viel Glück.

Kontinentale Kolonisierung

25.04.2023. Die Verachtung für Minderheiten hat in Russland eine lange Tradition, erklärt in der FAZ der Polonist Heinrich Olschowsky - weshalb eine Mehrheit in Russland Putins Krieg unterstütze. In Italien versucht die Regierung Meloni den Faschismus in eine mildes Licht zu tauchen, berichtet die SZ. In der Welt erklärt der  Islamwissenschaftler Alfred Schlicht, wie vor allem Russland von den Konflikten im Sudan profitiert. Die NZZ erzählt, wie schnell man in Belarus im Gefängnis landet.

Begriffsraub und Inversionslogik

24.04.2023. Die Philosophin Sidonie Kellerer stört im Philomag die Feierstimmung zum hundertsten Geburtstag Reinhart Kosellecks. Eva Illouz sucht in Zeit online nach Mitmenschlichkeit. Die NZZ erzählt, was passiert, wenn die investigative Pariser Zeitung Le Canard enchaîné selbst einen Skandal verursacht. Hubertus Knabe recherchiert in seinem Blog zu einer sehr heißen Kartoffel, dem deutsch-russischen Museum in Berlin-Karlshorst. Das Berliner Neutralitätsgesetz bleibt unter Schwarz-Rot erhalten, freut sich hpd.de.